Gerhard van Wou

Gerhard van Wou

Gerhard van Wou, auch Geert Wou van Kampen und Gerhard Wou van Kampen, (* um 1440 in Hintham; † Dezember 1527 in Kampen) war ein holländischer Glockengießer und schuf 1497 die Gloriosa für den Erfurter Dom, die im Allgemeinen als sein Meisterwerk betrachtet wird.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Als Sohn des Glockengießers Johannes van Wou kam er schon sehr früh mit dem Handwerk des Glockengießens in Berührung.

Von 1474 befindet sich ein Eintrag im Bürgerbuch von Herzogenbusch, in dem er als „Magister Gerardus de Woude“ genannt wird. Ab 1482 ist er in Kampen ansässig.

Er wird heute als einer der bedeutendsten Glockengießer des ausgehenden Mittelalters angesehen. Van Wou wurde jedoch nicht nur durch das Gießen von Glocken reich, so wurde er zum Beispiel in Rechnungen der Stadt Nijmegen als „meyster Geryt bussengieter“ (Kanonengießer) bezeichnet, was den Schluss nahelegt, dass er auch andere Gussarbeiten durchführte.

113 seiner Glocken sind heute noch namentlich bekannt. Zu den berühmtesten zählen die Glocken für die Dome in Erfurt (Gloriosa, e0, 1497), Braunschweig (1502), Naumburg (1502), Utrecht (7 Glocken auf fis0, 1505/06), sowie die der Michaelskirche in Kampen (1493/96) und die des heutigen Neuen Turms in Kampen (1481-83). Auch in Zeerijp hängt eine Van-Wou Glocke (1500), eine weitere Glocke von ihm, ebenfalls in Zeerijp, wurde 1955 wegen eines Risses bei der Glockengießerei van Bergen umgegossen. Zwei weitere, von ihm gegossene Glocken (von 1493) hängen in der Lambertikirche in Münster. In Eernewoude hängt auch noch eine Van-Wou Glocke aus dem Jahre 1500. Für St. Michaelis und St. Nicolai in Lüneburg goss er ebenfalls Glocken (2 in St. Michaelis, 1 in St. Nicolai, 1491) sowie für St. Marien in Stendal und für den Mariendom in Hamburg (1487 die Glocke "Celsa", die seit 1804 nun in der St.-Nicolai-Kirche (Hamburg-Altengamme) hängt). Eine weitere Glocke hängt im münsterlandischen Rhede in der Kirche St. Gudula. Sie wurde 1492 gegossen.[1] Die Reginenglocke des Osnabrücker Doms, bereits 1485 gegossen, befindet sich heute im Turm der Heiligen Kreuzkirche zu Osnabrück.

Literatur

  • HARRI (Pseudonym für Harald Richert): Die älteren Kirchenglocken des ehemaligen Amtes Bergedorf. In: Lichtwark-Heft Nr. 69. Verlag HB-Werbung, Hamburg-Bergedorf, 2004. ISSN 1862-3549.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. St. Gudula, Rhede

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