Żydowo (Koszalin)

Żydowo (Koszalin)
Żydowo
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Żydowo (Polen)
Żydowo
Żydowo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Koszalin
Gmina: Polanów
Geographische Lage: 54° 2′ N, 16° 43′ O54.03333333333316.716666666667Koordinaten: 54° 2′ 0″ N, 16° 43′ 0″ O
Einwohner:

1000

Postleitzahl: 76-012
Telefonvorwahl: (+48) 94
Kfz-Kennzeichen: ZKO
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Woiwodschaftsstraße 205: Darłowo - SławnoBobolice
Schienenweg: Bahnstation Miastko, Bahnstrecke Miastko - Sławno bzw. Słupsk
Nächster int. Flughafen: Danzig

Żydowo (deutsch Sydow) ist ein polnisches Schulzendorf in der Landgemeinde Polanów im Powiat Koszaliński der Woiwodschaft Westpommern.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Der Ort liegt im äußersten Osten der Woiwodschaft Westpommern, am Nordhang der Steinberger Endmoräne und am Nordostrand der Pommerschen Seenplatte zwischen dem Nieder- und dem Kamiensee (Jezioro Żydowskie, J. Kamień). Rund um den Ort breiten sich weite Waldflächen aus. Der Verkehr wird über die Woiwodschaftsstraße 205 (Sławno (Schlawe)Bobolice (Bublitz)) abgewickelt, die bei Bobolice in die Landesstraße 11 (Koszalin (Köslin)Posen) mündet. Das Gemeindezentrum Polanów (Pollnow) ist zwölf Kilometer entfernt.

Pumpspeicherkraftwerk

Der Höhenunterschied von 80 Metern zwischen den beiden Seen wird seit dem Jahr 1971 zur Stromerzeugung mittels eines Pumpspeicherkraftwerkes mit einer Leistung von 156 MW genutzt. Planungen dafür gab es schon zur deutschen Zeit seit 1932.[1]

Geschichte

Geschichtliche Entwicklung

Über die Gründung des Ortes ist nichts bekannt. Sicher ist, dass das Schlawer Land, zu dem der Ort später gehörte, bis 1238 ein pomeranisches Herzogtum war. Von 1257 bis 1347 herrschten dort die Swenzonen, die in dieser Zeit zahlreiche Städte gründeten. Darunter befand sich auch das heutige Gemeindezentrum, das 1312 als Pollnow gegründet wurde. So ist anzunehmen, dass auch das heutige Żydowo in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts unter dem Namen Sidow, später Sydow entstand.

1321 ging das Sydower Gebiet in das Eigentum des Zisterzienserklosters Pelpin über, das später dem Kloster Buckow unterstellt war. Von 1353 an gehörte es zu den Tafelgütern der Camminer Bischöfe, wurde 1436 zusammen mit Pollnow an den pommerschen Herzog Bogislaw IX. verpfändet, ehe es um 1460 zur Zeit Erich II. gänzlich unter die Herrschaft der pommerschen Herzöge kam. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurde Sydow als Lehen an die Familien von Lettow, von Münchow und von Woedtke vergeben.[2] Als infolge des Zweiten Thorner Friedens von 1466 der Deutsche Orden Gebiete an Polen abgeben musste, geriet Sydow bis 1772 in den Grenzbereich zu Polen.

Seit dem 17. Jahrhundert verfügte das Dorf über eine eigene Kirche, die als Fachwerkbau errichtet wurde. Nach dem Aussterben der pommerschen Herzöge (Bogislaw XIV. † 1637) und dem Westfälischen Frieden von 1648 übernahm Brandenburg die Landesherrschaft, die ab 1701 in das Königkreis Preußen überging. Im Zuge der preußischen Verwaltungsreform von 1815 wurde Sydow in den Kreis Schlawe eingegliedert.

1898 wurde der Ort an die Schmalspurbahn Schlawe – Pollnow – Sydow angeschlossen. Haupterwerbszweig der Einwohner war die Landwirtschaft, außerdem machte sich Sydow einen Namen als Dorf der Sensenschmiede, von denen es zeitweise sieben gab. Bis 1908 gehörten zu Sydow zwei Güter, A und B. Während das Gut B 1908 an die Pommersche Ansiedlungsgesellschaft verkauft wurde, die es zu Siedlungsgrundstücken parzellierte, betrieb das Gut A Saatzucht von Frühkartoffeln. 1910 betrug die Zahl der Einwohner 1.529. Nachdem sie nach dem 1. Weltkrieg um etwa 100 zurückging, stieg die Einwohnerzahl bis 1939 wieder auf 1.815. 1932 wurden die ersten Pläne für ein Pumpspeicherwerk zur Stromerzeugung bei Sydow entworfen, die jedoch erst 1971 realisiert wurden. Im Februar 1945 wurde Sydow von der sowjetischen Front überrannt. Noch im gleichen Jahr wurde der Ort unter polnische Verwaltung gestellt.

Amtsbezirk Sydow

Vor 1945 bildete Sydow einen eigenen Amtsbezirk, zu dem auch die Gemeinde Gutzmin (Chocimino) gehörte. Auch das gemeinsame Standesamt stand in Sydow, während beide Orte dem Amtsgerichtsbezirk Pollnow (Polanów) zugeordnet waren. Sydow gehörte damals zum Landkreis Schlawe i. Pom. im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern.

Ortsgliederung (bis 1945)

In das Gemeindegebiet von Sydow waren vor 1945 insgesamt 30 Ortschaften integriert:

  • Althütte (polnischer Name: Kopaniec)
  • Alt Kleehof (Stare Wiatrowo)
  • Bärenlager (Głusza)
  • Eichberg (Krzewiec)
  • Elsenthal (Pyszki)
  • Ferdinandshof (Gostomki)
  • Globnitz (Głobnica)
  • Groß Espenberg (Osiczno)
  • Groß Linde (Lipy)
  • Grünheide (Kierzkowo)
  • Kaminhof (Kamień)
  • Klein Espenberg (Osiczno)
  • Klein Linde (Lipki)
  • Lüdtkenkamp (Kępiec)
  • Luisenhof (Małomierz)
  • Neuhof (Samostrzel)
  • Neu Kleehof (Nowe Wiatrowo)
  • Neumühlenkamp (Kępiny)
  • Neusorge (Zapłotki)
  • Pagelsland (Bagnica)
  • Pfingstberg (Czyżewo)
  • Raderang (Grabowiec)
  • Ratzlaffenkamp (Racław)
  • Schlosshof (Ląkie)
  • Schoningshof (Zagaje)
  • Seehof (Olszynka)
  • Seekathen (Piaskowo)
  • Twelberg (Chróstowo)
  • Vorhütte (Pieczyska)
  • Wilkenhof (Gostkowo)

Kirche (bis 1945)

Die Kirche in Żydowo von 1794

Kirchspiel

Vor 1945 war die Bevölkerung von Sydow überwiegend evangelischer Konfession. Sydow bildete ein eigenes Kirchspiel, in das der Ort Breitenberg (Gołogóra) sowie die Filialkirche Gutzmin (Chocimino) integriert war. Das Kirchspiel Sydow, das 1940 insgesamt 2135 Gemeindeglieder zählte, gehörte bis 1713 zum Kirchenkreis Rügenwalde wie alle Dörfer, die vor der Reformation ein Klosterdorf der Abtei Buckow waren. Wegen der weiten Entfernung bis nach Rügenwalde gelang es der Gemeinde, in den Kirchenkreis Bublitz (Bobolice) eingebunden zu werden, der bis 1945 zur Kirche der Altpreußischen Union gehörte.

Pfarrer

  1. Martin Grüneberg, seit 1571
  2. Georg Dumke, seit 1580
  3. Paul Raske, seit 1601
  4. Georg Zuper, seit 1629
  5. Nikolaus Froböse (Frobesius), bis 1667
  6. Paul Bolduan, 1667-1694
  7. Laurentius Georg Stöcke, 1695-1744
  8. Christian Heinrich Gottschalk, 1746-1754
  9. Johann Friedrich Moritz, 1754-1791
  10. Georg Krüger, 1792-1820
  11. Christian Gottlieb Enghardt, 1821-1932
  12. Christian Gottfried Müller, 1834-1847
  13. Otto Ferdinand Hartmann, 1849-1856
  14. Christian Friedrich Tietz, 1857-1871
  15. Otto Friedrich Jobst, 1872-1883
  16. Otto Heinrich Stapelfeld, 1885-1886
  17. Gottfried Epiphanias Lüdeke, 1886-1899
  18. Siegfried Berthold Johannes Samuel Jobst, 1900-1907
  19. Heinrich Krockow, 1907-1926
  20. Karl (Gustav) Kirste, 1926-1935
  21. Peter Bultmann, 1935-1945

Kirchenbücher

Die Kirchenbücher des Kirchspiels Sydow wurden seit 1667 geführt und waren bis 1945 im Pfarrhaus gelagert. Den Krieg überstanden haben die Taufregister (1874-1900), die Trauregister (1875-1934) und die Begräbnisregister (1875-1935) und liegen heute im katholischen Pfarramt in Polanów.

Kirche (nach 1945)

Nach Übernahme der Stadtverwaltung durch polnische Behörden wurde auch die evangelische Pfarrkirche an die Katholische Kirche in Polen übereignet. Seit dem 13. Juni 1959 gibt es eine - nun katholische - Pfarrei, zu der 2295 Gemeindeglieder in 19 Ortschaften gehören. Außer der Pfarrkirche in Żydowo gibt es die beiden Filialkirche in Chocimino (Gutzmin) und Drzewiany (Drawehn) sowie eine Kapelle in Gołogóra (Breitenberg). Die Parafia Żydowo gehört zum Dekanat Polanów im Bistum Köslin-Kolberg.

Die zahlenmäßig wenigen evangelischen Einwohner von Polanów werden vom Pfarramt Koszalin (Köslin) in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen betreut.

Literatur

  • Der Kreis Schlawe. Ein pommersches Heimatbuch, hrsg. von Manfred Vollack, 2 Bände, Husum, 1988/89
  • Ernst Müller, Die Evangelischen Geistlichen Pommerns von der Reformation bis zur gegenwart, Teil 2: Der Regierungsbezirk Köslin, Stettin, 1912

Einzelnachweise

  1. Deutschsprachige Webseite der ENERGA ELEKTROWNIE Słupsk Sp. z o.o. zu diesem Kraftwerk
  2. Ludwig Wilhelm Brüggemann (Hrsg.): Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Band 2, Stettin 1784, S. 892-893.

Weblinks


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