Sepp Blatter

Sepp Blatter
Sepp Blatter (2006)

Joseph «Sepp» Blatter (* 10. März 1936 in Visp) ist ein Schweizer Fussballfunktionär. Er ist seit 1998 der achte Präsident des Weltfussballverbandes FIFA.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Sepp Blatter wurde am 10. März 1936 in Visp geboren, wo er die Primarschule besuchte. Blatter besuchte Schulen in Visp, Sitten und Saint-Maurice VS. Anschliessend studierte er an der Rechtsfakultät der Universität Lausanne Volkswirtschaftslehre. Das Studium schloss er mit dem Lizenziat ab. Blatter ist Alter Herr der Schweizerischen Studentenverbindung Helvetia. Sein Vulgo lautet Mi-temps (dt. «Halbzeit»).

Von 1948 bis 1971 spielte Blatter aktiv Fussball (unter anderem in der höchsten schweizerischen Amateurliga). Von 1970 bis 1975 sass er im Vorstand von Neuchâtel Xamax. Bevor Blatter seine Karriere bei der FIFA begann, war er in verschiedenen Verbänden (PR-Chef des Walliser Verkehrsverbandes, Generalsekretär des Schweizerischen Eishockeyverbandes) tätig. Des Weiteren arbeitete er auch in der Privatwirtschaft (Direktor für PR und Sport der Longines S.A.) als Journalist und PR-Fachmann.

1975 trat Blatter in den Dienst der FIFA als Direktor der FIFA-Entwicklungsprogramme, mit denen die Grundsteine für die Weltmeisterschaften in den Alterskategorien U-20 und U-17 sowie im Frauen- und Hallenfussball (Futsal) gelegt wurden. Von 1981 bis 1998 war Blatter Generalsekretär der FIFA. 1990 wurde er zusätzlich mit den Befugnissen eines Exekutivdirektors (CEO) ausgestattet.

Am 8. Juni 1998 wurde er als Nachfolger des Brasilianers João Havelange zum achten Präsidenten der FIFA gewählt. In einem Interview mit der schweizerischen Sonntagszeitung vom 18. Februar 2007 sagte Blatter, dass sich sein Jahresgehalt auf eine Million US-Dollar belaufe. Auf dem 57. Ordentlichen Kongress der FIFA in Zürich wurde Blatter 2007 per Akklamation bis 2011 in seinem Amt bestätigt.[1] Am 1. Juni 2011 wurde er auf dem 61. Kongress der FIFA mit 186 von 203 Stimmen für eine vierte Amtszeit als FIFA-Präsident bis 2015 wiedergewählt.

Seit 1999 ist Blatter Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee.

Das Alte Schulhaus der Primarschule in Visp wird heute auch Sepp-Blatter-Schulhaus genannt.[2]

Blatter ist mehrfach geschieden und hat eine Tochter.

Auszeichnungen (Auswahl)

Kritik

Wahl zum FIFA-Präsidenten 1998 und 2002

Nach Blatters knapper Wahl zum FIFA-Präsidenten kamen Gerüchte über Fälle von Korruption vor der Wahl auf. Der englische Enthüllungsautor David Yallop beschreibt in seinem Buch Wie das Spiel verloren ging, wie Blatter angeblich für je 50.000 US-Dollar 22 Stimmen kaufte. Blatter ging gegen das Buch juristisch vor und erwirkte einen Verkaufsstop in der Schweiz.[3] Ähnlich kontrovers verlief auch seine Wiederwahl 2002, wieder belastet von Gerüchten über unrechtmässige Abläufe im Hintergrund.[4] In diesem Zusammenhang veröffentlichte der somalische Delegierte Farah Addo seine Behauptung, dass ihm und anderen Delegierten bei der Wahl 1998 100.000 US-Dollar für eine Stimme für Blatter angeboten wurden.[5] Farah Addo wurde im März 2003 von einem Schweizer Gericht dazu verurteilt, die Wiederholung seiner Aussage einzustellen und 10'000 CHF Entschädigung an Blatter zu zahlen.[6][7] Widerrufen musste er seine Behauptung aber nicht.

Finanzielle Fehler

Neben diesen Unregelmässigkeiten wurde Blatter regelmässig von seinen verbandsinternen Gegnern finanzielles Missmanagement vorgeworfen, etwa durch FIFA-Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen bezüglich Verlusten von bis zu 100 Millionen US-Dollar im Bereich Marketing.[8][9] Die entsprechende Klage wurde durch ein Schweizer Gericht fallen gelassen. Eine interne Untersuchung der Vorgänge wurde durch Blatters Veto verhindert und sein Kritiker aus dem Amt entlassen.[10][11]

Regelreformen

Viele der Änderungen an den Regeln und Statuten der FIFA, die während Blatters Amtszeit eingeführt wurden, stiessen bei Fans, Journalisten, Spielern und Vereinen auf mässige Resonanz oder wurden kontrovers diskutiert. Beispiele sind etwa laufende Überlegungen zum Umbau der Entscheidungsfindung bei Unentschieden,[12] die strenge Regelauslegung bei einteiligen Trikots der kamerunischen Nationalmannschaft[13] oder neuerdings das Verbot von Länderspielen über 2000 m Meereshöhe.[14]

Kommentare zum Frauenfussball

Blatter erntete Kritik von Spielerinnen- und Frauenverbänden für einen Kommentar im Jahr 2004 während eines Interviews im Schweizer Sonntagsblick, nach dem die Sportkleidung der Fussballspielerinnen «femininer» gestaltet werden solle. Diese Massnahme sollte neue Geldgeber, etwa aus der Kosmetik- und Modeindustrie anlocken. Blatter verglich seine Idee mit der Entwicklung im Volleyball.[15]

Vorwürfe 2011 und Wiederwahl

Kurz vor der FIFA Präsidentenwahl am 1. Juni wird bekannt, dass Blatter von Schmiergeldern gewusst haben soll und nichts unternommen habe. Sein Gegner Mohamed bin Hammam hat seine Kandidatur jedoch zurückgezogen, welches nach seinen eigenen Aussagen nicht damit zusammenhängen soll, dass er selbst versucht haben soll, die Wahl mithilfe von Geldgeschenken zu manipulieren.[16] Trotz aller Vorwürfe wurde Sepp Blatter am 1. Juni 2011 mit 186 von 203 Stimmen in eine 4. Amtszeit gewählt.[17]

Literatur

  • Jürgen Leinemann: Der Weltmeister. In: Der Spiegel. Nr. 28, 2006, S. 38 (online).
  • Andrew Jennings: FOUL! The Secret World of FIFA: Bribes, Vote-Rigging and Ticket Scandals. Harper Collins, 2006, ISBN 0007208111.
  • David A. Yallop: Wie das Spiel verlorenging. Die korrupten Geschäfte zwischen FIFA und Medien. Econ, 1998, ISBN 3430198755.

Dokumentation

Weblinks

 Commons: Joseph «Sepp» Blatter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Blatter als Fifa-Boss wiedergewählt. In: www.nzz.ch. 31. Mai 2007, abgerufen am 8. Januar 2009.
  2. vispschulen.ch
  3. Matthias Matussek, David A. Yallop: «Der Fußball hat sich völlig prostituiert». In: Spiegel Online. 28. Mai 2004, abgerufen am 8. Januar 2009.
  4. Berries Bossmann: Fifa-Kongress endet mit Eklat. In: Berliner Morgenpost. 29. Mai 2002, abgerufen am 8. Januar 2009.
  5. Jens Weinreich: 100 000 Dollar, wenn du dein Votum änderst. In: Berliner Zeitung. 28. Februar 2002, abgerufen am 8. Januar 2009.
  6. Farah Addo ordered to pay damages to FIFA President Joseph S. Blatter. In: FIFA.com. 12. März 2003, abgerufen am 8. Januar 2009.
  7. Blatter wins court injunction. In: BBC Sports. 29. April 2002, abgerufen am 8. Januar 2009.
  8. Harry Peart: Blatter could face corruption probe. In: BBC Sports. 4. Mai 2002, abgerufen am 8. Januar 2009.
  9. Fifa sues Blatter. In: BBC Sports. 8. Mai 2002, abgerufen am 8. Januar 2009.
  10. Blatter suspends Fifa investigation. In: BBC Sports. 12. April 2002, abgerufen am 8. Januar 2009.
  11. Blatter set to sack critic. In: BBC Sports. 30. Mai 2002, abgerufen am 8. Januar 2009.
  12. Kurzpässe - Ailton und Alberto vorgestellt, Blatter will Verlängerung abschaffen. In: Spiegel Online. 14. Juli 2007, abgerufen am 8. Januar 2009.
  13. Daniel Theweleit: Trikottausch ausgeschlossen. In: Berliner Zeitung. 26. Januar 2004, abgerufen am 8. Januar 2009.
  14. Fifa-Höhenlimit ist "lächerlich". In: RP Online. 18. März 2008, abgerufen am 8. Januar 2009.
  15. Anette von Nayhauß: Ab in die Badehose, Herr Blatter. In: Berliner Morgenpost. 18. Januar 2004, abgerufen am 8. Januar 2009.
  16. Lars Wallroth: Blatter und Fifa haben jegliches Ansehen verspielt. In: Welt Online. 29. Mai 2011, abgerufen am 1. Juni 2011.
  17. FIFA-Präsident Joseph S. Blatter für eine vierte Amtszeit wiedergewählt. In: FIFA.com. 1. Juni 2011, abgerufen am 2. Juni 2011.

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