Maria Kiene

Maria Kiene

Maria Kiene (* 8. April 1889 in Schwäbisch Hall; † 28. September 1979 in Freiburg im Breisgau) war Referatsleiterin für Kinderfürsorge beim Deutschen Caritasverband, Gründerin/Mitbegründerin sozialer Institutionen und Einrichtungen der katholischen Kirche. Sie beeinflusste maßgebend das katholische Kindergartenwesen und die katholische Erholungsfürsorge.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Maria Sophie Thekla war das dritte von fünf Kindern des Landgerichtspräsidenten und Zentrumspolitiker Johann (Hans) Baptist Kiene und dessen Ehefrau Anna, geb. Schneider. In Ravensburg, wohin der Vater beruflich versetzt wurde, besuchte sie die Volksschule, anschließend die Höheren Mädchenschulen in Ravensburg, und ab 1899 in Stuttgart. Dem folgte ein Pensionatsjahr im Ursulinenkloster Calvarienberg bei Ahrweiler. Anschließend bereitete sich Marie Kiene im Privatstudium auf das Abitur vor, das sie erfolgreich an einem Knabengymnasium ablegte. Sie studierte Volkswirtschaft und Philosophie. Wegen Krankheit brach sie das Studium ab und absolvierte später die Kindergärtnerinnenausbildung am Kindergärtnerinnenseminar des Württembergischen Landesausschusses des katholischen Frauenbundes in Schwäbisch Gmünd. Es folgte noch eine Ausbildung zur Jugendleiterin am Stuttgarter Fröbelseminar des Schwäbischen Frauenvereins.

Nach einer fünfmonatiger Tätigkeit als Hausmutter des Ferienerholungswerkes Heuberg der Stadt Stuttgart, wurde Marie Kiene an die Caritaszentrale nach Freiburg im Breisgau berufen. Dort war sie zuerst Mitarbeitern im Referat Kinderfürsorge, dessen Leiterin sie 1924 wurde. Zusammen mit Alexandrine Hegemann gründete Marie Kiene die Berufsgemeinschaft der katholischen Kindergärtnerinnen und Jugendleiterinnen (heute Katholische Erziehungsgemeinschaft Deutschland). Zwei Jahre später rief sie die Arbeitsgemeinschaft der katholischen Kindergärtnerinnenseminare (heute Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Ausbildungsstätten für Erzieherinnen/Erzieher) ins Leben. Auf ihre Initiative wurde 1927 in Freiburg im Breisgau ein Jugendleiterinnenseminar gegründet, eine Vorgängereinrichtung der heutigen Katholischen Fachhochschule Freiburg.

Seinerzeit fand ihr Buch Das Kind im Kindergarten, nicht nur in katholischen Fachkreisen hohe Anerkennung und Verbreitung. Die Publikation erlebte mehrere Auflagen und wurde in die italienische Sprache übersetzt. Darin vertrat Maria Kiene die damals übliche Ansicht, dass der Kindergarten keine notwendige Einrichtung sei und seine Aufgabe letztlich darin besteht, sich zu erübrigen. Sie schrieb:

Es ist von jeher Herzenssache der caritativen Kinderfürsorge, den Kindergarten nur als eine die Familie ergänzende Einrichtung zu erkennen und ihn als solchen überall zu vertreten. Jede Betrachtung über den Kindergarten geht davon aus, daß er keineswegs anstatt der Familie oder etwa wie die Schule, als notwendige Welt des Kindes neben der Familie zu setzen ist... Friedrich Fröbel hat, nachdem er sich zur Gründung außerhäuslicher Kindergärten veranlaßt sah, ausgesprochen: 'Wir sind da, um uns zu erübrigen'. In diesem Geist muß jede Kindergartenleiterin ihre Aufgabe sehen[1].

Ein weiterer beruflicher Schwerpunkt von Marie Kiene war die Kinder- und Jugenderholungsfürsorge. Bereits 1926 gründete sie den Verband katholischer Kindererholungs- und Heilfürsorge (heute Verband katholischer Kurheime und Kurkliniken für Kinder und Jugendliche). Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sie sich für die konzeptionelle Weiterentwicklung der Erholungsfürsorge ein und befürwortete die Errichtung von Heimen/Kliniken in Wangen, Mittelberg, Aschau und Friedenweiler.

Erst 1966 zog sich Maria Kiene aus dem Berufsleben zurück.

Ehrungen

Werke

  • Unsere Kinder, unsere Freude, Freiburg/Breisgau 1932
  • Das Kind im Kindergarten, Freiburg/Breisgau 1953
  • Lebensrecht und Lebensbedürfnisse des Kleinkindes, Weinheim 1956
  • Gottes Sonne unseren Kindern. Handbuch für Kinder- und Jugenderholungsfürsorge, Freiburg/Breisgau 1957
  • Menschenbildung heute, Freiburg/Breisgau 1957

Literatur

  • Manfred Berger:Frauen in der Geschichte des Kindergartens. Ein Handbuch, Frankfurt/Main 1995, S. 102-106
  • Hugo Maier (Hrsg.): Who is who der Sozialen Arbeit, Freiburg/Breisgau 1998, S. 298-299

Weblinks

Einzelnachweis

  1. Kiene 1953, S. 10 ff.)

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужна курсовая?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Kiene — ist der Familienname folgender Personen: Franz Anton Kiene (1777–1847), deutscher Orgelbauer Henning Kiene (* 1959), deutscher Theologe Johannes Baptist von Kiene (1852–1919), deutscher Jurist und Politiker Josef Kiene (1895–1981), deutscher… …   Deutsch Wikipedia

  • Maria Strandlund — Carrière professionnelle 1986 – 1997 …   Wikipédia en Français

  • Johannes Baptist von Kiene — Johannes Baptist (von) Kiene, auch Johann Baptist Kiene (* 22. Januar 1852 in Langenargen; † 24. Juli 1919 in Wangen im Allgäu) war ein deutscher Jurist und Politiker des Zentrums. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Einzelnachweise 3 …   Deutsch Wikipedia

  • Katholische Hochschule Freiburg — Vorlage:Infobox Hochschule/Mitarbeiter fehlt Katholische Hochschule Freiburg Gründung 1971 Trägerschaft …   Deutsch Wikipedia

  • Alexandrine Hegemann — (* 17. November 1877 in Münster; † 2. Februar 1926 in Freiburg) war eine Wegbereiterin der Sozialen Arbeit in Deutschland. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Auszeichnungen 3 Sonstiges …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Ki — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Orgellandschaft Oberschwaben — Die Orgellandschaft Oberschwaben geht in ihrem heute erhaltenen Bestand bis ins 17. Jahrhundert zurück. Insgesamt stehen in Oberschwaben rund 200 Orgeln unter Denkmalschutz. Inhaltsverzeichnis 1 17. Jahrhundert 2 18. Jahrhundert 3 19. Jahrhundert …   Deutsch Wikipedia

  • Open de Prague 1992 — Nom de l édition HTC Open Date Du 20 au 26 juillet 1992 …   Wikipédia en Français

  • Open de Brisbane 1993 (WTA) — Nom de l édition Danone Hardcourt Champ’s Date Du 4 au 10 janvier …   Wikipédia en Français

  • Tournoi de Linz 1992 — Nom de l édition Int’l Austrian Indoor Champ’s Date Du 10 au 16 février  …   Wikipédia en Français

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”