Hans Thamm

Hans Thamm

Hans Thamm (* 1921 in Kamenz/Sachsen; † 13. März 2007 in Barthelmesaurach bei Schwabach) war ein deutscher Chorleiter.

Thamm erhielt seine erste musikalische Ausbildung im Dresdner Kreuzchor, in dem er als Sopransolist hervortrat und als Chorpräfekt tätig war. Der damalige Kreuzkantor Rudolf Mauersberger, sowie Herbert Collum und Landeskirchenmusikdirektor Alfred Stier zählten zu seinen Lehrern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Thamm zunächst eine Stelle als Klavier- und Orgellehrer am Institut für Kirchenmusik der Universität Erlangen, bevor er im März 1946 als Musikpräfekt an das damalige Pfarrwaisenhaus in Windsbach berufen wurde. Noch im selben Jahr gründete der Kruzianer an neuer Wirkungsstätte den Chor, der heute als Windsbacher Knabenchor weltweit Beachtung findet. Thamms künstlerische Persönlichkeit, seine mit fachlichem Können gepaarte Musikalität im Dienste der evangelischen Verkündigung etablierten den jungen Klangkörper bereits in den frühen 50er Jahren in der Reihe der großen deutschsprachigen Knabenchöre. Mit regelmäßigen Auftritten zur Lorenzer Motette in der Hauptkirche Nürnbergs und der Ansbacher Bachwoche festigte er den herausragenden Ruf der Windsbacher stetig. Auf über 30 Schallplatteneinspielungen und unzähligen Rundfunk- und Fernsehproduktionen sind seine Interpretationen geistlicher Musik auf technisch und musikalisch höchstem Niveau eindrucksvoll dokumentiert.

Vorwurf der Kindesmisshandlung

Durch einen Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel wurden am 20. März 2010 die Briefe und Tagebuchaufzeichnungen des im Jahr 2004 verstorbenen Journalisten Klaus Kirschner bekannt. [1]

Kirschner nannte den Windsbacher Chor ein Kinder-KZ. Ältere Schüler seien dazu angehalten worden, jüngere zu unterdrücken und zu schlagen. Hans Thamm habe einen Schüler, der den Ton nicht vollkommen traf, mit dem Schuh brutal in den Oberkörper getreten. Die anderen Jungen hätten sich nicht getraut, dem Mitschüler zu helfen. Thamm habe die Kinder häufig mit Handkantenschlägen verprügelt, bis sie hilflos am Boden lagen. Die Gewaltexzesse von Kirchenmusikdirektor Thamm waren legendär bei ehemaligen Schülern des Windsbacher Chores. Sie nannten ihn einen Prügelpädagogen. Zwei Schulkameraden hätten später Selbstmord begangen. Als Klaus Kirschner 2004 wusste, dass er nur noch Monate zu leben hatte, schrieb er zwei Abschiedsbriefe an Kirchenmusikdirektor Thamm. Auf die Briefe geantwortet hat er nie. Sie sind ein Dokument des Grauens. Auch der ehemmalige Windsbacher Andreas Ebert berichtete in der Ausgabe des Sonntagsblatt Bayern vom 11. April 2010 von gewatltätigen Übergriffen und Misshandlungen durch Thamm. [2]

Hans Thamm starb am 13. März 2007 in Barthelmesaurach bei Schwabach.

Ehrungen

Hans Thamm erhielt als Würdigung seiner 32-jährigen Kantorenzeit viele Preise und Ehrungen, so den Bayerischen Verdienstorden und den Bayerischen Kulturpreis. 1996 verlieh ihm die Stadt Windsbach die Ehrenbürgerwürde.

Einzelnachweise

  1. Peitschenschläge hinter schalldichter Tür
  2. Es gab auch Lichtgestalten

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