KHM 60

KHM 60
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Die zwei Brüder heißt das 60. und bei weitem längste Märchen aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (Typ 303, 315, 567 nach Aarne und Thompson).

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Ein armer, redlicher Besenbinder erjagt einen goldenen Vogel. Sein Bruder, ein geiziger Goldschmied, kauft ihn ihm ab. Er weiß, dass der jeden morgen ein Goldstück findet, der sein Herz und Leber isst. Zufällig fällt das den Zwillingssöhnen des Besenbinders zu, worauf sie auf Rat des bösen Bruders fortgejagt werden.

Ein Jäger nimmt sie auf. Als sie bei ihm ausgelernt haben und zu zweit losziehen, gibt er ihnen ein Messer mit, das rostet, wenn einer von beiden stirbt. Sie begegnen einem Hasen, einem Fuchs, einem Wolf, einem Bär und einem Löwen, die ihnen je zum Dank für ihre Verschonung zwei Junge geben. Sie trennen sich und stoßen das Messer in einen Baum.

Der eine Bruder kommt in eine Stadt, wo er auf einem Berg mit Hilfe seiner Tiere einen Drachen tötet und so die Prinzessin rettet. Dann schläft er ein. Der Hofmarschall schlägt ihm den Kopf ab und schleppt die Prinzessin zurück in die Stadt. Er zwingt ihr ein Versprechen ab, nicht die Wahrheit zu sagen, wer den Drachen wirklich getötet hat. So soll er sie nach einem Jahr heiraten und das Reich erben dürfen.

Der Jäger, den sein Hase mit einer Wurzel geheilt hat, erfährt davon, als er nach einem Jahr wieder in die Stadt kommt. Er schickt nacheinander seine Tiere ins Schloss zur Prinzessin, dass sie ihm ein königliches Mal bringen und er weiß, dass sie ihn noch liebt. Der König, dem die wilden Tiere aufgefallen sind, lädt ihn auf Rat seiner Tochter in königlichen Kleidern und mit Gefolge auf das Schloss ein. Der Jäger beweist seinen Anspruch mithilfe der Zungen des Drachen, die er ihm abgeschnitten hatte, und heiratet die Prinzessin, während der Marschall hingerichtet wird.

Als der Jäger in einem dunklen Wald einer Hirschkuh nachjagt, begegnet er einer Hexe, die ihn versteinert. Sein Bruder bemerkt die halb verrostete Seite des Messers und kommt bei seiner Suche in die Stadt, wo er für den König gehalten wird. Zum Schlafen legt er ein Schwert zwischen sich und die Frau seines Bruders. Er erfährt von dem Wald, wo es ihm genauso ergeht wie seinem jüngeren Bruder. Er lässt sich aber von der Hexe nicht täuschen und zwingt sie, seinen Bruder und die anderen versteinerten freizugeben, worauf sie verbrannt wird. Als er seinem Bruder erzählt, dass er sich für ihn ausgegeben hat, wird der beim Gedanken an seine Frau zornig und schlägt ihm den Kopf ab. Er bereut aber, und der Hase heilt ihn mit der Wurzel.

Vergleiche

KHM 85 Die Goldkinder, KHM 122 Der Krautesel, KHM 74a Von Johannes-Wassersprung und Caspar-Wassersprung, KHM 104a Die treuen Tiere.

Der Beweis der Drachentötung durch dessen Zungen findet sich auch in antiken Sagen und im Mittelalter bei Tristan und Isolde,[1] vgl. auch KHM 111 Der gelernte Jäger.

Grimms Anmerkungen

Die zwei Brüder folgt im Grundmuster einer Erzählung aus dem Paderbörnischen (wohl von Familie von Haxthausen). Zum Anfang vergleichen sie ein Bruchstück aus Hessen, das in der Erstauflage als Das Goldei an Stelle 60 stand (KHM 60a), und nennen noch ein serbisches Märchen (bei Wuk Nr. 26) und ein russisches (bei Dietrich Nr. 9). Ab der Stelle, wo der Förster die Kinder aufnimmt, folgten sie einer trefflichen und ausführlichen Erzählung aus der hessischen Schwalmgegend (wohl von Ferdinand Siebert), die erst hier einsetzt.

Anderer merkwürdiger Eingang: Eine Prinzessin wird von Mäusen verfolgt. Der König setzt sie in einen Turm im Fluss. Einmal kommt ein Wasserstrahl durchs Fenster. Sie lässt ihre Dienerin ein Gefäß hinsetzen, sie trinken davon und gebären zwei gleiche Söhne, Wasserpeter und Wasserpaul. Sie setzten sie in einem Kasten aufs Wasser, ein Fischer fängt sie auf und erzieht sie zu Jägern. Der Rest ist wie in obiger Fassung, aber mit je nur drei Tieren und überhaupt dürftiger. Wasserpeter begegnet mit seinen Tieren einer Katze auf einem Baum, die sich mit am Feuer wärmen will und ihn drei Haare auf die Tiere legen lässt, da sind sie tot. Sie zeigt ihm zwei Brunnen mit Wasser des Todes und des Lebens, womit er die Tiere und dann den vor Eifersucht erschlagenen Bruder wiederbelebt. Die ähnliche, vierte hessische Erzählung entspricht Von Johannes-Wassersprung und Caspar-Wassersprung aus der Erstauflage (KHM 74a).

Eine fünfte Erzählung: Einem Fischer fällt eine goldene Schachtel vom Himmel ins Netz, darin die zwei Knaben. Die Drachentötung erfolgt durch Wurf einer giftigen Semmel in den Rachen. Der falsche Bräutigam will den Jäger vergiften, doch die Tiere merken es. Die Hexe versteinert ihn, sein Bruder zwingt sie, ihm die Schlange unter einem Stein zu zeigen, mit deren Fett er ihn einreiben muss.

In einer sechsten Erzählung aus Zwehrn (wohl von Dorothea Viehmann) haben drei Schwestern drei Ziegen. Ihr Bruder hütet sie und tauscht sie an drei Tagen bei einem Jäger gegen drei Hunde, unterwegs kommen Hase, Reh und Bär dazu. In einem kleinen Waldhaus warnt ihn eine Alte vor zwölf Räubern, doch er verlässt sich auf seine Tiere. Die Räuber kommen, tun freundlich aber legen zum Essen ihre Messer falsch herum, er richtig. "Warum legst du dein Messer nicht wie wir?" "Ich legs wie ein Jäger, ihr aber legts wie Spitzbuben." Sie wollen ihn töten, die Tiere zerreißen sie. Der Rest ist wieder wie oben. Bei der Hochzeit bitten die Tiere, dass er ihnen den Kopf abhaue, dann sind sie erlöst (wie in KHM 57 Der goldene Vogel).

Sie zählen noch viele Literaturstellen auf und führen das Märchen auf die Sigurdsage und die Sage von den Blutsbrüdern zurück. Zu dem Messer, womit vielleicht ursprünglich die Ader zur Blutsbrüderschaft geritzt wurde, verweisen sie auf die Anmerkung zu KHM 97 Das Wasser des Lebens, zur Versteinerung auf KHM 6 Der treue Johannes, zum Drachenkampf auf Thors Kampf gegen die Midgardschlange.

Literatur

Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Vollständige Ausgabe. Mit 184 Illustrationen zeitgenössischer Künstler und einem Nachwort von Heinz Rölleke. S. 338-357. Düsseldorf und Zürich, 19. Auflage 1999. (Artemis & Winkler Verlag; Patmos Verlag; ISBN 3-538-06943-3)

Einzelnachweise

  1. Röhrich, Lutz: Märchen – Mythos – Sage. In: Siegmund, Wolfdietrich (Hrsg.): Antiker Mythos in unseren Märchen. Kassel 1984. S. 15. (Veröffentlichungen der Europäischen Märchengesellschaft Bd. 6; ISBN 3-87680-335-7)

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