- Danzer Group
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Danzer Group Rechtsform Unternehmensgruppe (Holding) Gründung 1932 Sitz Baar ZG Leitung Hans-Joachim Danzer Mitarbeiter 4700 (2005)[1] Umsatz 418 Mio € (2005)[1] Website www.danzergroup.com Die Danzer Group ist eine Unternehmensgruppe der Holz verarbeitenden Industrie mit Hauptsitz in Baar ZG, Schweiz. Die Gruppe produziert und vertreibt Echtholz-Furniere und Schnittholz aus Laubhölzern. Nach eigenen Angaben ist die Danzer Group der weltweit größte Produzent von dekorativem Furnier und unter den zehn führenden Herstellern von Schnittholz in Nordamerika.[2]
Inhaltsverzeichnis
Unternehmensstruktur
Die Danzer Group ist in Europa, Nord- und Südamerika, Afrika und Asien vertreten. An den Standorten wird in erster Linie regional geerntetes Holz verarbeitet. Das Unternehmen verfügte 2005 weltweit über 31 Vertriebsniederlassungen und beschäftigte rund 4700 Mitarbeiter.[1] Die Produktionsstätten befinden sich an folgenden Standorten:
- Europa
- Frankreich: Jura Placages S.A.S. (Furnierwerk) in Souvans
- Schweden: Fanérimporten AB (3D-Furnierwerk) in Sävsjö
- Tschechien: Vinterio s.r.o. (Furnierwerk) in Mělník und Danzer Bohemia (Furnierwerk) in Horní Počaply im Bezirk Okres Mělník
- USA
- Bradford Forest, Inc.(Sägewerk) in Bradford, Pennsylvania
- David R. Webb Company, Inc. (Furnierwerk) in Edinburgh, IN 46124
- Interforest Ltd. (Furnierwerk) in Durham, Ontario
- Interforest Lumber Corp. (Sägewerk) in Shade Gap, Pennsylvania
- Vinterio (Furnierwerk) in Darlington, Pennsylvania
- Afrika
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- Republik Kongo: IFO = Industrie Forestière d’Ouesso (Sägewerk)
- Demokratische Republik Kongo: SIFORCO S.C.A.R.L. = Société Industrielle et Forestière du Congo (Sägewerk)
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Geschichte
Das Unternehmen wurde 1932 von dem Deutschen Karl Danzer als Karl Danzer, Courtier en bois et placages in Paris (Frankreich) als Makler hochwertiger Maserhölzer und exotischer Holzarten gegründet. 1936 beteiligte sich Danzer an einer Hamburger Holzimportfirma sowie einer Furnierhandelsgesellschaft und kehrte nach Deutschland zurück.[2]
Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Danzer 1946 in Metzingen eine Holz- und Furnierhandlung, ab 1947 baute er in Reutlingen sein erstes eigenes Furnierwerk auf, das 1949 in Betrieb ging. 1955 wurde ein im Bau befindliches Furnierwerks in Kehl dazugekauft und in dessen unmittelbarer Nähe ein Spanplattenwerk errichtet, dem später eine Paneel- und Türenfertigung angegliedert wurde.
Ab den 1960ern erfolgte die Internationalisierung des Unternehmens und mehrere Umstrukturierungen. 1960 wurden erste Konzessionen in Elfenbeinküste erworben. 1962 erfolgte die Gründung Interholco AG in der Schweiz, die den internationalen Handel übernahm. 1964 wurde die belgische Miguet Group übernommen, zu der Zeit die größte Händler von Furnieren. 1966 wurde ein holzverarbeitendes Werk in Vavoua in Elfenbeinküste in Betrieb genommen. Eine Expansion nach Brasilien erfolgte 1968 mit der Übernahme der Firma MASUL, einem Furnierwerk in São Paulo und 1969 mit MABASA in Salvador da Bahia.
In den 1980er Jahren erfolgte die Fokussierung auf Furniere, 1987 wurden das Werk in Kehl teilweise und das in Reutlingen ganz geschlossen. Die Verwaltung verblieb jedoch in Reutlingen.
Im September 2006 ging die Danzer Group und der World Wide Fund For Nature (WWF) eine Kooperation im Hinblick auf eine nachhaltige Waldnutzung in Afrika ein.[3] Der WWF listet Danzer auf seiner Homepage als „Partner-Unternehmen“.[4]
2008 übernahm die Gruppe die Reholz GmbH mit Sitz in Kesselsdorf. Diese hatte ein patentiertes Verfahren entwickelt, mit dem Furniere dreidimensional verformt werden können, ohne dass sie reißen. Mit diesen sogenannten 3D-Furnieren können Formen beispielsweise für die Möbel- und Automobilindustrie erzielt werden, Holzstruktur und Furnierbild bleiben erhalten.[5]
Kritik
Im Juni 2004 beschuldigte Greenpeace International im sogenannten "Forest Crime File" die Firmengruppe, illegal geschlagenes afrikanisches Holz anzukaufen und Schmiergelder an Beamte in Zentralafrika und Kamerun zu zahlen.[6] Greenpeace erstattete zwei Strafanzeigen in Sachen Beteiligung an Bestechung fremder Amtsträger und Urkundenfälschung gegen die Danzer-Tochterfirma Interholco und Mitbeteiligte. Die Schweizerische Bundesanwaltschaft leitete daraufhin ein Ermittlungsverfahren ein, das jedoch am 21. Dezember 2004 wiedereingestellt wurde. Im Januar 2005 legte Greenpeace dann einen zweiten, aktualisierten Bericht vor, in dem die Vorwürfe aufrechterhalten wurden.[7]
Am 11. April 2007 veröffentlichte Greenpeace den Bereicht "Carving Up The Congo", in dem Vorwürfe gegen die Firma Siforco der Danzer group betreffend ihr Vorgehen im Kongobecken erhoben wurden.[8] Die Danzer Group veröffentlichte am 27.04.2007 dazu eine detaillierte Stellungsnahme, in dem die industrielle Nutzung des Regenwaldes verteidigt wird.[9]
Am 30.07.2008 erhob Greenpeace den Vorwurf, dass der Konzern ein aufwändiges System der Verschiebung von Gewinnen anwendet, um Einkommen aus Afrika in Offshore-Bankkonten zu bewegen. Dadurch, so scheint es, kann die Danzer Group in den Ländern, in denen ihre Unternehmen tätig sind, Steuerzahlungen umgehen.[10] Die Danzer group wies diese Vorwürfe in einer Stellungnahme vom 30.07.2008 als unbegründet zurück.[11]
2009 wurde das Tochterunternehmen IFO in der Republik Kongo nach den Richtlinien des Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert. Das FSC-zertifizierte Schnitt- und Rundholz wird von den Danzer-Tochterunternehmen Interholco und Danzer UK vertrieben, während FSC-zertifizierte Furniere über Danzer Europe Veneer (DEV) erhältlich sind.[12] 2011 waren jedoch nur fünf von 64 Furnieren in der Angebotspalette FSC-zertifiziert.[13] Kritiker bemängeln zudem, der von Danzer betriebene „selektive Holzeinschlag“, sei nicht wissenschaftlich, sondern kommerziell begründet und würde die Artenvielfalt drastisch reduzieren.[14]
Am 7.11.2011 erhob Greenpeace in dem Bericht "Gestohlene Zukunft: Konflikte und Entwaldung in den Regenwäldern des Kongo - Der Fall Danzer" erneut Vorwürfe gegen die Danzer-Tochter Siforco. Laut dem Bericht soll Siforco direkt in Menschenrechtsverletzungen in der Demokratischen Republik Kongo involviert sein. Konkret geht es um einen Überfall auf die Waldgemeinde Yasilika in der Provinz Bumba-Equateur, den Siforco nach Aussage des Berichtes logistisch und finanziell unterstützte.[15]. Die Danzer Group bestritt die Vorwürfe und erklärte, die Ereignisse hätten sich jenseits der Kontrolle und der Verantwortung von Siforco zugetragen.[16]
Einzelnachweise
- ↑ a b c http://www.danzergroup.com/fileadmin/files_group/docs/presse_27102006_02.pdf
- ↑ a b http://www.danzergroup.com/Fakten-und-Zahlen.58.0.html?&L=1
- ↑ http://www.danzergroup.com/fileadmin/files_group/docs/presse_11092006.pdf
- ↑ http://www.wwf.de/interaktiv/verbrauchertipps/holz-mit-fsc-guetesiegel/wwf-wood-group/wood-group-mitglieder/
- ↑ http://www.holz.net/news/showarticle.cfm/artikelID/728BF5A5-DC43-AA72-02FF79FA95DA2D06
- ↑ http://www.greenpeace.de/themen/waelder/nachrichten/artikel/holzkonzern_danzer_im_zwielicht/
- ↑ http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/waelder/danzer-report.pdf
- ↑ http://www.greenpeace.org/international/Global/international/planet-2/report/2007/5/carving-up-the-congo-part1.pdf
- ↑ http://www.danzergroup.com/fileadmin/files_group/docs/response_27042007.pdf
- ↑ http://www.greenpeace.de/themen/waelder/nachrichten/artikel/holzkonzern_pluendert_urwald_und_staatkasse/
- ↑ http://www.danzergroup.com/fileadmin/files_group/docs/press_30072008.pdf
- ↑ http://www.danzergroup.com/Tochterunternehmen-IFO-der-Danzer-Group-erhaelt-FS.2972.0.html?&L=1
- ↑ http://www.danzerveneer.com/, abgefragt am 7. November 2011
- ↑ http://www.regenwald.org/news/3838/das-bose-marchen-bei-arte
- ↑ http://www.greenpeace.de/themen/waelder/nachrichten/artikel/holzkonzern_danzer_laesst_menschenrechte_verletzen/
- ↑ http://www.danzergroup.com/Press-Releases-Detail.87.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=466&tx_ttnews[backPid]=80&cHash=6923d1954959ce2dfc656727c5328590
Weblinks
- www.danzergroup.com Homepage des Unternehmens
- www.danzerveneer.com Furnierpalette des Unternehmens
- Bericht „Gorillaschutz mit Kettensäge“ von Thomas Weidenbach, produziert von der Längengrad Filmproduktion im Auftrag des WDR über die Bewirtschaftung des Tropenwaldes im Kongo durch IFO (Industrie Forestière d'Ouesso)
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