L’Anse aux Meadows

L’Anse aux Meadows
Lage der Siedlung
Rekonstruktion der Wikingersiedlung

L’Anse aux Meadows ist eine ehemalige isländisch-grönländische Siedlung auf Neufundland, die vor allem in der angelsächsischen Literatur undifferenziert Wikingern (Vikings) zugeschrieben wird. Sie liegt am nördlichsten Ende der Insel und bestand um 1000 nur wenige Jahre lang.

Der Ortsname ist eine französisch-englische Mischform wie sie häufig im östlichen Kanada vorkommt und bedeutet so viel wie Die Bucht bei den Wiesen (franz. anse = Bucht und engl. meadow = Wiese). Der Name könnte aber auch eine Verformung des französischen L'Anse-aux-Méduses sein, der „Quallen-Bucht“.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Siedlung wurde um 1000 angelegt, möglicherweise von Leif Erikssons Expedition. Es könnte sich demnach um Markland oder Vinland gehandelt haben. Neuere Forschungen gehen aber davon aus, dass Markland auf dem Gebiet von Labrador zu lokalisieren sein dürfte, während die Bezeichnung Vinland für Neufundland wegen des damaligen Vorkommens von wilden Trauben zutreffen könnte. Nach einer deutlichen Klimaveränderung im 12. und 13. Jahrhundert wuchs auf Neufundland kein Wein mehr, deshalb suchte man Vinland irrtümlich lange Zeit weiter südlich.

Die Siedlung war wahrscheinlich nur wenige Jahre bewohnt. Darauf deuten einerseits die Isländersagas, die von Kämpfen mit als Skraelinger bezeichneten Eingeborenen (ob Indianer oder Inuit, geht aus den Texten nicht hervor) berichten, andererseits der archäologische Befund. So wurden in der Schmiede nur wenige Schlacken gefunden, es wurden maximal einige Kilogramm an Eisen erschmiedet. Dass bei den Ausgrabungen kaum Wertgegenstände und keine Waffen gefunden wurden, spricht für einen geordneten Rückzug der Siedler.

Aus europäischer Perspektive ist die Siedlung, die die einzige bisher entdeckte ihrer Art in Nordamerika darstellt, von größter Bedeutung - sie beweist die Theorie, wonach die Entdeckung Amerikas durch europäische Seefahrer schon 500 Jahre vor Christoph Kolumbus stattgefunden hat.

Es lebten hier spätestens seit 4000 v. Chr. Menschen. Dabei unterscheidet man fünf bis sechs verschiedene Gruppen, unter ihnen Angehörige der Inuit-Kultur, die häufig noch als Dorset-Eskimos bezeichnet werden. Sie lebten im 8. Jahrhundert am Südende der Bucht, doch gibt es keinerlei Hinweise, dass sie um 1000 ebenfalls dort lebten.

Ausgrabungen

Die Siedlung an der Epaves Bay wurde ab 1961 von den Norwegern Helge und Anne-Stine Ingstad ausgegraben. Sie bestand aus elf Häusern sowie einer Schmiede, in der Raseneisen verarbeitet wurde, das die Indianer nicht kannten. Es handelt sich um die einzige sicher nachgewiesene Siedlung der Skandinavier in Nordamerika. Der Baustil der Häuser entsprach dem der zeitgenössischen Isländer und Grönländer. In den Häusern fanden sich nur wenige Artefakte, darunter eine bronzene Nadel und ein Spinnwirtel. Eine beinerne Nadel war möglicherweise eine Art Stricknadel. Auch ein Wetzstein zum Schärfen von Scheren und Klingen wurde entdeckt.[1]

Von 1973 bis 1976 setzte Parks Canada die Grabung fort. Schwerpunkt war das Torfmoor unterhalb der Siedlungsterrasse. Dort wurden in drei Schichten rund 2000 hölzerne Artefakte entdeckt. In einer der Schichten, die den Skandinaviern zugewiesen werden konnte, fanden sich Bearbeitungsabfälle, vermutlich von Schiffbauten, dazu eine Bodenbohle. Um die archäologischen Spuren nicht zu zerstören und künftiger Forschung offenzuhalten, wurde die Stätte wieder mit Sand und Torf abgedeckt.

Sie wurde 1978 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Vorbedingung war der Erhalt der archäologischen Stätte und ihrer Stücke in situ, also am Fundort selbst. Zwei Häuser wurden nachgebaut und sind heute eine Touristenattraktion. Ein Besucherzentrum (Visitor Information Centre) bietet eine Einführung in die Nationale Historische Stätte Kanadas.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

 Commons: L'Anse aux Meadows – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Discovery of the Site and Initial Excavations (1960-1968), Parks Canada

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