Abt Bertho II.

Abt Bertho II.
Darstellung der Ermordung des Fuldaer Fürstabtes Bertho II. von Leibolz am 18. März 1271 während der Heiligen Messe in der Jakobskapelle in Fulda (von C. Sonnetzer)

Bertho II. von Leibolz († 18. März 1271 in Fulda), aufgrund seiner kleinen Gestalt abschätzig Abt Fingerhut genannt, war von 1261 bis 1271 Fürstabt (siehe Reichsprälat) des Klosters Fulda. Bevor Bertho II. Abt im Reichsfürstenstand wurde, übte er das Amt des Propstes auf dem Petersberg aus.

Ereignisse von 1261–1271

Bertho II. wurde im Jahre 1261, nach dem Tode Heinrichs IV. von Erthal, zum Fürstabt von Fulda erwählt. Während des Interregnums (Zwischenherrschaft) herrschte das Fehdewesen. Ferner waren untergebene Ritter und Dienstleute bestrebt mehr Unabhängigkeit vom Stift Fulda zu erlangen. Wie sein Vorgänger Heinrich IV. von Erthal bekämpfte Bertho II. energisch das Raubrittertum. Mit dem Landgrafen Heinrich von Thüringen verbündete sich Bertho gegen Raubritter, die sogar vor Übergriffen auf Santiagopilger nicht zurückgeschreckt waren. Folglich befestigte er Breitenbach bei Hersfeld, Geisa in der thüringischen Rhön und Lauterbach im Vogelsberg. Lauterbach wurde damals Fuldaer Bastion und erhielt am 16. März 1266 Stadtrechte und eine Burg mit fuldischer Besatzung. Um das Fuldaer Land gegen seine Nachbarn abzusichern, wurde Geisa wegen seiner günstigen Lage unter Fürstabt Bertho II. von Leibolz mit Mauern und Türmen befestigt. Ferner zerstörte oder eroberte er 15 Burgen seiner Gegner zwischen Rhön und Vogelsberg, darunter:

Die Burg der Herren von Blankenwald, einer Seitenlinie der Herren von Schlitz, galt im 13. Jahrhundert als eines der gefürchtetsten Raubritternester des Fuldaer Landes. Die Burg wurde deshalb vom damaligen Fuldaer Fürstabt Bertho II. im Jahre 1264 erstürmt und geschleift. Reste der ehemaligen Burganlage sind heute noch feststellbar.
Der Vogt Graf Berthold von Ziegenhain versuchte mit seinen Untervögten, den Herren von Wartenberg, Fulda zu erobern. Abt Bertho II. gelang es, mit Hilfe einer Armee von Bauern die aufrührerischen Adligen zu besiegen. Er diktierte einen strengen Frieden. In dem Vertrag mit den Brüdern von Wartenberg vom 16. März 1266 verlieh er dem Dorf Lauterbach die Stadtrechte, um den Wartenbergern ein Gegengewicht entgegenzustellen. Der Abt ließ zum Schutz eine Stadtmauer und eine neue Burg in Lauterbach errichten. Die Burg Wartenberg aber durfte ab 1265 nie wieder aufgebaut werden, weil sie zu nahe an der Abtei lag.
  • Burg Niederschlitz (bei Schlitz)
Die Burgscheitelmotte der Herren von Schlitz im Tal der Schlitz wurde 1265 von dem fuldischen Abt zerstört und nicht wieder aufgebaut.
1269 von Fürstabt Leibolz von Fulda zerstört, wurde es innerhalb von zehn Jahren durch die Lehnsritter Eisenbach wieder aufgebaut. Nach dem Aussterben der Familie Eisenbach bekamen die Riedesel, Freiherrn zu Eisenbach, Erbmarschälle von Hessen 1429 das Lehn.
1270 ließ Bertho wegen andauernder Räubereien, die Ebersburg und noch zwei weitere Burgen zerstören. Dabei kam der Ritter Hermann von Ebersberg in Gefangenschaft. Bertho ließ ihn trotz Zusage des freien Geleits, auf dem Fuldaer Marktplatz durch Gerlach Küchenmeister öffentlich hinrichten.[1] Wegen dieser Rohheit schwor die Ritterschaft dem verhassten Abt tödliche Rache.
Als Bischofsheim mit seiner Burg im 12. Jahrhundert als festes Bollwerk ausgebaut war, soll die Osterburg an Bedeutung verloren haben. Wahrscheinlich ist die Burg, deren Inhaber ständig mit Abt Bertho II. in Fehde lagen, um 1270 bei der Zerstörung Bischofsheims durch den Fuldaer Abt auch zerstört worden.
Vermutlich wurde die Burg Seeburg im 12. Jahrhundert als Turmburg von den Herren von Schlitz (wahrscheinlich als Vogteiburg der Vogtei-Fulda) erbaut und ist aus einer Motte hervorgegangen.
  • Des Weiteren wurden Burg Oberkappel, Burg Frankenstein bei Schmalkalden und Burg Boxberg bei Geisa von Bertho II. zerstört.


Der Tod des Bertho II.

Osterburger (bei Bischofsheim an der Rhön) Ganerben und ein Großteil des buchischen und Rhöner Adels lag mit ihm im Streit wegen Vermögensrückforderungen des Klosters Fulda, die nach Auffassung der Ritter auf gefälschten Urkunden beruhten. Die Empörung darüber und die Hinrichtung Hermann von Ebersberg sowie andere Zumutungen gipfelten schließlich darin, dass Bertho II. am 18. März 1271 unter Beteiligung des buchonischen Ritters Giso von Steinau in der von Bertho erbauten Fuldaer Jakobskapelle der alten Abtsburg während der Feier der heiligen Messe ermordet wurde. Sie schlugen Bertho nieder und trennten ihm das Haupt vom Leib. Dann flohen die Täter nach Steinau (bei Fulda) zurück.[2] Der Überlieferung nach stieß jeder der 26 Ritter einmal zu. Viele der Mörder überlebten die Tat nicht lange. Der nachfolgende Fürstabt Bertho III. von Mackenzell ließ die Mörder aufspüren und sie wurden in der Kirche zu Kirchhasel (heute Stadtteil von Hünfeld) „niedergemetzelt“.[3] Die überlebenden Brüder Albrecht und Heinrich von Ebersberg wurden auf Anordnung des Königs Rudolf von Habsburg 1274 in Frankfurt öffentlich gerädert.

Fußnoten

  1. Walter Heinemeyer: Chronica Fuldensis: D. Darmstädter Fragmente d. Fuldaer Chronik. Böhlau-Verlag GmbH, 1976, Seite 131
  2. Savigny-Stiftung/H. Böhlau: Zeitschrift der Savignystiftung für Rechtsgeschichte. Veröffentlicht 1948, Seite 225
  3. SCHLITZER BOTE/Artikel von Johannes Schmidt: Es geschah an Weihnachten 1271. Verlag H. Guntrum II. GmbH & Co. KG, Schlitz, den 24. Dezember 2003.



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