- Hans Pusch
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Hans Pusch (* 1943 in Judenburg, Steiermark) ist ein österreichischer Medienexperte und Politikberater.
Pusch wuchs als Sohn eines Hauptschuldirektors in Bad Aussee auf. Er ergriff zunächst selbst den Lehrerberuf und absolvierte ein Studium der Philosophie, das er mit dem Doktorat abschloss. Während seiner Tätigkeit an einer Landwirtschaftsschule im Ennstal war Pusch zu Ende der 1960er-Jahre bei der jungen ÖVP tätig, entschloss sich aber zu Anfang der 1970er-Jahre, sich bei der SPÖ zu engagieren. SPÖ-Medienexperte Heinz Brantl empfahl 1973 den jungen Lehrer und Hobby-Journalisten dem damaligen Unterrichtsminister Fred Sinowatz als Mitarbeiter.[1]
Inhaltsverzeichnis
Kabarettist und erfolgreicher politischer Sekretär
Als Ministersekretär gelang es Pusch, durch geschickte PR-Aktionen seinem Chef vielfach positive Erwähnung in den Medien zu verschaffen, dabei aber auch selbst ungewöhnlich breite mediale Aufmerksamkeit zu erreichen. Auf Puschs Vorschlag unternahm der eher unsportliche Minister Sinowatz beispielsweise Bergwanderungen mit Skiassen und bewältigte sogar eine Bobfahrt. Pusch zeigte aber auch selbst mediale Ambitionen, vor allem als Kabarettist und Scherzbold: so servierte er seinen Journalistenkollegen „Zeitungsenten“ wie jene, Sinowatz werde einen Skisprung von der Bergisel-Schanze wagen.[1] Er war ein begabter Stimmenimitator und präsentierte im Mai 1977 in Anwesenheit der Imitierten eine Platte, in der er die damaligen Parteichefs von SPÖ (Bruno Kreisky) und ÖVP (Josef Taus) um die Qualität einer Burenwurst streiten ließ.[2]
Diese erste, problemlose Karrierephase endete mit einem Aufenthalt von Pusch als Kulturattaché in Teheran 1980-81 und der Rückkehr Puschs auf seinen vorherigen Posten bei Sinowatz.
Machtvoller und beargwöhnter Drahtzieher
Als Fred Sinowatz im Mai 1983 Bruno Kreisky als Regierungschef ablöste, wurde Pusch Kabinettschef des neuen Bundeskanzlers, und die Publizität um ihn erhielt einen neuen und schärferen Charakter. Schon im Juni 1983 ortete Sibylle Fritsch bei Pusch eine „Politik aus der Trickkiste“[3] „Er, der mit Regierungsantritt auf dem Ballhausplatz die Fäden zieht“[4] geriet rasch in Gegensatz zu Finanzminister Herbert Salcher[1] und bald auch zu Ex-Bundeskanzler Kreisky. Das Nachrichtenmagazin Basta (Nr. 2/1984) sprach noch bewundernd vom „mächtigsten Schmähführer der Nation“ und von „PR-Genie“, die Aufdeckung von Puschs politischer Vergangenheit bei der ÖVP führte im März 1984 aber bereits zu heftiger Kritik und Rücktrittsforderungen.[5] Der damalige Chef der Jungsozialisten Alfred Gusenbauer sah Pusch etwa als ideologisch ungefestigten Drahtzieher im Hintergrund.[6]. „Pushy Pusch“ mache Politik auf eigene Faust, hieß es nun.[7], Kanzler Sinowatz verteidigte aber entschieden seinen engagierten Mitarbeiter.
Verstrickung in die Waldheim-Affäre
Der Höhepunkt an Kritik traf Pusch im Zusammenhang mit der so genannten Waldheim-Affäre. Vor allem Vertreter der ÖVP wie Kurt Bergmann aber auch Altkanzler Kreisky warfen Pusch vor, hinter der kontroversiellen Kampagne zu stehen, mit der der aussichtsreiche ÖVP-Kandidat zur Präsidentschaftswahl 1986 aus dem Rennen geworfen werden sollte. Der UPI-Journalist James M. Dorsey bestätigte vor Gericht, dass Pusch ihm bereits im Sommer 1985 belastendes Material über Waldheim angeboten habe.[8]. Pusch verwahrte sich zwar stets dagegen, die „Schlüsselfigur in der Affäre Waldheim“ zu sein, wie ihm das Bruno Kreisky damals vorwarf.[9] Die entsprechenden Vorwürfe kamen allerdings immer wieder, und Pusch erhielt in der Öffentlichkeit ein geradezu dämonisches Image („Rasputin , Ayatollah und trojanisches Pferd“)[10]
Rückzug in die Privatwirtschaft
Mit dem Rücktritt von Kanzler Sinowatz im Gefolge des Wahlsieges von Kurt Waldheim geriet auch Hans Pusch schrittweise aus dem Bereich der politischen Macht und dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Größeres mediales Interesse fand noch seine Aussage im Noricum-Untersuchungsausschuss [11], dann wurde es aber langsam still um den einstigen Medienstar. Pusch war zeitweilig freiberuflich in der SPÖ-nahen Progress-Werbung tätig, dann für die österreichische Filmfirma Scheiderbauer, per Ende 1993 holte ihn Helmut Thoma zu RTL.[12]. In den letzten Jahren ist Pusch zunehmend wieder als Zeitzeuge in den Medien hervorgetreten, es wurden allerdings auch wieder die alten Vorwürfe gegen ihn vorgebracht.
Literatur
- Fredi und Kurti. In: Der Spiegel. Nr. 35, 1987 (zur Situation um Sinowatz, Pusch und Kreisky 1987, online).
Einzelnachweise
- ↑ a b c Die Presse vom 5. Juni 1984
- ↑ Süß, scharf: Kreisky und Taus schluckten die Burenwurst. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 24. Mai 1977, S. 16.
- ↑ Profil vom 27. Juni 1983.
- ↑ Hubert Wachter im Kurier vom 8. Januar 1984
- ↑ Profil vom 2. März 1984
- ↑ Profil vom 9. März 1984
- ↑ Die Presse vom 5. Juni 1984
- ↑ Wochenpresse vom 19. Juni 1987
- ↑ Wochenpresse-Interview mit Hans Pusch vom 14. August 1987
- ↑ So eine Überschrift des Kurier vom 12. August 1987
- ↑ Oberösterreichische Nachrichten vom 22. Februar 1990
- ↑ Wirtschaftswoche vom 5. Mai 1994
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