Retzschgut

Retzschgut
Retzschgut

Das Retzschgut oder Retzschhaus in der Weinbergstraße 20 des Stadtteils Oberlößnitz des sächsischen Radebeul ist das ehemalige Weinguts-Wohnhaus des bedeutenden Zeichners und Radierers Moritz Retzsch (1779–1857), dessen Ehefrau den Weinberg in die Ehe mitgebracht hatte. Das Anwesen liegt in der Weinbaulage Radebeuler Goldener Wagen wie auch im Denkmalschutzgebiet Historische Weinberglandschaft Radebeul.[1]

Heute unterhält dort Klaus Seifert mit seinem Weinbau Klaus Seifert das mit 0,22 Hektar kleinste eigenständige Weingut Sachsens, dessen Weine (Müller-Thurgau, Kerner, Weißburgunder, Grauburgunder und Traminer) nur vor Ort verkauft beziehungsweise in der hauseigenen Straußwirtschaft ausgeschenkt werden.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Blick vom Retzschgut zum Spitzhaus

Über einem großen, gewölbten Weinkeller erhebt sich ein zweigeschossiges, heute mitsamt Nebengebäude unter Denkmalschutz stehendes[2] Weinbergsgebäude mit einem massiven Erdgeschoss und einem verbretterten Obergeschoss, obenauf ein Walmdach mit Schleppgauben. Kurz vor der linken Gebäudekante der Straßenansicht des traufständig stehenden Baus tritt ein Fachwerk-Vorbau mit massivem Erdgeschoss und ebenfalls einem Walmdach aus dem Hauptbau bis zur Straßenflucht hervor. Der Dachfirst des Vorbaus mit der Wetterfahne ist leicht niedriger als der Hauptbau, die Traufhöhe jedoch wesentlich höher, was einen turmartigen Eindruck ergibt.

Auf der Rückseite des Gebäudes, der Bergseite Richtung Spitzhaus, befindet sich ein breiter, klassizistischer Dacherker mit mittigem Rundbogenfenster und einem Dreiecks-Giebel. In der linken, westlichen Giebelseite des Retzschhauses findet sich im Erdgeschoss eine mit Sandsteinsäulen versehene Vorlaube.

Geschichte

Die auf der Wetterfahne des straßenseitigen, turmartigen Vorbaus stehende Jahreszahl 1649 wird als Erbauungsjahr eines an der Stelle stehenden eingeschossigen Hauses mit Weinkeller angesehen. Anfang des 18. Jahrhunderts erfolgte eine Aufstockung des Gebäudes nebst Verlängerung und Anbau, zusammen mit einer Außentreppe zur Erschließung des oberen Stockwerks. Auf der Karte von Hans August Nienborg aus dem Jahr 1715 sind diese Erweiterungen bereits eingezeichnet.

Ab Anfang des 19. Jahrhunderts wohnte der Maler und Radierer Moritz Retzsch in dem heute nach ihm benannten Weingutsbesitz, den seine Ehefrau, eine Winzerstochter, zur Hochzeit mit in die Ehe gebracht hatte. Dieser liegt direkt auf der Hangseite hinter dem Haus und reicht fast bis zum Spitzhaus hoch. 1813 ließ er das Haus um den Vorbau zur Straße erweitern, 1837 erfolgte eine Ummantelung mit einem teilweise geschlossenen Laubengang auf der nördlichen und westlichen Obergeschossseite, dessen Überkragen über das Erdgeschoss durch eine unregelmäßige Steinsäulenreihe abgestützt wurde. Mit diesem Umbau wurde das bisherige Satteldach zu einem Walmdach erweitert. Zu dieser Zeit befand sich noch eine Weinpresse in dem Gebäude.

Gemäß eines 1841 von Retzsch niedergelegten Kontrakts befand sich im Erdgeschoss neben dem Pressraum die aus einer Stube und zwei Kammern bestehende Wohnung seines Winzers Johann Gottlob Wächter, während Retzsch selbst das Obergeschoss bewohnte.

1893 erfolgte einige weitere Veränderungen, so wurde die offene Galerie mit einer Schieferverkleidung zugebaut, und vermutlich[3] wurden die Fenster vergrößert, wobei sie nicht durch die ortsüblichen Sandsteingewände eingefasst wurden, sondern durch Ziegelsteine im Reichsformat.

Der Gärtner Otto Weinhold ließ sich 1953 im Hofbereich ein kleines, eingeschossiges Nebengebäude mit Satteldach errichten.

Das Wohnhaus wurde zwischen 2002 und 2008 umfassend saniert, dabei wurde die Fachwerkkonstruktion des straßenseitigen Anbaus freigelegt und das Obergeschoss durch die dunkelrot gestrichene Holzverkleidung geschützt. Die Bauherren erhielten im Jahr 2009 den Bauherrenpreis der Stadt Radebeul für diese gelungene Sanierung.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Volker Helas (Bearb.); Landesamt für Denkmalpflege Sachsen und Stadt Radebeul (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Sachsen: Stadt Radebeul. SAX-Verlag, Beucha 2007, ISBN 978-3-86729-004-3, S. 298 sowie beiliegende Karte. 
  2. Verzeichnis der Kulturdenkmale der Stadt Radebeul. Große Kreisstadt Radebeul, 17. April 2008, S. 25, abgerufen am 19. Juli 2009 (PDF).
  3. Georg Wulff; et. al. (Red.): Winzerhäuser in Radebeul. In: verein für denkmalpflege und neues bauen radebeul (Hrsg.): Beiträge zur Stadtkultur der Stadt Radebeul. Radebeul 2003.
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