Friedrich Wilhelm von Loebell

Friedrich Wilhelm von Loebell
Friedrich Wilhelm von Loebell

Friedrich Wilhelm von Loebell (* 17. September 1855 in Lehnin; † 21. November 1931 in Brandenburg an der Havel) war ein deutscher Politiker.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Ausbildung

Friedrich Wilhelm von Loebell war das fünfte und jüngste Kind von Robert von Loebell (1815–1905), der 1846 bis 1870 das Rittergut Lehnin besaß und auf dem Gelände des früheren Klosters Lehnin wohnte. Der Vater legte Wert darauf, dass sein Sohn zusammen mit den Dorfkindern die Dorfschule besuchte; daneben hatte er noch Privatunterricht. 1866 wechselte er auf die Ritterakademie in Brandenburg an der Havel, wo er das Abitur ablegte.

Beruf und politisches Wirken

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Straßburg und Leipzig trat er in den preußischen Verwaltungsdienst ein. 1885 wurde von Loebell Landrat im neu gegründeten Landkreis Neuhaus an der Oste (heute Teil des Landkreises Cuxhaven). Von 1889 bis 1900 war er dann Landrat im Kreis Westhavelland. Hier bemühte er sich, die Infrastruktur im Interesse der Wirtschaft, zum Beispiel durch den Bau von Eisenbahnstrecken, zu entwickeln. Er war die treibende Kraft für den Bau der Brandenburgischen Städtebahn, mit der fünf radial auf Berlin ausgerichtete Eisenbahnstrecken vernetzt wurden. Ihm zu Ehren erhielt auch eine Lokomotive den Namen „Landrat von Loebell“, die am 25. März 1904 den Eröffnungszug der Strecke zog. Bis zu seinem Tode gehörte er dem Vorstand dieser Eisenbahngesellschaft an.

1898 wurde von Loebell als Abgeordneter des Wahlkreises Brandenburg a. d. Havel–Westhavelland in den Reichstag gewählt. Im Jahre 1900 wurde er Generaldirektor der Landesfeuersozietät in Brandenburg. 1904 wechselte er als Vortragender Rat in die Reichskanzlei und wurde im Jahre 1907 unter Reichskanzler Bernhard von Bülow Unterstaatssekretär. Ab 1909 war er Oberpräsident der Provinz Brandenburg, bevor er sich 1910 auf sein Rittergut Brenken zurückzog. Ab 1911 bis zu seiner Berufung in die preußische Regierung im Mai 1914 war er Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank. Von 1914 bis 1917 war von Loebell preußischer Innenminister und hatte in dieser Kriegszeit die Verantwortung für die Organisation der Verwaltung. Es war Teil der Burgfriedenspolitik im Deutschen Reich während des Ersten Weltkriegs, dass Innenminister von Loebell am 6. Januar 1915 einen Erlass verkündete, nach dem die bisherige Praxis, Sozialdemokraten als Staatsfeinde anzusehen und daher nicht in den öffentlichen Dienst zu übernehmen, nicht mehr ausgeübt wird. In der Folge von Auseinandersetzungen in der Regierung und mit dem Kaiser trat von Loebell 1917 von seinem Amt zurück. Von 1917 bis zum Januar 1919 war er dann wieder Oberpräsident der Provinz Brandenburg, bis er im Gefolge der revolutionären Ereignisse zurücktrat. In der Weimarer Republik versuchte Loebell jeweils an führender Stelle konservative Kräfte zu sammeln und – wie bei der Reichspräsidentenwahl 1925, der Fürstenenteignung 1926 und der Reichstagswahl 1928 – zu einem möglichst einheitlichen Auftreten gegen die republikanischen Kräfte zu motivieren.

Friedhof Wilmersdorf in Berlin; Erbbegräbnisstätte von Lobell, nach Entwurf von Hans Dammann

Friedrich Wilhelm von Loebell lebte in seinen letzten Lebensjahren im Stadtteil Dom von Brandenburg an der Havel, wo er auch verstarb. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Wilmersdorf in Berlin.

Literatur

Weblinks



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