Urania (Berlin)

Urania (Berlin)
Das Gebäude der Urania in Berlin-Schöneberg
Logo und Informationsdisplay an der Fassade
Urania Berlin 1896 – Die astronomische Abteilung
Historisches Exponat (heute im Science Center Spectrum ausgestellt)
Briefmarke von 1988
Die Urania als Filmbühne der Berlinale 2008

Die Berliner Gesellschaft Urania wurde 1888 gegründet, mit dem Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse auch einem Laienpublikum zugänglich zu machen.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Die ersten Impulse gab 1827/28 Alexander von Humboldt mit seinen öffentlichen „Kosmos-Vorlesungen“ im damaligen Gebäude der Berliner Singakademie, unmittelbar neben der Berliner Universität (heute Humboldt-Universität zu Berlin) gelegen. Humboldt wandte sich mit seinen naturwissenschaftlichen Vorträgen an breite Bevölkerungsschichten – unter seinen Hörern befanden sich sowohl Handwerker als auch Angehörige der Hofgesellschaft, einschließlich des Königs Friedrich Wilhelm III. – und ergänzte so die volkspädagogischen Absichten seines Bruders Wilhelm von Humboldt. Der Astronom Wilhelm Foerster, einst Schüler Alexander von Humboldts und später Direktor der Berliner Sternwarte, führte die Ansätze seines Lehrers fort. Gemeinsam mit dem aus Wien zugezogenen Astronomen Max Wilhelm Meyer, der in der Donaustadt schon ähnliche Pläne verfolgt hatte, plante er eine feste Einrichtung, die dauerhaft geeignet sein sollte, einem Laienpublikum solides Fachwissen nahe zu bringen. Die beiden angesehenen Gelehrten konnten prominente Geldgeber für ihr Projekt gewinnen, darunter den Industriellen Werner von Siemens.

Geschichte der Urania

Konzept

Das Gründungskonzept sah eine neuartige Institution vor, die aus einer Sternwarte – der ersten Volkssternwarte der Welt –, aus wissenschaftlich technischen Ausstellungen und einem wissenschaftlichen Theater bestehen sollte. Mit einem Spendenkapital von 205.000 Mark, einer damals sehr beträchtlichen Summe, wurde am 3. März 1888 die „Gesellschaft Urania“ in Form einer Aktiengesellschaft gegründet. Ihren Namen bekam sie nach der Muse Urania, die in der griechischen Mythologie als Schutzgöttin der Sternkunde galt. Aufgabe der neuen Einrichtung, in der Gründungssatzung formuliert, war die „Verbreitung der Freude an der Naturerkenntnis“.[1] Das erste Gebäude der Urania wurde an der Invalidenstraße errichtet und am 1. Juli 1889 eingeweiht.

Besondere Anziehungspunkte waren die Abteilungen für Astronomie, für Physik und für Mikroskopie. Das neuartige Angebot, bei dem die Besucher sich erstmals spielerisch an verschiedenen Experimenten beteiligen konnten, sorgte für großes Interesse. Im ersten Betriebsjahr kamen schon 98.000 Besucher, sechs Jahre später waren es 178.000. Das erfolgreiche Konzept wurde im In- und Ausland übernommen, es folgten rasch Vereinsgründungen zum Beispiel in Magdeburg, Hamburg, Kassel, Jena, Chemnitz, Prag, Budapest, Graz und Wien.

Sternwarte

Als Hauptinstrument für die Sternwarte der Urania baute 1889 die Firma von Carl Bamberg einen 12-Zoll-Refraktor, der Ende Dezember desselben Jahres der Öffentlichkeit übergeben wurde. Zu dieser Zeit war der sogenannte Bamberg-Refraktor mit seiner Öffnung von 314 Millimetern und einer Brennweite von 5 Metern das größte Teleskop in Preußen[2] und nach dem Straßburger Refraktor das zweitgrößte im Deutschen Reich. Mit ihm entdeckte der an der Einrichtung tätige Astronom Gustav Witt die Asteroiden Berolina und Eros. Die Urania erhielt vom Minor Planet Center den Observatoriumscode 537. Als erster Astronom der Urania-Sternwarte war seit 1889 Friedrich Simon Archenhold beschäftigt und von 1894 bis 1899 arbeitete dort Bruno Hans Bürgel.[3]

Kriegsauswirkungen

Eine schwierige Phase musste während der zwei Weltkriege und der dazwischen liegenden Weltwirtschaftskrise gegen Ende der 1920er Jahre überstanden werden; alle Aktivitäten waren in dieser Zeit stark eingeschränkt. Der Bamberg-Refraktor wurde 1951 im zerstörten Uraniagebäude abgebaut und in die Papestraße zur Wilhelm-Foerster-Sternwarte gebracht. 1953 wurde die Urania als eingetragener Verein neu gegründet und begann ihre Tätigkeit in den Räumen der Technischen Universität Berlin. Für Zulauf sorgten Lesungen berühmter Literaten wie Heinrich Böll, Max Frisch und Günter Grass. In die Programmplanung wurden nun verstärkt die Bereiche Kunst und Unterhaltung einbezogen. Seit 1962 hat die Urania ihren Standort in Berlin-Schöneberg in der Nähe des Wittenbergplatzes.

1954 war im Ostteil Berlins die Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse ins Leben gerufen worden, die 1966 die Zusatzbezeichnung Urania erhielt. Ihr Wirkungsbereich war vorrangig das Gebiet der DDR. Nach der deutschen Wiedervereinigung entstanden daraus in den neuen Bundesländern verschiedene lokale Vereinigungen, die 1991 den „Bundesverband Neue Urania“ gründeten.

Die Urania heute

Nach heutigem Stand (2008) hat der Verein „Urania Berlin e. V.“ über 2000 Mitglieder, er ist einer der größten gemeinnützigen Vereine in Berlin.[4] Hauptsächlich wird er durch seine Mitglieder finanziert, darunter Großfirmen, Hochschulen und wissenschaftliche Institute. Etwa 20 Mitarbeiter planen und realisieren die verschiedenen Programme. Beratend wirkt ein Kuratorium, dem unter anderen die Präsidenten der Berliner Universitäten, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Helmholtz-Gemeinschaft angehören.

Für Besucher aller Altersstufen werden Veranstaltungen angeboten. Zum Programm gehören allgemein verständliche Vorträge zu aktuellen Fragen der Natur- und Geisteswissenschaften, Podiumsdiskussionen und künstlerische Darbietungen, Tagungen, Kongresse und Fachmessen. Mit zwei modern ausgestatteten Kinosälen ist die Urania auch Spielstätte der Berliner Filmfestspiele (Berlinale). In den Foyers werden Ausstellungen zu wechselnden Themen gezeigt. Ungefähr 250.000 Besucher jährlich nehmen an den rund 1.300 Veranstaltungen teil.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

 Commons: Urania (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. http://www.urania-stassfurt.de/geschichte.html
  2. http://www.wfs.be.schule.de/PotW/96_46/PotW.html
  3. Eine kurze Geschichte der Berliner Astronomie und der Wilhelm-Foerster-Sternwarte. Abgerufen am 24. April 2009.
  4. Internetpräsenz (siehe Weblinks)
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