Fahnenjunker

Fahnenjunker
Fahnenjunker­dienstgrad­abzeichen

Der Fahnenjunker (Abk.: Fhj / in Listen: FJ) ist ein militärischer Dienstgrad der Bundeswehr.

Bei Luftwaffe und Heer ist er ein Offizieranwärter (OA) oder Reserveoffizieranwärter (ROA) des Truppendienstes im niedrigsten Unteroffizierdienstgrad. Bei der Deutschen Marine heißt der entsprechende Dienstgrad Seekadett.

Der nächsthöhere Offizieranwärterdienstgrad, der in der Regel nach einer neunmonatigen Dienstzeit als Fahnenjunker erreicht wird, ist Fähnrich.

Den Dienstgrad Fahnenjunker erhielt ein Offizieranwärter des Heeres bis einschließlich des 75. Offizieranwärterjahrgangs mit Vollendung des 12. Dienstmonats nach Bestehen des Offizieranwärterlehrgangs Teil I (OAL I). Ab dem 76. Offizieranwärterjahrgang (ab Sommer 2006) wird er mit Vollendung des 12. Dienstmonats und bestandenem Offizierlehrgang Teil 1 verliehen. Diejenigen Offizieranwärter des Heeres, die erst im dritten Durchlauf ihres Jahrgangs zur Offizierschule des Heeres kommandiert werden und somit den Lehrgang erst mit Vollendung des 15. Dienstmonats beenden, werden dennoch bereits nach 12 Dienstmonaten zum Fahnenjunker ernannt. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die Soldaten der jeweiligen Jahrgänge immer gleichzeitig befördert werden sollen.

Soldaten in diesem Dienstgrad können innerhalb der durch die Vorgesetztenverordnung (VorgV) gesetzten Grenzen Mannschaften Befehle erteilen.

Abseits der laufbahnrelevanten Lehrgänge werden Fahnenjunker häufig im Rahmen von Truppenpraktika als Hilfsausbilder oder Gruppenführer in der allgemeinen Grundausbildung eingesetzt und übernehmen dort die Ausbildungs- und Führungsverantwortung für 8 - 12 Soldaten.

Sie werden nach der Bundesbesoldungsordnung A mit der Besoldungsstufe A5 besoldet.

Historisches

Historisch waren die Fahnenjunker meist junge Edelleute, die im Alter von 14 bis 16 Jahren in die militärische Ausbildung kamen. In den Armeen, die sich deutscher Militärbegriffe bedienten (u.a. die russische Armee), bezeichnete Fhj. die Offizieranwärter der Infanterie und der Dragoner. Bei der Kavallerie hießen sie Standartenjunker [1]. Bei der Artillerie, die weder Fahnen noch Standarten führte, nannte man sie Stückjunker (nach der früher üblichen Bezeichnung für Geschütze, „Stücke“).

In der preußischen Infanterie und des 18. Jahrhunderts hießen die Fhj. auch Freikorporal. Dort rangierten sie bis 1806 als Unteroffiziere zwischen Korporal und Sergeant; nächsthöherer Offizieranwärterdienstgrad war seit 1807 der Portepeefähnrich. Die bayerische Armee unterschied die Anwärter in Offiziersaspiranten 1. Klasse (Junker, in der Artillerie Conducteur, zwischen Feldwebel und Unterleutnant stehend) und 2. Klasse (Kadett, vor dem Sergeanten rangierend).

Im Heer des deutschen Kaiserreichs nannte man die Anwärter zum Berufsoffizier Avantageure oder Aspiranten. 1899 änderte sich die Bezeichnung wieder in Fahnenjunker, die nun allerdings nur Mannschaftsrang besaßen. Ihre Pendants in der Marine hießen Kadett und/oder Seekadett; der nächsthöhere Anwärterrang war Fähnrich.

Fhj. hatten bei Dienstantritt ein Abiturientenzeugnis eines Gymnasiums, Realgymnasiums, einer Oberrealschule oder Realschule 1. Ordnung nachzuweisen oder aber das Bestehen der Fähnrichsprüfung.

In der Reichswehr war die Bezeichnung Fhj. zunächst abgeschafft, seit Mitte der 20er Jahre aber wieder in Verwendung. Jetzt bezeichnete Fhj. dienstgradübergreifend alle Offizieranwärter. Die Anwärterdienstgrade waren Fahnenjunker, Fhj.-Gefreiter, Fhj.-Unteroffizier, Fähnrich, Oberfähnrich.

In der Wehrmacht bekamen Soldaten und Unteroffiziere, die die Offizierslaufbahn einschlagen wollten, die Bezeichnung Fahnenjunker ihrem Dienstgrad vorangestellt, z.B. Fhj.-Feldwebel, Fhj.-Stabsfeldwebel. Anfang 1940 wurde Fhj. von der Bezeichnung Offizieranwärter (O.A.)/ Reserveoffizieranwärter (R.O.A.) ersetzt. Die Dienstgrade lauteten nun z.B. Gefreiter (O.A.) oder Feldwebel (R.O.A.). Mitte/ Ende 1943 (bei unterschiedlichen Fristen in Heer und Luftwaffe) wurde die vorherige Praxis weitestgehend wieder in Kraft gesetzt.

In der Bundeswehr war die Bezeichnung Fhj. erstmals seit 1918 wieder an einen konkreten Dienstgrad geknüpft, nämlich Unteroffizier.

Die NVA der DDR verwendete die Bezeichnung Fhj. nicht. Die Offizieranwärter hießen Offiziersschüler.

Abzeichen

Auf besondere Abzeichen für im einfachen Soldatenrang stehende Fahnenjunker wurde bis ins 20. Jahrhundert hinein verzichtet; besaßen sie Unteroffiziersrang, waren deren Abzeichen anzulegen (Rock- und Huttresse, besondere Hutpuschel, Unteroffiziersportepee (selten: Offiziersportepee), Stock, Handschuhe.

Auch im kaiserlichen Heer sowie in der Reichswehr unterschied Fahnenjunker nichts von den übrigen Soldaten im Mannschaftsrang; Fhj.-Gefreite erhielten indes seit 1927 nach bestandener Fhj.-Prüfung das Recht zum Tragen der Unteroffizierstroddel.

In der Wehrmacht führten die Luftwaffen-Fhj. seit 1940 eine gedrehte Aluminiumschnur quer über das untere Ende der Schulterklappen. Im Heer wurde erst ab Ende 1942 eine besondere Kennzeichnung eingeführt: eine feldgraue Doppelborte (aus Stoff) bzw. eine doppelte Aluminiumtresse getragen (sog. „Hoffnungsbalken“).

In der Bundeswehr ist die Kennzeichnung in Heer und Luftwaffe einheitlich: Anfangs war eine quer über das untere Ende der Schulterklappe verlaufende silberne Aufschiebeschlaufe (ähnlich dem U.A.-Abzeichen der Wehrmacht) vorgeschrieben. Diese wurde ab 1963 ersetzt von einem kreisrunden Aufnäher mit gewebtem OA-Stern (identisch dem Leutnantsstern), der an beiden Unterärmeln von Jacke, Hemd usw. zu tragen war (sog. „Schneeflocke“). Der "OPi-Stern" (Oberpionier der Wehrmacht) war nicht sehr beliebt und hat sich in der Praxis nie vollständig durchgesetzt, wie etwa auf den abnehmbaren Schulterklappen des Hemdes weiterhin die Schlaufen getragen wurden. Seit etwa 1980/81 kennzeichnet eine gedrehte Aluminiumschnur (ähnlich der Luftwaffenausführung von 1940) am unteren Ende der Schulterklappen die Fhj. und übrigen O.A.-Dienstgrade (sog. „Discolitze“).

In der NVA waren die Schulterklappen der Offizierschüler seitlich und oben mit Metalltresse eingefasst (gleich den Unteroffizieren). Auf dem Tuchfeld führten sie ein gotisches „S“ sowie quer darunter 1 bis 4 Jahrgangstressen.

Die Offizieranwärter der Marine kennzeichnet traditionell der fünfzackige Goldstern der Seeoffiziere bzw. die Laufbahnabzeichen der nichtseemännischen Dienste.

Einzelnachweise

  1. Johann Georg Krünitz: "Oeconomische Encyclopädie", 1773-1858, S. 338



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