Augsburg Innovationspark

Augsburg Innovationspark
Ansicht des weitläufigen Areals

Der Augsburg Innovationspark ist ein Projekt der Stadt Augsburg und des Freistaates Bayern, durch das Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus den Bereichen Faserverbund, ressourceneffiziente Technologien, Mechatronik, IT und Umwelt in Augsburg angesiedelt werden sollen. In direkter Nachbarschaft zur Universität Augsburg, dem bayerischen Landesamt für Umwelt und einer Fertigungsanlage der EADS-Tochter Premium AEROTEC sollen in den nächsten fünf Jahren 500 Millionen Euro investiert werden. Es entstehen damit etwa 70 Hektar Fläche ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in unmittelbarer Nähe zur Bundesstraße 17. 2022 soll das Projekt abgeschlossen sein. [1]

Der Spatenstich für den 60 Millionen Euro teuren Bau von Forschungseinrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft, sowie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR fanden bereits im Süden des Campus Oktober 2009 statt.[2]

Wichtig für das Projekt ist auch das Thema Ressourceneffizienz. Schwaben könnte so zu einem Zentrum werden, das neue Techniken für den sparsamen Umgang mit Rohstoffen und Energie und für das Recycling entwickelt. Denkbar wäre die Rückgewinnung von Rohstoffen aus Kohlefaser-Verbundstoffen.[3]

Inhaltsverzeichnis

Konzept

Die Idee eines Carbon Valley im Lechtal kam erstmals im Herbst 2007 auf. Durch die Erstellung eines städteplanerischen Konzepts konkretisierte sich diese Idee. Der so genannte „Masterplan“ wurde Anfang 2009 im Augsburger Stadtrat vorgestellt und anschließend dessen Umsetzung beschlossen. Der Masterplan sieht vor, die Vision von urbanen Leben und Arbeiten zu realisieren. Unterschiedlich genutzte Bereiche sollen dem Zentrum einen lebendigen Charakter geben. Des Weiteren sind Parkanlagen, Sport-und Freizeiteinrichtungen und Restaurants geplant. Die 70 Hektar große Fläche soll in unterschiedliche Baufelder eingeteilt werden, von welchen jeweils nur 60 % bebaut werden dürfen. Die maximale Bauhöhe beträgt 18 Meter. Auf dem Campus verteilt sind drei 70 Meter hohe Hochhäuser geplant, eines davon wird ein städtebaulich markanter Büroturm sein, der so genannte Carbon Tower. Neben einer internationalen Schule sind auch ein großer Konzertsaal sowie ein Einkaufszentrum und ein neues Messehotel geplant.

Carbon ist härter als Stahl und leichter als Aluminium. Eine einzelne Carbonfaser ist zehnmal dünner als ein menschliches Haar. Noch ist die Verarbeitung von Carbon jedoch zu aufwendig und nicht zur Massenfertigung geeignet. Daran soll im Augsburg Innovationspark gearbeitet werden. [4] Oberbürgermeister Kurt Gribl sagte in einem Pressegespräch nach seinem Amtsantritt im Jahr 2008, der neue Werkstoff werde vor allem in der Luft- und Raumfahrt, im Maschinenbau, der Kfz-Produktion, aber auch beim Bau von Windkraft Anwendung finden. Augsburg könnte, laut seiner Aussage, damit die Hochtechnologiestadt, der High-Tech-Standort Bayerns werden. [5]

Das Konzept wurde erstmals im Oktober 2009 auf der Expo Real, einer internationalen Fachmesse für Gewerbeimmobilien in München und auf der internationalen Umweltmesse Enviro Shiga in Japan vorgestellt, wo es für viel Aufsehen sorgte. Der Flugzeugteilehersteller Premium Aerotec sieht vor, sein neues Verwaltungsgebäude am Innovationspark zu bauen. Noch im Jahr 2011 soll mit dem Bau verschiedener Forschungseinrichtungen (Fraunhofer-Institut, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) begonnen werden, mögliche weitere Firmen sind SGL Carbon, MT Aerospace, Eurocopter, Premium Aerotec, Kuka und manroland.[6] [7] Es laufen Verhandlungen mit der Firma Premium Aerotec, die auf dem weitläufigen Areal ihre künftige Zentrale in einem repräsentativen Gebäude errichten soll. Das Unternehmen baut nicht weit vom Science-Park entfernt ein neues Fertigungswerk.[8]

Das ursprünglich als „Science Park“ und nunmehr als „AUGSBURG Innovationspark“ bezeichnete Projekt soll europaweit wegweisend werden. Die Technologien Faserverbund, Umwelt, IT und Mechatronik + Automation sollen zukünftig beheimatet werden. Der Innovationspark soll für diese Bereiche zukünftig ein Ort für Wissenschaft (auch unter Einbindung der Hochschule Augsburg) und Produktion werden, dabei soll der Ort optimale Bedingungen für Entwicklung und Forschung bieten. Neben der städtischen WBG (Wohnungsbau-Gesellschaft), welche auch schon bei der Bücherei als Investor auftrat und die für den Bau 7 Millionen Euro investiert, fördert auch der Freistaat das Projekt. 16 Millionen Euro soll der erste Bauabschnitt Kosten.[9] Eigentümerin des Technologiezentrums bleibt die Stadt, Betreiberin wird die WBG sein. Diese vermietet an eine sog. Operations GmbH, die die einzelnen Einheiten dann an die Firmen untervermietet. Die Finanzierung des Technologiezentrums steht. Der Freistaat Bayern schießt aus seinem Sonderprogramm “Aufbruch Bayern” zu. [10]

Im Technologiezentrum Augsburg (TZA) können sich, wenn es fertig gestellt ist, Firmen für Projekte einmieten. Es soll als Inkubator für Produkt-Innovationen dienen und wird 11.000 Quadratmeter umfassen. Den Firmen werden 2.700 Quadratmeter Labor, 9.000 Quadratmeter Büros und 3.800 Quadratmeter Technikumshalle zur Verfügung stehen.[11] Fertiggestellt soll das Gebäude voraussichtlich im Frühjahr 2013 sein.[12] Das Anforderungsprofil für das TZA wurde im Mai 2011 von der Carbon Composites e.V. (CCeV) an die Stadt übergeben und enthält die baulichen und betrieblichen Anforderungen des CCeV zum Bau des Technologiezentrums Augsburg. Der fachliche Anforderungskatalog ist die Basis für den Architekten-Wettbewerb zum Bau.[13]

An die Fertigungshalle des Technologiezentrums Augsburg sollen 30 Labore und Werkstätten angrenzen. Sie sollen über eine Gesamtfläche von 2.000 m² verfügen und Formen- und Faserverbund-Dienstleistungs-Unternehmen beherbergen. Zudem ist ein „Closed-Shop“ in Bereichen der Halle und Labor geplant. Dieser soll für ungestörtes Arbeiten sorgen, zudem soll jedes der Labore eigene Abluft-Anlagen mit speziellen Filtermöglichkeiten erhalten. Die Labore sollen sowohl von außen als über die gemeinsamen Halle zugänglich sein. Die Bürobereiche verfügen über 5.532 m² Fläche und Platz für 600 Büroarbeitsplätze bieten. Für größere Veranstaltungen sollen Säle und eine Multifunktionsfläche von 300 m² bereitstehen.[14]

Die Förderung des Fraunhofer-Forschungsinstituts setzt sich beispielsweise aus Mitteln des EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) (3,95 Mio. Euro) und des Freistaats Bayern (3,55 Mio. Euro) zusammen. Damit können Technikumshalle, Büro und Laborgebäude des rund 3.600 Quadratmeter großen Fraunhofer-Neubaus realisiert werden. Dessen Gesamtbaukosten werden auf etwa elf Mio. Euro geschätzt. In das neue Fraunhofer-Forschungszentrum wird ab Mitte 2012 die Fraunhofer-Projektgruppe „Funktionsintegrierter Leichtbau“ ziehen. Sie soll die Basis für die Gründung eines eigenständigen Fraunhofer-Instituts in Augsburg schaffen.[15]

Projektverantwortlich für den Science Park/Innovationspark sind die Stadt Augsburg sowie die beiden Wirtschaftskammern IHK und Handwerkskammer. Sie bilden den Lenkungsausschuss. Die verwaltungsinterne Arbeit übernimmt ein Projektteam, das beim OB-Referat angesiedelt ist. Zur Mannschaft gehört unter anderem Wolfgang Färber, der früher für eine Übergangszeit die Messe Augsburg geführt hatte. Ein Kompetenzrat, der mit den anerkannten Unternehmern Manfred Hirt, Gerhard Wiedemann und Stefan Holzamer besetzt ist, unterstützt das Projektteam. In der Außenvermarktung des Innovationsparks kommt Hirt derzeit eine wichtige Rolle zu. Er führt Gespräche mit interessierten Unternehmen, die sich im Technologiezentrum ansiedeln wollen.[16]

Nach Auskunft des ehemaligen Präsidenten Alois Loidl der Universität Augsburg, soll das Zusammenspiel zwischen Innovationspark und Universität Augsburg direkt gegeben sein: Die Institutsleiter von Fraunhofer und DLR sollen als Professoren an der Uni lehren.[17] Loidl spricht auch von der Planung einer achten Fakultät an der Universität für Ingenieure in Verbindung mit dem Innovationspark.[18] Als ersten Schritt sieht er den Einstieg in das neue Bachelor-Studium „Wirtschaftsingenieur“. Dieses Angebot startete zum Wintersemester 2011/12, später soll das an der Universität neu gegründete Institute for Materials Ressource Management (IMRM) mit einbezogen werden.[19] Weiterhin sieht er im Projekt Potential für den Mittelstand, für die Region sei der Innovationspark ein unheimlicher Impuls und ideal für Mittelständler vor Ort.[20]

Befürchtungen

Einige der forcierten Firmen des Innovationsparks sind auch auf dem Gebiet der Rüstung sehr engagiert. Sollten diese Firmen in den Sciencepark eingebunden werden, so würde die Augsburger Wissenschaft auch in die Rüstungsforschung und Kriegsvorbereitung involviert. Die Partei Bündnis 90/Die Grünen hat durch einen Antrag im Stadtrat eine inhaltliche Anhörung am 1. April 2011 in die Wege geleitet. Der Grünen-Stadtrat Reiner Erben plädierte dafür, aufzupassen, dass sich nur qualitativ hochwertige Forschungs- und Produktionsstätten ansiedeln, die sich Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung verpflichten. Man müsse verhindern, dass aus dem Innovationspark ein stinknormales Gewerbegebiet werde, das auf die Flugzeug- und Rüstungsindustrie beschränkt bliebe.[21] Der Augsburger Bundestagsabgeordnete und Stadtrat Alexander Süßmair (Fraktion „Die Linke“) prangerte an, dass sich in der Stadt die Rüstungsindustrie niederlasse.[22] Vor allem für das Selbstverständnis der "Friedensstadt Augsburg", die bereits seit 1985 im Drei-Jahres-Turnus den Augsburger Friedenspreis an Persönlichkeiten verleiht, die sich um ein tolerantes und friedfertiges Miteinander der Kulturen und Religionen verdient gemacht haben, wäre das ein größerer Imageschaden.[23] Ebenso bekäme das Projekt "City of Peace" der Stadt Augsburg zur Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011 einen sonderbaren Beigeschmack.[24]

Auch für das Friedensbüro und die Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung (AFK), die seit 2010 ihren Sitz an der Universität Augsburg hat und den Studiengang Sozialwissenschaftliche Friedens- und Konfliktforschung würde die Mitwirkung der Universität an Rüstungstechnologie ein Paradoxum darstellen.[25]

Das Fachforum Nachhaltige Stadtentwicklung der Stadt Augsburg fordert in einer Stellungnahme eine Zivilklausel in der Satzung der Universität Augsburg und nennt als Gründe die Mitgliedschaft des Oberbürgermeisters bei Mayors for Peace das Grundgesetz und die Verfassung des Freistaates Bayern.[26] Bei einer Diskussion zwischen Horst Seehofer und Studierenden regten diese eine Zivilklausel an, wie sie auch bereits an anderen deutschen Universitäten diskutiert oder eingeführt wurde. Danach würde sich die Uni selbst verpflichten, nur für friedliche Zwecke zu forschen und nicht mit der Rüstungsindustrie zu kooperieren. Seehofer erteilte solchen Plänen eine klare Absage.[27] Die derzeitige Präsidentin Sabine Doering-Manteuffel bot den Studierenden den Vorschlag an, das Thema in einer Arbeitsgruppe und möglicherweise in einer Vollversammlung der Universität Augsburg zu diskutieren, machte jedoch deutlich, dass man aushandeln müsse, was man unter „Zivilklausel“ verstehe und wie man diese definiere.[28]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. MaschinenMarkt vom 19. Juli 2008: In Süddeutschland entsteht ein wichtiges Zentrum für Ressourceneffizienz
  2. A3 Sonderausgabe - Standort Wirtschaftsraum Augsburg 02/10
  3. Augsburger Allgemeine: Produktion: Schwaben setzt auf Ressourceneffizienz
  4. Business for Business Schwaben vom 13. Juli 2011: Innovationspark sichert die Zukunft der Region
  5. Augsburger Allgemeine vom 5. August 2008: Wie OB Kurt Gribl die Zukunft Augsburg sieht
  6. Augsburger Allgemeine vom 4. April 2011: Schritt für Schritt zum großen Ziel
  7. Augsburger Allgemeine vom 6. März 2010: Am großen Rad drehen
  8. Augsburger Allgemeine vom 10. Dezember 2009: Die Region macht sich fit für Forschung und Industrie
  9. Business for Business Schwaben vom 14. April 2011: AUGSBURG Innovationspark: 7,5 Mio. Euro-Förderung
  10. DAZ vom 6. Mai 2011: Innovationspark: In Kürze startet erster Architektenwettbewerb
  11. Business for Business Schwaben vom 5. Mai 2011: Sichtbare Fortschritte im Innovationspark
  12. Augsburger Allgemeine vom 5. Mai 2011: Solvente Mieter gesucht
  13. Business for Business Schwaben vom 31. Mai 2011: CCeV übergibt Anforderungsprofil des Technologiezentrums Augsburg an die Stadt
  14. Business for Business Schwaben vom 31. Mai 2011: CCeV übergibt Anforderungsprofil des Technologiezentrums Augsburg an die Stadt
  15. Business for Business Schwaben vom 31. März 2011: AUGSBURG Innovationspark: Geht es bald los?
  16. Augsburger Allgemeine vom 4. April 2011: Schritt für Schritt zum großen Ziel
  17. Augsburger Allgemeine vom 4. April 2011: Schritt für Schritt zum großen Ziel
  18. vgl. Augsburger Allgemeine vom 31. Mai 2011: Pragmatiker mit Kampfgeist an der Uni Augsburg
  19. Augsburger Allgemeine vom 26. April 2011: Neue Kaderschmiede? Uni Augsburg will junge Ingenieure ausbilden
  20. Business for Business Schwaben vom 1. April 2011: Innovationspark – Chance für den Mittelstand
  21. Bündnis 90/Die Grünen vom 12. April 2011: Innovationspark nimmt Form an
  22. DAZ - Die Augsburger Zeitung: Stadtrat schickt das Pulvergäßchen auf den historischen Prüfstand vom 30. Juli 2011
  23. Stadt Augsburg: Der Augsburger Religionsfrieden
  24. Internetpräsenz: City of Peace
  25. DAZ - Die Augsburger Zeitung: Friedensforschung in der Friedensstadt
  26. Stellungnahme des Fachforums Nachhaltige Stadtentwicklung zum Entwurf des BPlans Nr. 900 „AUGSBURG Innovationspark“
  27. Augsburger Allgemeine: Diskussion: Rüstungstechnologie im Innovationspark?
  28. Pressemitteilung des AStA der Universität Augsburg vom 9. September 2011"
48.32995516730710.890219211578

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