L. Sprague de Camp

L. Sprague de Camp
Lyon Sprague de Camp 1988

Lyon Sprague de Camp (* 27. November 1907 in New York, USA; † 6. November 2000 in Plano, Texas) war ein US-amerikanischer Schriftsteller, Science-Fiction-Autor und Hobby-Historiker.

L.S. de Camp, der zahlreiche Bücher und einige hundert Kurzgeschichten verfasste, ist vor allem durch seine über 100 Science-Fiction und Fantasy-Geschichten bekannt. Im Lauf seiner Karriere erhielt er alle wichtigen Preise, die in diesen zwei Genres vergeben werden, darunter den Grand Master Award for Lifetime Achievement in Fantasy (1976) und zwei Jahre später den Grand Master Nebula Award.

Neben Fantasy und Science-Fiction-Romanen und einigen historischen Büchern verfasste de Camp auch Biografien - unter anderem über Howard Phillips Lovecraft und Robert E. Howard - sowie The Ancient Engineers, Great Cities of the Ancient World, The Day of the Dinosaur, Darwin and his Great Discovery.
Seine Autobiografie Time and Chance (1996) erhielt 1997 den Hugo Award für das beste Sachbuch.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Lyon Sprague de Camp verbrachte seine Kindheit und Jugend in New York City und Kalifornien. Er studierte Luftfahrttechnik am Cal Tech (California Institute of Technology) und schloss sein Studium mit dem Bachelor of Science im Jahr 1930 ab. Den Master of Science erwarb er am Stevens Institute of Technology 1933. Bevor de Camp sich ganz dem Schreiben widmete, arbeitete er als Erzieher, Dozent, Techniker, Patentsachbearbeiter und Werbetexter.

Im Zweiten Weltkrieg diente er in der US Navy, zusammen mit Isaac Asimov und Robert A. Heinlein. Die drei nahmen jedoch nicht an Kampfhandlungen teil, sondern dienten bei der Luftfahrt-Versuchsstation der US Marine. Nach dem Krieg zog es de Camp erst nach Philadelphia, später nach Texas.

Am 12. August 1939 heiratete de Camp Catherine Crook (1907–2000), mit der er 60 Jahre verheiratet war. Seine Frau, eine ehemalige Erzieherin und selbst Autorin, war ab den 1960ern Co-Autorin bei vielen seiner Veröffentlichungen. Das Ehepaar hatte zwei Söhne, Lyman Sprague de Camp und Gerard Beekman de Camp, die beide mit ihren Familien in Texas leben.

De Camp, der mehrere Sprachen beherrschte, und seine Frau bereisten bei ihren Recherchen fast die ganze Welt. Bei einem Gewässer in Uganda verjagte ihn ein Flusspferd, dem er zu nahe kam, und auf den Galapagos-Inseln Seelöwen, an die er sich ebenfalls zu nah heran gewagt hatte. Im Regenwald von Guatemala wurde er von einer Eidechse gebissen. Das Osterfest 1994 verbrachte das Ehepaar auf den Osterinseln.

Obwohl sein Gesundheitszustand in seinen letzten Lebensjahren immer schlechter wurde, arbeitete de Camp weiter. Lyon Sprague de Camp starb sieben Monate nach seiner Frau in Plano, Texas, das beide seit 1989 als ihre Heimat betrachteten. Die Asche des Paares wurde auf dem Arlington National Cemetery beigesetzt.

Außerdem war de Camp Mitglied bei der Skeptics Society, einer Gesellschaft zur Förderung von wissenschaftlichem und skeptischem Denken.

Werk

Laut seiner Autobiografie begann de Camp Science Fiction zu schreiben, weil er seine Stelle als Redakteur bei einem Werbemagazin verlor. Seine erste Story (The Isolinguals) erschien 1937 in „Astounding“. Während viele frühere Astounding-Autoren mit John W. Campbells Übernahme des Magazins in die Bedeutungslosigkeit versanken, wurde de Camp einer seiner Hauptautoren, sowie auch des kurzlebigen Magazins „Unknown“. Viele Geschichten und Romane de Camps entstanden als Kooperationen. In den ersten Jahren gehörte zu seinen Ko-Autoren Fletcher Pratt.

Häufig sind seine Geschichten und Romane in der Vergangenheit angesiedelt, einer fiktiven, wie in den Conan-Romanen, die de Camp von Robert E. Howard übernahm und weiterschrieb. Einer seiner bekanntesten Romane, der in einer realen Vergangenheit angesiedelt ist, heißt Lest Darkness Fall, der zuerst als Kurzfassung ab Dezember 1939 in „Unknown“ erschien und 1941 als Roman veröffentlicht wurde. Er erschien 1972 in deutsch unter dem Titel Vorgriff auf die Vergangenheit. Die Handlung des Romans erinnert stark an Mark Twains Ein Yankee an König Artus Hof , unterscheidet sich jedoch sehr stark in den Details. Der Held des Romans Martin Padway gelangt in das Rom des sechsten Jahrhunderts. Dorthin hat Padway moderne Technologie und auch eine moderne Sicht der Dinge mitgenommen. Der Kontrast der beiden Welten, die hier aufeinander prallen, macht den Reiz der Geschichte aus, wobei de Camp das Italien des sechsten Jahrhunderts so detailgetreu schildert, wie es nach dem Stand der Forschung in den 1930er Jahren überhaupt möglich war.

Rivers of Time, das 1996 erschien, handelt von Reginald Rivers, einem Großwildjäger, der seinen Kunden eine exquisite Beute anbieten kann: Dinosaurier. Rivers nimmt seine Jagdgesellschaften mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Neben skurrilen Figuren, die einige Abenteuer zu bestehen haben, unter anderem einige Wissenschaftler, die den Einschlag des Asteroiden miterleben wollen, der die Dinosaurier ausgelöscht hat, beschäftigt de Camp sich hier auch mit der Frage nach den Rechten der gejagten Tiere. Eine weitere Frage die de Camp aufwirft, dreht sich um die Auswirkungen auf die Evolution. Spielt es eine Rolle, wenn ganze Populationen von Jägern ausgelöscht werden, wo doch die Saurier später durch einen Asteroiden vernichtet werden?

Neben reiner Science-Fiction schuf de Camp eine Reihe bemerkenswerter Fantasy-Romane und Geschichten. Darunter in Zusammenarbeit mit Fletcher Pratt, die Stories um Harold Shea, einem Psychologiestudenten, der Abenteuer in allen möglichen Universen aus Romanen anderer Autoren erlebt. Wie auch die Conan-Romane und Erzählungen, die de Camp fortführte, zählen diese zum Subgenre der Heroic Fantasy.

Auch in seinen Werken außerhalb der Science-Fiction und Fantasy befasste er sich fast ausschließlich mit der Vergangenheit. In seinem Sachbuch Ancient Ruins beschreibt de Camp, zusammen mit seiner Frau, ausführlich einige Bauwerke der Vergangenheit, unter anderem geht er auf Troja, die Pyramiden von Gizeh, Stonehenge und Rapa Nui ein. de Camp belässt es dabei nicht bei einer ausführlichen Beschreibung der Bauwerke, sondern beleuchtet ebenfalls die Mythen und Legenden, die sich darum ranken, sowie die daraus entstehenden Kontroversen.

Dark Valley Destiny (1983) ist de Camps Biografie über Robert E. Howard, dem Schöpfer von Conan, der 1936 im Alter von 30 Jahren Selbstmord beging. Eine weitere Biografie de Camps ist Lovecraft: A Biography, aus dem Jahr 1996, worin de Camp das Leben des Autors beschreibt. Viele Kritiker halten de Camps Werk für die ultimative Lovecraft Biografie.

Engines erschien 1959 und ist ein Sachbuch für Kinder, in dem de Camp die verschiedenen Kraftwerke erklärt, von Wind- und Wassermühlen bis zu Atomreaktoren. Das 1962 erschienene Energy and Power ist ebenfalls ein Sachbuch für Kinder. de Camp beschreibt darin die Energiegewinnung durch Kohle, Öl, Atomkraft, Wind, Wasser usw. und geht auch auf zukünftige Energien ein. Außerdem erklärt er die Zusammenhänge zwischen Energie und Licht, Wärme, Produktion.

Im Jahr 1975 erschien das Science-Fiction Handbook, ein Sachbuch, das die Aspekte der Science–Fiction und Fantasy beleuchtet.

Trotz zahlreicher Auszeichnungen innerhalb und außerhalb des Genres hat de Camp nie ein wegweisendes Werk der Science Fiction oder Fantasy geschaffen.

Werke (Auswahl)

Sachbücher

  • Lovecraft: eine Biographie, 2002, (H.P. Lovecraft: A biography, 1975) ISBN 3-935822-48-0
  • Versunkene Kontinente, 1975, (Lost Continents: The Atlantis Theme in History, Science, and Literature, 1970) ISBN 3-453-00504-X
  • Motoren: vom Wasserrad zu Atomreaktor, 1972, (Engines) ISBN 3-473-39712-1
  • New York lag einst am Bosporus: Die Metropolen der Antike, 1972, (Great Cities of the Ancient World) ISBN 3-430-11662-7
  • Der Mensch und die Energie: Von den Pyramiden bis zur Kernspaltung, 1968
  • Geheimnisvolle Stätten der Geschichte (mit Catherine Crook de Camp), 1966, (Ancient Ruins and Archaeology)
  • Ingenieure der Antike, 1964, (The Ancient Engineers)

SF und Fantasy

  • Mathemagie: die 5 Harold-Shea-Romane (mit Fletcher Pratt), 1988, ISBN 3-453-02790-6
  • Einzeln:
    • An den Feuern des Nordens (The Roaring Trumpet, 1941), 1981, ISBN 3-453-30669-4
    • Die Kunst der Mathemagie (The Mathematics of Magic (1941), 1981, ISBN 3-453-30716-X
    • Die Mauer der Schlangen / Der grüne Magier (Wall of Serpents, 1954 / The Green Magician, 1953), 1981, ISBN 3-453-30768-2
    • Die stählerne Festung (The Castle of Iron, 1941), 1981, ISBN 3-453-30783-6
  • Der große Fetisch (The Great Fetish, 1978), 1988, ISBN 3-548-31165-2
  • Die Pfeile des Herkules, 1988, ISBN 3-548-21098-8
  • Der Stein der Weisen (Salomon's Stone, 1942), 1987, ISBN 3-548-31158-X
  • Vorgriff auf die Vergangenheit (Lest Darkness Fall, 1949), 1972, ISBN 3-548-31046-X
  • Der Herrscher Pterodactyls (Stories), (The Purple Pterodactyls, 1979), 1982, ISBN 3-814-70020-1
  • Geschichten aus Gavagans Bar (Stories), (Tales from Gavagan's Bar, 1978), 1982, ISBN 3-453-30810-7
  • Die Besten Stories von L. S. de Camp (The Best of Lyon Sprague de Camp, 1978), 1981, ISBN 3-811-86714-8
  • Ein Yankee bei Aristoteles (Stories), (A Gun for Dinosaur I, 1963), 1980, ISBN 3-453-30622-8
  • Neu-Arkadien (Stories), (A Gun for Dinosaur II, 1963), 1980, ISBN 3-453-30632-5
  • Ein Dämon mit kleinen Fehlern (The Fallible Fiend, 1973), 1980, ISBN 3-453-30650-3
  • Die neuen Herrscher (mit P. Schuyler Miller), (Genus homo, 1950), 1980
  • Die beste aller Welten (mit Fletcher Pratt), (The Carnelian Cube, 1948), 1979
  • Die Räder der Zeit (Stories), (The Wheels of If, 1949), 1978, ISBN 3-453-30470-5
  • Das Orakel der Fremden (Rogue Queen, 1951), 1978, ISBN 3-453-30479-9
  • Thalia – Gefangene des Olymp, auch: Von glorreichen Zeiten (The Glory that Was, 1960), 1974/1987, ISBN 3-548-03038-6
  • Der Krishna-Zyklus:
  1. Die Königin von Zamba (The Queen of Zamba, 1949), 1984, ISBN 3-453-31049-7
  2. Die Suche nach Zei (The Search for Zei, 1962), 1984, ISBN 3-453-31050-0
  3. Die Rettung von Zei (The Hand of Zei, 1950), 1984, ISBN 3-453-31054-3
  4. Die Geisel von Zir (The Hostage of Zir, 1977), 1984, ISBN 3-453-31062-4
  5. Die Jungfrau von Zesch (The Virgin of Zesh, 1953), 1984, ISBN 3-453-31072-1
  6. Der Turm von Zanid (The Tower of Zanid, 1958), 1984, ISBN 3-453-31081-0
  7. Der Gefangene von Zhamanak (The Prisoner of Zhamanak, 1982), 1984, ISBN 3-453-31108-6
  8. Die Gebeine von Zora, (The Bones of Zora, 1983), 1986, ISBN 3-453-31247-3
  9. Die Schwerter von Zinjaban (The Swords of Zinjaban, 1991), 1997, ISBN 3-453-05407-5
  10. Die Kontinente-Macher (The Continent Makers, 1951 / Perpetual Motion, 1950 / Finished, 1949), 1991, ISBN 3-453-05572-1
  • Der Jorian-Zyklus:
  1. Der Schmetterlingsthron (The Goblin Tower, 1968), 1975, ISBN 3-453-30351-2
  2. Die Uhren von Iraz (The Clocks of Iraz, 1971), 1976, ISBN 3-453-30363-6
  3. Der ungeköpfte König (The Unbeheaded King, 1983), 1994, ISBN 3-453-07795-4

Rezension

Isaac Asimov, der mit den de Camps bis zum Ende seines Lebens befreundet war, sagte in einer Rede, anlässlich der World Fantasy Convention 1990 über de Camp: „Er ist einer der wenigen Science Fiction Autoren, die ebenso in der Belletristik wie in der Sachliteratur zu Hause sind… Zusammen mit Willy Ley und Martin Gardner ist er einer der großen Rationalisten unter den Science-Fiction Autoren…“

Robert A. Heinlein, antwortete auf die Frage nach de Camps Werk mit einer Analogie: „Die beste Fantasy ist wie ein leichter Wein, die schlechteste bloß Limonade. Die besten Weltraumabenteuer sind wie guter Bourbon, die Schlechtesten wie Darmfäule. In dieser Analogie ist de Camps Werk ein sehr trockener Martini.“

Auszeichnungen

  • Die erste von zahlreichen Auszeichnungen, mit denen de Camp geehrt wurde, war der International Fantasy Award des Jahres 1953 für Lands beyond. De Camp erhielt den Award zusammen mit seinem Ko-Autor Willy Ley.
  • Invisible Little Man, 1965
  • World Science Fiction Convention, 1966
  • Eastern Science Fiction Association, 1969
  • Boskone IX, 1972
  • The Gandalf, 1976
  • Forrie Award, 1977
  • Nebula Award, 1978
  • Circle of Janus Science Fiction Club, 1983, zusammen mit seiner Frau
  • Tally Con 4, 1985, zusammen mit seiner Frau
  • Phila. Science Fiction Society, 1989, zusammen mit seiner Frau
  • Science Fiction Hall of Fame, 1989
  • Dragon Con, 1991, zusammen mit seiner Frau
  • Raymond Z. Gallun Award, 1993, zusammen mit seiner Frau
  • Robert Bloch Award, 1995, zusammen mit seiner Frau
  • Hugo Award, 1997
  • Pilgrim Award, 1998

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