Proprium (Liturgie)

Proprium (Liturgie)

Als Proprium (lat.: „das Eigene“, „das Wesentliche“) werden die nach dem Kirchenjahr (de tempore) oder Anlass wechselnden Elemente des christlichen Gottesdienstes bezeichnet. Im Unterschied dazu umfasst das Ordinarium die gleichbleibenden Teile der Liturgie.

Das Proprium in der römisch-katholischen Messe

Das Proprium Missae in der Liturgie der römisch- katholischen Kirche bezeichnet im Gegensatz zum Ordinarium Missae die nach Kirchenjahr und/oder Anlass wechselnden Teile der Messe.

Man unterscheidet traditionell dabei:

  • Proprium de Tempore : nach den Erfordernissen des Kirchenjahres wechselnde Texte.
  • Proprium Sanctorum auch Proprium de Sanctis : die nach den Heiligenfesten wechselnden Texte.
Erste Seite des Missale Slesvicense (1486) mit dem Proprium für den 1. Adventssonntag

Zum Proprium der Messe gehören in der Regel folgende Elemente:

  1. Introitus (Eingangsvers)
  2. Oratio (Tagesgebet)
  3. 1. Lesung
  4. Antwortpsalm (Graduale)
  5. an Sonntagen und Hochfesten: 2. Lesung
  6. Halleluja mit Vers oder Ruf vor dem Evangelium (gelegentlich: Tractus)
    an einigen Festen mit anschließender Sequenz
  7. Evangeliums-Lesung
  8. Offertorium (Gesang zur Gabenbereitung)
  9. Gabengebet (früher: Secreta)
  10. Präfation
  11. Communio (Gesang zur Kommunionausteilung)
  12. Schlussgebet (Postcommunio)

Werden zwei Lesungen vor dem Evangelium vorgetragen, entstammt die erste dem Alten Testament, die zweite der Apostelgeschichte, einem der neutestamentlichen Briefe oder der Johannes-Apokalypse. Bei nur einer Lesung wird sie aus dem Alten Testament oder einer der genannten neutestamentlichen Schriften genommen. In der Osterzeit werden beide Lesungen aus dem Neuen Testament genommen.

Introitus, Graduale, Halleluja bzw. Tractus, Sequenz, Offertorium und Communio sind die Teile, die traditionell von einer Schola, einem Sängerchor oder auch der Gemeinde gesungen werden können. Sie können auch durch Kirchenlieder ersetzt werden. Diese Teile sind das Proprium Missae im kirchenmusikalischen Sinne. Die meisten großen klassischen Vertonungen (Orchestermessen) der Messe betreffen nur das Ordinarium. Eine Ausnahme bildet die Totenmesse, das Requiem, mit der Vertonung sowohl des Ordinariums als auch des Propriums. In neuerer Zeit gibt es auch einige Propriumsvertonungen.

Das Proprium im protestantischen Gottesdienst

In der evangelisch-lutherischen Liturgie umfasst das Proprium in der Regel:

  1. Wochenspruch
  2. Introitus (Eingangspsalm)
  3. Kollektengebet (Tagesgebet)
  4. Lesungen: Altes Testament, Epistel, Evangelium
  5. Haupt- oder Wochenlied
  6. Halleluja-(Vers)
  7. Predigttext
  8. bei Abendmahlsgottesdiensten: Präfation, Schlusskollekte (Dankgebet nach dem Abendmahl)
  9. die jeweils geltende Liturgische Farbe

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