Mysore

Mysore
Mysore
Mysore (Indien)
Red pog.svg
Staat: Indien
Bundesstaat: Karnataka
Distrikt: Mysore
Lage: 12° 18′ N, 76° 42′ O12.376.7Koordinaten: 12° 18′ N, 76° 42′ O
Einwohner:
– Agglomeration:
887.446 (2011)[1]
983.893 (2011)[2]

d1

Mysore [ˈmai̯soːr] bzw. Mysuru (Kannada: ಮೈಸೂರು Maisūru [ˈmai̯suːru], eingedeutscht auch Maisur oder Maissur) ist eine Stadt im indischen Bundesstaat Karnataka mit knapp 890.000 Einwohnern (Volkszählung 2011). Sie liegt etwa 125 Kilometer südwestlich von Bangalore im südlichen Hochland von Dekkan auf 770 Meter über NN. Mysore ist die drittgrößte Stadt Karnatakas, Verwaltungssitz des Distrikts Mysore sowie Sitz einer Universität (seit 1916). Vor der indischen Unabhängigkeit war Mysore Hauptstadt des Fürstenstaates Mysore.

Mysore
Klimadiagramm (Erklärung)
J F M A M J J A S O N D
 
 
4.6
 
29
16
 
 
5.3
 
31
18
 
 
12
 
34
20
 
 
64
 
34
21
 
 
144
 
33
21
 
 
67
 
29
20
 
 
74
 
28
20
 
 
78
 
28
20
 
 
114
 
29
19
 
 
159
 
29
20
 
 
63
 
28
18
 
 
14
 
28
17
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: WMO
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Mysore
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 28,6 31,2 33,6 34,3 32,9 29,2 27,7 28,0 28,9 28,8 27,9 27,5 Ø 29,9
Min. Temperatur (°C) 16,3 17,9 19,9 21,2 21,0 20,1 19,6 19,5 19,4 19,5 18,3 16,5 Ø 19,1
Niederschlag (mm) 4,6 5,3 12,0 64,3 144,0 67,0 73,6 78,2 114,3 159,0 63,3 13,8 Σ 799,4
Regentage (d) 0,6 0,6 1 4,8 9,4 10,6 14 14 11,3 10 5 2,1 Σ 83,4
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
28,6
16,3
31,2
17,9
33,6
19,9
34,3
21,2
32,9
21,0
29,2
20,1
27,7
19,6
28,0
19,5
28,9
19,4
28,8
19,5
27,9
18,3
27,5
16,5
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
4,6 5,3 12,0 64,3 144,0 67,0 73,6 78,2 114,3 159,0 63,3 13,8
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez


Quelle: WMO

Inhaltsverzeichnis

Der Name der Stadt

Nach dem Gründungsmythos Mysores gehörte die Gegend um die heutige Stadt dem Büffeldämon Mahishasura (Mahisha). Die Göttin Durga habe ihn in dort ihrer Gestalt als Chamundeshwari erschlagen. Vom Namen des getöteten Dämons soll sich auch der Name der Stadt herleiten: Die kanaresische Bezeichnung Maisūru sei demnach eine verschliffene Form von Mahishūru („Stadt Mahishas“).

Anlässlich des fünfzigsten Jahrestags der Gründung des Bundesstaats im Jahr 2006 beschloss die Regierung von Karnataka nach einem Vorschlag des Schriftstellers U. R. Ananthamurthy, den englischen Namen der Stadt in ihre Kannada-Namensform Mysuru umzubenennen. Da die indische Zentralregierung der Namensänderung bisher nicht zugestimmt hat, ist der Umbenennungsprozess aber noch nicht abgeschlossen.[3]

Geschichte

Der erste Beleg für die Existenz Mysores ist eine etwa auf das Jahr 950 zu datierende Inschrift aus der Zeit der Ganga-Dynastie, die zu Beginn des 11. Jahrhunderts von den Chola abgelöst wurde. Letztere ließen mehrere Tempel in der Stadt errichten, die von der ab dem 12. Jahrhundert regierenden Hoysala-Dynastie erweitert wurden.

Ab 1399 herrschte die ursprünglich aus Dwarka auf der Halbinsel Kathiawar stammende hinduistische Dynastie der Wodeyar über die Stadt und die umliegenden Gebiete. Ihr Territorium war dem Vijayanagar-Reich tributpflichtig. Nach dessen Zusammenbruch im Jahre 1565 wurde Mysore Hauptstadt des gleichnamigen, unabhängigen Königreiches. Raja Wodeyar I. (1578-1617) verlegte die Hauptstadt 1610 allerdings nach Srirangapatna. Im 18. Jahrhundert wurde die Herrschaft der Wodeyar durch den muslimischen Usurpator Hyder Ali, de facto Herrscher von 1761 bis 1782, und die Thronbesteigung seines Sohn Tipu Sultan (1782-1799) unterbrochen. Unter ihnen erreichte das Königreich Mysore seine größte Ausdehnung: weite Teile Südindiens wurden erobert und unterworfen. Das Reich geriet alsbald in Konflikte mit den Briten, die hier koloniale Interessen hatten.

Tipu Sultan von Mysore erklärte den Engländern den Krieg, unterstützt von dem Nizam von Haidarabad und den Marathen, wurde aber 1761 besiegt und auf seine Region Srirangapatna eingegrenzt. Nach Gebietsabtretungen im Jahr 1792 nahm Tipu Sultan gegen die Briten unter Arthur Wellesley, 1. Herzog von Wellington den Krieg wieder auf. Aus den vier Mysore-Kriegen ging die Kolonialmacht letztlich als Sieger hervor. Tipu Sultan kam am 4. Mai 1799 bei der Erstürmung Srirangapatnas ums Leben. Der größere Teil von Mysore wurde unter direkte englische Herrschaft gestellt.

Mit der Wiedereinsetzung der hinduistischen Wodeyar-Dynastie 1799, nun allerdings als britische Vasallen, wurde Mysore erneut Hauptstadt des Königreiches. Zwar verlegten die britischen Kolonialherren die Hauptstadt 1831 nach Bangalore, Wohnsitz der Rajas blieb jedoch bis zur Unabhängigkeit Indiens Mysore. Ihr Reich wurde 1947 ein indischer Bundesstaat.

1956 wurde Mysore dem nach Sprachgrenzen neu geschaffenen, gleichnamigen Bundesstaat zugeordnet, der 1973 in Karnataka umbenannt wurde.

Sehenswürdigkeiten

Stadt

Mysore ist eines der wichtigsten touristischen Zentren Karnatakas. Besonders das Erbe der früheren Maharajas von Mysore zieht viele in- und ausländische Besucher in die Stadt.

360° Panorama Amba-Vilas-Palast
Hauptartikel Amba Vilas
Sri-Chamundeshwari-Tempel
Nandi-Statue am Chamundi Hill
Mahishasura-Statue am Chamundi Hill
  • Chamundi Hill

Etwa drei Kilometer außerhalb des Stadtzentrums erhebt sich der 1062 Meter hohe Chamundi Hill, auf dessen Spitze sich der Sri-Chamundeshwari-Tempel befindet. Dieses wichtige Pilgerziel aus dem 12. Jahrhundert wird von einem siebenstöckigen, 40 Meter hohen Gopuram dominiert, der aber erst vor etwa 300 Jahren hinzugefügt wurde. Der Tempel ist Durga (Chamundeshwari) geweiht. Etwa 1000 Stufen führen zu ihm hinauf. Auf etwa halber Höhe steht eine 5m hohe, monolithische Statue des Stieres Nandi, dem Reittier Shivas. Die 1659 aus dem Felsen geschlagene Figur ist eine der größten ihrer Art in ganz Indien. Unweit findet sich auch eine Statue des Dämons Mahishasura.

  • Jaganmohan-Palast

Westlich des Amba-Vilas-Palastes liegt dieser 1861 erbaute Palast, der heute eine Galerie (Sri Jayachamarajendra Art Gallery) beherbergt, in der u. a. Porträts ehemaliger Herrscher, Miniaturmalereien, Möbel und Musikinstrumente ausgestellt werden.

Die katholische Kirche aus dem Jahre 1931, eine der größten Kirchen Indiens, greift u. a. mit ihren beiden hoch aufragenden Türmen und den Buntglasfenstern den Stil der europäischen Gotik auf. In einer unterirdischen Kapelle wird eine Reliquie der Märtyrerin Philomena aufbewahrt.

  • Sonstige Sehenswürdigkeiten

Es existieren noch einige kleinere Paläste in Mysore, besonders erwähnenswert sind der ursprünglich für Gäste des Maharajas errichtete Lalita-Mahal-Palast am Chamundi Hill sowie der Rajendra-Vilas-Palast. Des Weiteren gibt es in Mysore zahlreiche repräsentative Bauten der Kolonialzeit, u. a. das Rathaus, die Rangacharlu Memorial Hall und der Uhrturm von 1927 zu Ehren des silbernen Regentschaftsjubiläums des Maharajas. Sehenswert ist auch der Markt, einer der schönsten und größten Südindiens, bekannt für Gewürze und indische Parfums.

Nähere Umgebung

Viele historische Sehenswürdigkeiten bietet das 16 Kilometer nordöstlich von Mysore gelegene Shrirangapattana, 1610 bis 1799 Hauptstadt des Königreiches Mysore. Näheres unter Shrirangapattana

  • Brindavan-Gärten

Rund 15 Kilometer nordwestlich von Mysore liegen die Brindavan-Gärten am Fluss Kaveri, unterhalb des Krishna-Raja-Sagar-Staudammes. Die in den 30er Jahren für den Maharaja angelegten Gärten erstrecken sich auf einer Fläche von rund 60 Hektar.

  • Vogelschutzgebiet Ranganathittu

In diesem kaum 2 km² großen, auf sechs winzigen Inseln in der Kaveri gelegenen Schutzgebiet sind eine Vielzahl teils seltener Vögel zu beobachten.

  • Somnathpur

Der Keshava-Tempel aus der Hoysala-Zeit ist die größte Attraktion des Dorfes Somnathpur, etwa 25 Kilometer östlich von Mysore. Näheres unter Somnathpur

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Der traditionell wichtigste Industriezweig der Stadt ist die Textilindustrie, besonders Seidenstoffe werden überregional geschätzt. In den letzten Jahrzehnten haben sich zahlreiche andere Industrien angesiedelt, unter anderem Maschinen-, Pharma-, elektrotechnische, Chemie- und Kunststoffindustrie sowie Zulieferer der Fahrzeugindustrie. Die IT-Branche ist mittlerweile stark vertreten. Das Unternehmen Infosys hat ein großes Firmengelände in der Nähe von Mysore angelegt, in dem bald mehr Mitarbeiter beschäftigt sein sollen als auf dem Muttergelände in Bangalore. Auch für andere indische IT-Firmen wird das nur zwei Zugstunden von der IT-Hauptstadt Bangalore entfernte, weit ruhigere und angenehmere Mysore zusehends attraktiver. Traditionell werden in Mysore Sandelholz und Bronze handwerklich verarbeitet. Beträchtlichen Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung Mysores hat mittlerweile der Fremdenverkehr gewonnen.

Infrastruktur

Bahnhof von Mysore

Mysore verfügt als Eisenbahnknotenpunkt über eine relativ gute Anbindung ans Schienennetz. Mit dem Shatabdi Express besteht eine schnelle Verbindung nach Bangalore und Chennai. Auch die Straßenanbindung ist für indische Verhältnisse gut. Die Fernverkehrsstraße nach Bangalore ist inzwischen vierspurig ausgebaut. Darüber hinaus ist der bisher stillgelegte Mandakalli-Flughafen ausgebaut und Mitte Mai 2010 eröffnet worden.[4]

Einzelnachweise

  1. Census of India 2011: Provisional Population Totals. Cities having population 1 lakh and above.
  2. Census of India 2011: Provisional Population Totals. Urban Agglomerations/Cities having population 1 lakh and above.
  3. The Hindu: Centre mum on ‘Bengaluru’, 18. Dezember 2007.
  4. Formal inaugaration of Mysore airport at last on May 15. in: Star of Mysore (englisch), 13. Mai 2010, abgerufen am 13. Mai 2010.

Weblinks

 Commons: Mysore – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужно сделать НИР?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Mysore — Palais de Mysore la nuit Administration Pays  I …   Wikipédia en Français

  • Mysore — • Diocese in India, suffragan to Pondicherry Catholic Encyclopedia. Kevin Knight. 2006. Mysore     Mysore     † …   Catholic encyclopedia

  • Mysore —   [maɪ sɔː],    1) Stadt im Bundesstaat Karnataka, Südindien, 481 000 Einwohner; katholischer Bischofssitz; Universität (gegründet 1916), Kunstakademie, Zentralinstitut für indische Sprachen; Stahlwerk, Textilindustrie (Seidenweberei) sowie… …   Universal-Lexikon

  • Mysore — (spr. Meißuhr, im Sanskrit Mahesvara), 1) früher ein ansehnlicher Staat im südlichen Theile Ostindiens auf dem Tafellande, welches sich von den westlichen Ghats bis zu den östlichen erstreckt, im Allgemeinen 1800–3000 Fuß über dem Meere liegt,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Mysore — (spr. maißōr), britisch ind. Staat, s. Maisur …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Mysore — Mysore, brit. ostind. Vasallenstaat, s. Maisur …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Mysore — (Meisohr), den Engländern tributpflichtiger Staat Vorderindiens, etwa 1400 QM. groß mit 3 Mill. meistens mohammedan. Einw., Rest des Reichs, das unter Hyder Ali u. Tippo Sahib den Engländern gefährlich wurde. Der Radschah von M. ist ein… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Mysore — [mī sôr′] city in S India: pop. 481,000 …   English World dictionary

  • Mysore — This article is about the municipality in India. For its namesake district, see Mysore district. For other uses, see Mysore (disambiguation). Mysooru (ಮೈಸೂರು) Mysore   city of palaces   …   Wikipedia

  • Mysore — Maisūru ಮೈಸೂರು Mysore Bandera …   Wikipedia Español

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”