Quantitative Lockerung

Quantitative Lockerung

Quantitative Lockerung[1], englisch quantitative easing, ist die Geldpolitik einer Zentralbank, die zum Einsatz kommt, wenn der Zinssatz der Zentralbank bereits auf null oder fast auf null gesetzt wurde und weiterhin eine expansive Geldpolitik angesagt ist. In diesem Fall kann die Zentralbank versuchen, durch Aufkauf von Wertpapieren, etwa von Staatspapieren und dgl., weiterhin die Wirtschaft und Staat mit mehr Geld zu versorgen. Ziel der Quantitativen Lockerung ist es, die Reserven in der Bankbilanz zu erhöhen.[2] Umgangssprachlich wird darunter auch Geld zu drucken verstanden.[3] Allerdings wird heutzutage selbst bei der quantitativen Lockerung Bargeld nicht physisch gedruckt, sondern statt dessen die Geldmenge vergrößert, indem die Zentralbank zentralbankfähige Wertpapiere von Geschäftsbanken aufkauft. Die damit verbundene Gefahr ist ein Ansteigen der Inflation über das gewünschte Maß hinaus, im extremen Fall bis zur Hyperinflation sowie eine Gefährdung der Finanzmarktstabilität durch die Bildung von Spekulationsblasen auf Aktien-, Anleihe- und Rohstoffmärkten.[4]

Inhaltsverzeichnis

Anwendungsbeispiele

Angewandt wurde Quantitative Lockerung erstmals von der Japanischen Zentralbank im März 2001.[1] Im Zuge der Finanzkrise ab 2007 hat inzwischen auch die US-Zentralbank den Leitzins-Satz auf null bis ein Viertel Prozent abgesenkt, so dass jetzt quantitative Lockerung eingesetzt werden müsste, sollte die Geldpolitik weiter gelockert werden. In einer Rede vom 13. Januar 2009 verneint allerdings der Vorsitzende der US-Zentralbank Ben Bernanke, eine quantitative Lockerung zu betreiben, die Zentralbankpolitik sei vielmehr „Credit easing“.[2] Entgegen diesen Äußerungen beschloss die US-Zentralbank am 18. März 2009, bis Ende März 2010 Staatsanleihen und Wertpapiere im Gesamtwert von mehr als einer Billion Dollar zu erwerben.[2] Ein neues Programm zum Ankauf von Staatsanleihen, auch „Quantitative Easing II“ („QEII“) genannt, wurde vom Offenmarktausschuss des Fed am 3. November 2010 eingeleitet und dauerte bis Ende Juni 2011 an.[5] Am 22.September 2011 kündigte die Fed eine Neuauflage der "Operation Twist" an, welche schon einmal 1961 zur Anwendung gekommen ist. Im Rahmen dieses Programmes plant die Fed den Verkauf von US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von weniger als drei Jahren im Umfang von bis zu 400 Mrd. US-Dollar. Gleichzeitig sollen 400 Mrd.US-Dollar in langlaufende US-Staatsanleihen reinvestiert werden. Die Fed will hierdurch die Senkung der Langfristzinsen erreichen, wodurch Kredite tendenziell billiger werden sollen.[6]

Der Internationale Währungsfonds unterscheidet neben Maßnahmen herkömmlicher Geldpolitik „Liquidity easing“, „Credit easing“ und „Quantitative Easing“.[7] Die Zentralbanken der USA, Großbritanniens, Japans und einiger Schwellenländer würden quantitative Lockerung betreiben, was der IWF als den unmittelbaren Ankauf von Staatspapieren oder von staatlich garantierten Wertpapieren definiert. Die Europäische Zentralbank würde im Rahmen bestehender Geldmarktinstrumente zu einem festen Leitzinssatz unbegrenzt Liquidität zur Verfügung stellen und hat außerdem die Notenbankfähigkeit auf einen größeren Kreis von Wertpapieren ausgedehnt. Im Rahmen der Liquiditätslockerung würde die EZB mit der Federal Reserve über Währungsswaps US-Dollar bereitstellen. Andere Zentralbanken stellen unmittelbar Fremdwährungen zur Verfügung. Im Rahmen des Credit Easing würden unmittelbar von Privaten Wertpapiere aufgekauft oder diesen unmittelbar Kredit gewährt. Hier nennt der IWF die Federal Reserve, die Bank von England und die Bank von Japan.

Seit dem 6. März 2009 betreibt die britische Zentralbank quantitative Lockerung. In einem ersten Schritt wurden 75 Mrd. Pfund in den Markt gepumpt, ebenfalls über den Kauf mittel- und langfristiger Staatsanleihen. Am 5. November 2009 wurde letztmals eine Ausweitung des Programms auf die bis heute gültige und von der Bank gehaltene Höhe von 200 Mrd. Pfund beschlossen.[8] Am 6. Oktober kündigte die Bank of England eine Ausweitung des Programmes der Quantitativen Lockerung an. Das Volumen der angekauften Vermögenswerte soll von bisher 200 Mrd. Pfund auf 275 Mrd. Pfund ansteigen. Mit den zusätzlichen 75 Mrd. Pfund sollen innerhalb der nächsten vier Monate hauptsächlich britische Staatsanleihen erworben werden.[9]

Auch die Schweizer Nationalbank hat am 12. März 2009 angekündigt Fremdwährungen als auch Anleihen aufzukaufen.[10] Dabei wurde nicht bekannt gegeben, in welchem Umfang die Intervention stattfindet.[11]

Am 8. Mai 2009 erklärte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, dass die Europäische Zentralbank keine quantitative Lockerung betriebe, sondern etwas, was man als „credit easing“ bezeichnen könne.[12] Auch der seit dem 10. Mai 2010 von der EZB vorgenommene Ankauf staatlicher und privater Anleihen fällt nicht unter die quantitative Lockerung, weil die Käufe sterilisiert werden, um Auswirkungen auf das Geldmengenwachstum zu vermeiden.[13]

Alternativen

Das alternative Konzept der Freiwirtschaft installiert eine Umlaufsicherung, um die Existenz negativer Zinssätze zu ermöglichen. In einem freiwirtschaftlichen Wirtschaftssystem lässt sich die Geldmenge hierdurch auch bei einem Zentralbankzins nahe Null durch Zinssenkung aufweiten, so dass eine Politik der Quantitativen Lockerung vermieden werden kann. Im Zuge der weltweiten Finanzkrise werden diese Ideen in Fachkreisen wieder vermehrt diskutiert.[14]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Japan Brief des Foreign Press Center Japan vom 13. März 2006 auf der Website der Japanischen Botschaft in Deutschland
  2. a b c Rede von Ben Bernanke (englisch), 13. Januar 2009
  3. Tiefer als null geht doch, Süddeutsche Zeitung vom 19. März 2009
  4. Q&A: Quantitative easing, BBC News vom 9. April 2009
  5. Pressemitteilung des FOMC am 3. November 2010
  6. http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE78L03V20110922
  7. IMW: International Financial Stability Report, April 2009, Chapter 1: Stabilizing the Global Financial System and Mitigating Spillover Risks, Box 1.6
  8. Die Bank of England belässt den Leitzins bei 0,5 % und den Umfang des Programms zum Aufkauf von Vermögenswerten bei 200 Milliarden £, Pressemitteilung der Bank of England am 4. August 2011
  9. http://de.reuters.com/article/economicsNews/idDEBEE7950LF20111006
  10. Schweizer intervenieren aus Angst vor Deflation, FAZ.net vom 29. März
  11. Die Notenbanken öffnen die Schleusen, NZZonline vom 29. März
  12. [1] Video Pressekonferenz, die letzten Minuten.
  13. ECB Plans to Buy European Bonds to Ease Greek Crisis, Bloomberg vom 10.Mai
  14. Hans Christian Müller (18. Mai 2009): Geldpolitik und Finanzkrise: Negative Leitzinsen – das Undenkbare denken. S. 3. Handelsblatt. Abgerufen am 6. Januar 2011.

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