U2-Triebwagen

U2-Triebwagen
Siemens-Duewag U2
Siemens-Duewag U2
Anzahl: 288, davon 104 für Frankfurt
Hersteller: DUEWAG, Wegmann, Siemens
Baujahr(e): 1968-1990
Achsformel: B' 2' B'
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Kupplung: 24.284 mm
Länge: 23.000 mm
Höhe: 3.280 mm
Breite: 2.650 mm
Drehzapfenabstand: 7.670 mm
Drehgestellachsstand: 1.800 mm
Leermasse: 30.700 kg
Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h (2 Motoren)
88 km/h (4 Motoren)
Installierte Leistung: 2×150 kW = 300 kW oder 4x136 kW = 544 kW
Treibraddurchmesser: 720 mm
Laufraddurchmesser: 720 mm
Stromsystem: 600 V Gleichstrom
Anzahl der Fahrmotoren: 2 oder 4
Kupplungstyp: Scharfenberg
Sitzplätze: 64
Stehplätze: 162 (Frankfurt)
200 (Export)
Fußbodenhöhe: 97 cm

U2-Triebwagen (oder Baureihe U2) ist die Bezeichnung für eine Familie von Hochflur-Stadtbahnfahrzeugen.

Inhaltsverzeichnis

Bauart

Der Fahrzeugtyp wurde ab 1966 durch die Firma Düwag für den Einsatz bei der U-Bahn Frankfurt am Main entwickelt. Die Baureihe basiert auf den zwei 1965 ebenfalls für Frankfurt gebauten Prototypen des Typs U1, die ihrerseits aus dem Düwag-Baukastensystem für Straßenbahnfahrzeuge abgeleitet waren. Da die Erfahrungen aus dem Versuchsbetrieb auf der im Bau befindlichen Frankfurter Stadtbahn zahlreiche Änderungen an der Konstruktion erforderlich machten, wurden die Fahrzeuge der Serienfertigung als Baureihe U2 bezeichnet.

Der Typ U2 wurde in Stahlleichtbauweise gefertigt, während die Führerstände aus glasfaserverstärktem Kunststoff bestehen, um diese nach Unfällen leicht auswechseln zu können. Die Fahrzeuge verfügen über drei zweiachsige Drehgestelle, von denen die beiden äußeren angetrieben sind. Der Wagenkasten ist zweiteilig ausgeführt, mit einem Gelenk in Fahrzeugmitte. Alle U2-Wagen wurden als Zweirichtungsfahrzeuge gebaut und verfügen beidseitig über Scharfenbergkupplungen. Es sind Zugverbände von bis zu sechs Fahrzeugen möglich.

Frankfurt am Main

Der Typ U2 wurde erstmals zwischen 1968 und 1978 in insgesamt 97 Exemplaren nach Frankfurt geliefert, wo sie die Nummern 303 bis 399 erhielten. Ein Teil der Produktion wurde dabei im Rahmen der Zonenrandförderung an die Kasseler Firma Wegmann vergeben. Die Wagen 303 bis 366 waren mit bei Ablieferung mit Scheren-, die Wagen ab Nummer 367 mit Einholm-Stromabnehmern ausgerüstet. Nachdem 1980 fünf Wagen (314, 317, 318, 320 und 323) bei einem Großbrand im Betriebshof Heddernheim zerstört worden waren, wurden 1984 und 1985 insgesamt sieben Wagen mit den Nummern 400 bis 406 nachgeliefert. Die nachgebauten Wagen unterscheiden sich in der Gestaltung des Innenraumes geringfügig von den Fahrzeugen der älteren Serien. An den Sitzgruppen befinden sich grüne Metalltischchen statt weißer Holztischchen, glatte Kunststoffbeläge ersetzten die bisherigen profilierten Gummiböden. Die Sitze wurden mit orangefarbigem Stoff bespannt, während bei den älteren Fahrzeugen braunes Kunstleder verwendet wurde. Auch wurde das Armaturenbrett verändert und eine automatische, das Beschleunigungs- und Bremsvermögen beeinflussende Gewichtserfassung eingebaut, die bei den älteren Fahrzeugen nachgerüstet wurde. Alle Serien sind elektrisch voll kompatibel und daher freizügig miteinander kuppelbar. Durch die Anschaffung der U5-Triebwagen seit 2008 werden die U2h-Triebwagen derzeit sukzessive ausgemustert, zahlreiche Wagen sind momentan fahrfähig in einem ehemaligen Straßenbahnbetriebshof abgestellt. Planmäßig verkehren die U2h-Triebwagen nur noch auf der U1, selten sind sie auch noch auf der U2 anzutreffen.

Farbgebungen

Ursprüngliche Lackierung in Frankfurter Stadtfarben rot/weiß, wiederhergestellt 2011 bei zwei Museumsfahrzeugen
Lackierung in „subaru vista blue“ (2007)

Anfangs wurden die Fahrzeuge in den Frankfurter Stadtfarben rot/weiß ausgeliefert. Ab Mitte der 1980er Jahre erfolgte eine Umlackierung in orange/elfenbein, die sieben Fahrzeuge der Nachbauserie wurden bereits in dieser Farbgebung geliefert. Seit Mitte der 1990er Jahre erfolgt ein weitere Umlackierung in die neue VGF-Hausfarbe „subaru vista blue“ (eine Art türkis). Lediglich ein Fahrzeug des Typs U2e (361) wurde bisher noch nicht umlackiert. Seit dem Sommer 2011 tragen die U2h-Triebwagen 303 und 304 die alte und erste Farblackierung und werden als Museumswagen erhalten bleiben.

Umbauten

Änderungen der Bahnsteighöhen erforderten mehrere Umbauten im Türbereich. Der ursprüngliche U2-Typ war mit einer festen Stufe für Bahnsteighöhen von 32 und 56 cm ausgelegt. Inzwischen sind die meisten Bahnsteige der A-Strecken (U1-U3) auf 80 cm höhergesetzt worden. Die B-Strecken (U4,U5) und die C-Strecken (U6,U7) haben aber 87 cm hohe Bahnsteige. Deshalb wurden die Fahrzeuge in zwei Varianten U2H und U2e umgebaut:

U2h

Bei dem umgebauten Typ U2h wurden die Trittstufen hochgesetzt. Auf den A-Strecken mit den Linien U1 bis U3 wurden die meisten Bahnsteige auf 80 cm hochgesetzt. Da die Fußbodenhöhe aber 97 cm beträgt, verbleibt eine kleine Stufe im Türbereich. Die Nachfolgefahrzeuge U4 und U5 haben dagegen Fußbodenhöhen von 87 cm.
U2-Triebwagen 325 an der Station Weißer Stein

U2e

Nachdem auf den A-Strecken die niedrigeren U4-Fahrzeuge eingesetzt wurden, konnten die frei werdenden U2-Fahrzeuge für die Linien U4 und U7 umgebaut werden. Hier wurden die Trittstufen ganz beseitigt, sodass ein ebenerdiger Zugang vom Bahnsteig zum Zug möglich ist. 36 U2-Fahrzeugen wurden zwischen 2001 und 2004 zu U2e umgebaut. 2009 wurden 12 U2h-Fahrzeuge zu U2e umgebaut.[1]

Die U2-Wagen wurden zu einem großen Teil (bis auf Wagen 368 alle U2e-, einige U2h-Wagen) mit größeren Fahrerkabinen (Erweiterung in Richtung Fahrgastraum) und neuen Fahrersitzen ausgestattet. Wegen der begonnenen Ausmusterung werden aber nicht mehr alle Fahrzeuge umgerüstet. Der Typ U2e wurde zusätzlich mit jeweils einer barrierefreien Tür pro Wagenseite ausgestattet. Dazu wurde die Mittelstange entfernt, was den Einbau einer neuen Lichtschrankenanlage erforderlich machte. Zum Zwecke der schnelleren Erkennbarkeit ist die barrierefreie Tür mit einem gelben Strich oberhalb des Einstieges gekennzeichnet. Um zu gewährleisten, dass niemand aus Versehen die neuartige Lichtschranke blockiert, wurde ein Signalgeber eingebaut, der einen Ton abgibt, sobald nach Wegnahme der Türfreigabe die Lichtschranke unterbrochen ist.

Ehemalige U2h-Triebwagen, die seit der Verlängerung der U4 nach Enkheim in U2e-Triebwagen umgebaut wurden: 336, 341, 343, 349, 352, 357, 365, 402, 403, 404, 405 und 406.

Einsatz

Die U2h-Fahrzeuge verkehren derzeit noch auf der Linie U1. Wegen der maximalen Stationslänge von 105 Metern können in Frankfurt bis zu vier Fahrzeuge in Traktion verkehren. Die Ausmusterung begann mit der Lieferung der Baureihe U5 ab 2008. Bis spätestens 2015 sollen alle Fahrzeuge aus dem Linienverkehr ausscheiden.

Die U2e-Fahrzeuge verkehren auf den Linien U4 und U7.

Wagen 355 war seit einer Entgleisung an der Endstation Hohemark am 29. Dezember 2005 wegen Drehgestellschäden abgestellt und ist seit Mai 2007 wieder im Einsatz. Wagen 365 erlitt 2006 in Weißkirchen einen Unfall. Wagen 334 war auf der B-Seite nach einem Unfall schwer beschädigt und ist ausgemustert; der A-Kopf befindet sich nun an Wagen 365 und wird auch unter dieser Nummer geführt.

Wagen 372 und 376 wurden bei einem Unfall ausgemustert, weswegen in nächster Zeit zwei U2h-Triebwagen in U2e-Triebwagen umgebaut werden. Wagen 375 wurde nach einem Unfall momentan nur abgestellt.

Export

U2-Wagen in Edmonton
U2-Wagen in Calgary
U2-Wagen in San Diego

Edmonton

1978 eröffnete Edmonton eine heute 15,2 km lange Stadtbahnlinie als Edmonton Light Rail Transit, für deren Betrieb ebenfalls U2-Wagen bei Düwag bestellt wurden. Rund ein Drittel der Fahrzeugkomponenten wurde jedoch in Edmonton selbst hergestellt. Insgesamt wurden so 37 Fahrzeuge produziert, die nach wie vor im Einsatz stehen.

Calgary

1981 wurde Calgary mit dem sogenannten C-Train ein weiteres Stadtbahnsystem in Betrieb genommen. Nachdem man in Edmonton gute Erfahrungen mit dem Typ U2 gemacht hatte, bestellte man ebenfalls 83 Fahrzeuge des Typs, von denen 80 noch vorhanden sind. Sie sollen bis 2023 im Einsatz bleiben.

San Diego

San Diego eröffnete im Juli 1981 das erste Stadtbahnsystem Kaliforniens. Auch hier griff man auf Fahrzeuge des Typs U2 zurück, die ersten 14 Fahrzeuge wurden bereits 1980 geliefert. Bis 1990 wurden insgesamt 71 Fahrzeuge gefertigt, San Diego besitzt damit die jüngsten Fahrzeuge der U2-Familie. Im Gegensatz zu Frankfurt, Edmonton und Calgary verzichtete man auf Hochbahnsteige, dementsprechend sind die dortigen Fahrzeuge mit Trittstufen bis auf Straßenniveau ausgerüstet. Mit Rücksicht auf die klimatischen Verhältnisse in ihrem Einsatzgebiet sind die U2-Wagen der San Diego Trolley mit Klimaanlagen ausgestattet. Der Fahrzeugpark wurde inzwischen durch den U2-Nachfolgetyp Siemens SD-100 und durch Niederflurfahrzeuge des Typs Siemens Avanto/S70 ergänzt.

Englischer Artikel: San Diego Trolley

Einzelnachweise

  1. Die VGF modernisiert weitere 12 "U2"-Wagen für den Einsatz auf den Linien und U7

Literatur

  • Jens Krakies, Frank Nagel; Stadt Frankfurt am Main (Hrsg.): Stadtbahn Frankfurt am Main: Eine Dokumentation. 2. Auflage. Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-923907-03-6, S. 188–193.
  • Horst Michelke, Claude Jeanmaire: 100 Jahre Frankfurter Straßenbahnen: 1872 - 1899 - 1972. 1. Auflage. Verlag Eisenbahn, Villigen AG, bei Brugg/Schweiz 1972, ISBN 3-85649-018-3, S. 168–174 (Bildteil).

Weblinks


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