Kirchliche Begräbnisfeier

Kirchliche Begräbnisfeier
Totenfahne bei einer kirchlichen Begräbnisfeier
Kirchliche Begräbnisfeier, Gustave Courbet, 1850

Die Kirchliche Begräbnisfeier (auch: Exsequien; von lat. exsequi „hinausgeleiten, aussegnen“) ist die liturgische Feier der Verabschiedung und Bestattung eines katholischen Christen. Die kirchliche Begräbnisfeier gehört zu den Sakramentalien.

In der Begräbnisfeier wird der Glaube an die Auferstehung der Toten und (im Unterschied zum evangelischen Aussegnungsgottesdienst) die fortdauernde Gemeinschaft (lat. communio) der lebenden und verstorbenen Christgläubigen bekannt und gefeiert. Kernelemente der Feier sind: Verkündigung des Wortes Gottes, Verabschiedung des Verstorbenen und Fürbitte für ihn bei Gott, die Feier der Eucharistie ("Requiem") und der letzte Gruß an den Verstorbenen[1].

Waren die Exequien vor der Liturgiereform deutlich vom Gedanken der Trauer geprägt, so bestimmte die Konstitution Sacrosanctum Concilium des Zweiten Vatikanischen Konzils, dass „der Ritus der Exequien [...] deutlicher den österlichen Sinn des christlichen Todes ausdrücken und besser den Voraussetzungen und Überlieferungen der einzelnen Gebiete entsprechen soll.“ [2].

Die Totenwache und das Totenoffizium werden nur noch in einigen Gegenden gepflegt. In ländlichen Regionen ist auch der Sterberosenkranz üblich. Etwa 40 Tage nach dem Begräbnis wird mancherorts das sogenannte Sechswochenamt gefeiert.

Die Herausgabe des neubearbeiteten Rituales für die kirchliche Begräbnisfeier im Jahr 2009, mit zum Teil sehr wörtlichen Übersetzungen aus dem Rituale Romanum (Die Ohren deiner Barmherzigkeit mögen... für unsere Bitten offenstehen... S. 61), führte bei den Seelsorgern zu so heftigen Widerständen, dass die deutschen Bischöfe 2010 die einstweilige Weiterverwendung des bisherigen Rituales gestatteten.

Inhaltsverzeichnis

Musik

Heinrich Schütz komponierte 1635 die Musikalischen Exsequien (SWV 279-281) für Heinrich Reuss Posthumus; sie enthalten ein Concert in Form einer Teutschen Begräbnis-Missa, die Motette Herr, wenn ich nur dich habe und das Canticum B. Simeonis Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren.

Literatur

Authentische liturgische Ausgaben

  • Ordo Exsequiarum. Editio typica (1969).
  • Die kirchliche Begräbnisfeier in den Bistümern des deutschen Sprachgebietes. Zweite authentische Ausgabe auf der Grundlage der Editio typica 1969. Freiburg: Herder 2009 ISBN 978-3451-32205-1
  • Ordo Exsequiarum Romani Pontificis, Libreria Editrice Vaticana 2005, ISBN 8820969424
  • Rituale Romanum, Libreria Editrice Vaticana 2004, ISBN 8820974363

Sekundärliteratur

  • Ferdinand Probst: Die Exequien. Laupp, Tübingen 1856, online.
  • Heinzgerd Brakmann: Leb wohl! – Sei Gott befohlen! Zu Sinn und Gestalt der Begräbnisfeier. In: Weizenkorn. S 1, 1985, ZDB-ID 1056589-9, S. 68–71.
  • Cécile Trefford: L'Église carolingienne et la mort. Christianisme, rites funéraires et pratiques commémoratives. Presses universitaires de Lyon – Centre interuniversitaire d'histoire et d'archéologie médiévales, Lyon 1996 (Collection d'histoire et d'archéologie médiévales. 3, ISSN 1255-2380).
  • Bonnie Effros: Caring for Body and Soul. Burial and Afterlife in the Merovingian World. Pennsylvania State University Press, University Park PA 2002, ISBN 0-271-02196-9.
  • Antigone Samellas: Death in the Eastern Mediterranean (50–600 A.D.). The Christianization of the East: an Interpretation. Mohr Siebeck, Tübingen 2002, ISBN 3-16-147668-9 (Studien und Texte zu Antike und Christentum 12).
  • Ulrich Volp: Tod und Ritual in den christlichen Gemeinden der Antike. Brill, Leiden u. a. 2002, ISBN 90-04-12671-6 (Vigiliae Christianae Supplements 65), (Zugleich: Bonn, Univ., Diss., 2000/2001).
  • Éric Rebillard: Religion et sépulture. L'Église, les vivants et les morts dans l'Antiquité tardive. Éditions de l'École des Hautes Études en Sciences Sociales, Paris 2003, ISBN 2-7132-1792-X (Civilisations et Sociétés 115).
  • Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hrsg.): Die kirchliche Begräbnisfeier. Pastorale Einführung. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 2009 (Deutsche Bischofskonferenz. Arbeitshilfen 232).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1684 - 1690: Die Feier des Begräbnisses
  2. Sacrosanctum Concilium, Kapitel III, Nr. 81

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Begräbnisfeier — Totenfahne einer Begräbnisfeier Begräbnisfeier (genauer: „Kirchliche Begräbnisfeier“) nennen deutschsprachige Katholiken den römisch katholischen Gottesdienst, der die Bestattung des Leichnams oder der Asche eines verstorbenen Christen umrahmt… …   Deutsch Wikipedia

  • Exequien — Kirchliche Begräbnisfeier, Gustave Courbet, 1850 Der Ausdruck Exequien (eigentlich Exsequien; von lat. exsequi „hinausgeleiten, aussegnen“) bezeichnet in der Liturgie der katholischen Kirche die Riten und Handlungen zwischen dem Tod und dem… …   Deutsch Wikipedia

  • Exsequien — Kirchliche Begräbnisfeier, Gustave Courbet, 1850 Der Ausdruck Exequien (eigentlich Exsequien; von lat. exsequi „hinausgeleiten, aussegnen“) bezeichnet in der Liturgie der katholischen Kirche die Riten und Handlungen zwischen dem Tod und dem… …   Deutsch Wikipedia

  • Kinderbegräbnis — Kinderbegräbnisse unterscheiden sich in der kirchlichen Tradition in Liturgie und Ritus von Beerdigungen Erwachsener und Jugendlicher. Zu Grunde gelegt wird, dass Kleinkinder mangels Einsicht und Vernunft noch keine Sünden begehen können und… …   Deutsch Wikipedia

  • Sakramentalie — Die Fußwaschung (Meister des Hausbuches, linker Flügel des Passionsaltars, um 1475 Sakramentalien (neben dem Singular die Sakramentalie ist auch das Sakramentale gebräuchlich) sind nach katholischem Verständnis heilige Zeichen, die in gewisser… …   Deutsch Wikipedia

  • Tommaso Martinelli — Tommaso Maria Kardinal Martinelli OESA (* 4. Februar 1827 in Borgo Sant Anna; † 30. März 1888 in Rom) war italienischer Kurienkardinal. Leben Der Sohn von Cosma Martinelli und Maddalena Pardini trat mit 15 Jahren in den Orden der Augustiner… …   Deutsch Wikipedia

  • Aussegnungsgottesdienst — Der Aussegnungsgottesdienst ist im Rahmen einer Bestattung der Gottesdienst, in dem eine christliche Gemeinde Abschied von einem Toten nimmt. Im Zentrum der Feier steht der Abschiedssegen. Form In der Regel trifft sich die Gemeinde in einer… …   Deutsch Wikipedia

  • Feuerbestattung — Kremation in Ubud (Indonesien) Darstellung …   Deutsch Wikipedia

  • Sakramentale — Die Fußwaschung (Meister des Hausbuches, linker Flügel des Passionsaltars, um 1475 Sakramentalien (Sing. das Sakramentale) sind nach katholischem Verständnis heilige Zeichen, die in gewisser Nachahmung der Sakramente geistliche Wirkungen… …   Deutsch Wikipedia

  • Tommaso Maria Martinelli — Tommaso Maria Kardinal Martinelli OESA (* 4. Februar 1827 in Borgo Sant Anna; † 30. März 1888 in Rom) war italienischer Kurienkardinal. Leben Der Sohn von Cosma Martinelli und Maddalena Pardini trat mit 15 Jahren in den Orden der Augustiner… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”