Rudolf Spielmann

Rudolf Spielmann
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Rudolf Spielmann (* 5. Mai 1883 in Wien; † 20. August 1942 in Stockholm) war ein österreichischer Schachmeister.

Inhaltsverzeichnis

Laufbahn

Im Alter von vier bis fünf Jahren erlernte Spielmann das Schachspiel von seinem Vater.

Rudolf Spielmann nahm an ungefähr 120 Turnieren teil, von denen er 33 gewann. Zu seinen Erfolgen zählen ein 3./4. Platz in Sankt Petersburg 1909, Stockholm 1909, 4. Platz in Hamburg 1910, 2. Platz in Bad Pistyan 1912, 1. Platz in Baden 1914, 2./3. Platz in Mannheim 1914, 1. Platz in Stockholm 1919, 2./3. Platz in Bad Pistyan 1922, 1./2. Platz in Teplitz-Schönau 1922, Wien 1926 und Karlsbad 1929. Sein größter Erfolg war der Turniersieg auf dem Semmering 1926. Spielmann gewann vor Alexander Aljechin, Milan Vidmar, Aaron Nimzowitsch und Savielly Tartakower. Aufgrund seines risikofreudigen Spiels landete er manchmal auch am unteren Ende der Turniertabelle, obwohl er nach dem Ersten Weltkrieg versuchte, positionell solider zu spielen. In den 1930er-Jahren nahm Spielmanns Leistung rapide ab.

Er war der einzige Spieler, die eine nicht-negative Bilanz gegen José Raúl Capablanca bei mehr als einem Sieg aufweisen konnte – je 2 Siege und Niederlagen bei 8 Remis (auch Aljechin hatte eine negative Bilanz gegen Capablanca). Spielmann erzielte seine Siege in Bad Kissingen 1928 und Karlsbad 1929, kurz nachdem Capablanca die Weltmeisterschaft verloren hatte.

Seine beste historische Elo-Zahl betrug 2716. Diese erreichte er im Januar 1913.

Spielstil

Spielmann war bekannt für seine taktischen Fähigkeiten und sein brillantes Angriffs- und Kombinationsspiel, man nannte ihn auch nach seinem 1. Platz im Königsgambit-Thematurnier in Abbazia 1912 „den letzten Ritter des Königsgambits“. Er hatte eine Vorliebe für Opfer und ist darin dem späteren Weltmeister Michail Tal vergleichbar. 1935 erschien sein bekanntestes Buch Richtig opfern!. Darin versuchte er, die verschiedenen Opferarten im Schach zu klassifizieren. Dieses Buch wurde auch ins Englische übersetzt (The art of sacrifice).

Leben

Rudolf Spielmann war das zweite von sechs Kindern des in den 1870er-Jahren von Nikolsburg nach Wien immigrierten Juden Moriz Spielmann und Cäcilie Nestädtl. Rudolf Spielmanns Eltern setzten sich für die Entfaltung des künstlerischen Talents ihrer Kinder ein. So war Spielmanns älterer Bruder Leopold musikalisch begabt, während seine drei Schwestern Melanie, Irma und Jenny als Schauspielerinnen auftraten. Früh starben der jüngste Bruder Edgar 1917 an Suizid, da er den Tod der Mutter nicht verwinden konnte, sowie Melanie 1927 42-jährig nach schwerer Krankheit.

Spielmann beendete die Schule erfolgreich, verweigerte jedoch ein Mathematikstudium, da er Profischachspieler werden wollte, wobei er erstmals 1909 in Sankt Petersburg auffiel (siehe oben). Die Karriere Spielmanns wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen, in dem er als Soldat der k.u.k. Armee dienen musste.

Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ wurde Spielmann wegen seiner jüdischen Herkunft das Opfer staatlicher Verfolgung. Zum 1. Februar 1935 gab er seinen Wiener Wohnsitz auf.[1] Als Flüchtling kam er zuerst in den Niederlanden, dann ohne gültigen Pass in der Tschechoslowakei unter, wo er in Prag „in einer schäbigen [...] Pension“[2] unterkam. Nach einem Appell an den Schachförderer Ludwig Collijn am 10. Dezember 1938 konnte Spielmann im Januar 1939 noch vor dem Einmarsch der Wehrmacht nach Schweden fliehen.

Einige Verwandte Spielmanns wurden jedoch Opfer der Shoa. So wurde Bruder Leopold nach einer missglückten Ausreise von der SS festgenommen und im Konzentrationslager Theresienburg zwei Jahre lang festgehalten, wo er 1941 starb; seinen Töchtern glückte die Flucht nach England. Auch die Schwestern Irma und Jenny wurden verhaftet. Irma wurde im Konzentrationslager ermordet, während Jenny das Lager überlebte, aber mit den nach ihrer Befreiung bestehenden Depressionen nicht zurechtkam und 1964 Suizid beging.

Collijn starb kurze Zeit nach Spielmanns Ankunft in Schweden und Spielmann versuchte durch die Veröffentlichung seiner Autobiografie, die bis heute verschwunden ist, Geld für die Reise nach England oder Amerika aufzutreiben. Spielmanns Nachlass, der möglicherweise in die Vereinigten Staaten verkauft wurde, gilt als verschollen und die Auftraggeber der Autobiografie sind unbekannt.

Es gibt zwei verschiedene Versionen, wie Spielmann ums Leben kam. Einer Version zufolge, die von Spielmanns nächsten Verwandten erzählt wurde, soll sich Spielmann in sein Zimmer eingeschlossen haben, aus dem er dann nicht mehr herauskam und in dem er schließlich verhungert aufgefunden wurde. Eine andere Version berichtet von einer Parkinson-Krankheit, der Spielmann zum Opfer fiel. Offiziell starb er an Hypertonie und Kardiosklerose.[3]

Im Jahr 2011 wurde in Wien Leopoldstadt (2. Bezirk) der Spielmannplatz nach ihm benannt.

Werke

Rudolf Spielmann: Richtig Opfern. Mädler, 1995. ISBN 3-925691-14-6

Literatur

Siehe auch

  • Schachfieber, Spielmann als Statist in einer Filmhumoreske

Einzelnachweise und Quellen

  1. Ing W. Ball: Meister Spielmann zum Abschied. In: Wiener Schachzeitung Nr. 3, Februar 1935. S. 33
  2. Michael Ehn: Rudolf Spielmann: Porträt eines Schachmeisters in Texten und Partien. Koblenz 1996. S. 84
  3. chessbase.de: Rudolf Spielmann: Lebensgeschichte als Zeitgeschichte

Weblinks


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