Referat (Vortrag)

Referat (Vortrag)
Referat von Jimmy Wales bei der Wikipedia Academy 2006

Ein Referat ist ein Vortrag über ein Thema, der in einer begrenzten Zeit (etwa 10-30 Minuten) gehalten wird.

Die häufigsten Formen sind mündliche Berichte, Fachvorträge bei Tagungen, Kurzreferate bei Seminaren oder Übungsreferate in der Schule.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Bei Referaten in der Schule oder einem Seminar geht es in erster Linie um die Wiedergabe recherchierter Tatsachen und Gedanken, während Fachreferate bei Tagungen meist die eigene Forschung des Vortragenden (Referenten) zum Inhalt haben.

Bei Fachkongressen ist eine Zeitdauer von 15 bis 20 Minuten das übliche Maß, bei invited Papers auch etwas länger. Im Schulbetrieb kann das Referat ein Leistungsnachweis in Form einer gleichwertigen Feststellung von Schülerleistungen sein.

Es gibt auch Referate in rein schriftlicher Form, beispielsweise als Kurzreferat (Bericht) über eine längere Veröffentlichung.

Ablauf

Zu Beginn des Referates wird über die Thematik, den Ablauf und die Dauer informiert. Ein verständlicher und interessant gestalteter Vortrag führt nicht zu Überforderung oder Aufmerksamkeitsverlust.

Hilfsmittel

Hilfsmittel zum Referat kann die Gestaltung mit Hilfe von Folien oder durch Tafelanschrieb, zunehmend auch mit PC-Präsentationsprogramm und Beamer bzw. digitalem Whiteboard sein. Notizen auf Karteikarten mit Stichpunkten helfen bei der Vorbereitung. Ein Handout für die Zuhörer mit zentralen Thesen und Aussagen des Referats helfen dem Publikum sich bei einer etwaigen im Anschluss stattfindenden Diskussion zu erinnern. Außerdem kann ein Laserpointer als Hilfe verwendet werden, um dem Publikum Details auf Overheadfolien und Bildern besser veranschaulichen zu können.

Didaktik

Das ‒ eventuell freie ‒ Sprechen über ein gegebenes Thema vor einer Gruppe von Mitschülern bzw. Kommilitonen ist ein wichtiges Lernziel des schulischen und universitären Unterrichts.[1] Da im deutschsprachigen Raum auch viele Studenten noch große Schwierigkeiten haben, vor einem Seminar zu sprechen,[2] besteht dort der Trend, das Referieren früher zu lehren, als dies in der Vergangenheit geschehen ist, eventuell schon von der Grundschule an.[3]

Obwohl meist nicht die Aufbereitung des Stoffes und das Formulieren, sondern die Redesituation ungewohnt ist, empfehlen die meisten deutschsprachigen Didaktiker immer noch, Referate schriftlich auszuformulieren und dann entweder abzulesen oder die Niederschrift vor dem Vortrag genau zu studieren.[4] Oft sind es auch die Lehrer bzw. Dozenten, die eine Niederschrift verlangen, weil sie zu ihrer eigenen Vorbereitung vorab wissen möchten, wovon im Referat die Rede sein wird.[5] Manche Didaktiker vertreten dagegen die Auffassung, dass es der Präsentation grundsätzlich zuträglicher ist, wenn nur Stichworte notiert werden.[6]

Letzteres wird generell im englischsprachigen Raum angenommen, wo die freie Rede traditionell eine weitaus größere kulturelle Rolle spielt als z. B. in Deutschland (vgl. z. B. Debating, Soapbox, Stand-up-Comedy). Besonders in den Vereinigten Staaten, Kanada und in Australien werden die Voraussetzungen für das freie Referieren bereits in der vorschulischen Bildung gelegt, d. h. sobald die Kinder sich artikulieren können. Die einschlägige Methode, die von der Vorschule (3- und 4-jährige) an gepflegt wird, ist das Show and Tell. Show and Tell (deutsch: „zeig und erzähl“) bedeutet, dass ein Kind einen ‒ meist von zu Hause mitgebrachten ‒ Gegenstand den im Kreise versammelten Mitschülern vorzeigt, einige Minuten lang darüber spricht und anschließend auch eventuelle Fragen der Mitschüler beantwortet.[7] In der Grundschule folgen strukturierte, an Regeln orientierte Referate mit Themen, die der Lehrer vorgibt und bei denen die Kinder, sofern die Schule entsprechend ausgestattet ist, bereits Hilfsmittel wie PowerPoint einsetzen.[8]

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Gerd Presler, Jürgen Döhmann: Referate schreiben, Referate halten: ein Ratgeber. 2. Auflage. W. Fink, 2004, ISBN 3-7705-3713-0
  2. Presler/Döhmann, S. 17, 20
  3. Katja Koch: Von der Grundschule in die Sekundarstufe: Der Übergang aus der Sicht der Lehrerinnen und Lehrer, Opladen: Leske+Budrich, 2001, ISBN 3-8100-3138-0, S. 99
  4. Z.B.: Björn Hochmann (Hrsg.): Referieren in Schule und Universität: Wie hält man ein Referat: Vorbereitung und Durchführung. GRIN Verlag, 2009, ISBN 978-3-640-41327-0; Anke Braun: Bertelsmann. Das große Schülerlexikon. 2005/06, ISBN 3-577-10267-5, S. 304.
  5. Werner Sesink: Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten: Internet, Textverarbeitung, Präsentation. 2007, ISBN 978-3-486-58191-1, S. 219
  6. Maik Philipp: Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens: Bibliografieren- Reden- Schreiben. 2007, S. 18
  7. Elizabeth Claire Venn, Monica Dacy Jahn: Teaching and Learning in Preschool: Using Individually Appropriate Practices In Early Childhood Literacy Instruction. 2004, ISBN 0-87207-535-4; Linda Dacey, Rebeka Eston: Show and Tell: Representing and Communicating Mathematical Ideas in K-2 Classrooms. 2002, ISBN 0-941355-50-0
  8. Ellen Finkelstein, Pavel Samsonov:PowerPoint for Teachers: Dynamic Presentations and Interactive Classroom Projects. 2008, ISBN 978-0-7879-9717-5

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