Rautenstrauch-Joest-Museum

Rautenstrauch-Joest-Museum
Das Kulturquartier an der Cäcilienstraße (Eingangsseite)
Eingangshalle

Das Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt ist das einzige kommunale Völkerkundemuseum in Nordrhein-Westfalen, es gehört der Stadt Köln. Das Museum wurde 1901 gegründet und bezog 1906 ein nach Plänen von Erwin Crones[1] neu errichtetes Gebäude am Ubierring.

Seit dem 22. Oktober 2010 befindet sich das Museum im Kulturquartier am Neumarkt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Sammlungen

Das Museum hat eine der zehn größten und bedeutendsten ethnografischen Sammlungen Deutschlands, die wichtigste in NRW. Die Sammlungen umfassen mehr als 65.000 Objekte aus Ozeanien, Afrika und verschiedenen Teilen Asiens und Amerikas.

Den Grundstock der Sammlung legte der Kölner Kaufmann Wilhelm Joest. Nach dessen frühem Tod auf einer Forschungsreise schenkte dessen Schwester Adele Rautenstrauch gemeinsam mit ihrem Mann seine Sammlung 1899 der Stadt Köln. Sie förderte außerdem nach dem Tode ihres Mannes mit einer Spende von 250.000 Mark die Errichtung des Museums, das am 12. November 1906 eröffnet wurde.

Eine wichtige Erweiterung der Sammlung seit dem Zweiten Weltkrieg war der Erwerb der Sammlung ozeanischer und afrikanischer Kunst von Klaus Clausmeyer 1966 durch die Stadt Köln.[2] Gleichfalls zur Sammlung beigetragen haben der aus einer Kölner Bankiersfamilie stammende Max von Oppenheim und in neuerer Zeit Irene und Peter Ludwig sowie Hans Wilhelm Siegel.

Mit der Neueröffnung 2010 wurde das Ausstellungskonzept von der klassischen Einteilung in geographische Großräume umgestellt auf eine thematische Darstellung „Der Mensch in seinen Welten“: „Begegnung und Aneignung: Grenzüberschreitungen“, „Der verstellte Blick: Vorurteile“, „Die Welt in der Vitrine: Museum“, „Ansichtssachen?!: Kunst“, „Türen im Übergang“, „Lebensräume - Lebensformen: Wohnen“, „Der Körper als Bühne: Kleidung und Schmuck“, „Der inszenierte Abschied: Tod und Jenseits“, „Vielfalt des Glaubens: Religionen“, „ZwischenWelten: Rituale“.

Durch diesen Kulturen vergleichenden Ansatz – unter Einbeziehung der westlichen Kultur – soll das gleichberechtigte Dasein und die Ebenbürtigkeit aller Kulturen betont werden.

An junge Besucher richtet sich das JuniorMuseum, das über das Erwachsenwerden in Japan, Kanada, Sierra Leone, Türkei und Deutschland erzählt. Ausstellungen in diesem „Haus im Haus“ werden von Kindern und Jugendlichen kuratiert.

Geschichte der Museumsgebäude

In diesem Gründerzeitbau am Ubierring war das Museum bis 2010 untergebracht

Das Museum befand sich am Ubierring in einem Gründerzeitgebäude, das den Zweiten Weltkrieg fast unversehrt überstanden hat. Mehrfach hat Hochwasser die Depots des Museums überschwemmt.

2002 wurden die Bauarbeiten für ein neues Museumsgebäude nach Plänen des Braunschweiger Architekturbüros Schneider + Sendelbach mit dem Abriss der Josef-Haubrich-Kunsthalle begonnen. Verschiedene Baustops und Planänderungen in Folge der Finanzlage der Stadt Köln verzögerten die Fertigstellung mehrfach.

Am 22. Oktober 2010 wurde das Völkerkundemuseum im neu erbauten Kulturquartier am Neumarkt wieder eröffnet.

Im Kulturquartier befindet sich auch der neue Eingang zum benachbarten Museum Schnütgen. Beide Gebäude sind mit einem ebenfalls neu erbauten Durchgang verbunden, der gleichzeitig der Präsentation mittelalterlicher Glasfenster dient. Ein Veranstaltungssaal im Erdgeschoss des Kulturquartiers wird durch beide Museen sowie der VHS Köln genutzt. Gemeinsam genutzt werden auch der Museumsshop, Info, Kasse, Garderobe und WC.

Ausstellungsgegenstände (Beispiele)

Das Gamelan Instrumentenensemble
Thema des Raumes: „Ansichtssachen?! Kunst“
Thema des Raumes: „Die Welt in der Vitrine: Museum“
  • Das Wahrzeichen und größte Exponat des Museums ist ein über 7,50 m hoher, prächtig verzierter Reisspeicher (ca. 1935) aus Sulawesi, Indonesien, der im Foyer des Gebäudes originalgetreu wieder aufgebaut wurde. [3]
  • Gamelan-Orchester aus Java und Bali[4]
  • Stehender Shiva, Kambodscha, Angkor-Periode, 3. Viertel 9. Jahrhundert
  • Totenboot der Māori, Bay of Plenty, Nordinsel Neuseelands, vor 1840
  • Quetzalcoatl-Ehecatl, Zentralmexiko, Aztekisch, ca. 1480-1519 n. Chr.
  • Statuette eines Gefesselten, Insel Jaina, Campeche, Mexiko, Maya-Spätklassik, 500-800 n. Chr.
  • Stelenfragment, Piedras Negras, El Peten, Guatemala, Maya-Spätklassik, geweiht 20. August 662 n. Chr.
  • Schmuckketten bura und sertali, Karo-Batak, Nordsumatra, Indonesien, 20. Jahrhundert
  • Figurengruppe, Yoruba, Nigeria, Anfang 20. Jahrhundert
  • Skulptur, Dogon, Tintam-Region, Mali, 15.-17. Jahrhundert
  • Maske tapuanu, Mortlock-Inseln, Zentrale Karolinen, um 1900
  • Tanzaufsatz magbo, Yoruba, Nigeria, vor 1898
  • Weibliche Figur, Abelam, Maprikgebiet, Neuguinea, um 1950
  • Lendentuch, Chimu, Nordküste Peru, ca. 1300-1370 n. Chr.
  • Federmantel ahu ‘ula, Hawaii, vor 1823
  • Gabelhalsgefäß, Moche, nördliche Küste des heutigen Peru, Moche IV, vermutlich 5.-6. Jh. n. Chr.
  • Elfköpfiger Bodhisattva Avalokiteshvara, Tibetisch, Südtibet, China, 15./16. Jahrhundert
  • Opfergestell mit weiblicher Ahnenfigur luli, Luhuleli, Leti, Indonesien, 19. Jahrhundert
  • Statue der Gottheit Lamiaha, Emroin, Babar, Babar-Archipel, Indonesien, 19. Jahrhundert
  • Anthropomorphe Figur tino aitu / dinonga eidu, Nukuoro, Karolinen, 19. Jahrhundert
  • Maske der achtzehn Krankheitsdämonen, Südwestküste, Sri Lanka (Ceylon), Ende 19. Jahrhundert
  • Skulpturen, Mende, Sierra Leone, 19. Jahrhundert

Präsenzbibliothek

Das Museum verfügt über eine der Öffentlichkeit zugängliche Präsenzbibliothek von 40.000 Monografien und Fachzeitschriften. Eine Besonderheit dieser Bibliothek ist unter anderem eine äthiopische Handschrift aus dem 16. Jahrhundert. Erwähnenswert ist auch die wissenschaftliche Literatursammlung der 2004 verstorbenen Gründerin des Malaiologischen Apparats der Universität zu Köln, Irene Hilgers-Hesse, die 2008 von der Deutsch-Indonesischen Gesellschaft als Schenkung übergeben wurde. Sie besteht aus rund 1500 Bänden vorwiegend indonesischer und malaiischer kulturwissenschaftlicher und belletristischer Werke (in lateinischer und Jawi-Schrift) der 1960er bis 80er Jahre, die sonst in Deutschland größtenteils nicht erhältlich sind.

Historisches Fotoarchiv

Das historische Fotoarchiv umfasst ungefähr 10.000 Fotografien, unter anderem von Rudolf Oldenburg, Marie Pauline Thorbecke, Georg Küppers-Loosen und Albert Grubauer.

Sonderausstellungen

Zeitraum Titel
1981 Rausch und Realität, Drogen im Kulturvergleich (Katalog, herausgegeben von Gisela Völger und Karin von Welck, ISBN 3-499-34006-2)
26. Juli 1985-13. Oktober 1985 Die Braut – geliebt, verkauft, getauscht, geraubt. Zur Rolle der Frau im Kulturvergleich
11. April 1987-12. Juli 1987 Gold und Macht – Spanien in der Neuen Welt
25. Juni 1987-31. Dezember 1989 Ainu – Jäger, Fischer und Sammler in Japans Norden
03. Oktober 1987-4. April 1988 Pracht und Geheimnis – Kleidung und Schmuck aus Palästina und Jordanien
21. Oktober 1988-26. Februar 1989 Der Flug des Bumerang – 40.000 Jahre Australier
17. März 1989-24. September 1989 Tiger-Teppiche aus Tibet
23. März 1990-17. Juni 1990 Männerbünde – Männerbande: Zur Rolle des Mannes im Kulturvergleich
21. Juni 1990-4. November 1990 Der geraubte Schatten – Zur Geschichte der ethnographischen Photographie im deutschsprachigen Raum
30. November 1990-26. Mai 1991 Niombo – Der Tote in der Puppe – Begräbnisrituale in Zentralafrika
5. Juli 1991-12. Januar 1992 Batak – mit den Ahnen leben – Menschen in Indonesien
15. Januar 1993-25. Juli 1993 Leben im russischen Schtetl – Auf den Spuren von An-Ski.
10. September 1993-24. Juli 1994 Die anderen Götter – Volks- und Stammesbronzen aus Indien
18. Februar 1994-23. Mai 1994 Die Welt der Maya – Archäologische Schätze aus drei Jahrtausenden
6. Mai 1994-20. Juni 1994 Kammerspiel für Völkerkunde – Objekte schlagen zurück: Eine Kunstinstallation von Peter Pick
30. September 1994-5. Juni 1995 Federarbeiten der Indianer Südamerikas – Aus der Studiensammlung Horst Antes
19. Januar 1995-7. Mai 1995 Bilder aus dem Paradies – Koloniale Fotografie aus Samoa 1875 – 1925
15. September 1995-21. Oktober 1995 Walter Spies – Maler und Musiker auf Bali
25. April 1996-31. August 1997 Wer hat die Kokosnuß ...? Die Kokospalme – Baum der tausend Möglichkeiten
21. März 1997-10. August 1997 Afrikanische Kunst – Die Sammlung Arman
25. November 1997-8. März 1998 Sie und Er – Frauenmacht und Männerherrschaft im Kulturvergleich
01. Juni 1999-26. September 1999 Soly Cissé – Neue Kunst aus dem Senegal.
13. August 1999-31. Januar 2001 Kunst der Welt
22. Oktober 1999-30. Januar 2000 Tatau – Tätowierungen aus Polynesien
22. Juni 2000-8. Oktober 2000 Von Fürstenhöfen und Sultanspalästen
22. Oktober 2000-14. Januar 2001 Amouzou Glikpa – Neue Kunst aus Togo
9. März 2001-29. Juli 2001 Söhne und Töchter der Wolken – Vertreibung und Exil in der Westsahara
12. August 2001-28. Oktober 2001 Zwischen Tradition und Moderne – Junge Künstler aus Indonesien
17. Dezember 2001-9. November 2003 Faszination Orient – Max von Oppenheim – Forscher, Sammler, Diplomat
11. Oktober 2002-26. Februar 2003 Faszination Afrika – Schätze aus dem Rautenstrauch-Joest-Museum.
21. Februar 2003-18. Mai 2003 Leben in Westafrika
19. Oktober 2003-25. Januar 2004 Sexualität und Tod: AIDS in der zeitgenössischen afrikanischen Kunst
7. März 2004-3. Oktober 2004 Namibia – Deutschland: Eine geteilte Geschichte
13. Februar 2005-2. Oktober 2005 Buddhisten – Jainas – Hindus: Auf der Suche nach dem Gottesbild
25. September 2005-26. März 2006 „Urformen der Kunst“: Fotografien Karl Blossfeldts und außereuropäische Kunst – Eine Ausstellung von 1926 in neuem Licht
7. August 2005-13. Januar 2008 Eine Frage des Glaubens: Religiöse Vielfalt in Köln
2. Juli 2006-16. Januar 2007 Trance und Heilung – Unbekannte Rituale in Indien
22. April 2007-13. Januar 2008 Im Schatten der Akazie – Forschung in den Wüsten Afrikas
5. November 2010-13. März 2011 Afropolis. Stadt, Medien, Kunst.
30. April 2011-11. September 2011 Lawrence von Arabien − Genese eines Mythos

Förderverein

Museumsgesellschaft RJM, dessen Vorsitz 50 Jahren Ludwig Theodor von Rautenstrauch innehatte.

Literatur

Weblinks

 Commons: Rautenstrauch-Joest-Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Hiltrud Kier; Stadt Köln (Hrsg.): Denkmälerverzeichnis. 12.2, J.P. Bachem Verlag, Köln 1983, ISBN 3-7616-0699-0, S. 186. 
  2. Gisela Völker (Hrsg.): Kunst der Welt im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln. Prestel, München 1999, ISBN 3-7913-2179-X.
  3. Das Wahrzeichen: ein Reisspeicher aus Indonesien.
  4. Einstimmung: Gamelan, mit ausführlichem Katalogtext (als PDF) zu Gamelan

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