Gertrud Höhler

Gertrud Höhler

Gertrud Höhler (* 10. Januar 1941 in Wuppertal) ist eine deutsche Publizistin und Unternehmensberaterin.

Gertrud Höhler bei Markus Lanz (2011)

Inhaltsverzeichnis

Leben

Gertrud Höhler war von 1972 bis 1993 Professorin für Literatur an der Universität Paderborn. Überregionale Bekanntheit erlangte sie durch zahlreiche Publikationen sowie Medienauftritte, in denen sie Stellung zu aktuellen Fragen der Politik und Wirtschaft bezog. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, so mit dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, 1988 mit dem Orden wider den tierischen Ernst und dem Deutschen Fairnesspreis 2002.[1]

Höhler studierte Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte in Bonn, Berlin, Zürich und Mannheim. In dieser Zeit gehörte sie dem links-subkulturellen Milieu an. Sie war mit Ulf Miehe liiert (mit dem sie 1962 einen Gedichtband im Selbstverlag veröffentlichte), mit Jörg Fauser und Bernward Vesper befreundet.[2] 1967 wurde sie zur Dr. phil. promoviert und arbeitete an der Universität Mannheim. Von 1987 bis 1989 beriet sie den Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen. 1993 legte sie ihre Professur in Paderborn nieder, um als freie Publizistin und Unternehmensberaterin zu arbeiten. Professoren und Studenten hatten ihr Vernachlässigung der Lehrpflicht vorgeworfen; sie selbst sprach von Mobbing.

In der Öffentlichkeit wurde Gertrud Höhler u. a. durch ihre Beraterfunktion für Politiker wie Helmut Kohl[3] und Dieter Althaus[4] bekannt. Als Buchautorin veröffentlichte sie Titel wie Jenseits der Gier. Vom Luxus des Teilens, Wölfin unter Wölfen. Warum Männer ohne Frauen Fehler machen sowie Warum Vertrauen siegt. Zudem erregte sie in einer Werbekampagne des Kreditkartenunternehmens American Express mit einem von Annie Leibovitz angefertigten Foto Aufsehen, das die Literaturwissenschaftlerin in Reitkleidung zeigt.[5] Darüber hinaus war Höhler Teilnehmerin der philosophischen TV-Gesprächsrunde Baden-Badener Disput mit Alfred Grosser und Peter Sloterdijk.

Im April 2007 wurde sie in das neu geschaffene oberste Leitungsgremium Hochschulrat ihrer früheren Universität in Paderborn gewählt.[6] Wenig später geriet sie in die öffentliche Kritik, nachdem die Neue Westfälische recherchiert hatte, dass der sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Peter Klose in einem ihr gehörenden Haus in Zwickau ein „Bürgerbüro“ betrieb. Höhler bestritt zunächst, vom NPD-Hintergrund ihres Mieters gewusst zu haben, räumte dies später jedoch ein.[7] Daraufhin forderte der damalige Wissenschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, Andreas Pinkwart (FDP), sie am 22. Juni 2007 zum Rücktritt aus dem Hochschulrat auf, was Höhler ablehnte, da die NPD eine zugelassene Partei sei, die dem sächsischen Landtag angehöre.[7][8] Am 2. Juli 2007 entzog ihr daraufhin der Hochschulrat das Mandat in der Findungskommission zur Wahl der künftigen Hochschulleitung.[9]

Werke

  • Gesinnungskonkurrenz der Intellektuellen, Osnabrück 1978
  • Die Anspruchsgesellschaft, Düsseldorf 1979, Goldmann Sachbuch 11390 ISBN 3-442-11390-3
  • Das Glück. Analyse einer Sehnsucht, Düsseldorf 1981
  • Die Kinder der Freiheit, Stuttgart 1983
  • Die Bäume des Lebens, Stuttgart 1985
  • Die Zukunftsgesellschaft, Düsseldorf 1986
  • Spielregeln des Glücks, Düsseldorf 1988
  • Offener Horizont. Junge Strategien verändern die Welt, Düsseldorf 1988
  • Virtuosen des Abschieds / Neue Werte für eine Welt im Wandel, Econ Düsseldorf 1989, ISBN 3-430-14756-5
  • Spielregeln für Sieger, Düsseldorf 1991
  • Wettspiele der Macht, Düsseldorf 1994
  • Herzschlag der Sieger. Die EQ-Revolution, Düsseldorf 1997 (als Taschenbuch 1999)
  • Die EQ Revolution, Düsseldorf 1997
  • Der veruntreute Sündenfall (mit Michael G. Koch), Stuttgart 1998
  • EntZweiung oder neues Bündnis?, Stuttgart 1998
  • Wölfin unter Wölfen. Warum Männer ohne Frauen Fehler machen, München 2000
  • Die Sinn Macher. Wer siegen will, muss führen, München 2002
  • Warum Vertrauen siegt, Ullstein 2003
  • Jenseits der Gier – Vom Luxus des Teilens, Econ Berlin 2005
  • Aufstieg für alle. Was die Gewinner den Verlierern schulden, Econ Berlin 2007, ISBN 978-3-430-20028-8
  • Das Ende der Schonzeit – Alphafrauen an die Macht, Econ Berlin 2008, ISBN 978-3430200509
  • Götzendämmerung. Die Geldreligion frisst ihre Kinder, Heyne Verlag, 2010

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Biographie Prof. Dr. Gertrud Höhler. Fairness Stiftung, o. D.
  2. Henner Voss: Vor der Reise. Erinnerungen an den Schriftsteller Bernward Vesper.
  3. Uni Paderborn diszipliniert Kohl-Beraterin. DPA-Meldung im Tagesspiegel, 3. Juli 2007.
  4. Matthias Tüsing: Enge Althaus-Beraterin in die Kritik geraten. Freies Wort, 4. Juli 2007.
  5. Katharina Heimeier: Der Widerspenstigen Zähmung. taz, 2. Juli 2007.
  6. Senat der Universität Paderborn wählte (…) Hochschulrat. Pressemeldung der Universität Paderborn, 25. April 2007.
  7. a b Thomas van Zütphen: Die dritte Version der Wahrheit. Focus, 24. Juni 2007, abgerufen am 15. Februar 2011.
  8. Der Spiegel, Nr. 32/2007, S. 33.
  9. Stellungnahme des Vorsitzenden des Hochschulrats der Universität Paderborn, 2. Juli 2007.

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