Basel I

Basel I

Als Basel I (auch: Basler Akkord) werden die Regelungen des Basler Ausschusses zur ersten Basler Eigenkapitalvereinbarung von 1988 bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Motive

Anlass war die Besorgnis der Zentralbankpräsidenten der G10-Länder, dass das Eigenkapital der weltweit wichtigsten Banken auf ein gefährliches Niveau gefallen war. Ausgelöst wurde die Besorgnis durch den Zusammenbruch der Herstatt-Bank [1]. Benötigt wird das Eigenkapital, um Verluste abzufedern und die Zahlungsfähigkeit zu gewährleisten. Aufgrund eines anhaltenden Verdrängungskampfes bauten die Banken ihre Geschäfte jedoch ohne eine angemessene Eigenkapitalunterlegung aus. Als dann zunehmend Insolvenzen von Kreditnehmern auftraten, sank das Eigenkapital der Banken ab. Um das Insolvenzrisiko der Banken und mögliche Kosten für die Einleger beim Konkurs der Bank zu verringern, zielten die Vereinbarungen somit auf die Sicherung einer angemessenen Eigenkapitalausstattung und die Schaffung einheitlicher internationaler Wettbewerbsbedingungen ab. Diese Vereinbarungen wurden in den 90er Jahren internationaler Standard und werden heute in über 100 Ländern anerkannt. Überwacht werden sie durch die jeweilige Bankenaufsicht.

Inhalt

Durch die aktuell gültige Eigenkapitalvereinbarung wird die Kreditvergabepraxis der Banken limitiert. Das maximale Volumen der Ausleihungen wird dabei mit dem verfügbaren Eigenkapital verknüpft.

Grob gesehen wird das Eigenkapital einer Bank in zwei Klassen unterteilt:

  1. Aktienkapital und einbehaltene Gewinne bzw Gewinnrücklagen
  2. Zusätzliche interne und externe Ressourcen der Bank (Ergänzungskapital; Langfristige Verbindlichkeiten, best. Rückstellungen)

Die Regelungen sehen vor, dass Banken im Verhältnis zu ihren risikogewichteten Aktiva mindestens 8% Eigenkapital halten müssen. Die Aktiva werden dabei je nach Risikogehalt unterschiedlich gemessen, außerdem muss das Eigenkapital mindestens zur Hälfte aus Kapital der Klasse 1 bestehen. Die Forderungen werden in vier Risikogewichte eingeteilt, abhängig von der Schuldnerkategorie.

Risikogewicht in % 0 20 50 100
Schuldnerkategorie OECD Länder, cash OECD Bank, öffentliche Einrichtung ungesicherte (Wohnbau)Hypotheken alle anderen Forderungen Unternehmen und Privatkunden

Die erforderliche Eigenkapitalunterlegung berechnet sich demzufolge:

Erforderliche Eigenkapitalunterlegung = Forderungssumme x Risikogewicht x 8%

Eine wichtige Änderung fand 1996 statt, als die Eigenkapitalvereinbarung um das Marktrisiko ergänzt wurde. Berücksichtigt werden Zinsänderungen- und Aktienkursrisiko im Handelsbuch; Fremdwährungs- und Rohstoffrisiko im Gesamten Institut. Es wurden zwei Methoden zur Bemessung des Marktrisikos definiert, eine Standardmethode sowie ein auf internen, stochastischen Modellen beruhender Ansatz.

Kritik

An Basel I wird kritisiert, dass Methoden zur Minderung des Risikos nicht berücksichtigt werden und die Differenzierung des Kreditrisikos nur unzureichend erfolgt. Diese Kritik führte zur Neuaufnahme der Verhandlungen 1999, und zur neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung Basel II.

Einzelnachweise

  1. The Economist One Basel leads to another
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!

Siehe auch

Kredit, Basel II, Basel III, Bankbetriebslehre, Bankenaufsicht


Wikimedia Foundation.

Нужно решить контрольную?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Basel — Basisdaten Staat: Schweiz Kanton …   Deutsch Wikipedia

  • Basel IA — was proposed as an intermediate between the current Basel I accord and the Basel II accord that is being implemented. Basel IA would have been more risk sensitive than Basel I but would not be as complex as the advanced approach under Basel II.On …   Wikipedia

  • Basel I — Known as the Basel Accord. Policy agreement on the supervision of banks, developed in 1988 by the Basel Committee on Banking Supervision. The Accord aims to achieve international convergence in the measurement of capital adequacy of banks and to… …   Law dictionary

  • Basel I — is the round of deliberations by central bankers from around the world, and in 1988, the Basel Committee (BCBS) in Basel, Switzerland, published a set of minimal capital requirements for banks. This is also known as the 1988 Basel Accord, and was …   Wikipedia

  • Basel [2] — Basel, Hauptstadt des gleichnamigen schweizer. Kantons (Baselstadt), liegt 273 m ü. M., 47°33´ 27´´ nördl. Br., 7°35´ 38,3´´ östl. L., zu beiden Seiten des 200 m breiten Rheins, der sie in zwei Hälften teilt: Großbasel, am erhöhten linken… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Basel [1] — Basel, ein Kanton der nördlichen Schweiz, grenzt nördlich und nordöstlich an das Großherzogtum Baden, östlich an den Kanton Aargau, südlich an Solothurn, westlich an die Kantone Solothurn, Bern und an das Elsaß und hat ein Areal von 457,4 qkm… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Basel [1] — Basel (Geographie u. Statistik), 1) Canton der Schweiz, grenzt an Frankreich, Baden, den Rhein (nur ein kleiner Theil liegt am rechten Ufer) u. die Cantone Aargau, Bern u. Solothurn; ist gut angebaut, fruchtbar (an Getreide, Obst, bes. Kirschen …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Basel [2] — Basel (Geschichte). B. kommt als Basilea od. Basilia in der späteren Römerzeit vor; es entstand wahrscheinlich aus einem, von den Römern gegen die Alemanen angelegten Castell u. wurde durch den Untergang der nur. 2 Stunden entfernten Augusta… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Basel [3] — Basel (Bisthum), 1) sonst reichsunmittelbares Bisthum zwischen den Cantonen Basel u. Solothurn, Frankreich u. dem Sundgau; 19 QM., 60,000 Ew.; der Bischof stand unter dem Erzbischof von Besançon u. hatte Sitz u. Stimme auf den Reichstagen. 2)… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Basel [3] — Basel, sonst reichsunmittelbares deutsches Bistum, den Sundgau, den Kanton B. und Teile von Bern. Solothurn, Aargau umfassend, etwa 1100 qkm (20 QM.) mit 60,000 Einw., zerfiel außer der Kathedralstadt B. in elf Dekanate. In kirchlicher Beziehung… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Basel — [Wichtig (Rating 3200 5600)] Bsp.: • Basel liegt in der Schweiz …   Deutsch Wörterbuch

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”