Richard Sapper

Richard Sapper

Der in Italien lebende Deutsche Richard Sapper (* 1932 in München) ist einer der bedeutendsten Produktdesigner der Gegenwart. Seine wahrscheinlich bekannteste Schöpfung ist die Niedervolt-Halogenleuchte „Tizio“, die er 1972 für das italienische Lichtdesign-Unternehmen Artemide entwarf, und die noch heute produziert wird. Sie gilt – wie viele seiner Entwürfe – als moderner Designklassiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Richard Sapper, Sohn eines Malers und selbst ein hochbegabter Zeichner, studierte von 1952 bis 1956 an der Universität München Betriebswirtschaftslehre. Seinen breitgefächerten Interessen entsprechend belegte er aber auch Vorlesungen in so unterschiedlichen Fächern wie Philosophie, Anatomie, Grafik und Ingenieurwissenschaften. Er schloss sein Studium im Fach Betriebswirtschaftslehre ab mit einer Diplomarbeit über die wirtschaftlichen Probleme industrieller Formgestaltung.

Nach seinem Studium war er bis 1958 in der Designabteilung bei Mercedes-Benz in Stuttgart tätig, wo er u. a. den stromlinienförmigen – und in jener Zeit stilbildenden – Außenspiegel des legendären Mercedes-Benz 300 SL Roadster entwarf.

1958 übersiedelte Sapper nach Mailand, schon zu jener Zeit eine Hochburg des Avantgarde-Designs. Hier entwarf er bis zum Ende der 1960er-Jahre Gebrauchsgegenstände für renommierte Unternehmen wie La Rinascente oder Alessi, sowie für verschiedene Designstudios wie Giovanni Ponti, Alberto Rosselli und vor allem Marco Zanuso, mit dem er einige Produktentwürfe gemeinsam entwickelte. In dieser Zeit schuf er nicht nur bedeutende Designklassiker, sondern er übersetzte auch die Tagebücher des Malers Paul Klee ins Italienische.

1970 gründete Sapper in Stuttgart sein eigenes Designbüro, zugleich begann er seine Beratertätigkeit für Fiat und Pirelli. 1980 wurde er bei der IBM Corporation verantwortlicher Berater für das weltweite Produktdesign und das Corporate Image des Konzerns. Er prägte wesentlich die Gestaltung der IBM-Desktopcomputer und -Notebooks (ThinkPad).

Richard Sapper gilt als politisch engagierter Mensch, der sich einem humanistischen Weltbild verpflichtet sieht. Er begreift Design als soziale und politische Aufgabe. Mit seinem Motto „Der Form einen Sinn geben“ distanziert er sich deutlich vom Leitmotiv „form follows function“ des funktionalistischen Designverständnisses.

Lehrtätigkeit

Werk (Auswahl)

Lampe Tizio
Klappradio für Brionvega, hier das Retromodell TS 522 von 2004
Flötenkessel 9091 (Bollitore) für Alessi, 1983
  • 1960 – Tischuhr Static für Lorenz (ausgezeichnet mit: Compasso d’Oro)
  • 1962 – Fernseher Doney 14 für Brionvega
  • 1963 – Kunststoffstuhl K-1340 für Kartell (mit Marco Zanuso)
  • 1963 – Stuhl Lambda für Gavina
  • 1964 – klappbares Kunststoffradio TS 502 für Brionvega (mit Marco Zanuso)
  • 1966 – klappbares Telefon Grillo für Siemens
  • 1965 – Fernseher Algol für Brionvega
  • 1969 – Fernseher Black 12 für Brionvega
  • 1971 – Radio Match für Telefunken
  • 1972 – Halogenleuchte Tizio für Artemide (ausgezeichnet mit: Compasso d’Oro, iF Product Design Award)
  • 1973 – Bücherregal Genia für B&B Italia
  • 1974 – Kurzzeitwecker Minitimer für Italora
  • 1975 – Deckenleuchte Aretusa für Artemide
  • 1975 – Tischuhr Tantalus für Artemide
  • 1978 – Stoppuhr Microsplit für Heuer
  • 1979 – Espressomaschine Nr. 9090 für Alessi (ausgezeichnet: Compasso d’Oro (1979), Design Plus (1983))
  • 1979 – Bürostuhlserie Sapper Collection für Knoll International
  • 1982 – Kaffee- und Teeservice für Alessi
  • 1983 – Flötenkessel 9091 (Bollitore) für Alessi
  • 1984 – Armstuhl Nena für B&B Italia
  • 1985 – Laptop 5140 für IBM
  • 1987 – Kochgeschirr La cintura di orione für Alessi
  • 1987 – Armbanduhr Uri-Uri für Alessi
  • 1992 – Laptop Thinkpad 700 C für IBM
  • 1996 – Hängeleuchte Kyron für Artemide
  • 1997 – Espressomaschine Cobàn für Alessi
  • 1997 – Tafelbesteck RS01'für Alessi
  • 1997 – Teekanne Bandung für Alessi
  • 2000 – Stapelstuhl Aida für Magis
  • 2003 – Kugelschreiber Lamy Dialog 1 für Lamy
  • 2003 – Schranksystem Meta für Robots
  • 2005 – LED-Leuchte Halley für Lucesco (ausgezeichnet: NeoCon Gold Award)

Auszeichnungen

Richard Sappers Entwürfe wurden mit zahlreichen international bedeutenden Preisen ausgezeichnet. So erhielt er mehrfach den italienischen Designpreis Compasso d’Oro (Goldener Zirkel) und den deutschen iF Product Design Award, zweimal den deutschen Preis Gute Form (1969 und 1983), zwei Goldmedaillen der Biennale für Industriedesign in Ljubljana (1973 und 1979) sowie 1992 den Lucky Strike Designer Award der Raymond Loewy-Stiftung. Im Jahre 2005 verlieh ihm die deutsche Zeitschrift Architektur & Wohnen den Titel „Designer des Jahres 2005“.

2009 wurde Richard Sapper vom Rat für Formgebung im Rahmen des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland als „Gestalter-Persönlichkeit“ ausgezeichnet.[1]

Das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) sowie das Philadelphia Museum of Art würdigen Richard Sapper mit der Aufnahme einiger seiner Entwürfe in ihre ständige Ausstellung (siehe Weblinks).

Literatur

Einzelnachweise

  1. Designpreis 2009: Die Gewinner

Siehe auch

Weblinks

Artikel über Richard Sapper

Produktfotos


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