Lenglen

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Suzanne Lenglen

Suzanne Rachel Flore Lenglen (* 24. Mai 1899 in Compiègne; † 4. Juli 1938 in Paris) war eine französische Tennisspielerin. Lenglen war die dominierende Spielerin der frühen und mittleren zwanziger Jahre. Ihre anmutige Spielweise und ihr außergewöhnliches Auftreten machten sie zu einem der ersten Weltstars des Sports. Zwischen 1919 und 1926 gewann sie 25 Grand Slam Titel.

Inhaltsverzeichnis

Suzanne Lenglen - eine Bilanz

Lenglen gewann insgesamt 25 Titel bei den späteren Grand Slam - Turnieren. Allerdings wurden die Französischen Meisterschaften erst ab 1925 für internationale Teilnehmer geöffnet. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Lenglen bereits 4 Siege erzielt.

Lenglen war 1920 die erste Spielerin, der es gelang, bei den Internationalen Englischen Tennismeisterschaften in Wimbledon in allen drei Konkurrenzen (Einzel, Doppel und Mixed) den Titel zu erringen. Ein Erfolg, den sie auch 1922 und 1925 wiederholen konnte.

Ihrem ersten Einzel-Titel im Jahre 1919 fügte sie noch fünf weitere (1919 bis 1923 und 1925) hinzu und kommt so insgesamt auf 15 Siege in Wimbledon.

Lenglen war auch bei den Olympischen Spielen 1920 in Antwerpen erfolgreich, wo sie zwei Goldmedaillen (Einzel und Mixed) sowie eine Bronzemedaille (Doppel) für ihr Land erringen konnte.

Insgesamt gewann die Französin 81 Turniere im Einzel, wovon sie nicht weniger als sieben ohne den Verlust auch nur eines einzigen Spiels errang. Zudem siegte sie 73-mal im Damen-Doppel und erreichte acht Titel im Mixed.

Die von Fans und Presse nur „die Göttliche“ genannte Französin, die zudem zehnmal Hartplatz-Weltmeisterin war (viermal im Einzel- sowie je dreimal im Doppel und Mixed), wurde nur 39 Jahre alt. Sie starb an Leukämie.

Suzanne Lenglen

Legendär war auch ihr für damalige Verhältnisse skandalöses Auftreten. Den Platz betrat Lenglen des Öfteren mit offenem Pelzmantel. „Die Göttliche“ absolvierte ihre Spiele zudem mit gewagtem Dekolleté, nackten Armen und weißen Strümpfen ohne Unterrock. Trotzdem: Lenglen wurde nie des Platzes verwiesen. Obgleich Suzanne Lenglen nie ein offizielles Turnier in dem erst 1928 fertiggestellten Stade Roland Garros spielte, trägt nicht nur der Pokal für die Siegerin im Damen-Einzel der French Open heute ihren Namen. Auch der Center Court des Stade Roland Garros ist nach der großen Französin benannt.

Suzanne Lenglen gilt als eine der besten Spielerinnen aller Zeiten.

Frühe Jahre

Suzanne Lenglen wurde als Tochter von Charles Lenglen und Anaïs Suzanne Lenglen in Compiegne geboren. In ihrer Kinder- und Jugendzeit litt sie an chronischen Asthma und einer Vielzahl gesundheitlicher Probleme. Vater Charles Lenglen - ein sehr wohlhabender Transportunternehmer - beschloss, die angeschlagene Gesundheit seiner Tochter durch intensiven Sport zu stärken. Gelegenheit hierzu bot sich auf dem Tennisplatz der Familie auf deren Anwesen in Marest-sur-Matz. Im Jahre 1910 griff die kleine Suzanne erstmals zum Schläger. Von der zunehmenden Begeisterung und vom Talent seiner Tochter beeindruckt, steckte Charles Lenglen die Ziele höher und begann mit konsequenterem Training, wobei eine der praktizierten Übungen darin bestand, einen auf dem Spielfeld platzierten Handschuh zu treffen.

Nur vier Jahre nach den ersten Versuchen stand Suzanne Lenglen im Finale der Französischen Meisterschaften 1914. Das Turnier - der Vorläufer der späteren French Open - war zu diesem Zeitpunkt und bis 1925 nur für Mitglieder französischer Tennis-Clubs geöffnet. Die vierzehnjährige Lenglen verlor gegen die Titelverteidigerin Marguerite Broquedis knapp in drei Sätzen mit 5:7, 6:4 und 6:3. Im selben Jahr gewann sie die Internationalen Sandplatz Meisterschaften in Saint-Claude und vollendete während des Turniers ihr 15. Lebensjahr. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges stoppte die hoffnungsvolle Karriere der jungen Französin - vorerst.

Ungebrochene Dominanz

Im Gegensatz zu den Französischen Meisterschaften, die erst im Jahre 1920 wieder stattfanden, wurden die Offenen Englischen Meisterschaften in Wimbledon schon 1919 wieder ausgetragen. Lenglen, die erstmals auf Grasplätzen spielte, erreichte auf Anhieb das Endspiel und stand dort der siebenmaligen Gewinnerin Dorothea Douglass Chambers gegenüber. Beide lieferten sich hochspannendes Duell, das als eines der dramatischsten Finals in die Tennisgeschichte einging. Lenglen gewann knapp in drei Sätzen 10:8 4:6 und 9:7 und sicherte sich 21jährig ihren ersten Grand Slam - Titel. Doch nicht nur die außergewöhnliche Qualität des Spiels der Französin wurde zum Tagesgespräch. Vielmehr erregte auch Lenglens Kleidung großes Aufsehen, die, im Gegensatz zu ihren traditionell vollständig verhüllten Gegnerinnen, die Unterarme und Waden nahezu unbedeckt ließ - ein Skandal für die damalige Zeit. Die britische Öffentlichkeit zeigte sich aber nicht nur angesichts des freizügigen Auftretens der jungen Französin geschockt. Vielmehr registrierte man raunend, dass sich die Französin während der Seitenwechsel schlückchenweise mit Brandy erfrischte.

Bei den Olympischen Spielen des Jahres 1920 in Antwerpen dominierte Lenglen die Einzelkonkurrenz der Damen. Auf ihrem Weg zur Goldmedaille verlor sie nur ganze drei Spiele - alle im Finale gegen die Britin Dorothy Holman. Zudem sicherte sie sich mit ihrem Landsmann Max Decugis eine weitere Goldmedaille im Gemischten Doppel und errang Bronze im Damen-Doppel.

Von 1919 bis 1925 gewann Suzanne Lenglen alle Wimbledon - Titel im Einzel. Nur 1924 muss sie aufgrund asthmatischer Probleme nach der vierten Runde ihren Verzicht erklären. Von 1920 bis 1926 triumphierte sie auch bei den Französischen Meisterschaften, die seit 1925 auch für ausländische Spieler geöffnet wurden.

Gescheitertes Debüt in Amerika

Lenglens einzige wirkliche Niederlage in einem Match in dieser Zeit ereignete sich im Rahmen eines ungeplanten Auftritts bei den US Open 1921. Lenglen hatte sich entschlossen, ihre Popularität dafür zu nutzen, für den Wiederaufbau kriegszerstörter französischer Gebiete Geld zu sammeln. Hierfür plante sie, in den USA einige Schaukämpfe gegen die norwegischstämmige US Open-Siegerin Molla Bjurstedt-Mallory zu spielen. Bei der langen Überfahrt auf See leidet die Französin unter schwerer Seekrankheit und asthmatisch bedingtem Husten. Als Lenglen in New York City eintrifft, vernimmt sie erstaunt, dass die Organisatoren der US Open - ohne je ihr Einverständnis eingeholt zu haben - die Teilnahme Lenglens verkündet hatten. Obwohl die Französin bereits zu diesem Zeitpunkt an immer heftigerem Husten leidet, beugt sie sich dem Druck einer begeisterten und erwartungsvollen amerikanischen Öffentlichkeit. Überraschenderweise ist keine Setzliste vorhanden, so dass Lenglen bereits im Auftaktspiel auf die Titelverteidigerin Bjurstedt-Mallory trifft. Lenglen verliert den ersten Satz 6:2 und wird zum Beginn des zweiten Durchgangs von schweren Hustenkrämpfen geschüttelt, dass sie den Abbruch des Spieles erklären muss. Ihr Abgang wird zum Spießrutenlauf. Ein enttäuschtes Publikum verspottet die Französin und auch die amerikanische Presse ist voll der Kritik. Ein Doktor wird später feststellen, dass Lenglen unter Keuchhusten leidet. Die Französin sagt ihre Schaukämpfe ab. Lenglen, die in Europa als „Die Göttliche“ verehrt wird, kehrt angesichts dieser Erfahrungen niedergeschlagen und enttäuscht nach Europa zurück.

Nach ihrer Genesung sinnt die Französin auf Wiedergutmachung. Im Wimbledon - Endspiel des nächsten Jahres trifft Lenglen erneut auf die Amerikanerin Bjurstedt-Mallory und fegt sie in 26 Minuten mit 6:2 und 6:0 vom Platz. Einige Monate später treffen beide erneut bei einem Turnier in Nizza aufeinander. Mallory gewinnt nicht ein Spiel.

Das letzte Jahr als Amateur-Spielerin

In ihrem letzten Jahr als Spielerin bei den Amateuren gelingt der Französin, die bereits eine lebende Legende ist, ihr größter Auftritt auf einem Tennisplatz: Im Februar 1926 trifft sie im Carlton Club in Cannes zum ersten und einzigen Mal auf die Amerikanerin Helen Wills Moody. Wills, die mit 20 Jahren sieben Jahre jünger ist als Lenglen, ist bereits zweifache US Open - Gewinnerin und wird die späten 1920er und frühen 1930er Jahre ebenso dominieren wie Lenglen seit 1919.

Das Interesse der Öffentlichkeit auf das Zusammentreffen der Vergangenheit und der Zukunft des Damentennis ist unbeschreiblich und treibt die Eintrittspreise in nicht gekannte Höhen. Die Begeisterung ist so groß, dass selbst die Dächer und Fenster der den Tennisplatz umgebenden Gebäude voll sind mit Schaulustigen. Die Vergangenheit triumphiert noch einmal über die Zukunft: Lenglen siegt 6:3 und 8:6 und ist doch in mehreren Phasen des Spiels einem Kreislauf-Kollaps nahe.

Einige Wochen später scheint Lenglen Kurs auf ihren siebten Titel in Wimbledon zu nehmen. Doch die britische Königin Queen Mary wartet in der Royal Box vergebens auf das Erscheinen der französischen Tenniskönigin. Lenglen, die irrtümlicherweise geglaubt hatte, dass ihr Spiel auf einen späteren Zeitpunkt verschoben sei, fühlt sich angesichts dieses unbeabsichtigten Vorfalls, den britische Monarchisten und die Turnierleitung als Beleidigung ihrer Königin verstehen, dem Zusammenbruch nahe. Lenglen zieht ihre Teilnahme am Turnier zurück. Es ist ihr letztes Erscheinen auf dem „heiligen Rasen“ an der Church Road.

Weitere sportliche Karriere als Profi-Spielerin und letzte Jahre

Lenglen war der erste große weibliche Tennisstar, der zu den Profis überwechselte. Für eine Serie von Schaukämpfen in den USA gegen Mary K. Browne, die Gewinnerin der US Open von 1912 bis 1914, erhält die Französin die für damalige Verhältnisse sensationelle Summe von 75 000 US-Dollar. Ihre amerikanische Gegnerin ist 35 und die aktuelle Finalistin der French Open, wo sie gegen Lenglen 1:6 und 0:6 verlor. Zudem hatte sie von 1912 bis 1914 die US Open gewonnen.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Tennissports beherrscht ein Damen-Match die Schlagzeilen. Bei ihrem ersten Zusammentreffen in New York spielt die Französin so blendend auf, dass der Reporter der New York Times von einem der besten Spiele spricht, das je auf einem amerikanischen Platz stattgefunden habe. Als die Serie der Schaukämpfe im Februar 1927 endet, hat Lenglen alle 38 Spiele gegen Browne gewonnen. Die Französin ist erschöpft und bekommt den ärztlichen Rat, eine längere Zeit Abstand zum Tennis zu halten, um sich wieder zu erholen.

Lenglen beschließt, sich ganz vom Wettkampfsport zurückzuziehen und gründet mit Hilfe und der finanziellen Unterstützung ihres Lebensgefährten Jean Tillier eine Tennisschule in Paris. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zu den Plätzen von Roland Garros, dem Austragungsort der French Open. Schon bald - im Jahre 1936 - wandelt sich die Akademie zum Trainingszentrum der Französischen Tennis Föderation. In dieser Zeit verfasst Lenglen auch einige Bücher über ihren Sport.

Im Juni 1938 gibt die französische Presse bekannt, dass Lenglen an Leukämie erkrankt sei. Nur drei Wochen später erblindet die ehemalige Königin des Tennissports. Lenglen stirbt am 4. Juli 1938 und wird auf dem Friedhof Cimetière de Saint-Ouen bei Paris beigesetzt.

Grand Slam - Siege im Einzel

  • French Open: 1920 bis 1923, 1925 und 1926, insgesamt 6-mal
  • Wimbledon: 1919 bis 1923, 1925, insgesamt 6-mal

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