Leistung (Schule)

Leistung (Schule)

Schulleistung ist die intellektuelle Leistung, die zum Lernen eines von der Schule geforderten Lernstoffes innerhalb einer gegebenen Zeit nötig wäre, wenn man davon ausgeht, dass der Lernstoff unbekannt ist. Zweck von Schulen ist sowohl die Vermittlung von Wissen („Ergebnis der Lerntätigkeit“), als auch das Antrainieren und Prüfen von Leistung. Die bewertete Leistung wird meist in Schulnoten ausgedrückt. Insofern liegt die Priorität des Schulzwecks auf der Auslese, da nicht die Vermittlung eines vollständigen Wissens in bestimmten Bereichen an jeden Schüler angestrebt wird, sondern umgekehrt das mehr oder weniger vollständige Erlernen von Fachwissens immer damit abschließt, dass daraus Hierarchien in den einzelnen Klassen gebildet werden, in denen die sich aus der Bewertung ergebenden Unterschiede das Ergebnis des Unterrichts darstellen (Noten). Wissensvervollständigung, ergänzende Nachbearbeitung oder Förderung bei Lernhindernissen sind im Anschluss an Prüfungssituationen nicht mehr Zweck der Schule. Schulabschlüsse sind Leistungsbescheinigungen im Sinne von Bildungsausschluss oder Erlaubnis zur Nutzung weiterführender Bildungsebenen.

Leistung lässt sich nach Klafki aus pädagogischer Sicht definieren als „Ergebnis und Vollzug einer zielgerichteten Tätigkeit, die mit Anstrengung verbunden ist und für die Gütemaßstäbe anerkannt werden“ (Klafki 1975, S. 528) und die somit beurteilt wird. Diese Zielsetzungen erfordern „ein hohes Maß an Anstrengung und spezifischem Können“. In Bezug auf schulische Leistung definiert sich der Begriff Leistung als ein „von der Schule gefordertes und vom Schüler zu erbringendes Ergebnis seiner Lerntätigkeit. Die Schulleistung wird unabhängig von besonderen Lernbedingungen des Schülers nach einer Norm gemessen. Weder der Anteil der Lehrer-Schüler-Beziehung an die Lernmotivation, noch familiär ungünstige oder hemmende Voraussetzungen werden bei der Leistungsbewertung berücksichtigt." Jürgens überarbeitet diese defizitäre Begriffsbestimmung und unterscheidet für sein Konstrukt fünf Komponenten, welche Merkmale für einen pädagogischen Leistungsbegriff beinhalten.

Leistungen sind demnach

  • norm- und zweckgebunden
  • anlage- und umweltbedingt
  • produkt- und prozessorientiert
  • individuelles und soziales Lernen
  • problemorientiertes und vielfältiges Lernen

Von diesen Komponenten ausgehend entsteht ein dynamischer Leistungsbegriff, welcher stets eine individuelle, eine soziale und eine kriteriumsorientierte (sachbezogene) Bezugsnorm beinhaltet. Dies führt gleichzeitig dazu, dass nicht nur das Ergebnis einer Tätigkeit bewertet wird, sondern, dass vielmehr der Entstehungsprozess in den Mittelpunkt der Leistungsbeurteilung gerückt wird.

Inhaltsverzeichnis

Einflüsse auf die Schulleistung

Schulische Leistungen stellen ein komplexes Gefüge aus verschiedenen Bedingungen dar, die in einem dynamischen Zusammenspiel untereinander wirken:

  • Persönlichkeit des Schülers
  • Familie und soziales Umfeld
  • Schulische Voraussetzungen und Lehrerpersönlichkeit
  • Weitere Faktoren: Motivation, Interaktionseffekte

Persönlichkeit des Schülers

Zum Ergebnis eines Leistungsprozesses tragen nicht nur kognitive Faktoren (wie Intelligenz oder Wissen), sondern in hohem Maße auch individuelle, nicht-kognitive Bedingungen bei. Hierzu zählen beispielsweise Leistungsmotivation, Angst, Selbstbild, Fähigkeitsselbstkonzept, Extraversion/Introversion, Interessen, Emotionen, Frustrationstoleranz, Willenskontrolle, Werthaltungen, Attribuierungsverhalten, Beliebtheit etc. Je nach Art und Weise der Wechselwirkung aktueller Bedingungsfaktoren (persönliche Probleme oder Sorgen) und früherer Entwicklungsbedingungen (z.B. Erziehung) wirkt sich diese nicht nur auf die außerschulische Welt des Schülers, sondern auch auf seine Leistungssituation aus.

Familie und soziales Umfeld

Zu den familiär bedingten Auswirkungen auf Leistung zählen soziale Herkunft, Milieu bzw. Bildungsschicht, Erziehungsstil, Art und Ausmaß der Förderung des Kindes, Leistungserwartungen der Eltern etc. Allein schon durch die Übertragung der elterlichen Erbinformationen wird die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten beeinflusst. Gleichzeitig trägt die aktuelle Situation in Familie und Freundeskreis zur Leistungsfähigkeit bei. Neben der Familie spielen die Zugehörigkeit zu Peergroups und weitere wichtige Bezugspersonen eine entscheidende Rolle.

Schulische Voraussetzungen und Lehrerpersönlichkeit

Soziale Zusammensetzung, Klassenstärke und Atmosphäre stellen sowohl in positiver als auch negativer Hinsicht leistungsbeeinflussende Bestandteile dar. Zusätzlich kommt es auf Merkmale des Lehrers, seinen Unterrichtsstil sowie die Berufserfahrung an, ob eventuelle Schwierigkeiten (enorme Klassengröße, Konkurrenzdenken innerhalb der Klasse u.Ä.) kompensiert werden können.

Weitere Faktoren: Motivation, Interaktionseffekte

Die oben aufgeführten Punkte stehen in beständigem Austausch miteinander. So entwickeln sich Schulleistungen aus einer Interaktion zwischen Lehrer und Schüler. Deshalb ist es von wesentlicher Bedeutung, wie Lehrer Leistungsverhalten wahrnehmen, beurteilen und beeinflussen. Ebenfalls wirkt das Zusammenspiel Eltern und Schule bzw. Lehrer in beiderlei Richtungen. Direkte Verbindung besteht zur extrinsischen oder intrinsischen Schülermotivation. Intrinsische Motivation kann als Indikator für schulische Leistungsbereitschaft angesehen werden, wohingegen extrinsische Motivation (häufigste Form der Schülermotivation) dieser entgegenwirken kann.

Übertritt als besondere Leistungssituation

Kritisches Lebensereignis

Der Wechsel auf eine andere Schulart stellt für jeden Schüler ein kritisches Lebensereignis dar, das folgende Schwierigkeiten bzw. Herausforderungen mit sich bringt:

  • Der Schüler muss sich an eine Vielzahl neuer Situationen anpassen.
  • Der Übertritt beeinflusst die psychosoziale Entwicklung und das physische und psychische Wohlbefinden.
  • Sowohl die leistungsbezogenen und sozialen Anforderungen als auch die Umgebung und die Bewertungsmaßstäbe verändern sich
  • Zensuren verändern sich im Zuge des Bezugsgruppenwechsels, dabei verschlechtert sich oft das Fähigkeitsselbstkonzept bei Schülern, die auf das Gymnasium wechseln, wobei es sich bei Schülern, die auf die Hauptschule wechseln tendenziell verbessert. Dies entspricht dem Fischteicheffekt.

Psychische und physische Belastung

Das Erreichen eines bestimmten Notendurchschnitts für den Übertritt kann zu einem immensen Notendruck führen. Verstärkt wird dieser Druck durch die Erwartungen des sozialen Umfelds, das in vielen Fällen einen höheren Bildungsweg wünscht. Dies erzeugt häufig ein Spannungsfeld zwischen Eltern, Lehrer und Kind, das sich in negativen Interaktionen äußert. Zwischen den Mitschülern kommt es zu einem gesteigerten Konkurrenzdenken. Außerdem reagieren einige Kinder mit zunehmender Belastungssymptomatik, die sich in Bauchschmerzen, Kopfschmerzen aber auch Verhaltensauffälligkeiten niederschlägt.

Probleme der Leistungsbewertung für den Übertritt

Das Resultat der Untersuchung von Ditton (1992) ergibt eine klare Benachteiligung der Unterschichtsschüler/innen durch das Lehrerurteil und eine ebenso klare Bevorzugung der Schüler/innen aus der oberen Mittelschicht, was den Besuch des Gymnasiums anbelangt. Ein Schüler aus der oberen Mittelschicht bekommt also bei gleicher Note eher die Empfehlung für das Gymnasium als der Schüler aus der Unterschicht.

Leistungsmessung

Hauptartikel: Leistungsbeurteilung (Schule)

Leistungsmessung in Schulen setzt voraus, dass man Standards für Leistungen in der Schule hat, beispielsweise in Form von Bildungsstandards, und dass man Leistung messen kann. Standards für Leistungen in der Schule gab es schon immer – auch ohne von der Schulbehörde verbindlich festgelegte Normen. Die Standards ergaben sich aus den subjektiven Einstellungen des Lehrpersonals, die sich naturwüchsig weiterentwickelten und mit denen die abstrakten Vorgaben der Behörden im Alltag erfüllt wurden (siehe: Schulgesetze).

Der Zweck der Leistungsmessung in Schulen besteht im Schülervergleich, dessen Endergebnis eine Hierarchiebildung innerhalb der Schülerpopulation ist. Zeugnisse liefern nach außen – also gegenüber den potenziellen Abnehmern der Schulabgänger in Staat und Wirtschaft – die vorberufliche Dokumentation einer damit formell behaupteten abstrakten Nützlichkeit der einzelnen Schüler im Vergleich.

Diese Art der Leistungsmessung bezieht sich also im Ansatz bereits (Inhalte und Normen der Messung) auf den mit ihr verfolgten Zweck: Sie behauptet sich als objektiven Bezug auf gemessene Unterschiede zwischen Schülern, deren Kriterien sie selbst aufstellt und methodisch vorschreibt. Dementsprechend ist eine Kritik an Leistungsmessung in der Schule bezogen auf Resultate der Messungen obsolet. Die Existenz der gelaufenen Selektion selbst ist die Objektivität der Leistungsmessung. Alle Bezüge auf Intelligenz, Fleiß, Anstrengung, Gerechtigkeit, Chancengleichheit usw. beschreiben nachgeordnete Interpretationsaspekte zur Legitimation der vorgenommenen Messungen.

Literatur

  • Sabine Czerny: Was wir unseren Kindern in der Schule antun … und wie wir das ändern können. Südwest Verlag, München 2010, ISBN 978-3-517-08633-0.
  • W. Klafki: Probleme der Leistung in ihrer Bedeutung für die Reform der Grundschule. In: Die Grundschule. 10/1975, S. 527-532.
  • E. Jürgens: Leistung und Beurteilung in der Schule: Eine Einführung in Leistungs- und Bewertungsfragen aus pädagogischer Sicht. Academia-Verlag, Sankt Augustin 1992.
  • J. Ball, A. Lohaus, C. Miebach: Psychische Anpassung und schulische Leistungen beim Wechsel von der Grundschule zur weiterführenden Schule. In: Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie. 38 (2006), S. 101-109.
  • L.J. Crocket, A.C. Petersen, J.A. Gruber,: School Transitions and Adjustment During Early Adolescence. In: Journal of Early Adolescence. 9 (1989), S. 181-210.
  • Matthias von Saldern: Schulleistung in Diskussion. Schneider, Hoherengehren 2002.
  • U. Trautwein, O. Lüdtke: The Big-Fish-Little-Pond Effect. In: Zeitschrift für Pädagogische Psychologie. 19 (2005), S. 137-140.
  • K. Ulich: Einführung in die Sozialpsychologie. Beltzverlag, Weinheim/Basel 2001.
  • Helmut Heid: Was „leistet“ das Leistungsprinzip? In: Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik. 88, 1992, 2, S. 91–108.
  • C.-L. Furck: Das pädagogische Problem der Leistung in der Schule. 5. Auflage. Belz, Weinheim 1995.
  • Reinhold S. Jäger: Von der Beobachtung zur Notengebung. 4. Auflage. Verlag Empirische Pädagogik, Landau 2004.
  • Reinhold S. Jäger: Beobachten, beurteilen und fördern! Lehrbuch für die Aus-, Fort- und Weiterbildung. Verlag Empirische Pädagogik, Landau 2007.
  • Werner Sacher: Prüfen – Beurteilen – Benoten. 2. Auflage. Klinkhardt, 1996.
  • Franz E. Weinert: Leistungsmessungen in Schulen. Beltz Pädagogik, 2001.

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Leistung — (v. mittelhochdeutsch leistunge) steht für eine Arbeit pro Zeiteinheit: Arbeitsleistung in der Wirtschaft und bei der Erwerbsarbeit Elektrische Leistung in der Elektrotechnik Leistung (Informatik), eine Beschreibung der… …   Deutsch Wikipedia

  • Schule der Arbeitslosen — ist ein dystopischer Roman des deutschen Schriftstellers Joachim Zelter, erschienen 2006. Joachim Zelter, Schule der Arbeitslosen, Cover Der Roman spielt im Jahre 2016. Zur Lösung des anhaltenden Problems der Langzeitarbeitslosigkeit hat die… …   Deutsch Wikipedia

  • Schule Schloss Salem — Schulform Gymnasium Gründung 1920 Ort Salem Land Baden Württemberg Staat Deutschland Koordinaten …   Deutsch Wikipedia

  • Leistung für Bildung und Teilhabe — Leistungen für Bildung und Teilhabe (auch Bildungspaket[1] oder Bildungs und Teilhabepaket genannt) sind Leistungen, die in Deutschland im Rahmen der Grundsicherung für Arbeitssuchende oder der Sozialhilfe hilfebedürftigen Kindern, Jugendlichen… …   Deutsch Wikipedia

  • Leistung — Verdienste; Errungenschaft; Verdienst; Meriten; Energie; Leistungsabgabe; Leistungsfähigkeit; Kraft; Schwung; Performanz; Geschwindigkeit * * * Leis|tung …   Universal-Lexikon

  • Schule Reimann — Die Schule Reimann (auch „Reimann Schule“ genannt) war eine private Kunst und Kunstgewerbeschule in Berlin Schöneberg. Sie wurde 1902 von Albert Reimann gegründet und am 23. November 1943 bei einem Luftangriff zerstört. Inhaltsverzeichnis 1… …   Deutsch Wikipedia

  • Schule — Penne (umgangssprachlich); Bildung; Ausbildung; Erziehung; Zucht; Belehrung; Anleitung; Unterricht; Lektion; Unterrichtung; Bildungsstätte; …   Universal-Lexikon

  • Schule — Hinter (neben) die Schule gehen: den Unterricht absichtlich versäumen; seit 1691 durch Stieler gebucht. Gemeint ist ursprünglich: statt ins Schulhaus daran vorbeigehen. Bei Platen heißt es (1839): »wenn ich nicht hinter die Schule gegangen wäre,… …   Das Wörterbuch der Idiome

  • Schule für Erwachsene — Als Zweiten Bildungsweg bezeichnet man die Bildungsangebote, die Menschen, die den angestrebten Schulabschluss nicht im Normaldurchlauf der Regelschule erworben haben, die Möglichkeit zum nachträglichen Erwerb von Schulabschlüssen geben. An… …   Deutsch Wikipedia

  • Leistungsbeurteilung (Schule) — Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Ländern zu schildern. Die Leistungsbeurteilung von Schülern durch Lehrkräfte erfolgt als Bewertung von Einzelleistungen (mündliche Beiträge,… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”