Paschalis II.

Paschalis II.

Paschalis II., bürgerlich Raniero di Bieda, (* Bleda di Santa Sofia, Forlì; † 21. Januar 1118 in Rom) war zwischen 1099 und 1118 Papst der katholischen Kirche. Sein Name bedeutet: „der Österliche“ (an Ostern geboren) (hebr.-latein.)

Treffen zwischen Papst Paschalis II. und König Philipp I. 1107, aus Grandes Chroniques de France (1461)

Raniero wurde in Bleda (oder Galeate) in der Gegend von Forlì geboren. Seine erste bedeutende Funktion übte er als Abt von San Lorenzo fuori le mura aus. Von Gregor VII. 1078 zum Kardinalpriester von San Clemente erhoben, bekleidete er von 1089 bis 1090 das Amt eines Legaten in Frankreich und Spanien.

Am 14. August 1099[1] wurde er Papst. Er war der erste bei seiner Inthronisation gekrönte Papst.[2] Im Investiturstreit folgte er der Politik seines Vorgängers Gregor VII. 1102 erneuerte er den Bann gegen Kaiser Heinrich IV. 1104 gelang es Paschalis, den zweiten Sohn Heinrichs IV., den späteren Heinrich V., zu einem Aufstand gegen den Vater zu bewegen. Die Einladung des Reichstages zu Mainz vom Januar 1106, über die Investitur zu verhandeln, schlug er aus. Stattdessen wurde auf der Synode von Guastalla die Investitur durch den Kaiser erneut verboten. Im selben Jahr gelang es Paschalis II., den Investiturstreit in England zwischen Anselm von Canterbury und dem englischen König Heinrich I. zu schlichten.

Im 9. Februar 1111 wurde in einem Vertrag zwischen dem Papst und Heinrich V. in Sutri festgelegt, dass der deutsche König auf das Investiturrecht verzichtet und im Gegenzug Paschalis II. Heinrich V. zum Kaiser krönt und die Regalien zurückgibt. Drei Tage später scheiterte der Vertrag, weil die weltlichen und die geistlichen Fürsten nicht zustimmten. Daraufhin nahm Heinrich V. den Papst und mehrere Kardinäle gefangen. Zwei Monate später stimmte Paschalis unter Zwang dem Vertrag von Ponte Mammolo zu, in welchem dem Kaiser das Investiturrecht zugesprochen und Heinrich die Kaiserkrönung zugesagt wurde.

Ein Laterankonzil im darauffolgenden Jahr 1112 erklärte den Vertrag für nichtig, da er unter Zwang geschlossen wurde. Im Oktober 1112 wurde der Kaiser exkommuniziert. Im Jahre 1117 zog Heinrich V. erneut gegen Rom. Mathilde von Tuszien hatte vor ihrem Tod ihre weitläufigen Besitzungen in der Toskana der Kirche vermacht. Als sie 1115 gestorben war, beanspruchte der Kaiser diese Gebiete jedoch als zum Reich gehörend. Paschalis musste aus Rom fliehen und konnte erst nach der Abreise des Kaisers Anfang 1118 zurückkehren, starb aber wenige Tage später.

Literatur

  • Georg Gresser: Die Synoden und Konzilien in der Zeit des Reformpapsttums in Deutschland und Italien von Leo IX. bis Calixt II. 1049–1123, Paderborn 2006

Einzelnachweise

  1. Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter, Achtes Buch
  2. Le Goff, Jacques (Hrsg.): Fischer Weltgeschichte Band 11: Das Hochmittelalter, Frankfurt am Main, 205, S. 94

Weblinks

 Commons: Paschalis II. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Vorgänger Amt Nachfolger
Urban II. Papst
1099–1118
Gelasius II.

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