Weltuntergang

Weltuntergang

Als Weltuntergang wird allgemein ein natürlich auftretendes oder künstlich herbeigeführtes Ereignis bezeichnet, das die Menschheit, den Planeten Erde oder das Universum insgesamt vernichtet oder zumindest die herrschenden oder ansonsten mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu erwartenden Lebens- und Begleitumstände massiv und desaströs zum Negativen verändert.

Inhaltsverzeichnis

Mehrdeutigkeit des Begriffs

Die Vorstellung vom Weltuntergang zielt auf ein zeitliches, zukünftiges Ereignis, während der Begriff Ende der Welt auch einen geografischen Endpunkt meinen kann. Der Weltuntergang als vorhergesehener finaler Zeitabschnitt im Rahmen religiöser Heilserwartungen ist die Endzeit. Die mythologische Darstellung der Angst vor dem Weltuntergang ist die Apokalypse.

Im weiteren Sinne sind Weltuntergangsszenarien auch solche, die „nur“ das „Auslöschen“ des größten Teils der Menschheit und ihrer Lebensumgebung, etwa durch Kriege mit Massenvernichtungswaffen, gehäuftes Auftreten von Seuchen in Form von Pandemien, oder Umweltzerstörung mit der Folge weltweiter Hungersnöte und Verteilungskriegen beschreiben. Solche Szenarien beruhen auf realen Gefahren, die oft von mythologischen Überlieferungen inspiriert sind, manchmal jedoch nur auf Verschwörungstheorien.[1]

Geschichte

Weltuntergangsprophezeiungen gab es schon in der Antike. Weltuntergänge wurden unter anderem von Philosophen und von religiösen Gruppen vorhergesagt. Solche Prophezeiungen waren im Mittelalter sehr verbreitet; man versuchte mit mathematischen Berechnungen einen Termin zu ermitteln. Weit verbreitet war die Vorstellung, die Welt werde zum ersten Millenniumswechsel – dem Jahreswechsel vom Jahr 999 zum Jahr 1000 – untergehen. Deshalb wurden in vielen christlichen Ländern im 10. Jahrhundert nur noch Holzkirchen gebaut – wegen des als sicher angenommenen Weltuntergangs hielt man Bauten aus Stein für zu aufwändig. Nachdem dieser Termin ohne Weltuntergang verstrichen war, begann man, Steinkirchen zu planen und zu bauen, die die hölzernen Provisorien ersetzten.

Martin Luther, der Begründer der evangelischen Kirche, wird mit dem Satz zitiert Und wenn die Welt morgen unterginge – ... heute ein Apfelbäumchen pflanzen.

Das Sachbuch „So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen – Es ist soweit“ wurde 1985 vom deutschen Wissenschaftsjournalisten Hoimar von Ditfurth veröffentlicht. Es beschreibt globale Bedrohungen der Menschheit und wurde ein Bestseller; begünstigt unter anderem durch die Katastrophe von Tschernobyl ab April 1986, das damals noch zunehmende Waldsterben, das im Rahmen des Kalten Krieges noch anhaltende Wettrüsten zwischen West und Ost (siehe auch Strategic Defense Initiative (SDI) des damaligen US-Präsident Ronald Reagan in Verbindung mit wirtschaftlicher und politischer Agonie des Ostblocks.

Heutzutage werden Weltuntergangsvorstellungen hauptsächlich mit religiösen Gruppen in Verbindung gebracht. Sie werden von Ökonomen und Philosophen diskutiert (Eschatologie).

Der 21. Dezember 2012 gilt einigen Menschen, die sich dabei auf das angebliche Ende des Maya-Kalenders berufen, als möglicher Weltuntergangstag. An diesem Tag soll es auch eine seltene Konjunktion vieler Planeten des Sonnensystems geben.[2]

Wahrscheinlichkeiten und Berechnungen

Wissenschaftler und andere Menschen versuchen, Wahrscheinlichkeiten für ein Ende der Menschheit anhand einer Analyse der ihnen bekannten Risiken zu beziffern. Viele dieser Schätzungen sind umstritten, beispielsweise die populärwissenschaftlichen Zahlen von Martin Rees.

Nach einer Überlegung des Astronomen J. Richard Gott und anderen spreche die Wahrscheinlichkeitsrechnung bereits ohne Analyse der Risiken gegen ein langfristiges Überleben der Menschheit auf einem Niveau / einer Weltbevölkerungszahl von mehreren Milliarden Individuen. Diese sehr umstrittene Überlegung wird als „Doomsday-Argument“ bezeichnet.

Weltuntergangsszenarien

Naturwissenschaftlich beschreibbare Szenarien

  • Vulkanausbruch mit VEI-Stärke 7 oder 8.
    Der Yellowstone gilt als Supervulkan und bricht alle 600.000 bis 700.000 Jahre aus, durch die großen Rauch- und Aschemengen in der Atmosphäre sinkt die Temperatur der Erde stark ab und ein großer Teil der Tier- und Pflanzenwelt geht zugrunde.
  • Einschlag eines ausreichend großen Kometen oder Asteroiden.
    Hier gibt es Anstrengungen, in einigen Jahrzehnten so weit zu sein, dass man gegen einen eventuellen Einschlag früh genug Gegenmaßnahmen ergreifen kann.
Die Entfernungen der sonnennächsten Sterne in einem Zeitraum von 20.000 Jahren in der Vergangenheit bis 80.000 Jahre in die Zukunft.
  • Kollision mit oder zumindest erhebliche Bahnstörung durch einen nahe vorbeifliegenden anderen Himmelskörper.
    Das Sonnensystem bewegt sich anscheinend auf einer recht stabilen Bahn um den Mittelpunkt der Milchstraße. Es gibt aber hin und wieder einzelne Ausreißer, die ihrerseits durch externe Effekte aus ihrer Bahn geworfen werden können. Die Wahrscheinlichkeit für solche Begegnungen steigt, wenn der Andromedanebel in zwei[3] bis zehn Milliarden Jahren mit der Milchstraße kollidiert. Eine grobe Einschätzung vermittelt die Abbildung mit den Distanzen zu den sonnennächsten Sternen in geschichtlicher Zeit.
  • Supernova in nächster Nähe.
    Eine Nova emittiert riesige Strahlenmengen, die bis zu einem gewissen Abstand durchaus zerstörerisch wirken können. Aufgrund der verschiedenen Nova-Mechanismen gibt es keinen festen Zahlenwert für einen sicheren Abstand.
  • Gammablitz (Gamma Ray Burst), der die Erde direkt trifft.
    So ein Ereignis kann sogar von einer Entfernung von mehreren tausend Lichtjahren das gesamte Leben auf der Erde auslöschen. Dies steht jedoch unter der Einschränkung, dass die Energie in einem engen Kegel abgestrahlt wird und dieser zufällig direkt auf die Erde gerichtet ist. Aufgrund der geringen Dauer eines Gammablitzes (wenige Sekunden bis einige Minuten) wäre von der direkten Strahlungseinwirkung nur eine Seite der Erde betroffen.
  • Die Entwicklung unserer Sonne zu einem Roten Riesen.
    Bisher wurde eine Zeitspanne von ca. 4 Milliarden Jahre geschätzt, bis die Sonne ein solches Stadium erreicht hätte. Neuere Rechnungen[4] legen aber nahe, dass die Sonne schon vorher ihre Strahlkraft langsam und kontinuierlich steigern wird, so dass in ca. 1 Milliarde Jahren aufgrund der Hitze kein (höheres) Leben auf der Erde mehr möglich sein wird.

Science-Fiction-Szenarien

Religiöse Szenarien

Mythologische, literarische Szenarien

Verarbeitung in der Kunst

Musik

Im Jahr 1954 wurde das Lied „Am 30. Mai ist der Weltuntergang“ vom Golgowski-Quartett zu einem Nummer-1-Hit in Deutschland. Es war eine parodistische Würdigung einer damals einigen Presserummel verursachenden Prophezeiung.

Das Lied Der Weltuntergang des Liedermachers Franz Hohler beschreibt, wie in unserer heutigen Welt das Aussterben einer einzigen Käferart ausreichen könnte, um den Weltuntergang herbeizuführen; nämlich, indem auf mehreren Ebenen der sprichwörtliche Tropfen genügt, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Die Schlussfolgerung Hohlers war: "… ich selber habe mich anders besonnen, ich bin sicher, der Weltuntergang, meine Damen und Herren, hat schon begonnen." Dieses Lied, das er bereits 1974 geschrieben hatte, wurde 1997 zum Preislied der Liederbestenliste gekürt. Auch unzählige zeitgenössische Death-, Thrash- und Black-Metal-Bands befassen sich mit dem Thema Weltuntergang in verschiedensten Varianten.

Literatur

Die Kurzgeschichte Die sieben letzten Tage der Erde von Jörg Zink beschreibt eindrücklich ein Weltuntergangsszenario, welches komplementär zur Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments angelegt ist. Das bekannteste Gedicht des Expressionisten Jakob van Hoddis, Weltende, behandelte 1911 ironisch ein Untergangsszenario.

Bildende Kunst

Johannes Schreiter gestaltete im Ulmer Münster 2001 ein großes Glasfenster zum Thema "Weltgefährdung". Dieses "Weltgefährdungsfenster" thematisiert die moderne Option eines Weltuntergangs dadurch, dass Menschen den künftigen Bestand der Erde in Gefahr gebracht haben.

Film

Ganze Filmgenres – vor allem aus dem Science-Fiction-Bereich – beschäftigen sich mit drohenden Apokalypsen, deren Bekämpfung (beispielsweise durch Atomraketen gegen anfliegende Kometen) und der Zeit danach, in der typischerweise wenige Menschen durch eine zerstörte Welt irren und nur noch niederste Instinkte herrschen, wie in Mad Max oder Waterworld. Die Apokalypse wird dabei teilweise auch durch Aliens herbeigeführt.

Siehe auch

Literatur

  • Maarten Keulemans : Exit Mundi: Die besten Weltuntergänge. Deutscher Taschenbuch Verlag; 2010; ISBN 9783423346177

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Siehe das Kapitel „Pralaya – Ragnarök“ in Claus Dettelbacher (2008), Im Maulbeerhain: Die Lehre von den 4 Weltzeitaltern: Einführung in die Spuren der zyklischen Zeit. Rezeption, Schnittstellen, Geschichtsphilosophie – mit ständiger Rücksicht auf Julius Evola. BoD, Norderstedt, ISBN 978-3-8370-6253-3, S. 61–68 (Erweiterte Diplomarbeit an der Universität Wien).
  2. www.21dezember2012.org
  3. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,599560,00.html SPIEGEL-ONLINE-Artikel zu neuen Berechnungen der Größe der Milchstraße
  4. C. Bounama, W. v. Bloh, S. Franck; Spektrum der Wissenschaft, 10/2004, S. 52

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