Heidelberg-Ziegelhausen

Heidelberg-Ziegelhausen
Wappen von Heidelberg

Ziegelhausen
Stadtteil von Heidelberg

Lage des Stadtteils Ziegelhausen in Heidelberg
Koordinaten 49° 25′ 6″ N, 8° 45′ 24″ O49.4183333333338.75666666666677Koordinaten: 49° 25′ 6″ N, 8° 45′ 24″ O
Fläche 14,7 km²
Einwohner 8926 (2005)
Bevölkerungsdichte 606 Einwohner/km²
Stadtteilnummer 014
Gliederung
Stadtbezirke
  • Ziegelhausen-Ost (014 1)
  • Ziegelhausen-West (014 2)
  • Peterstal (014 3)
Quelle: Stadt Heidelberg

Ziegelhausen ist ein im Ausgang des Neckartals gelegener Stadtteil von Heidelberg.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Ziegelhausen zieht sich in Ost-West-Richtung zwischen den Einmündungen von Bärenbach und Mausbach am Nordufer des Neckar entlang. In Nord-Süd-Richtung reicht die Ausdehnung vom Dossenheimer Kopf (547m) bis zum Neckar (108m). Die Größe der Gemarkung beträgt 1475 ha, davon entfallen auf Peterstal 371 ha.

Geschichte

Grenzstein mit Wappen von Ziegelhausen
Siehe auch: Geschichte Heidelbergs

Archäologische Funde deuten auf eine Besiedlung in römischer Zeit hin. In einer Urkunde des Klosters Lorsch aus dem Jahre 850 wird auf der heutigen Gemarkung von Ziegelhausen eine Siedlung mit dem Namen „Steimbach“ erwähnt. Die Keimzelle des Dorfes Ziegelhausen bildet die 1210 vom Zisterzienzerkloster Schönau gegründete Ziegelei, das sogenannte „obere Ziegelhaus“, und die Abtei Neuburg.

Die Entvölkerung der Region nach dem Dreißigjährigen Krieg führte zur Ansiedlung von Schweizern reformiert-evangelischen Bekenntnisses, so lange die Kurfürsten derselben Konfession angehörten. Aus der wechselvollen Religionsgeschichte der Pfalz ist das „Exil“ einer (in ihren Nachkommen noch heute ortsansässigen) Familie Meuter überliefert, die mehrere Jahre, von der Dorfbevölkerung unterstützt und gegenüber der Obrigkeit verschwiegen, in einer außerhalb Ziegelhausens an der Schönauer Straße befindlichen Sandsteinhöhle, dem „Meuters Loch“ lebte.

Die evangelische Kirche wurde 1733 im Barockstil fertiggestellt und die katholische Kirche St. Laurentius 1742 eingeweiht. Im Jahr 1905 wurde die Neckarschule eröffnet. Die im Jahre 1914 gebaute Neckarbrücke nach Schlierbach verband Ziegelhausen mit der Bahn und beendete den Fährverkehr. Peterstal wurde 1936 eingemeindet und ein Ortsteil von Ziegelhausen. In den letzten Tagen des 2. Weltkriegs wurde 1945 die Neckarbrücke durch den Volkssturm gesprengt. Anschließend folgte ein Artilleriegefecht zwischen amerikanischen Truppen auf Ziegelhäuser und deutschen Truppen auf Schlierbacher Seite.

Die neue Neckarbrücke wurde 1954 dem Verkehr übergeben. Die Steinbachschule wurde 1960 eröffnet und löste die alte Schule in Peterstal ab. Sie wurde 1971/72 mit einem 2. Bauabschnitt erweitert und wird heute als Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule betrieben.

Am 1. Januar 1975 trat der Eingemeindungsvertrag zwischen der Gemeinde Ziegelhausen (Rhein-Neckar-Kreis) und der kreisfreien Stadt Heidelberg in Kraft, obgleich die Bewohner Ziegelhausens sich in zwei von der Gemeinde Ziegelhausen ähnlich einem Volksentscheid organisierten Bürgerbefragungen weit überwiegend (d. h. bei der zweiten Abstimmung über 80 %) für den Erhalt der Selbständigkeit ausgesprochen hatten.

Wirtschaft

Bis ins 20. Jahrhundert wurde die Tonerde Ziegelhausens zur Herstellung von Backsteinen und Ziegeln genutzt. Mit dem Niedergang der Dampfziegelei Kühner & Cie endete dieses Gewerbe. In Steinbrüchen wurde bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts Sandstein und Porphyr gefördert. Die Wasserkraft von Steinbach und Bärenbach wurden zum Betrieb von Mühlen genutzt, darunter zwei Pulvermühlen, eine Papiermühle und eine Hammerschmiede. Die letzte Mühle stellte 1925 ihren Betrieb ein.

Im Mausbachtal wurde 1893 zur Förderung von Manganerz ein 460 m langer Stollen in den Berg getrieben. Die geförderten 130 Tonnen Erz wurden von den Röchling Stahlwerken in Völklingen verhüttet. Bedingt durch die geringe Qualität des Erzes wurde der Abbau 1896 wieder eingestellt.

Das Hauptgewerbe Ziegelhausens im 20. Jahrhundert war die Wäscherei. Das kalkfreie Quellwasser und die Wiesen im Neckartal und Steinbachtal (Bleichwiesen) boten hierzu ideale Voraussetzungen. Die Wäschereien waren vorwiegend Heim- und Kleinbetriebe. Das Wäschereigewerbe erreichte 1939 seinen Höhepunkt mit 230 Betrieben, heute ist es nur noch ein Betrieb.

Die Schokoladenfabrik "Haaf" befand sich am Neckarufer am Ende des Bärenbachtals in den Räumen einer ehemaligen Gelatinefabrik. Der Betrieb wurde in den 1970er Jahren eingestellt. Auf dem Anwesen produzierte später der Fallschirmspringer Richard Kohnke Rettungsfallschirme. Danach wurde die Fabrikhalle noch als Veranstaltungsort für gelegentliche Konzerte genutzt. Heute befindet sich dort ein Wohnpark.

Politik

Blick auf Ziegelhausen

Seit den Kommunalwahlen vom 13. Juni 2004 setzt sich der Ziegelhäuser Bezirksbeirat wie folgt zusammen:

Quellen

  • Reinhard Hoppe: 750 Jahre Ziegelhausen (Heidelberger Verlagsanstalt, 1970)
  • Reinhard Hoppe: Die Flurnamen von Ziegelhausen (Carl Winter Universitätsverlag, 1956)
  • Karl Christ: Chronik von Ziegelhausen und dem Zentwald (1923)
  • Reinhard Hoppe: Dorfbuch Ziegelhausen (1940)
  • Thilde Hoppe: Veröffentlichung zu den Gewerben von Ziegelhausen auf der Homepage des Stadtteilvereins Ziegelhausen und Peterstal e.V.

Weblinks


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