Rüdiger vom Bruch

Rüdiger vom Bruch

Rüdiger vom Bruch (* 19. Dezember 1944 in Kohlow, Landkreis Weststernberg) ist ein deutscher Neuzeithistoriker.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Rüdiger vom Bruch studierte von 1964 bis 1969 Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und an der Universität Münster. Nach dem Staatsexamen lehrte er von 1971 bis 1973 an der Fachoberschule für Sozialpädagogik in Münster und war von 1972 bis 1987 Wissenschaftlicher Assistent an den Instituten für Neuere Geschichte der Universitäten Münster und München. 1978 wurde er mit der Arbeit Wissenschaft, Politik und öffentliche Meinung. Gelehrtenpolitik im Wilhelminischen Deutschland (1890–1914) an der Universität München zum Dr. phil. promoviert.

1987 erfolgte an der Universität München die Habilitation mit der Arbeit Von der Kameralistik zur Wirtschaftswissenschaft. Studien zur Geschichte der deutschen Nationalökonomie als Staatswissenschaft (1727–1923) und die Ernennung zum Akademischen Oberrat. 1989/1990 arbeitete er als Lehrstuhlvertretung an der Universität Regensburg, anschließend war er bis 1993 Direktor des Deutschen Institutes für Fernstudien und Honorarprofessor an der Universität Tübingen. 1993 wurde Rüdiger vom Bruch als Professor für Wissenschaftsgeschichte an die Humboldt-Universität zu Berlin berufen. Von 1996 bis 1997 war er Inhaber des Konrad-Adenauer-Lehrstuhls an der Georgetown University in Washington, D.C.

Rüdiger vom Bruch war von 1998 bis 2001 Präsident der Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte und ist Mitglied des Vorstandes der Gesellschaft für Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte Bern. Seit 2002 ist er Koordinator des DFG-Programms „Wissenschaft, Politik und Gesellschaft“ und leitet gemeinsam mit Ulrich Herbert eine Wissenschaftlergruppe zur Erforschung der Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft 1920–1970. 2006/2007 war er Forschungsstipendiat am Historischen Kolleg in München.

Rüdiger vom Bruch ist Herausgeber des Jahrbuchs für Universitätsgeschichte und Mitherausgeber der Berichte zur Wissenschaftsgeschichte und der Schriftenreihe Pallas Athene sowie Beiratsmitglied der Zeitschrift Das Hochschulwesen.

Schriften

Rüdiger vom Bruch verfasste über 150 wissenschaftliche Aufsätze und Beiträge für Bücher und Nachschlagewerke sowie etwa 200 Rezensionen für Fachzeitschriften, für Die Zeit und für Das Parlament. Er ist Autor, Herausgeber oder Mitherausgeber mehrerer Bücher.

  • Wissenschaft, Politik und öffentliche Meinung. Gelehrtenpolitik im Wilhelminischen Deutschland (1890–1914). Dissertation. Universität München. Matthiesen, Husum 1980, ISBN 3-7868-1435-X.
  • Weltpolitik als Kulturmission. Schöningh, Paderborn, München, Wien, Zürich 1982, ISBN 3-506-73254-4.
  • Notker Hammerstein (Hrsg.): Deutsche Geschichtswissenschaft um 1900. Mit Beiträgen von Rüdiger vom Bruch. Steiner, Stuttgart 1988, ISBN 3-515-05059-0.
  • Klaus Heienbrok (Hrsg.): Protestantische Wirtschaftsethik und Reform des Kapitalismus. Mit Beiträgen von Rüdiger vom Bruch. SWI, Bochum 1991, ISBN 3-925895-28-0.
  • mit Helmuth Trischler: Forschung für den Markt. Geschichte der Fraunhofer-Gesellschaft. Beck, München 1999, ISBN 3-406-44531-4.
  • Bürgerlichkeit, Staat und Kultur im Kaiserreich. Ausgewählte Aufsätze. Hrsg. Hans-Christoph Liess. Steiner, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08656-0.
  • Gelehrtenpolitik, Sozialwissenschaften und akademische Diskurse in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert. Ausgewählte Aufsätze. Hrsg. Björn Hofmeister. Steiner, Stuttgart 2006, ISBN 3-515-08869-5.

Herausgeberschaft

  • „Weder Kommunismus noch Kapitalismus.“ Bürgerliche Sozialreform in Deutschland vom Vormärz bis zur Ära Adenauer. Beck, München 1985, ISBN 3-406-30882-1.
  • mit Otto B. Roegele: Von der Zeitungskunde zur Publizistik. Haag und Herchen, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-89228-039-8.
  • mit Gangolf Hübinger und Friedrich Wilhelm Graf: Kultur und Kulturwissenschaften um 1900. Steiner, Stuttgart.
  • mit Rainer A. Müller: Formen ausserstaatlicher Wissenschaftsförderung im 19. und 20. Jahrhundert. Steiner, Stuttgart 1990, ISBN 3-515-05337-9.
  • mit Rainer A. Müller: Historikerlexikon. Von der Antike bis zum 20. Jahrhundert. Beck, München 1991. 2. Auflage 2002, ISBN 3-406-47643-0.
  • Friedrich Naumann in seiner Zeit. de Gruyter, Berlin, New York 2000, ISBN 3-11-016605-4.
  • mit Björn Hofmeister (Hrsg.): Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung. Band 8: Kaiserreich und Erster Weltkrieg. Reclam, Stuttgart 2000. 2. Auflage 2002, ISBN 3-15-017008-7.
  • mit Brigitte Kaderas: Wissenschaften und Wissenschaftspolitik. Steiner, Stuttgart 2002, ISBN 3-515-08111-9.
  • mit Christoph Jahr: Die Berliner Universität in der NS-Zeit. Steiner, Stuttgart 2005.
  • mit Christoph Jahr: Studieren in Trümmern. Die Wiedereröffnung der Berliner Universität im Januar 1946. R. Vom Bruch, C. Jahr, Berlin 2006, ISBN 3-00-018029-X.
  • mit Uta Gerhardt, Aleksandra Pawliczek (Hrsg.): Kontinuitäten und Diskontinuitäten in der Wissenschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Steiner, Stuttgart 2006, ISBN 3-515-08965-9.

Ehrungen

  • Marc Schalenberg, Peter Th. Walther (Hrsg.): „… immer im Forschen bleiben.“ Rüdiger vom Bruch zum 60. Geburtstag. Steiner, Stuttgart 2004, ISBN 3-515-08607-2.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Gerhard von Mende — (* 12. Dezemberjul./ 25. Dezember 1904greg.[1] in Riga; † 16. Dezember 1963 in Düsseldorf) war ein deutschbaltischer Professor. Als Russlandforscher hatte er sich während der NS Zeit rassenideologisch auf die „turko tatarischen… …   Deutsch Wikipedia

  • Aufrüstung der Wehrmacht — Wehrmachtsführung beim Reichsparteitag der NSDAP 1938, von links: Erhard Milch, Wilhelm Keitel, Walther von Brauchitsch, Erich Raeder und Maximilian von Weichs. Die Aufrüstung der Wehrmacht bezeichnet …   Deutsch Wikipedia

  • Eduard Spranger — (* 27. Juni 1882 als Franz Ernst Eduard Schönebeck in Lichterfelde, Berlin; † 17. September 1963 in Tübingen) war ein Philosoph, Pädagoge und Psychologe, der zu den modernen Klassikern der Pädag …   Deutsch Wikipedia

  • Friedrich Naumann — (* 25. März 1860 im Pfarrhaus in Störmthal, heute Teil von Großpösna bei Leipzig; † 24. August 1919 in Travemünde) war evangelischer Theologe und ein liberaler Politiker zur Zeit des Kaiserreichs. Nach ihm ist die FDP nahe Friedrich Naumann… …   Deutsch Wikipedia

  • Emil Nolde — Emil Nolde; Porträtfoto von Minya Diez Dührkoop …   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte der Studentenverbindungen — Die Geschichte der Studentenverbindungen ist eng verknüpft mit der Geschichte der Universitäten. Der Artikel beschreibt die Geschichte der Verbindungen seit den frühen Anfängen an den mittelalterlichen Universitäten, konzentriert sich aber auf… …   Deutsch Wikipedia

  • Habilitation — Die Habilitation ist die höchstrangige Hochschulprüfung in Deutschland, Österreich, Frankreich, der Schweiz und einigen osteuropäischen Ländern, mit der im Rahmen eines akademischen Prüfungsverfahrens die Lehrbefähigung (facultas docendi) in… …   Deutsch Wikipedia

  • Aktiver — Eine Studentenverbindung oder auch Studentenkorporation ist ein Verband von derzeitigen und ehemaligen Studenten einer Universität, Hochschule oder ähnlichen Institution, der Brauchtum und gewachsene Traditionen pflegt.[1] In Österreich und der… …   Deutsch Wikipedia

  • Aktivitas — Eine Studentenverbindung oder auch Studentenkorporation ist ein Verband von derzeitigen und ehemaligen Studenten einer Universität, Hochschule oder ähnlichen Institution, der Brauchtum und gewachsene Traditionen pflegt.[1] In Österreich und der… …   Deutsch Wikipedia

  • Crinis — Max de Crinis (* 29. Mai 1889 in Ehrenhausen bei Graz; † 2. Mai 1945 Suizid in Stahnsdorf bei Berlin) war im nationalsozialistischen Deutschen Reich als Psychiater und Neurologe Ordinarius und Direktor der Universitätsnervenklinik in Köln sowie… …   Deutsch Wikipedia

  • Entartete Kunst — „Entartete Kunst“: Blaues Pferd I Gemälde von Franz Marc, 1911 …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”