- Ebbe
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Mit Ebbe oder ablaufendes Wasser wird das Sinken des Meeresspiegels infolge der Gezeiten (Tiden) bezeichnet. Das Gegenteil heißt Flut (steigend).
Inhaltsverzeichnis
Auswirkungen
Bei Ebbe werden in Küsten- und Ufernähe Teile des Meeres- oder Flussbodens freigelegt. In der Nordsee fällt im Wattenmeer das so genannte Watt trocken. Zu dieser Zeit sind Wattwanderungen möglich. Das Watt stellt einen besonderen Lebensraum für Flora und Fauna dar.
Die Dauer der Ebbzeit bestimmt wesentlich die Zonierung des Lebensraumes und die dementsprechend vorkommenden Tier- und Pflanzenarten.
Je nach Ort der Ebbe kann sie stärker oder weniger stark ausfallen. Der Rekord des Höhenunterschiedes zwischen Ebbe und Flut liegt in der Bay of Fundy in Kanada. Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut beträgt dort 14 bis 21 Meter. In der Nordsee liegt der Unterschied bei 3 bis 4 Metern. Im Mittelmeer und in der Ostsee liegt der Unterschied unter einem halben Meter.
Ebbstrom
Als Ebbstrom bezeichnet man die Wasserströmung, die bei Ebbe auftritt. Der Ebbstrom kann abhängig von Gezeitenhub und Meeresrelief erhebliche Geschwindigkeiten entwickeln. In der Elbe vor Cuxhaven können bei Springtide Strömungsgeschwindigkeiten von über 6 km/h auftreten. Besonders stark wird ein solcher Strom, wenn sich das Wasser von einer größeren Fläche in einem Priel, also einer flussbettartigen Vertiefung im Meeresboden sammelt und mit großer Kraft vom Ufer weg strömt. Gerät ein Schwimmer in einen Ebbstrom, kann er von diesem weit ins Meer hinausgetragen werden. Wenn er dort nicht Hilfe findet oder aus eigenen Kräften zurückschwimmen kann, kann er ertrinken. Das gilt auch für die Benutzung von Luftmatratzen, Paddel-, Ruder- und Tretbooten und schwach motorisierten Schiffen. Deshalb gibt es an entsprechend gefährdeten Badestränden eine Strandwache beziehungsweise entsprechende Warnsignale (Flagge).
Im Tidenfluss
Auch Tideflüsse wie die Elbe, die Brackwasser oder Süßwasser führen, weisen Ebbe und Flut auf. Die Ebbe oder Ebbzeit ist zugleich der Zeitraum zwischen Hochwasser und Niedrigwasser. Das Ende der Ebbe, also der untere Scheitelpunkt der Gezeitenwelle, wird als Tideniedrigwasser bezeichnet. Wasserstand und Gezeitenströmung fallen nicht immer zusammen, deshalb spricht man neben Hoch- und Niedrigwasser auch vom Kentern des Flut- und Ebbstroms. Zum Beispiel kann in Flussmündungen der Ebbstrom noch oberflächlich nachlaufen, während der Wasserstand schon wieder steigt, so dass der Ebbstrom erst nach Niedrigwasser kentert.
Ebbe und Flut: Begriffe
Flut ist der Zeitraum und der Vorgang ansteigenden beziehungsweise „auflaufenden“ Wassers.
Ebbe ist der Zeitraum und der Vorgang sinkenden beziehungsweise „ablaufenden“ Wassers.
Den Zeitpunkt des höchsten Wasserstandes bezeichnet man mit Hochwasser (HW),
den des tiefsten Wasserstandes mit Niedrigwasser (NW).
Der Wasserstand zu diesen Zeiten wird Hochwasserhöhe (HWH)
bzw. Niedrigwasserhöhe (NWH) genannt.
Aufeinander folgende Hochwasser- und Niedrigwasserhöhen sind unterschiedlich, da sich die Stellungen von Mond und Sonne relativ zur Erde ändern.Der Höhenunterschied zwischen Niedrigwasserhöhe und der folgenden Hochwasserhöhe (während der Flut) wird als Tidenstieg bezeichnet.
Der Höhenunterschied zwischen Hochwasserhöhe und der folgenden Niedrigwasserhöhe (während der Ebbe) wird alsTidenfall bezeichnet.
Den Mittelwert aus Tidenstieg und Tidenfall bezeichnet man als Tidenhub.
Der zeitliche Verlauf des Wasserstandes zwischen Niedrigwasser, Hochwasser und darauf folgendem Niedrigwasser ergibt die Tidenkurve.
Die gezeitenbedingte Höhe des Wasserstandes bezogen auf das örtliche Seekartennull (meist LAT) bezeichnet man als Höhe der Gezeit.Gezeitenwasserstände:
Deutsch Abk. Englisch Abbr. Bedeutung Höchstmöglicher Gezeitenwasserstand Highest Astronomical Tide HAT Bezug für Durchfahrtshöhe unter Brücken Mittleres Springhochwasser MSpHW Mean Higher High Water MHHW Mittleres Hochwasser MHW Mean High Water MHW Definition der Küstenlinie Mittlerer Wasserstand MW Mean Sea Level MSL Seekartennull, Nullebene für Wassertiefen in gezeitenfreien Gewässern Mittleres Niedrigwasser MNW Mean Low Water MLW Mittleres Springniedrigwasser MSpNW Mean Lower Low Water MLLW früher Nullebene für Wassertiefen (lt. IHO veraltet) niedrigst möglicher Gezeitenwasserstand NGzW Lowest Astronomical Tide LAT Seekartennull, Nullebene für Wassertiefen in Gezeitengewässern Die deutschen Abkürzungen werden in offiziellen Werken der IHO nicht mehr verwendet.
Gezeitenunterschiede:
Deutsch Abk. Englisch Abbr. Bedeutung Höhe der Gezeit Height of Tide Unterschied zwischen aktuellem Wasserstand und Seekartennull Mittlerer Springtidenhub Spring Range of Tide Unterschied von Ebbe und Flut bei Springzeit (Hub gross) Mittlerer Nipptidenhub Neap Range of Tide Unterschied von Ebbe und Flut bei Nippzeit (Hub klein) Seekartennull:
Deutsch Abk. Englisch Abbr. Bedeutung Seekartennull SKN Chart Datum CD Grundlage für:
• amtliche Definition der Basislinie
• Nullebene für die Messung von Wassertiefen
ist bezogen auf:
• LAT Lowest Astronomical Tide (oder MLLW)
• oder auf MSL in tidenfreien GewässernSiehe auch
Übertragene Bedeutung
Umgangssprachlich wird Niedrigwasser oft als Ebbe bezeichnet. Bildlich wird in Sprichwörtern und Redewendungen der Begriff Ebbe benutzt, um einen niedrigen Stand anzudeuten, z. B. Es ist Ebbe auf dem Konto, Die Staatskasse zeigt Ebbe.
Weblinks
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