Geheimnisvolle Erbschaft

Geheimnisvolle Erbschaft
Filmdaten
Deutscher Titel Geheimnisvolle Erbschaft
Originaltitel Great Expectations
Produktionsland Großbritannien
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1946
Länge 118 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie David Lean
Drehbuch David Lean,
Ronald Neame,
Anthony Havelock-Allan
Produktion Ronald Neame
Musik Walter Goehr
Kamera Guy Green
Schnitt Jack Harris
Besetzung

Geheimnisvolle Erbschaft ist ein britisches Filmdrama des Regisseurs David Lean aus dem Jahr 1946 nach dem Roman Große Erwartungen von Charles Dickens.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Der Waisenjunge Phillip Pirrip, der „Pip“ genannt wird, lebt bei seiner Schwester und ihrem Ehemann Joe Gargary. Eines Tages trifft er auf den Gefängnisausbrecher Abel Magwitch. Der schüchtert ihn ein und veranlasst ihn, Essen und eine Feile aufzutreiben. Als Magwitch anstatt zu fliehen einen anderen Flüchtling angreift, wird er von der Polizei wieder eingefangen.

Die alte und reiche Jungfer Miss Havisham engagiert Pip, damit er sich um ihr Haus und um ein schönes Mädchen namens Estelle kümmert. Estelle neckt ihn immerzu wegen seiner schlechten Manieren, doch Pip verliebt sich in sie. Pip lernt Herbert Pocket, einen Verwandten von Miss Havisham in seinem Alter, sowie ihren Anwalt Mr. Jaggers kennen. Als Pip 14 wird, kann er nicht mehr in das Haus kommen, da er zum Schmied ausgebildet werden soll.

Fünf Jahre später sucht Mr. Jagger Pip auf. Er teilt ihm mit, dass ein geheimnisvoller Gönner den jungen Mann zu einem Gentleman erziehen lassen will. Pip glaubt, es stecke Miss Havisham dahinter und sagt zu. Herbert Pocket soll Pips Lehrer in Sachen Benehmen sein. Herbert erzählt Pip, dass Miss Havisham so verbittert sei, dass sie sich an Männern rächen wolle. Estelle ist das Werkzeug ihrer Rache. Pip weigert sich, das zu glauben.

Als Pip 21 geworden ist, wird er von Joe Gargary besucht, der von Pips snobistischem Verhalten irritiert ist. Joe richtet Pip aus, Miss Havisham möchte ihn sehen. Pip sieht Estelle wieder, die ihn gleich vor sich selber warnt. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander, doch zu Pips Mißvergnügen flirtet sie mit vielen anderen Männern, unter anderem auch mit Bentley Dummle, einem gutgestellten, aber unbeliebten Zeitgenossen.

Pip trifft auf Magwitch, der ihm mitteilt, er sei sein Gönner. Mr. Jaggers bestätigt das. Magwitch wurde damals nach Australien deportiert und machte dort sein Glück. Als Mr. Wemmick, der Assistent von Mr. Jaggers, mitteilt, dass Magwitchs alter Feind (der andere Flüchtling) in London ist, beschließt Pip, den alten Mann auf einem Postschiff zum Kontinent zu bringen. Pip will sich von Estella und Mis Havisham verabschieden. Estella teilt ihm mit, dass sie Dummle heiraten wird. Pip bestätigt, dass Miss Havisham damit ihre Rache hat, denn Estella wird Dummle quälen. Als Pip geht, setzt ein glühender Holzspan aus dem Kamin das Kleid der alten Frau in Brand. Pip hört ihre Schreie und kehrt zurück, kommt aber zu spät.

Als Pip, Herbert und Magwitch zum Postschiff rudern, werden sie von der von Magwitchs Feind alarmierten Polizei erwartet. Magwitch ergreift den Mann und tötet ihn. Bei dem Kampf wird der alte Mann verwundet. Vorher hat Magwitch mit Pip über seine verlorene Tochter gesprochen. Nun ist Pip argwöhnisch, und Mr. Jaggers bestätigt seinen Verdacht: Die Tochter ist Estella. Pip besucht den sterbenden Magwitch und erzählt ihm von Estella und dass er in sie verliebt ist. Der alte Mann stirbt glücklich. Pip kann leider keine Erbschaft erlangen, da Magwitch als Verurteilter nur einem Nachkommen vererben kann. Somit muss Pip ab nun wieder als armer Mann durchs Leben gehen.

Krank und hoffnungslos kehrt Pip zu Joe Gargary zurück. Er wird wieder gesund und sucht das zerstörte Haus von Miss Havisham auf. Dort trifft er Estella. Dummle wurde über Estellas Vater Magwitch aufgeklärt und er bricht alle Beziehungen zu Estella ab, da er ihre niedere Abstammung verachtet. Estella kehrte zu dem Haus, das sie von Miss Havisham geerbt hatte, zurück. Sie will nun wie ihre Protektorin in Einsamkeit leben. Pip reißt die Vorhänge herunter, und erstmals seit Jahren kommt Sonnenlicht in den Raum. Pip zieht Estella zu sich und sagt ihr, dass er niemals jemanden so geliebt habe wie sie. Zuerst zögert sie, doch dann nimmt sie Pips Arm und verlässt mit ihm zusammen das Haus.

Hintergrund

  • Regisseur Lean, damals noch unbekannt, wurde 1939 von seiner Frau Kay Walsh in die Bühnenfassung des Dickens-Stücks mitgenommen. Lean sah den jungen Alec Guinness in der Rolle des Herbert Pocket und engagierte ihn gleich für seinen Film. Auch Martita Hunt wurde für den Film engagiert, um dort wie auf der Bühne Miss Havisham zu spielen.
  • Der FIlm beinhaltet die erste Sprechrolle für Alec Guinness.

Kritiken

  • Das Lexikon des internationalen Films beschreibt den Film als eine „stimmungsvolle, bis in die kleinste Rolle exakt besetzte Verfilmung des Romans „Große Erwartungen“ von Charles Dickens. Auch wenn die bezaubernde Poesie des ersten Teils nicht ganz durchgehalten ist, gehört der literarisch anspruchsvolle Film zu den besten Romanverfilmungen überhaupt.“[1]
  • Das Handbuch 6000 Filme (1963) befand: "Der zweite Teil (Stadt) fällt merklich ab."[2]

Auszeichnungen

Oscarverleihung 1948

Auszeichnungen

Nominierungen

Weitere Verfilmungen

  • 1917: Great Expectations - Regie: Robert G. Vignola und Paul West - USA
  • 1922: Store forventninger - Regie A. W. Sandberg - Dänemark
  • 1934: Great Expectations - Regie: Stuart Walker - USA
  • 1959: Great Expectations - Britische Fernsehserie
  • 1967: Great Expectations - Britische Fernsehserie
  • 1971: Great Expectations - Regie: Leonhard Gmür
  • 1974: Great Expectations - Regie Joseph Hardy - USA
  • 1981: Great Expectations - Regie: Julian Amyes - britische Mini-Serie
  • 1989: Great Expectations - Regie: Kevin Connor - amerikanische Mini-Serie
  • 1998: Große Erwartungen - Regie Alfonso Cuarón - USA
  • 1999: Great Expectations - Regie Julian Jarrold - Großbritannien

DVD-Veröffentlichung

  • Geheimnisvolle Erbschaft. Limitierte Sammleredition im Pappschuber und 16-seitigem Booklet. Koch Media 2003

Literatur

  • Charles Dickens: Große Erwartungen (Originaltitel: Great Expectations). Deutsch von Siegfried Lang. Deutscher Taschenbuch-Verlag (dtv) und Manesse-Verlag, München und Zürich 1993, 818 S., ISBN 3-423-24028-8
  • Charles Dickens: Great Expectations. Penguin, 2006, ISBN 0-14-102353-8 - englische Ausgabe
  • Charles Dickens: Große Erwartungen (Originaltitel: Great Expectations). HörEdition der Weltliteratur. Hörbuch auf 17 CDs (Stereo, ADD, 1993), mit Booklet (23 S.). Deutsch von Josef Thanner, gelesen von Hans Paetsch. Vorwort gelesen von Achim Gertz. Norddeutscher Rundfunk/Grosser & Stein/MOcean-OTon-Verlag, Pforzheim und Hamburg 2007, ISBN 978-3-86735-218-5 oder ISBN 3-86735-218-6

Weblinks

Einzelnachweise

  1. vgl. Lexikon des internationalen Films 2000/2001 (CD-ROM)
  2. 6000 Filme. Kritische Notizen aus den Kinojahren 1945 bis 1958. Handbuch V der katholischen Filmkritik, 3. Auflage, Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf 1963, S. 149

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