Gert Wendelborn

Gert Wendelborn
vlnr: Siegfried Metzner, Dieter Klemm, Gert Wendelborn
Gerd Wendelborn in der Volkswerft Stralsund

Gert (Günther Joachim) Wendelborn (* 13. Juli 1935 in Rostock) ist ein deutscher evangelisch-lutherischer Theologe und Politiker (CDU der DDR).

Inhaltsverzeichnis

Leben

Gert Wendelborn, aus einer Werftarbeiterfamilie stammend, wurde 1949 Mitglied der FDJ und studierte von 1953 bis 1958 Theologie an der Universität Rostock. Nach Promotion in Rostock (1964) und Habilitation an der Universität Jena (1969) war er von 1969 bis 1977 Hochschuldozent für Ökumenische Kirchengeschichte und Angewandte Theologie, ab 1977 apl. Professor für Ökumenik und Neue Kirchengeschichte an der Wilhelm-Pieck-Universität Rostock. Seine Berufung 1969 geschah ohne Beteiligung der Rostocker Theologischen Fakultät „in einem einseitigen Akt des Ministeriums“ und war für die Fakultät „eine böse Überraschung“.[1] Im Sommer 1989 wurde er entgegen dem Vorschlag der Fakultät ordentlicher Professor für Kirchengeschichte; 1992 wurde er nach Überprüfung seiner Stasi-Tätigkeit durch eine Ehrenkommission entlassen.[2]

Wendelborn war Mitglied in der Christlichen Friedenskonferenz (CFK) und arbeitete mit in der von ihr einberufenen I. Allchristlichen Friedensversammlung (ACFV) 1961 und in der II. ACFV 1964 in Prag.[3]

Er publizierte wissenschaftliche Arbeiten über Joachim von Fiore (1974), Martin Luther (1983) und Bernhard von Clairvaux (1993).[4]

Politik

Er war seit 1962 Mitglied der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands in der DDR, später Mitglied des Hauptvorstandes der CDU.

Wendelborn war Bezirkstags-, dann Volkskammerabgeordneter der DDR in der 7. Wahlperiode (1976–1981), 8. Wahlperiode (1981–1986) und 9. Wahlperiode (1986–1990); der 10. Wahlperiode 1990 nach der ersten freien Wahl gehörte er nicht mehr an. Seit 1981 war er Mitglied des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten der Volkskammer.

Er war stellvertretender Bezirksausschuss-Vorsitzender der Nationalen Front. Neben seinem Engagement im Weltfriedensrat war er Vizepräsident des Friedensrates der DDR, dessen Mitglied er seit 1966 war.

Wendelborn unterschrieb am 12. August 1959 eine Verpflichtungserklärung und wurde ab 1960 vom Ministerium für Staatssicherheit als IMS Heinz Graf geführt.[5] Er berichtete bis 1989 regelmäßig und ausführlich, nach Einschätzung des Kirchengeschichters Gert Haendler „ohne jede Rücksichtnahme“[6] über die CDU und über Fakultätskollegen.

Ehrungen

Schriften

  • Gert Wendelborn: Gott und Geschichte. Joachim von Fiore und die Hoffnung der Christenheit; Leipzig: Koehler und Amelang, 1974; Wien, Köln: Böhlau, 1974; ISBN 3-20500-516-3
  • Gert Wendelborn: Franziskus von Assisi. Eine historische Darstellung; Leipzig: Koehler & Amelang, 19822; ISBN 3-20500-525-2
  • Gert Wendelborn: Martin Luther. Leben und reformatorisches Werk; Berlin: Union Verlag, 1983; Wien, Köln, Graz: Böhlau, 1983; ISBN 3-20500-542-2
  • Gerhard Brendler, Katharina Flügel, Gert Wendelborn: Geschichte und Gestalt; Berlin: Bvu Buchverlag Union 19892; ISBN 3-37200-086-2
  • Friedrich-Martin Balzer, Gert Wendelborn: Miszellen zur Geschichte des deutschen Protestantismus. Gegen den Strom. Marburg: Verlag Arbeit und Gesellschaft, 1990; ISBN 3-89419-018-3
  • Gert Wendelborn: Bernhard von Clairvaux. Ein großer Zisterzienser in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts; Frankfurt am Main u. a.: Lang, 1993; ISBN 3-63145-557-7
  • Friedrich-Martin Balzer, Gert Wendelborn: Wir sind keine stummen Hunde. Heinz Kappes (1893–1988). Christ und Sozialist in der Weimarer Republik; Bonn: Pahl-Rugenstein, 1994; ISBN 3-89144-197-5
  • Gert Wendelborn: Christentum und Sozialismus. Als Theologieprofessor in der DDR, hrsg. von Friedrich-Martin Balzer, Bonn 2010, 198 Seiten, ISBN 978-3-89144-428-3

Literatur

  • Friedrich-Martin Balzer (Hrsg.): Gert Wendelborn für Einsteiger und Fortgeschrittene: enthält u.a. „Martin Luther. Leben und reformatorisches Werk“ und Gesamtbibliographie mit rund 500 Titeln; CD-Rom, Bonn 2005[7]
  • Ernst-Rüdiger Kiesow: Theologen in der sozialistischen Universität: persönliche Erinnerungen und Dokumente 1965–1991 Rostock: Historisches Institut der Universität, 2000, ISBN 3-86009-184-0
  • Friedemann Stengel: Die Theologischen Fakultäten in der DDR als Problem der Kirchen- und Hochschulpolitik des SED-Staates bis zu ihrer Umwandlung in Sektionen 1970/71, Leipzig 1998, 824 Seiten, ISBN 3-374-01708-8

Weblinks

 Commons: Gert Wendelborn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Gert Haendler, in: Heinrich Holze (Hrsg.): Die Theologische Fakultät Rostock unter zwei Diktaturen: Studien zur Geschichte 1933–1989: Festschrift für Gert Haendler zum 80. Geburtstag. Rostocker theologische Studien 13; Berlin, Hamburg, Münster: LIT Verlag, 2004; ISBN 9783825868871; S. 223
  2. Gert Wendelborn: Warum ich als bewußter Christ gern in der DDR lebte und arbeitete, abgerufen am 26. Oktober 2009
  3. Sekretariat der Christlichen Friedenskonferenz (Hg.):... und Friede auf Erden, Praha 1961; Internationales Sekretariat der Christlichen Friedenskonferenz (Hg.): Mein Bund ist Leben und Frieden (Mal.2,5). Dokumente und Materialien der II. Allchristlichen Friedensversammlung in Prag, 28. Juni bis 3. Juli 1964, Praha 1964
  4. Jens Langer: Rezension zu: Friedrich-Martin Balzer, Christian Stappenbeck (Hg.): Sie haben das Recht zur Revolution bejaht. Christen in der DDR. Ein Beitrag zu 50 Jahre „Darmstädter Wort“; Bonn: Pahl-Rugenstein, 1997; in: Utopie Kreativ. Diskussion sozialistischer Alternativen 88 (1998), S. 94–95 (pdf), abgerufen am 26. Oktober 2009
  5. Clemens Vollnhals: Die Kirchenpolitik von SED und Staatssicherheit: eine Zwischenbilanz. Analysen und Dokumente 7; Berlin: Ch. Links Verlag, 1996; ISBN 9783861531227; S. 282 Anm. 100
  6. Gert Haendler, a.a.O., S. 205
  7. Friedrich Martin Balzer: Publikationen, friedrich-martin-balzer.de, abgerufen am 26. Oktober 2009

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