- Dietrichstein
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Dietrichstein wird urkundlich erstmals 1002 erwähnt, ist ein weitverzweigtes aus Kärnten stammendes österreichisches Adelsgeschlecht. Als Stammburg wird die Burg Dietrichstein bei Feldkirchen in Kärnten angesehen.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte
Nach den Forschungen von H. Grössing ist jedoch zwischen dem ersten Haus Dietrichstein aus der Familie der Hochfreien von Projern-Leonstein, das zu Beginn des 14. Jahrhunderts erloschen ist und dem zweiten Haus Dietrichstein zu unterscheiden. Letzteres stammt aus der Familie der von Nussberg, die 1250 mit Mathias von Nussberg (bei Sankt Veit an der Glan) in Kärnten auftritt und aus der Nikolaus I. von Nussberg und St. Veit, cl. 1290 - 1304 mit einer Erbtochter des Rudolf von Dietrichstein verheiratet war. Von seinen Söhnen nannte sich Nikolaus "von Dietrichstein" und wurde Stammvater des jüngeren Hauses Dietrichstein, während sich sein Bruder Ortolf weiterhin "von Nussberg und St. Veit" nannte. Von 1517 bis 1586 waren die Dietrichsteiner u.a. Besitzer der Freyherrschaft Paternion.
Die Familie spaltete sich später in zwei Hauptlinien auf: In die Weichselstätt-Rabensteinische, die 1861 mit dem Grafen Johann Ducla von Dietrichstein ausstarb, und die Hollenburg-Finkensteinische aus der zwei Äste entstanden: Der ältere hollenburgsche oder österreichische Zweig und der jüngere, nikolsburgische oder fürstliche Zweig, der 1514 in den Reichsfreiherrnstand, 1600 bzw. 1612 in den Reichsgrafenstand und 1624 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde, jedoch mit dem 10. Reichsfürsten im Jahre 1864 in männlicher Linie erlosch.
Auch die Fortsetzung in weiblicher Linie - die österreichischen Fürsten von Dietrichstein zu Nikolsburg aus dem Haus der Grafen von Mensdorff-Pouilly - ist 1964 in männlicher Linie ausgestorben.
Nachkommen des älteren Fürstenhauses in weiblicher Linie finden sich jedoch in vielen österreichischen und ausländischen Adelsfamilien.
Wichtige frühe Vertreter
- Pankraz von Dietrichstein (1446–1508), erhielt von Maximilian I. 1506 das Erbmundschenkenamt in Kärnten verliehen
- Siegmund von Dietrichstein (1484–1533), Gefolgsmann Kaiser Maximilians I.
- Adam von Dietrichstein (1527–1590), erhielt von Maximilian II. 1575 die Herrschaft Nikolsburg (Mikulov)
Die Fürsten von Dietrichstein
1. Reichsfürsten aus dem Haus Dietrichstein
Nachfolge vom Vater auf den Sohn, wenn nicht anders angegeben.
- Franz Seraph von Dietrichstein, (* Madrid 22. August 1570, † Brünn (Brno) 19. September 1636), seit 1599 Kardinal, Fürstbischof von Olmütz, (1599 – 1636) Landeshauptmann von Mähren und seit 1624 1. Reichsfürst von Dietrichstein
Auf ihn folgte sein Neffe:
- Maximilian von Dietrichstein zu Nikolsburg (* 1596, † 1655), Landeshauptmann von Mähren, 1612 Reichsgraf, 1629 2. Reichsfürst von Dietrichstein zu Nikolsburg (1629 – 1655); ∞ 1. Anna Maria Prinzessin von und zu Liechtenstein, Tochter des Fürsten Karl; ∞ 2. Sophia Agnes Gräfin von Mansfeld, Tochter von Wolfgang III. Graf von Mansfeld-Vorderort zu Bornstädt
- Ferdinand Joseph von Dietrichstein (* 25. September 1636, † 28. November 1698), 3. Reichsfürst von Dietrichstein zu Nikolsburg (folgt 1655 – 1698), seit 1684 gefürsteter Graf zu Tarasp etc. ∞ Prinzessin Maria Elisabeth von Eggenberg, Tochter von Reichsfürst Johann Anton I. von Eggenberg Herzog von Krumau Český Krumlov,
- Leopold Ignaz Joseph von Dietrichstein (* 1660, † 1708), 4. Reichsfürst von Dietrichstein zu Nikolsburg (folgt 1698 -1708), Graf von Tarasp etc. ∞ Maria Godofreda Dorothea Gräfin zu Salm zu Gleen u. Amstenrald, Freifrau der Stadt und des Landes von Wachtendonk (* 1667, † 1732), Tochter von Carl Theodor Fürst von Salm.
Auf ihn folgte sein Bruder:
- Walther Franz Xaver Anton von Dietrichstein (* 1664, † 1738), 5. Reichsfürst von Dietrichstein zu Nikolsburg (folgt 1708 – 1738); ∞ 1. Zuzana Liborie Kateřina Prakšická von Zástřizl auf Boskowitz; ∞ 2. Karolina Maximiliana Pruskovská z Pruskova Gräfin von Proskau, (* 1674, † 1734), Tochter von Graf Georg Christoph
- Karl Maximilian Philipp Franz Xaver von Dietrichstein-Proskau, (* 1702, † 1784) 6. Reichsfürst von Dietrichstein zu Nikolsburg (folgt 1738 -1784), Graf von Proskau (Seit 1769, als Erbe seines mütterlichen Großvaters). ∞ Maria Anna Josepha Reichsgräfin von Khevenhüller zu Aichelberg, (* 1705, + 1764), Tochter des Grafen Johann Heinrich Friedrich I,
- Karl Johann von Dietrichstein-Proskau-Leslie (* 1728, † 1808), 7. Reichsfürst von Dietrichstein zu Nikolsburg (folgt 1784 – 1808), Graf von Proskau und Leslie (Seit 1802, als Erbe von Anton Leslie, dem letzten Grafen Leslie of Balquhaine); ∞ 1. Maria Christina Reichsgräfin von Thun und Hohenstein, Tochter von Johann Joseph Franz Anton Graf von Thun und Hohenstein; ∞ 2. Maria Anna Baldauf
Sohn erster Ehe:
- Franz Joseph (* 1767, † 1854), 8. Reichsfürst von Dietrichstein zu Nikolsburg (folgt 1808 – 1854), Graf von Proskau und Leslie; ∞ Alexandra Andrejewna Schuwalova, Tochter von Graf Andrei Petrowitsch Schuwalow
- Joseph Franz (* 1798, † 1858), 9. Reichsfürst von Dietrichstein zu Nikolsburg (folgt 1854 – 1858) Graf von Proskau und Leslie; ∞ Gräfin Gabriela Gräfin Wratislaw von Mitrowicz (Wratislawová z Mitrowicz).
Auf ihn folgte sein Onkel
- Moritz Joseph Johann von Dietrichstein, ein jüngerer Sohn des 7. Reichsfürsten Karl Johann von Dietrichstein,(* 19. Februar 1775 in Wien, † 27. August 1864); 10. - und letzter - Reichsfürst von Dietrichstein zu Nikolsburg seines Hauses (folgt 1858 resigniert jedoch und verzichtet auf Nachfolge und Fürstentitel); ∞ 1800 Maria Theresia Gräfin von Gilleis, (* 1779, † 1860)
2. Österreichische Fürsten von Dietrichstein aus dem Haus Mensdorff-Pouilly
- Alexander Graf von Mensdorff-Pouilly (* 4. August 1813; + 14. Februar 1871) wurde 1868 in den österreichischen Fürstenstand als Fürst von Dietrichstein zu Nikolsburg erhoben. Dies, da das reichsfürstliche Haus von Dietrichstein 1864 in männlicher Linie erloschen war und er seit 1857 mit der Reichsgräfin Alexandrine von Dietrichstein-Proskau-Leslie (* 1824, + 1906), einer Tochter des 9. Reichsfürsten, Joseph von Dietrichstein zu Nikolsburg vermählt war. Er war damit der 1. österreichische Fürst von Dietrichstein seines Hauses und der 11. Fürst dieses Namens.
- Hugo von Mensdorff-Pouilly-Dietrichstein (* 1858; + 1920), 2. (bzw. 12.) Fürst von Dietrichstein zu Nikolsburg (1906 -1920), Graf von Mensdorff-Pouilly; ∞ Prinzessin Olga Alexandrowna Dolgoruki, (* 27. November 1873, + 3. Januar 1946)
- Alexander II. Albert Olivier Anton von Mensdorff-Pouilly-Dietrichstein (* 15. Juli 1899; + 12. Januar 1964), 3. (bzw. 12.) Fürst von Dietrichstein zu Nikolsburg (1920 - 1964); ∞ Paris 29. Oktober 1930 Maria de las Mercedes Dose y Obligado, * Buenos Aires 18. Juni 1903, + München 21. Januar 1964
Er war der Letzte Fürst von Dietrichstein zu Nikolsburg, da er nur eine Tochter hinterließ. Mit ihm sind auch die Fürsten von Dietrichstein zu Nikolsburg aus dem Haus Mensdorff-Pouilly in männlicher Linie erloschen. Mit dem Sohn der Tochter, Enkel des letzten Fürsten, besteht der Name heute als Leloire von Dietrichstein-Mensdorff-Pouilly.
Weitere, unsortiert
- Johanna Beatrix von Dietrichstein-Nikolsburg († 1676), Fürstin von Liechtenstein
- Ferdinand von Dietrichstein , Herr von Arbesbach, Gründer von Dietrichsbach um 1700, Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies
- Edmunda Maria Theresia von Dietrichstein-Nikolsburg (1652–1737), Fürstin von Liechtenstein
- Gundacker von Dietrichstein (1623–1690), Graf, 1684 Reichsfürst von Dietrichstein, Vetter des Ferdinand von Dietrichstein, Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies
- Andreas Jakob von Dietrichstein (1689–1753), Fürsterzbischof von Salzburg ab 1747
- Joseph Carl von Dietrichstein (1763–1825), erster Gouverneur der k.k. privilegierten Nationalbank und Landmarschall von Niederösterreich
- Sigmund Helfried von Dietrichstein, Landeshauptmann von Kärnten
Wappen
Das Stammwappen derer von Dietrichstein zeigt im von Gold und Rot schrägrechts geteilten Schild zwei silberne Winzermesser mit goldenen Griffen; auf dem Helm mit rot-goldenen Decken drei schwarze Straußenfedern, belegt mit dem Schildbild.[1]
Literatur
- Ivo Cerman, Habsburgischer Adel und Aufklärung. Bildungsverhalten des Wiener Hofadels im 18. Jahrhundert, Franz Steiner Verlag 2010
- H. Grössing "Zur ältesten Genealogie der Fürsten und Grafen von Dietrichstein" Carinthia I. 1983, S. 149f.
- J.S.Ersch, J.G. Gruber "Allgemeine Enzyclopädie der Wissenschaften und Künste, Teil 25, Akademische Druck- und Verlagsanstalt Graz, 1971
- Roman Freiherr von Prochazka, Erloschene böhmische Herrenstandsfamilien, Österreichisches Familienarchiv Band 3 S. 242 - 249 und Ergänzungsband.
- Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Bd. II, Gesamtreihe Bd. 58, C. A. Starke Verlag, Limburg/L. 1974, S. 484-485
Einzelnachweise
- ↑ Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Bd. II, Gesamtreihe Bd. 58, C. A.Starke Verlag Limburg/L. 1974, S. 485
Weblinks
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