Joachim Murat

Joachim Murat
Bildnis Joachim Murat von François Gérard (1801)

Joachim Murat (* 25. März 1767 in der Gemeinde Labastide-Fortuniere, heute Labastide-Murat, Frankreich; † 13. Oktober 1815 in Pizzo, Kalabrien) war ein französischer Kavallerieoffizier, der im Dienst Napoleons Karriere machte. Er heiratete Caroline Bonaparte und war damit Schwager Napoléons. Im Jahr 1804 wurde er Marschall von Frankreich. Er war von 1806 bis 1808 als Joachim I. Großherzog von Berg, von 1808 bis 1815 ebenfalls als Joachim I. (ital.: Gioacchino I) König von Neapel. Als sich 1813 die Niederlage Napoleons abzeichnete, wechselte er die Fronten und ging in das Lager der antinapoleonischen Alliierten über. Zur Zeit der Herrschaft der Hundert Tage trat er wieder an die Seite Napoleons. Sein Versuch, durch eine Landung in Italien sein Königreich zurückzugewinnen, scheiterte. Daraufhin ließ ihn der siegreiche König Ferdinand I. standrechtlich erschießen.

Inhaltsverzeichnis

Frühe Jahre

Joachim Murat war Sohn eines Gastwirtes und absolvierte dank Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord das Collège von Cahors. Danach sollte er in Toulouse zum Priester ausgebildet werden. Er wurde Abbé, musste wegen seines ausschweifenden Lebens aber den Priesterstand verlassen. Danach trat Murat 1787 in eine Kavallerieeinheit der französische Armee ein. Er musste sein Regiment wegen Insubordination verlassen und diente nach dem Beginn der Französischen Revolution in der Garde constitutionelle Ludwigs XVI. Im Jahr 1792 wurde er zum Offizier befördert. Später gehörte er als Unterleutnant dem 13. Chasseurregiment zu Pferde an. Zeitweise war Murat Anhänger der Jakobiner. Er stieg in dieser Zeit zum Hauptmann auf. Nach dem 9. Thermidor des Jahres II. (1794) konnte er sich im Dienst halten. Am 13. Vendémiaire 1795 verteidigte er unter Napoléon den Konvent gegen Regierungsgegner.

Karriere unter Napoleon

Dadurch wurde Napoléon auf ihn aufmerksam, in dessen Gefolge Murat aufstieg. Am Italienfeldzug von Napoléon Bonaparte war er 1796 als dessen Adjutant beteiligt. Während der ägyptischen Expedition konnte er Erfolge mit der Reiterei verzeichnen und wurde 1799 zum Divisionsgeneral ernannt. Beim Staatsstreich des 18. Brumaire VIII (9. November 1799) unterstützte Murat Napoléon. Danach wurde er Kommandeur der Konsulargarde. Ein Jahr später wurde die Bindung Murats zu Napoléon durch die Heirat mit Napoléons jüngster Schwester Caroline Bonaparte noch enger.

Joachim Murat, gemalt von François Gérard, um 1800–1810

Murat kämpfte mit Napoléon 1801 in Italien. Er wurde Gouverneur der Cisalpinischen Republik und vertrieb die Neapolitaner aus dem Kirchenstaat. Danach schloss er einen Waffenstillstand mit dem König beider Sizilien. Im Jahr 1804 ernannte Napoléon ihn zum Marschall von Frankreich und Gouverneur von Paris. Ein Jahr später wurde er zum Großadmiral und zum kaiserlichen Prinzen ernannt. Er hatte als Oberbefehlshaber der Kavallerie erheblichen Anteil am französischen Sieg über Österreich und Preußen. Murat besiegte am 8. Oktober 1805 die Österreicher bei Wertingen und nahm am 18. Oktober General Werneck mit 16.000 Mann gefangen. Danach drang er am 13. November bis nach Wien vor. Am 2. Dezember 1805 hatte er Anteil am Sieg in der Schlacht bei Austerlitz.

Im Jahr 1805 kaufte Murat den Elysée-Palast in Paris. Seine Umbauten werden noch heute im Elysée-Palast mit seinem Namen bezeichnet, so der Escalier Murat („Murat-Treppe“) und der Salon Murat. 1808 verkaufte er den Palast an Kaiser Napoléon I. Seitdem ist der Elysée-Palast im Staatsbesitz. Im Salon Murat tagt seit Präsident Georges Pompidou das französische Kabinett (Conseil des Ministres).

Großherzog von Berg

Am 15. März 1806 ernannte Kaiser Napoléon I. ihn zum Herzog von Berg und Kleve. Auf der Grundlage der Rheinbundakte nahm Murat im Sommer 1806 den Titel eines Großherzogs an. Das Herzogtum Berg und Kleve avancierte dadurch zu einem Großherzogtum. Hauptstadt des neuen Staates wurde Düsseldorf, seine Residenz Schloss Benrath; dieses ließ er auf einem großen Gemälde „Der Rhein“ malen. Das Gemälde hängte er mit drei anderen Flussgemälden („Der Nil“, „Der Tiber“, „Die Seine“) in seinem Elysée-Palast im ursprünglichen Ballsaal (heute Salon Murat genannt) auf, wo es sich noch heute befindet.

Das aus dem ehemals preußischen Herzogtum Kleve sowie dem zuvor von den Wittelsbachern beherrschten Herzogtum Berg und weiteren Territorien gebildete Großherzogtum wurde in den folgenden Jahren mehrfach um weitere Territorien erweitert. Der Großherzog selbst hielt sich nur äußerst selten in seinem Land auf. In Düsseldorf war er nur etwa vier Monate anwesend. Politisch trat er nur wenig hervor, an den zahlreichen Reformen hatte er nur teilweise persönlichen Anteil. In der Zeit seiner Herrschaft kämpfte er meist weiterhin in den Kriegen des Kaisers.

Murat – zeitgenössischer Stich

Krieg gegen Preußen und Mission in Spanien

Im Krieg gegen Preußen von 1806 war er an den Schlachten von Jena und Auerstedt (1806) sowie Preußisch-Eylau (1807) als Befehlshaber des Kavalleriekorps beteiligt. Nach dem Frieden von Tilsit wurde Murat nach Spanien gesandt. Er überredete den König Karl IV. zu der Reise nach Bayonne, die zur Absetzung des Hauses der Bourbonen führte. Er selbst marschierte mit französischen Truppen am 23. April 1808 in Madrid ein und unterdrückte den Dos de Mayo-Aufstand. Er hoffte vergeblich, zum spanischen König erhoben zu werden. Statt seiner machte Napoléon Joseph Bonaparte zum neuen König von Spanien.

König von Neapel

Die Entschädigung erhielt Joachim Murat am 15. Juli 1808: Napoléon setzte ihn als König von Neapel ein. Er wurde zwar zum König beider Sizilien proklamiert. Seine Herrschaft beschränkte sich allerdings auf das Festland, weil die Insel Sizilien von der englischen Flotte geschützt in der Hand von Ferdinand I. lag. Sein Nachfolger als Großherzog von Berg wurde 1809 unter kaiserlicher Vormundschaft und Regentschaft Napoléon Louis Bonaparte, Kronprinz des Königreichs Holland und Neffe Napoléons.

Joachim Murat traf am 6. September 1808 in Neapel ein, um die Macht zu übernehmen.[1] Seine Herrschaft in Italien wurde von den Zeitgenossen und von der späteren Geschichtsschreibung nach Jahrhunderten der Misswirtschaft als gut beurteilt. Er stützte sich wie sein Vorgänger Joseph Bonaparte dabei hauptsächlich auf italienische Beamte und war bestrebt, den sichtbaren französischen Einfluss möglichst klein zu halten. Daher wurde seine Regentschaft nicht als Fremdherrschaft angesehen. In seine Zeit fällt der Aufbau einer modernen, funktionierenden Verwaltung des Königreichs.[2]

Feldzüge 1812/13

Murat versuchte eine eigenständige Politik zu betreiben und es kam teilweise zu Konflikten mit Napoléon. Gleichwohl nahm er am Russlandfeldzug von 1812 teil. Sein Königreich stellte ein Kontingent von mehr als 10.000 Mann zur Grande Armee. Er selbst war Befehlshaber der gesamten Kavallerie und kämpfte fast ständig an der Spitze der Armee. Nachdem Napoléon nach dem Scheitern des Feldzuges die Armee verlassen hatte, stand sie seit dem 5. Dezember 1812 unter dem Kommando Murats. In der Schlacht bei Dresden von 1813 kommandierte er erfolgreich den rechten Flügel der französischen Armee, was zum Rückzug der Österreicher führte. Er kämpfte auch noch in der Schlacht bei Leipzig mit.

Verrat und Tod

Nach der Leipziger Niederlage Napoléons verließ Murat die französische Armee. Um seine eigene Position zu retten, schloss er am 11. Januar 1814 mit Österreich einen Vertrag ab, in dem er sich verpflichtete, die Alliierten mit einer Armee von 30.000 Mann zu unterstützen. Dafür garantierten ihm England und Österreich seine Herrschaft. Tatsächlich führte er Krieg gegen den Eugène de Beauharnais als Vizekönig des Königreichs Italien. Er trug so zur Niederlage Napoléons aktiv bei.

Als es schien, dass der Wiener Kongress keineswegs bereit war, Murat als König zu bestätigen, begann er mit Napoléon auf Elba in Kontakt zu treten. Nachdem dieser die Insel verlassen und begonnen hatte, die Macht in Frankreich wieder zu übernehmen, ließ Murat im Februar 1815 den Kirchenstaat besetzen und griff am 30. März die österreichischen Truppen an. In zwei Schlachten am 12. April bei Ferrara und am 2. Mai bei Tolentino wurde seine Armee geschlagen. Murat floh zunächst nach Frankreich. Am 25. August 1815 ging er nach Korsika und sammelte dort eine kleine Truppe. Mit sechs Schiffen fuhr er in Richtung Neapel.

Dieser Versuch, seinen Thron zu retten und die Bevölkerung für die Unabhängigkeit zu mobilisieren, schlug fehl. Er wurde gefangengenommen, zum Tode verurteilt und am 13. Oktober 1815 in Pizzo in Kalabrien auf Anordnung des Bourbonenkönigs Ferdinand IV. standrechtlich erschossen.

Seine Witwe Caroline Bonaparte (* 25. März 1782 in Ajaccio) lebte seitdem als Gräfin von Lipona auf der Villa Campo Marzo bei Triest und starb am 18. Mai 1839 in Florenz. Murat hinterließ zwei Söhne (Napoleon Achille Murat und Napoleon Lucien Murat) sowie zwei Töchter.

Seine Leiche gilt als verschollen. Im Pariser Friedhof Père Lachaise hat er ein symbolisches Grab.

Ehrungen

Sein Name ist am Triumphbogen in Paris in der 24. Spalte eingetragen.

Nachleben

Den Einzug des neuen Großherzogs Joachim in Düsseldorf 1806 und die Einquartierung eines Tambour-Majors aus dessen Truppe in seinem Elternhaus schildert der in Düsseldorf geborene Dichter Heinrich Heine (1797–1856) aus eigenem Erleben in seinem Werk Ideen – das Buch Le Grand, enthalten in Heines Reisebilder. 2. Teil (Hamburg 1827).

Murat lässt in der Erzählung Le Colonel Chabert (1832) von Honoré de Balzac (1799–1850) als vorgesetzter Feldmarschall seinen Freund, den schwerverwundeten Titelhelden, in der Schlacht bei Preußisch Eylau (1807) irrtümlich für tot erklären und löst damit dessen Drama um die Anerkennung seiner Identität aus.

Literatur

  • Mme Rolly: Rommerskirchen, Köln 1816. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  • Rudolf Goecke: Das Großherzogtum Berg unter Joachim Murat, Napoleon I und Louis Napoleon 1806–1813. Köln 1877.
  • Jean Tulard: Murat. Fayard, 1999, ISBN 2-213-60372-3.
  • Jean Tulard: Dictionnaire Napoléon. Fayard, 1999.
  • Marcel Dupont: Murat. Cavalier, Maréchal de France, Prince et Roi. Editions Copernic, Paris 1980, ISBN 2-85984-050-8.
  • Jean Prieur: Murat et Caoline. Editions Fernand Lanore, Paris 1985, ISBN 2-85157-011-0.
  • Frédéric Hulot: Murat. Mémoires du général Griois 1792–1822. Editions du Grenadier, 2003.
  • Rudolf Goecke: Joachim Murat. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 14, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 91–93.
  • Charles Schmidt; Burkhard Dietz, Jörg Engelbrecht (Hrsg.): Das Großherzogtum Berg 1806–1813. Eine Studie zur französischen Vorherrschaft in Deutschland unter Napoleon I. (1905). Neustadt/Aisch 1999 (übersetzt von Lothar Kellermann), ISBN 3-87707-535-5 (mit Beiträgen von Burkhard Dietz, Jörg Engelbrecht und Heinz-K. Junk; Bergische Forschungen, Bd. XXVII).
  • Services de l’Administration et de la Conservation des Résidences Présidentielles, Services photographiques de la Présidence de la République, Palais de l’Elysée (Hrsg.): Palais de l’Elysée. Présidence de la République. Paris o.J. (Vorwort von Präsident Jacques Chirac).

Weblinks

 Commons: Joachim Murat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Neapel 4). In: Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Bd. 11, Altenburg 1860, S. 729–753 (Online bei zeno.org).
  2. Giuliano Procacci: Geschichte Italiens und der Italiener. München 1989, ISBN 978-3-406-33986-8, S. 229.
Vorgänger Amt Nachfolger
Maximilian I. Joseph
(Herzog)
Großherzog von Kleve und Berg
1806−1808
Napoleon Bonaparte
Joseph Bonaparte König von Neapel
1808−1815
Ferdinand IV.

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