Hannoversche Klippen

Hannoversche Klippen
"Hannoversche Klippe" mit "Weser-Skywalk"
Lageplan der Hannoverschen Klippen und des Dreiländerecks
"Weser-Skywalk" seit 2011

Die Hannoverschen Klippen (früher Würrigser Klippen genannt) sind eine Gruppe von sieben bis zu 75 m hohen Klippen aus Wesersandstein im Ortsteil Würgassen von Beverungen im Kreis Höxter im äußersten Ostausläufer von Westfalen. Sie befinden sich nahe dem Dreiländereck der deutschen Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen.

Ihren heutigen Namen verdanken die Hannoverschen Klippen, die seit 1983 unter Naturschutz stehen, der Zugehörigkeit zum Königreich Hannover bis 1837.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Hannoversche Klippen

Die Hannoverschen Klippen, die Teil des Weserberglands sind, befinden sich als südwestlicher Ausläufer des Mittelgebirges Solling direkt am rechten bzw. nördlichen Ufer der Weser. Sie erheben sich zwischen den Ortschaften Bad Karlshafen (Hessen) und Würgassen (Nordrhein-Westfalen) und sind die einzigen großen und weithin sichtbaren natürlichen Felsen des Sollings.

Die östlichste Klippe trug bislang eine natürliche Aussichtskanzel, von der man eine gute Aussicht auf den südöstlich benachbarten Reinhardswald und auf Bad Karlshafen und Herstelle hatte. Im Februar 2011 begann dort die Montage eines Skywalks, die eigentlich schon für Dezember 2010 geplant war.[1][2] Die stählerne Plattform ragt gut 4 Meter über den Klippenrand hinaus und ist von oben durch eine Treppe zugänglich.

Der Weser-Skywalk wurde vorwiegend mit europäischen Mitteln finanziert. Die Planungen des Kreises Höxter und der beteiligten Nachbarkreise zum Skywalk waren zuvor auf Widerstand der Bevölkerung von Würgassen und Herstelle und an der Diskussion beteiligter Naturschutzverbände gestoßen.[3]

Dreiländereck Nordrhein-Westfalen–Niedersachsen–Hessen

Symbolischer Dreiländerstein am Parkplatz „Dreiländereck“

Unweit östlich der Hannoverschen Klippen liegt das Dreiländereck von Nordrhein-Westfalen (mit dem Kreis Höxter), Niedersachsen (mit dem Landkreis Northeim bei 51° 39′ 1″ N, 9° 26′ 27″ O51.6503319.44072, und nicht wie auf einigen Karten dargestellt dem Landkreis Holzminden), und Hessen (mit dem Landkreis Kassel). Die niedersächsische Landesgrenze verläuft dabei knapp nördlich der Klippen. An der Straße von der Bundesstraße B241 nach Bad Karlshafen steht knapp 200 m hinter einer oberhalb der Klippen gelegenen Steilkehre west-nordwestlich des tatsächlichen Dreiländerecks ein entsprechender Dreiländerstein an einer Aussichtsstelle. Dieser befindet sich auf dem gemeindefreien Gebiet 'Solling' des Landkreises Northeim, ist jedoch für die niedersächsische Seite mit dem Flecken Lauenförde gekennzeichnet, welches in diesem Bundesland die nächstgelegene Siedlung ist. Vor 1837 verlief die Grenze zwischen dem heutigen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen noch in der Wesermitte abwärts bis Holzminden.

Verkehrsanbindung

Erreichbar sind die Hannoverschen Klippen von Bad Karlshafen kommend über die Kreisstraße, die unweit nordöstlich an den Klippen vorbei zur B 241 führt. Von Würgassen kommend gelangt man über eine für den öffentlichen Verkehr gesperrte Wirtschaftsstraße, die in Richtung Osten unmittelbar an der Landesgrenze entlang zu den Klippen führt und auf die zuerst genannte Kreisstraße stößt, dorthin. An dieser Kreisstraße befinden sich oberhalb der Klippen zwei Parkplätze, einer am Dreiländerstein und seit 2011 ein weiterer unmittelbar hinter der Steilkehre im Wald. Von den Parkplätzen führen ausgeschilderte Fußwege zur Aussichtsklippe mit dem Weser-Skywalk. Die anderen sechs Klippen sind nicht erreichbar, der sie bis 2010 verbindende Klippenpfad wurde rückgebaut. Von Bad Karlshafen (Bahnhof) aus führt ein Wanderweg in Windungen den Hang hinauf zum Dreiländerstein.

Eine parallel und unmittelbar unterhalb der Hannoverschen Klippen verlaufende Kreisstraße zwischen Bad Karlshafen und Würgassen, welche früher die kürzeste Verbindung zwischen den beiden Ortschaften herstellte, wurde aufgrund akuter von den Klippen ausgehender Steinschlaggefahr für den gesamten Verkehr dauerhaft gesperrt.

Außerdem verlaufen direkt zwischen den Hannoverschen Klippen und der Weser die Sollingbahn (OttbergenNortheim (Han)) und der Weserradweg.

Geologische Entstehung

Darstellung der Hannoverschen Klippen auf einer dort angebrachten Schautafel

Die Entstehungsgeschichte der Hannoverschen Klippen reicht rund 250 Millionen Jahre in eine Periode des frühen Erdmittelalters (Trias) zurück. Weiträumige Flusssysteme schafften aus südlichen Richtungen lockere Sande heran, die im Gebiet des heutigen Weserberglands abgelagert wurden. Im Verlauf von Jahrmillionen erreichten die abgelagerten Schichten des Buntsandsteins schließlich eine Mächtigkeit von mehr als tausend Metern.

Unter der Auflast dieser Deckschichten verfestigten sich die lockeren Flusssande zu Sandstein. In der Folgezeit wurden die jüngeren Sedimentgesteine durch Erosion flächenhaft abgetragen und die Weser schnitt sich im Verlauf der jüngsten eine Million Jahre der Erdgeschichte in die Buntsandsteinschichten zwischen Solling und Reinhardswald mit einer mittleren Rate von 20 Zentimetern im Jahrtausend ein und transportierte dabei die lockeren Sande und Gerölle nach Norden ab.

Die Klippen entstanden durch das Zusammenspiel mehrerer Prozesse. In der erdgeschichtlichen Entwicklung des Solling-Gewölbes führten Salzauslaugungen in tieferen Schichten des Buntsandsteins zu Einstürzen. Die Erosionskräfte der Weser, die hier später den Süd-West-Ausläufer des Sollings durchbrachen, haben diese Einstürze freigelegt. Die sieben massiven Sandsteinklippen hielten den Kräften der Weser dauerhaft stand. Die landschaftsprägende geologische Felsformation der Klippen ist heute überwiegend bewaldet und überragt den Wesergrund mit ihren bewaldeten Bergkuppen um etwa 100 m Höhe.

Oberhalb der Hannoverschen Klippen wird der auch Wesersandstein genannte Buntsandstein gewerbsmäßig abgebaut. Er diente, in ein bis fünf Zentimeter dicke Platten geschnitten, bis ins 19. Jahrhundert vorwiegend zur Dacheindeckung von Gebäuden im Gebiet der Weserrenaissance.

Die Hessischen Klippen auf der gegenüberliegenden Weserseite. Stahlstich nach Robert Batty

Auf der gegenüberliegenden Seite der Weser befinden sich die Hessischen Klippen, die zusammen mit den Hannoverschen Klippen und den Felsen bei der Steinsmühle die einzigen natürlichen Buntsandstein-Felsen am Flusslauf der Weser bilden.

Bildergalerie

Einzelnachweise

  1. http://www.nw-news.de/lokale_news/hoexter/hoexter/4246645_Skywalk_Bauarbeiten_wieder_aufgenommen.html
  2. http://www.nw-news.de/lokale_news/hoexter/hoexter/4253220_Bauarbeiten_ueber_dem_Abgrund.html
  3. http://www.nw-news.de/lokale_news/hoexter/hoexter/3427705_Klares_Nein_zum_Skywalk.html

Weblinks

 Commons: Hannoversche Klippen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
51.659.4316666666667

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