Der Freyschütz

Der Freyschütz
Der Freischütz, Ansicht einer Aufführung in Nürnberg, um 1822
Werkdaten
Titel: Der Freischütz
Originalsprache: Deutsch
Musik: Carl Maria von Weber
Libretto: Johann Friedrich Kind
Uraufführung: 18. Juni 1821
Ort der Uraufführung: Schauspielhaus Berlin
Spieldauer: ca. 3 Stunden
Personen
  • Ottokar, böhmischer Fürst (Bariton)
  • Kuno, fürstlicher Erbförster (Bass)
  • Agathe, die Tochter des Erbförsters (Sopran)
  • Ännchen, Agathes Cousine (Sopran)
  • Kaspar, erster Jägerbursche (Bass)
  • Max, zweiter Jägerbursche (Tenor)
  • Ein Eremit (Bass)
  • Kilian, ein reicher Bauer (Bariton)
  • Vier Brautjungfern (Sopran)
  • Samiel, der schwarze Jäger (Satan) (Sprechrolle)
  • Erster, zweiter und dritter fürstlicher Jäger (Sprechrollen)


Der Freischütz ist eine romantische Oper in drei Aufzügen von Carl Maria von Weber, op. 77. Das Libretto stammt von Johann Friedrich Kind. Folgende Vorlagen für das Freischütz-Libretto sind bekannt:

  • Die im Jahre 1730 gedruckten „Unterredungen von dem Reiche der Geister“ von Otto Graben zum Stein, basierend auf den Gerichtsakten der böhmischen Stadt Taus (Domazlice).
  • Das „Gespensterbuch“ von August Apel und Friedrich Laun (1810). Es enthält die Volkssage des Freischütz, nach der Friedrich Kind in enger Zusammenarbeit mit dem Komponisten das Opernlibretto geschrieben hat.

Der Freischütz wurde am 18. Juni 1821 im Königlichen Schauspielhaus Berlin uraufgeführt.

Webers Oper wurde in der Musikkritik schon zu Webers Lebzeiten als die „erste deutsche Nationaloper“ bezeichnet.

Der Komponist Hector Berlioz hat im Auftrag der Pariser Grand opéra eine Rezitativ-Fassung des Freischütz in französischer Fassung geschaffen, um die gesprochenen Dialoge zu ersetzen (1841). Sie wurde von Richard Wagner scharf kritisiert.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

1. Akt

Platz vor einer Waldschenke

Bauer Kilian wird von den Dorfbewohnern als Gewinner eines Schützenfestes gefeiert. (Viktoria, der Meister soll leben). Mit dieser Ehrung verspotten die Dorfbewohner zugleich den Jägerburschen Max, den eigentlichen „Profi-Schützen“. Max, der sonst ein guter Schütze ist, traf keine Scheibe. Er wird darüber so zornig, dass seine Enttäuschung schließlich in eine Rauferei mit Kilian mündet. Der Auftritt des Erbförsters Kuno, seines zukünftigen Schwiegervaters, beendet die Schlägerei. Max, der um die Hand der Tochter von Kuno angehalten hat, muss morgen den entscheidenden Probeschuss vor einem Gremium unter Vorsitz des Landesfürsten ablegen und ist dementsprechend aufgeregt. Der Förster erzählt den jüngeren Dorfbewohnern die Legende von der Entstehung dieses alten Brauchs: des Probeschusses. Max, der die Demütigung einer weiteren Niederlage befürchtet, macht sich ernsthafte Gedanken darüber, wie er diese Prüfung bestehen soll (O, diese Sonne). Nachdem die Dorfbevölkerung zum Tanz in die Waldschenke aufgebrochen ist (Walzer), hängt Max allein seinen Gedanken nach. (Nein, länger trag' ich nicht die Qualen). Der Jägerbursche Kaspar aus dem Gefolge von Kuno lädt ihn zum Trinken ein (Hier im ird'schen Jammertal). Dann leiht Kaspar Max sein Gewehr und ermuntert ihn, damit auf einen Adler zu schießen. Max trifft, obwohl der Adler weit außerhalb der Reichweite des Gewehrs fliegt, worauf Kaspar ihm erklärt, dass er gerade mit einer „Freikugel“ geschossen habe. Weil es seine letzte war, müssten nun neue gegossen werden. Max lässt sich überzeugen, dass diese Freikugeln der Ausweg aus seiner misslichen Lage sein könnten. Sie verabreden sich für Mitternacht in der Wolfsschlucht. Kaspar zeigt, als er allein ist, sein wahres Gesicht: Er hat seine Seele Samiel (dem Teufel) verschrieben im Tausch für die alles treffenden Freikugeln (Schweig, damit dich niemand warnt!). Wenn er Samiel bis Mitternacht ein anderes Menschenopfer präsentiert, so ist er gerettet.

2. Akt

Vorsaal im Forsthaus

Im Hause des Erbförsters Kuno ist Ännchen damit beschäftigt, ein Portrait des Urgroßvaters wieder aufzuhängen, das zuvor Agathe verletzt hatte, als es von der Wand fiel (Schelm! Halt fest!). Dabei gelingt es ihr, Agathes dunkle Vorahnungen zu zerstreuen und Fröhlichkeit zu verbreiten (Kommt ein schlanker Bursch gegangen). Aber Agathes Heiterkeit dauert nicht lange an und weicht der Angst um Max (Wie nahte mir der Schlummer / Leise, leise, fromme Weise). Als Max endlich kommt, bringt er nicht wie erwartet die Siegertrophäe, sondern lediglich ein paar Adlerfedern. Um noch einmal aus dem Hause zu gehen, erzählt Max seiner Geliebten, dass er noch einen Hirsch aus der unheimlichen Wolfsschlucht holen müsse … (Wie? Was? Entsetzen!). Agathes Befürchtungen steigern sich, nachdem sie dies erfahren hat. Max, hin und hergerissen zwischen Lüge und Wahrheit, läuft mit schlechtem Gewissen davon.

Furchtbare Wolfsschlucht

Vor Mitternacht bereitet Kaspar alles für das Gießen der Freikugeln vor. Geisterchöre sind zu hören (Milch des Mondes fiel aufs Kraut). Noch bevor Max erscheint, beschwört er Samiel, den schwarzen Jäger, und bietet Max als Opfer an (Samiel! Erschein!). Danach soll Samiel die siebte Kugel segnen, sodass sie später Agathe trifft. Samiel verschwindet. Jetzt erscheint der verstörte Max, auf dem Weg hierher von wilden Visionen gepeinigt, zum Gießen der Kugeln (Trefflich bedient!). Als Kaspar die letzte Kugel gießt, erscheint Samiel und greift nach Max. Die Turmuhr schlägt eins – und der Höllenspuk ist vorbei. Erschöpft sinkt Max zu Boden.

3. Akt

Waldszene

Nun bereitet sich Max auf den bevorstehenden Probeschuss vor: Er verbraucht eine Kugel nach der anderen. Kaspar achtet darauf, dass er alle verschießt, bis auf die letzte – die siebte – die „Teufelskugel“; um das zu erreichen, schießt Kaspar seine Freikugeln auf Elstern, und mit der 6. Kugel trifft er einen Fuchs (Dort läuft ein Füchslein; dem die sechste in den Pelz!).

Agathes Zimmer

Agathe betet in ihrem Zimmer (Und ob die Wolke sie verhülle), gekleidet in ihr Hochzeitskleid. In ihren Träumen hat sie erlebt, dass sie als weiße Taube von Max erschossen wurde, doch dann verwandelte sie sich zurück, und die Taube wurde zum großen schwarzen Raubvogel. Ännchen versucht Agathe zu beruhigen und erzählt ihr eine lustige Geistergeschichte (Einst träumte meiner sel'gen Base). Die Brautjungfern erscheinen und singen ihr Brautlied (Wir winden dir den Jungfernkranz). Erschrocken brechen die Mädchen ihren Gesang ab: In der Schachtel, die Ännchen gerade gebracht hat, liegt ein schwarzer Totenkranz anstelle des weißen Brautkranzes. Die Mädchen und Ännchen sind ratlos, doch auf Agathes Vorschlag flechten sie schnell einen neuen Kranz aus den Rosen, die Agathe von einem Eremiten bekommen hatte.

Romantisch schöne Gegend

Der Landesfürst und sein Gefolge sind erschienen, um dem Probeschuss des Kandidaten für die Erbförsterei beizuwohnen. Gespannt wartet man auf das Ergebnis. Die Jäger besingen die Freuden der Jagd (Jägerchor Was gleicht wohl auf Erden), Kaspar hat sich in einem Baum versteckt. Der Landesfürst fordert Max auf, den Probeschuss abzulegen und eine Taube vom Baum zu schießen. Max legt an, zielt und drückt ab. Agathe, die genau zu diesem Zeitpunkt mit den Brautjungfern das Gelände erreicht hat, fällt, scheinbar getroffen, zu Boden (Schaut, o schaut, er traf die eigne Braut). Doch durch das gleichzeitige Erscheinen des Eremiten wird die siebte Freikugel, die dem Satan gehört, umgelenkt. Nicht Agathe, sondern Kaspar wird tödlich getroffen. Während er stirbt, verflucht er den Himmel. Der zornige Landesfürst fordert Max auf, die Vorfälle aufzuklären, und dieser gesteht das Gießen der Freikugeln in der Wolfsschlucht. Der Eremit tritt für Max ein und stellt fest, dass Max, getrieben von unerträglichem Prüfungsdruck und der Angst, Agathe für immer zu verlieren, zu diesen verbotenen Mitteln gegriffen habe. Überhaupt solle dieser ganze altertümliche Brauch eingestellt werden: Das Glück zweier Menschen darf nicht von einem Probeschuss abhängig gemacht werden. Max soll, statt in die Verbannung zu gehen, wie es der Landesfürst gefordert hatte, nach einem Jahr der Bewährung Agathe heiraten dürfen. Ottokar stimmt, unter dem Druck der Bevölkerung, dem Vorschlag zu. Im Schlusschor wird die Milde Gottes gegenüber denen gepriesen, die reinen Herzens sind.

Adaptionen

  • 1978 kam Michael Leinerts niederdeutsche Opernparodie De Hamburger Freischütz oder De Bruutschuss an der Hamburgischen Staatsoper (Opera stabile) zur Uraufführung, wurde vom Theater Bremen nachgespielt und von Radio Bremen/NDR als Hörspielfassung produziert. Bei Phonogram (Polygram) erschien De Bruutschuss auf Schallplatte.
  • 1989 kam in Hamburg „The Black Rider: The Casting of The Magic Bullets“ zur Uraufführung, ein auf „Der Freischütz“ basierendes Bühnen-Musical von William S. Burroughs, Robert Wilson und Tom Waits.
  • 1990 entstand die darauf basierende österreichische TV-Produktion „The Black Rider“ (ebenfalls unter der Regie Robert Wilsons).
  • Der Freischütz und der Teufel. Oper für Kinder, frei nach Carl Maria von Weber, neu erzählt und inszeniert von Michael Leinert. Musikalische Bearbeitung und Leitung: Glenn Lewis, Günther Albers. Bühne und Kostüme: Walter Perdacher. Uraufführung an der Deutschen Oper am Rhein: 28. November 2000 im Theater Duisburg.
  • 2004 brachte die muunkompanie eine chorische Theaterversion des Freischützstoffes in Österreich zur Uraufführung.
  • 2006 brachte das Label Titania Medien in der Reihe Gruselkabinett eine Hörspiel-Adaption des Stoffes heraus.
  • 2008 projizierten die Macher der "Hellsing Ultimate OVA" im vierten Teil der Serie viele Eigenschaften des Protagonisten Kaspar auf die Person der Rip Van Winkle, welche Aufgrund ihrer Fähigkeit, mit ihrer Waffe mehrere Gegner auf einmal absolut zielsicher niederzuschießen und ohne Skrupel zu töten vom "Major", einem wahnsinnigen SS-Offizier, mit der Person des Kaspar aus der Oper "Der Freischütz´" von Carl Maria von Weber verglichen wird. Auch werden im Verlauf des vierten Teils mehrere Anspielungen auf die Handlung der Oper gemacht (der siebte Schuss, mehrfaches Aufgreifen der Lieder, Samiel in Gestalt des Vampirs Alucard, usw.). Des Weiteren fließen Bilder aus der Oper, wie das des Adlers in Form des Flugzeugträgers "Eagle", in den Verlauf der Handlung ein.

Literatur

  • Werner Abegg: Carl Maria von Weber: Der Freischütz. Romantische Oper – Finstere Mächte – Bühnenwirkung. Wißner, Augsburg 2005, ISBN 3-89639-368-5.
  • Der Freischütz. Texte, Materialien, Kommentare. Mit einem Essay von Karl Dietrich Gräwe. rororo Opernbuch 7328. Reinbek bei Hamburg, 1981. ISBN 3-499-17328-X.
  • Michael Leinert: Der Freischütz. In: Carl Maria von Weber. Rowohlt Monografien rm 50268, Reinbek bei Hamburg 2003, 5. Auflage, ISBN 3-499-50268-2.
  • Gottfried Mayrhofer: Abermals vom Freischützen – Der Münchner Freischütz von 1812. Regensburg 1959.
    Gottfried Mayrhofers Dissertation stellt u. a. die Frage nach dem Plagiat von Friedrich Kind zur Diskussion, denn die frühere Freischütz-Oper des Münchner Hofrats Franz Xaver von Caspar (Text) und Carl B. Neuner (Musik) ist fünf Jahre vor Kinds Textbuch entstanden und weist erstaunliche, szenische-dramaturgische Ähnlichkeiten mit dem Libretto von Kind auf.
  • Carl Dahlhaus: Zum Libretto des Freischütz. In: Neue Zeitschrift für Musik, Heft 5. Mainz 1972
  • Bilderwelt des Freischütz. In: Theodor W. Adorno: Moment musicaux. Edition suhrkamp 54, Frankfurt a. M. 1964

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