Meeresschutzgebiet

Meeresschutzgebiet

Ein Meeresschutzgebiet (englisch Marine Protected Area MPA) ist ein Schutzgebiet, das mindestens teilweise Seegebiet umfasst.

Meeresschutzgebiete sind ein wesentliches Instrument des Meeresschutzes. Eine Sonderform ist das Küstenschutzgebiet, unter diesem Begriff versteht man speziell Übergangsgebeite Land–Meer, wie Watt, Mangroven und anderes.

Inhaltsverzeichnis

Definition Meeresschutzgebiet

Der Terminus „Meeresschutzgebiet“ wird im International für ein weites Feld an Meeresgebieten gebraucht, in denen menschliche Aktivitäten eingeschränkt sind, um ökologische, geologische, kulturelle und historische Ressourcen zu schützen. Die Schutzmaßnahmen sind lokal sehr unterschiedlich und reichen von einer Einschränkung der Entwicklung, Begrenzung auf bestimmte Fischfangmethoden, Einführung von Schonzeiten, Fangmengenregulation, Moratorien bis zum absoluten Entnahmeverbot von jeglichem marinen Leben in bestimmten Seegebieten.

International wird der Begriff für Gebiete gebraucht, die unter unterschiedliche rechtliche und praktische Schutzmaßnahmen fallen.

Die International Conservation Union, IUCN definiert ein Meeresschutzgebiet als:

„Gebiet innerhalb oder unterhalb des Gezeitenbereichs, einschließlich seiner darüberliegenden Wassersäule und der dazugehörigen Flora, Fauna sowie historischen und kulturellen Werte, das gesetzlich oder durch andere wirksame Mittel in seiner Gesamtheit oder in Teilen geschützt wird“[1]

Sie führt Meeresschutzgebiete unter der Kategorie V Geschützte Landschaften / geschütztes marines Gebiet (Protected Landscape/Seascape). Neben der genauen Definition eines Meeresschutzgebietes schreibt die IUCN zur Ausgestaltung eines Meeresschutzgebietes:

„Ein Areal von Meer, das einige herausragende oder repräsentative Ökosysteme, geologische oder physiologische Merkmale und/oder Arten besitzt, und vorrangig der wissenschaftlichen Forschung und/oder dem Umweltmonitoring zugänglich ist.“[2]

Gebiete, Systeme, Netzwerke, Regionen

In den Vereinigten Staaten werden Meeresschutzgebiete meistens mit dem Term System bezeichnet. Eine „Region“ wird vom World Conservation Monitoring Center bezeichnet als: „A collection of individual MPAs operating cooperatively, at various spatial scales and with a range of protection levels that are designed to meet objectives that a single reserve cannot achieve.“

In der Convention on Biological Diversity in decision VII/5 stimmt man darin überein, die Bezeichnung Network auf internationalem Level und System auf nationalem und regionalem Level zu verwenden. Der globale Level kennt keine übergeordneten Autoritäten, deshalb wird hier von einem System gesprochen. Die CBD definiert die Rolle des global network als ein großräumiges Netzwerk um regionale und lokale Systeme von Meeresschutzgebieten zu etablieren. Häufig wird der Term ‚Meeresschutzgebiet‘ verwandt um politischen Fortschritt zu dokumentieren und gleichzeitig die Gebiete touristisch besser vermarkten zu können.

Globale Entwicklung

2012 soll im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) ein globales Netzwerk von Meeresschutzgebieten eingerichtet und effektiv gemanagt sein. Es soll alle bedeutsamen biogeographischen Regionen sowie Lebensräume und Arten exemplarisch abdecken (Ecologically and Biologically Significant Marine Areas – EBSA) . Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Meeresschutzgebiete rapide an. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das 2012-Ziel aber nicht erreicht. Gründe dafür sind neben starken wirtschaftlichen Gegeninteressen vor allem fehlende Mechanismen zur Ausweisung von Schutzgebieten in den Meeresgebieten jenseits national-staatlicher Rechtsbefugnisse auf der Hohen See. Bis 2020 soll nach den Beschlüssen der CBD-Staaten 10 Prozent der gesamten Meeresoberfläche unter Schutz gestellt sein.[3]

Nationales

Europa: Natura 2000

In Europa werden im Rahmen des Natura 2000 Schutzgebietnetzes Meeresschutzgebiete in Atlantik und Nordsee, im Mittelmeer, sowie der Ostsee ausgewiesen. Dabei weisen die Mitgliedstaaten erstmals Gebiete in ihrer Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) aus.

Deutschland

Die Doggerbank in der Deutschen AWZ ist als NATURA 2000 Gebiet ausgewiesen

Mit Inkrafttreten der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen verpflichteten sich die Mitgliedsstaaten der EU 1992, ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten an Land und zur See zu schaffen. Die Gebiete stehen aus unterschiedlichen Gründen unter Schutz: teilweise sind sie „Kinderstube“ von Meeressäugern (speziell Schweinswale), Rastgebebiet für Seevögel oder besitzen ein wertvollen Lebensraum auf dem Benthos. In diesem Rahmen wies Deutschland 2006 als erstes europäisches Land Meeresschutzgebiete in seiner AWZ aus[4].

  • In der Nordsee sind dies:

Östliche Deutsche Bucht (313.512,76 ha), Sylter Außenriff (531.428,39 ha), Borkum-Riffgrund (62.548,16 ha), Doggerbank (169.895,35 ha).

  • In der Ostsee sind dies:

Fehmarnbelt (27.991,81 ha), Kadetrinne (10.007,0 ha), Westliche Rönnebank (9.853,72 ha), Adlergrund (23.399,3 ha), Pommersche Bucht mit Oderbank (110.173,48 ha, Pommersche Bucht (200.986,1 ha).

Küsten-Nationalparks in Deutschland

Mit der Einrichtung des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer wurde am 1. Oktober 1985 ein Gebiet innerhalb der 12-Meilen-Zone ausgewiesen, das tideabhängig trocken fällt. Daneben werden Küstenzonen (unter anderem Salzwiesen) geschützt. Da Naturschutz Ländersache ist, folgte die Ausweisung eines Wattenmeer-Nationalparks in Niedersachsen (Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer) 1986 und in der Elbmündung (Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer) 1990. Die Zuständigkeiten und die verfolgte Politik in den Parks sind länderbedingt unterschiedlich. An der Ostseeküste wurde der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und der relativ kleine Nationalpark Jasmund auf Rügen ausgewiesen.

Fangverbote in den Schutzgebieten

In den Schutzgebieten wird teilweise selektiver Fischfang betrieben und Fischerei-Schutzzonen eingerichtet. In diesen Zonen ist der freie und ungehinderte Fischfang zeitlich begrenzt bzw. dauerhaft eingeschränkt oder durch zusätzliche Fangquoten festgeschrieben werden.

Ein großes Problem besonders geographische weiträumiger Meeresschutzgebiete und solcher auf hoher See ist die Durchsetzung von Regelungen. Häufig sieht sich auch bei internationalen Abkommen kein Anrainerstaat für eine wirksame Kontrolle zuständig und fürchtet bi- oder multinationale Konflikte bei einer Anwendung von vereinbarten Gesetzen.

Die Sea Shepherd Foundation geht als einzige NGO unmittelbar gegen Walfänger und illegal operierenden Fischfangflotten vor.[5] Sea Shepherd operiert mit seinen Schiffen vor allem in der südlichen Hemisphäre in internationalen Meeresschutzgebieten, die u.a. zum Schutz verschiedener Walarten ausgewiesen wurden. Die Organisation will die Befolgung der internationalen Gesetze tatsächlich erzwingen und die illegalen Aktivitäten stoppen. Bei ihren Angriffen beruft sich Paul Watson, der Leiter der Organisation auf die United Nations World Charter for Nature[6]. Die Verstöße gegen die Fangverbote in den Meeresschutzgebieten zu dokumentieren und dagegen zu protestieren hält Sea Shepherd für nicht ausreichend. Greenpeace beschränkt sich meist auf die Dokumentation und mediale Aufbereitung und betont die Gewaltfreiheit.

Marine Park

In Kenia schützen Marine Parks marine Ressourcen und sorgen dafür, dass sich die Lebensräume regenerieren können. In Tansania, existieren zonierte Marine Parks, in denen beispielsweise Fischerei nur in bestimmten Zonen erlaubt ist.

In Australien schützen Landesregierungen durch Marine Parks schützenswerte 3-Meilen-Gebiete entlang ihrer Küste und der Commonwealth durchaus bis zu weiteren 200 Seemeilen (370 km). In bestimmten schützenswerten Gebieten, beispielsweise im Korallenmeer, die weiter als 200 Meilen vom australischen Kontinent entfernt sind, weist Australien darüber hinaus weitere Meeresschutzgebiete aus, beispielsweise das Coringa-Herald National Nature Reserve.

Meeresschutzgebiete

Meeresschutzgebiete (engl. Marine Reserves) werden i.d.R. von Nationalstaaten ausgewiesen. In Kenia (und Belize), sind in diesen Gebieten Formen von low-risk-Fischerei erlaubt.

Thailand

Marine National Parks sind eine spezielle Form der Nationalparkgedankens. Unter diese Klasse fallen – abweichend von der IUNC-Definition – auch einige Gebiete ohne jegliche Wasserfläche, die dem Schutz von Küstenwäldern dienen. Sie werden getrennt von den (terrestrischen) Nationalparks geführt, wenn auch einige Gebiete ein beiden Klassen ausgewiesen sind.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. [1], wbgu.de
  2. WWF Deutschland: Hintegrundinformatioenn Internationale Schutzgebietskategorien der IUCN September 2004
  3. http://www.biodiversity.de/index.php/de/fuer-presse-medien/top-themen-biodiversitaet/meeresschutzgebiete Sebastian Tilch
  4. https://www.habitatmarenatura2000.de
  5. http://www.seashepherd.org/sponsors.html
  6. http://www.un.org/documents/ga/res/37/a37r007.htm

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