- Flottentorpedoboot 1940
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Klassendetails Schiffstyp: Flottentorpedoboot Einheiten: 24 in Auftrag gegeben, 3 Stapelläufe Dienstzeit: keine Bauwerften: - K.M. De Schelde, Vlissingen
- Nederlandse Scheepsbouw Mij., Amsterdam
- Rotterdamsche Droogdok Mij., Rotterdam
- Wilton-Fijenoord Co., Schiedam
Das Flottentorpedoboot 1940 war ein Entwurf für einen auf niederländischen Werften für die deutsche Kriegsmarine zu bauenden Zerstörertyp. Die Aufträge für 24 Boote dieses Typs wurden vergeben, aber kein einziges fertiggestellt. Bis zur Einstellung der Arbeiten 1944 waren erst drei Einheiten vom Stapel gelaufen. Diese drei am weitesten gefertigten Einheiten wurden in Anbetracht der vorrückenden alliierten Truppen nach Deutschland gebracht, aber auch dort nie fertiggestellt.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte
Voraussetzungen
Nach der Besetzung der Niederlande erkannte die deutsche Führung, dass die gesamte Schiffbauindustrie des Landes intakt geblieben war und diese auf einem technisch hohen Standard produzieren konnte. Die Wehrmacht suchte daher nach Wegen, diese nahe am Deutschen Reich liegenden Produktionskapazitäten zu nutzen. Es zeigte sich, dass die niederländischen Werften, Maschinenbaufirmen und zahlreiche Zulieferbetriebe bereit waren, mit den Deutschen zusammenzuarbeiten und Bauaufträge zu übernehmen.[H 1]
Beim Einmarsch der deutschen Truppen in die Niederlande im Jahr 1940 wurden die Rümpfe der im Bau befindlichen Zerstörer Tjerk Hiddes und Philips van Almonde durch die Niederländer zerstört, die für sie vorgesehenen Turbinensätze und Kessel befanden sich noch in der Fertigung. Deren Produktion wurde in Anbetracht des Mangels der Kriegsmarine an Torpedoträgern nicht eingestellt, vielmehr sollten sie einen deutschen Bootsentwurf antreiben, bei dessen Planung Fertigungsnormen und Leistungsfähigkeit der niederländischen Werften und Industrie Berücksichtigung finden sollten.[F 1]
Planung und Bau
Das K-Amt begann 1940 mit den Konstruktionsarbeiten. Grundlage des ersten Entwurfs war die niederländische Tjerk-Hiddes-Klasse. Dieser Entwurf wurde an die deutschen Bedürfnissen angepasst.[H 1] Die Linien des Rumpfes waren ein Neuentwurf, die nach Schleppversuchen günstiger ausfielen als die des Vorentwurfs für die Flottentorpedoboote 1939.[F 1]
Die als Flottentorpedoboot bezeichneten Boote waren hinsichtlich Größe und Bewaffnung und den sich daraus ergebenen Einsatzmöglichkeiten vergleichbar mit Zerstörern der damaligen Zeit und hätten daher als solche klassifiziert werden können. Zeitweise wurde das Projekt auch als Zerstörer 1940 geführt. Die Gründe für die Umbenennung des Amtsentwurfs sind nicht mehr nachvollziehbar.[H 1]
Die Boote des Amtsentwurfs wurden an die vier niederländische Werften Wilton-Fijenoord in Schiedam, Rotterdamsche Droogdok, K.M. De Schelde in Vlissingen und die Nederlands Scheepsbouw in Amsterdam vergeben, die Aufträge für die ersten zwölf Boote ergingen für T 61 bis T 68 am 19. November 1940 und für T 69 bis T 72 am 3. Mai 1941.[W 1] Für weitere zwölf Boote (T 73 bis T 84) ergingen die Bauaufträge am 27. August 1941, diese wurden aber noch im gleichen Jahr storniert.[F 1] Als erstes Boot sollte im Oktober 1944 T 65 fertiggestellt sein, T 61 sollte im November, T 63 und T 67 im Dezember folgen. T 64 bis T 66, sowie T 70 sollten erst 1945 fertiggestellt werden, als Fertigstellungszeitpunkt für T 68, T 69 und T 71 war das Jahr 1946 vorgesehen.[F 2] Auf Grund von Materialmangel und der absichtlichen Verzögerung des Baus durch die niederländischen Arbeitskräfte gingen die Arbeiten nur sehr langsam vonstatten. Bis Ende 1942 waren erst acht Bauten begonnen, bis zu Arbeitsaufgabe auf den Werften waren mit T 61, T 65 und T 63 erst drei Boote vom Stapel gelaufen. Nur die Rümpfe dieser drei Einheiten konnten im September und Dezember 1944 in Anbetracht der vorrückenden alliierten Truppen nach Deutschland geschleppt werden, um sie dort fertigzustellen.[F 3]
Verbleib
T 61 wurde im Schlepp nach Deutschland am 12. September 1944 von einem Bristol Beaufighter der 143. RAF-Staffel nordwestlich von Den Helder, durch einen Lufttorpedotreffer beschädigt, auf Strand gesetzt und nach 1945 abgewrackt.[W 1][C 1]
T 63 und T 65 erreichten die für die Fertigstellung vorgesehene Schichauwerft in Elbing im Schlepp über Wilhelmshaven bzw. Kiel Ende 1944, um von dort bereits im Januar 1945 vor den vorrückenden sowjetischen Truppen wieder Richtung Westen nach Danzig verbracht zu werden. Gemäß Order vom 28. Januar 1945 sollten die Boote nun bei Deschimag in Bremen fertiggestellt werden. T 65 gelang über Kiel und Kaiser-Wilhelm-Kanal im März 1945 nach Wesermünde, T 63 lag ebenfalls seit März 1945 dort. Sie blieben bis Kriegsende unvollendet liegen und konnten von den Alliierten erbeutet werden. Am 2. bzw 3. Mai 1945 wurden beide bei Sprengungen beschädigt. T 63 versenkten die Alliierten mit Gasmunition beladen am 31. Dezember 1946 im Skagerrak. T 65 wurde am 3. Mai 1946 gesprengt und abgebrochen.[H 2]
Die begonnenen Rümpfe von T 62, T 64 und T 66 wurden nicht weitergebaut, nach der Beschädigung/Sprengung auf der Helge liegend 1944/45 wurde sie später abgebrochen. Die Bauaufträge der restlichen Boote wurden annulliert.[F 2]
Technische Beschreibung
Rumpf
Der Entwurf war über alles 114,5 m, an der Konstruktionswasserlinie 110 m lang, 11,3 m breit bei 3,4 m mittlerem und 3,81 m maximalem Tiefgang und 6,55 m[A 1] Seitenhöhe. Der Bootskörper erhielt über 90 % seiner Länge einen Doppelboden und wurde in 13 wasserdichte Abteilungen unterteilt. Die Rümpfe wurden aus Stahl ST 52 in Querspanten-Längsbänder-Bauart gebaut. Sie sollten 1931 ts Typverdrängung erreichen, bei 2249 t Konstruktions- und 2566 t Einsatzverdrängung.[A 2][F 1][H 3]
Die Besatzung sollte sich aus acht Offizieren und 223 Unteroffizieren und Mannschaften zusammensetzen. Als Beiboote waren eine Motorjolle, ein Kutter und ein Dingi vorgesehen.[H 3]
Antrieb
Als Antrieb sollten Maschinen und Kessel aus niederländischer Produktion verwendet werden. Die drei Yarrow-Werkspoor-Dreitrommelkessel arbeiteten nur mit niedrigen Drücken und Temperaturen (28,1 atü, 350°C), eine dem deutschen Hochdruck-Heißdampfkesselsystem ähnliche Anlage war der niederländischen Industrie unbekannt. Die Kessel standen in drei Heizräumen und besaßen einen natürlichen Wasserkreislauf und Überhitzer.
Sie lieferten Dampf für zwei Satz N.V.Werkspoor-Parson-Turbinenanlagen mit Rädergetrieben. Die Anlage sollte maximal 49.500 WPS für 35 kn liefern, nach Konstruktion waren die Turbinen für 45.000 WPS ausgelegt. An den beiden Wellen sollten Propeller mit 3,15 m Durchmesser drehen, die beiden Spatenruder standen in den Schraubenströmen.[H 3] Die 561 t Bunkerkapazität sollten für einen Fahrbereich von 2100 sm bei 19 kn ausreichen [A 3]
Bewaffnung und Feuerleiteinrichtungen
Als Bewaffnung waren vier 12,7-cm-Geschütze , vier 3,7-cm- sowie 20-mm-Flakgeschütze vorgesehen. Hinzu kamen acht 53,3-cm-Torpedorohre in zwei Vierersätzen mit acht Torpedos und Einrichtungen zum Legen von bis zu 50 Minen, sowie 32 Wasserbomben mit entsprechenden Werfern.
Von den vier paarweise an Bug und Heck aufgestellten 12,7-cm-SK-Geschützen C/34 L/45 in der Mittelpivotlafette C/3 waren jeweils die inneren Geschütze überhöht auf dem Aufbau angeordnet. Für sie sollten 600 Schuss Munition bereitgehalten werden, für die 3,7-cm-SK-Flakgeschütze C/30 L/83 in zwei Doppellafetten C/30 8000 Schuss. An 20-mm-Flakgeschützen waren anfangs acht, später bis zu 16 Geschütze C/38 L/65 in vier Zwillingslafetten bzw. gemischt in Vierlings- und Zwillingslafetten vorgesehen.[A 4][H 4]Als Artillerieleitgerät sollten zwei 3-m-Basis-Entfernungsmessgeräte 3u auf dem Brücken- und dem achteren Aufbau zum Einsatz kommen.[H 4]
Technische Daten
Abmessungen Länge: - über alles: 114,5 m
- an der Konstruktionswasserlinie: 110 m
Größte Breite: 11,3 m Tiefgang: - nach Konstruktion: 3,24 m
- maximal:
Seitenhöhe: 6,55 m
Verdrängung: - 1931 ts Typverdrängung
- 2249 t Konstruktionsverdrängung
- 2566 t Einsatzverdrängung
Antrieb Kesselanlage: Turbinenanlage: - 2 Satz Werkspoor-Parsons-Getriebeturbinen
- 2 Maschinenräume, 2 Wellen
Schrauben: 2 Schrauben, je 3,15 m Durchmesser Ruder: 2 Spatenruder in den Schraubenströmen Maschinenleistung: - 49.500 WPS maximal
- 45.000 WPS nach Konstruktion
Größte Wellendrehzahl: 475/min Höchstgeschwindigkeit: 34,8-35 kn Brennstoffvorrat: - nach Konstruktion: 240 t Heizöl
- maximal: 561 t Heizöl
Bewaffnung Geschütze: - 4 × 12,7-cm-Geschütze C/34 L/45 in der
- je zwei Mittelpivotlafetten C/3 an Bug und Heck
- 600 Schuss 12,7-cm-Munition
Flugabwehrbewaffnung 37- und 20-mm-Flakgeschütze
Torpedobewaffnung: 8 × 53,3-cm-Torpedorohre in zwei schwenkbaren Vierlingssätzen
Sonstige: Wasserbombenwerfer, 32 Wasserbomben, Mineneinrichtung für 50 Minen Einheiten
Name Bauwerft Kiellegung Stapellauf Werdegang T 61 Wilton-Fijenoord, Schiedam 1942 Juni 1944 Versenkt am 12. September 1944 T 63 Rotterdamsche Droogdok, Rotterdam 1942 28. Oktober 1944 Versenkt am 31. Dezember 1946 im Skagerrak T 65 K.M. De Schelde, Vlissingen 1942 8. Juli 1944 1946 abgebrochen - Bauwerften
Die Aufträge wurden wie folgt verteilt an die niederländischen Werften vergeben:[F 4]
- K.M. De Schelde, Vlissingen:
- T 65, T 66, T 71, T 79-81
- Nederlandse Scheepsbouw Mij., Amerstdam:
- T 67, T 68, T 72, T 82-84
- Rotterdamsche Droogdok Mij., Rotterdam:
- T 63, T 64, T 70, T 76, T 77, T 78
- Wilton-Fijenoord Co., Schiedam:
- T 61, T 62, T 69, T 73, T 74, T 75
Einzelnachweise
- Wolfgang Harnack: Die deutschen Flottentorpedoboote von 1942 bis 1945. Verlag E.S.Mittler & Sohn GmbH, Hamburg/Berlin/Bonn 2004, ISBN 3-8132-0825-7:
- M.J.Whitley: Zerstörer im Zweiten Weltkrieg. Motorbuch Verlag, 1995, ISBN 3-613-01426-2 (engl. Original: Destroyers of World War Two. Arms & Armours Press, London):
- Harald Fock: Z-vor! Internationale Entwicklung und Kriegseinsätze von Zerstörern und Torpedobooten, Band 1 und 2, Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 2001, ISBN 3-7822-0762-9:
- Webseite: Chronik des Seekrieges:
- ↑ Seekrieg im September 1944, eingesehen am 10. Januar 2009
Anmerkungen
- ↑ Angabe nach Harnack: Die deutschen Flottentorpedoboote von 1942 bis 1945., S.30, Fock: Z-Vor!, S.59, gibt 6,2 m an
- ↑ Angabe nach Fock: "Z-Vor!". Harnack gibt davon abweichend 2566 ts (2632 t) als Einsatzverdrängung an, Whitley hingegen 2546 ts.
- ↑ Fock, Z-vor!, S. 59 nennt bei gleicher Bunkerkapazität eine Reichweite von 6000 sm bei 19 kn. Whitley: Zerstörer im Zweiten Weltkrieg, S. 47 nennt 2350 sm bei gleichem Bunkerinhalt und Dauergeschwindigkeit
- ↑ Zitiert nach Harnack: Die deutschen Flottentorpedoboote von 1942 bis 1945. S.31. Laut Fock: Z-vor! waren später vier Vierlingslafetten eingeplant, was bei insgesamt 16 Geschützen alle Zwillingslafetten ersetzt hätte.
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