Gürtel

Gürtel
Ledergürtel mit Dornschnalle
Handgeknüpfte Gürtel ohne Schnalle aus San Cristobal de las Casas, Südmexiko

Ein Gürtel ist ein um die Körpermitte getragenes Band oder Geflecht. Er kann dem Zusammenhalt und besseren Sitz der Kleidung, reinen Schmuck-Zwecken oder der Befestigung von Gegenständen dienen. In manchen Fällen dienen Gürtel Schutzzwecken oder sollen nur den Körper einengen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Tauschierte eiserne Gürtelbeschläge aus dem 7. Jahrhundert
Beim Gürtler

Aus der Bronzezeit stammend sind häufig in Gräbern Gürtel aus Metallgliedern und Kettenschnüren gefunden worden. Der Verschluss bronze- und eisenzeitlicher Gürtel besteht aus einem Gürtelhaken. Die Gürtelschnalle ist eine Neuerung aus römischer Zeit. Im Mittelalter war der Gürtel ein Symbol für Kraft, Herrschaft und eheliche Treue. Die Hose des Mannes und der Rock der Frau wurden von einem Gürtel gehalten. Bei Adligen diente der Gürtel auch als Wehrgehänge zur Aufnahme des Schwerts. Die Prunkgürtel der Männer und Frauen waren aus Leder, Brokat, Samt, Seide und anderen kostbaren Stoffen und mit Goldschmuck, Edelsteinen, Glasflüssen, Stickereien geziert. Im 12. Jahrhundert waren die Gürtel so lang, dass sie zweimal um den Leib gewickelt wurden. Vom 13. bis 15. Jahrhundert wurde von Männern wie Frauen am Gürtel die Almosentasche, im 15. Jahrhundert Glöckchen und bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts an einer separaten Schnur oder Gürtelkette Beutel, Zahnstocher, Schere, Essutensilien und Messer getragen.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde der so ausgestattete Gürtel meistens unter dem obersten Rock getragen. Im 17. und 18. Jahrhundert verlor er an Bedeutung, da er die Kleidung nicht mehr zusammenhalten musste. Stattdessen waren Schärpen für Männer und Frauen in Mode. Etwa 1835 legten Damen den Gürtel ganz ab, um ihn erst vor 1900 wieder in die Garderobe aufzunehmen. Um 1890 wurde der Gürtel für Männer als Ersatz für die Hosenträger in den USA populär.

Gürtelarten

Gürtel in Mumbai

Heute werden Gürtel nicht nur aus dekorativen sondern oft auch aus praktischen Gründen verwendet, so zum Halt der Beinkleider wie Hose und Rock. Fast jedes Beinkleid hat Gürtelschlaufen, um Gürtel einzuführen. Während bei Männerkleidung Gürtel ausschließlich vom Träger gesehen links eingeschlauft werden, ist bei Frauenkleidung auch die andere Richtung verbreitet. Breite Gürtel sind oft bogenförmig geschnitten, um eine bessere Anpassung an die Körperform zu erreichen.

Verschlüsse

Zum Verschluss von Gürteln dienen Schnallen, Koppelschlösser, Haken und D-Ringe; die verbreitetste Schnallenform ist die Dornschnalle (siehe obige Abbildung) mit einem oder zwei, aber seltener auch drei oder vier beweglichen Dornen. Statt beweglicher Dorne können auch Zapfen am vorderen Teil des Schnallenbügels fest angebracht sein, um beim Schließen des Gürtels in die Riemenlöcher einzugreifen. Gürtel ohne spezielles Schließteil können, falls sie aus geeignetem Material bestehen, durch Knoten geschlossen werden (sog. „Bindegürtel“). 2006 wurde von schwedischen Jugendlichen ein Koppelschloss entwickelt, das vor Vergewaltigungen schützen soll; das Öffnen des Gürtels ist nämlich nur mit zwei Händen möglich, und zur Entriegelung des Schlosses muss ein bestimmter Bewegungsweg durch ein angebrachtes Labyrinth ausgeführt werden.

Gürtelschlaufe

Eine Gürtelschlaufe ist ein aus dem Material des Kleidungsstückes bestehendes schmales Band, das senkrecht - oder aus modischen Gründen schräg verlaufend - an den Bund genäht wird. Sie soll den Gürtel, der durch den Zwischenraum zwischen Schlaufe und Bund geschoben wird, fest am Bund halten, damit dieser nicht verrutschen kann. Fast jede Hose hat Gürtelschlaufen. Ein Nachteil der Gürtelschlaufen ist das Einrollen der Gürtel (besonders bei Leder- und Kunstledergürteln) hinten am Rücken beim Sitzen oder Bücken. Allerdings ist zu beachten, dass ein Gürtel, der nicht mittels Gürtelschlaufen befestigt wird, seine Haltefunktion leicht einbüßt und nur noch ästhetischen Zwecken dient.

Verschiedene Gürtel

  • Einsatzgürtel (zum Teil auch als Leibriemen bezeichnet) werden auch verwendet, um Gegenstände daran zu befestigen:
    • Vollzugs- und Sicherheitskräfte zum Beispiel Dienstwaffe, Mobiltelefone, Taschenlampen, Schlüsselbund.
    • Soldaten im Dienst- und Gefechtsanzug zum Beispiel Dienstwaffe, Magazintaschen, ABC-Schutzmaske und Klappspaten (siehe Munitionsgürtel oder Koppel). Als Schließe des Koppels wird meist ein Koppelschloss verwendet.
    • Feuerwehrsicherheitsgurte (früher: Hakengurte) mit Ringöse und Karabinerhaken bei der Feuerwehr
  • Kampfgürtel. In manchen Kampfsportarten zeigen (Textil-)Gürtel den Fortschrittsgrad eines Kämpfers an. Beim Boxen wird um einen „WM-Titel-Gürtel“ gekämpft.
  • Leibgurt oder Geldkatze ist eine altertümliche Bezeichnung für einen Gürtel, der auch als kleine Tasche dient. Im Mittelalter diente ein Leibgurt häufig als Aufbewahrungsort für Geldmünzen, die in eingenähten Taschen auf der Gürtelinnenseite verstaut wurden.
  • Modegürtel als ästhetische Schmuckbeigabe auf Schuhen, Taschen, Hüten, die keine bindende Funktion besitzen.
  • Nietengürtel sind in der Rock-Szene und Punk-Szene typisch; sie haben eine unterschiedliche Anzahl an Nieten. Es gibt auch Nietengürtel mit Lochnieten, wobei mit „Lochnieten“ Ösen aus Metall gemeint sind. Die Herkunft benannter Gürtel beschränkt sich auf den indisch-afrikanischen Bereich, wo die Funktion darin bestand, sich von anderen Stämmen oder Bevölkerungsgruppen abzugrenzen.
  • Schutzgürtel sollen bei manchen Sportarten (Gewichtheben, Kraftdreikampf) die Muskulatur schützen.

Gürtel in der Mythologie

  • Megingiard ist in der nordischen Mythologie der Gürtel des Gottes Thor. Er verlieh ihm unerschöpfliche Kraft.
  • In vielen Kulturen war ein Gürtel auch ein Zeichen der Jungfräulichkeit, nach der griechischen Mythologie verlieh der Gürtel der Göttin Aphrodite ihr den Liebreiz.
  • Brünhild war in der Siegfried-Sage kraft- und wehrlos, nachdem Siegfried ihr den Gürtel raubte.[1]
  • Da die Männer den Gürtel um die Lenden trugen, heißt noch jetzt „die Lenden gürten“ so viel wie sich zur Reise anschicken.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Gürtel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Gürtel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Franziskanergürtel mit Franziskanerknoten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Die historischen Nibelungen

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  • Gürtel — Gürtel, 1) (gr. Strophion, Zone, lat. Cingulum), Band, welches um den Leib getragen wird, um Kleider damit zusammenzuhalten, u. mit einer Schnalle od. einem Schlößchen befestigt wird. Bei den Hebräern u. Morgenländern überhaupt war der G. eins… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Gürtel — (Cingulum), Band, Geflecht etc., um den Leib oder einen Teil des Leibes getragen, zur Zusammenhaltung der Kleider (daher Leib , Arm , Kniegürtel etc.) oder auch, wie namentlich im Mittelalter, bloß als Schmuck dienend, besonders beim weiblichen… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Gürtel — des Orion, Sternbild, s. Jakobsstab …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Gürtel — [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Auch: • Gurt Bsp.: • Das Mädchen trug einen weißen Ledergürtel …   Deutsch Wörterbuch

  • Gürtel — Gurt * * * Gür|tel [ gʏrtl̩], der; s, : Band aus Stoff, Leder o. Ä., das über der Kleidung um die Taille getragen wird: ein Gürtel aus Leder. Syn.: ↑ Gurt. * * * Gụ̈r|tel 〈m. 5〉 1. breites Band aus Stoff od. Leder zum Festhalten der Kleidung… …   Universal-Lexikon

  • Gürtel — Den Gürtel anlegen: eine neue Würde übernehmen. Der Gürtel galt im Mittelalter als Symbol der Macht und der Herrschaft. Dagegen: Den Gürtel ablegen: sich unterwerfen, zum Sklaven oder Gefangenen werden. Den Gürtel verlieren: um Hab und Gut kommen …   Das Wörterbuch der Idiome

  • Gürtel — 1. Die die Gürtel näht, trägt selbst ein loses Gewand. – Altmann V, 92. 2. Unter dem Gürtel ist kein Verstand. – Eiselein, 460. Engl.: There is no discretion below the girdle. *3. Er hat den gürtel verzert. – Franck, II, 23b. Um den Gedanken… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Gürtel — Gụ̈r·tel der; s, ; 1 ein festes Band aus Leder oder Stoff (meist mit einer Schnalle), das man um die Taille trägt, um den Rock oder die Hose zu halten oder um ein weites Kleidungsstück zusammenzuhalten <ein breiter, schmaler Gürtel; den Gürtel …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

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