StadtRAD Hamburg

StadtRAD Hamburg
StadtRÄDER an einer Station

StadtRAD Hamburg ist ein öffentliches Fahrradleihsystem, das von der Bahntochter DB Rent im Auftrag der Stadt Hamburg betrieben wird.

Das System wurde am 10. Juli 2009 in Betrieb genommen.

Inhaltsverzeichnis

System

StadtRAD Hamburg funktioniert nach einem modifizierten Call-a-Bike-fix-System der Deutschen Bahn, das zuvor bereits ähnlich in Stuttgart installiert wurde. Entleihe und Rückgabe erfolgen dabei ausschließlich an festgelegten Leihstationen. Die Rückgabe kann an jeder beliebigen Station erfolgen. Falls alle festen Plätze belegt sind, ist es ausreichend, das Rad in unmittelbarer Nähe der Station abzustellen und zu sichern.

Die Entleihe erfolgt über ein Terminal an den Stationen, telefonisch oder per Applikation für iPhone und Android-Smartphones. Nutzer buchen sich mit ihrer EC- oder Kreditkarte am Terminal ein und wählen ein Fahrrad aus, das daraufhin vom System freigegeben wird. Der Nutzer entsperrt das Rad durch Berühren eines Bedienfeldes am Rad selbst. Bei einer telefonischen Entleihung ruft der Nutzer mit dem Telefon, dessen Nummer er bei seiner Registrierung angegeben hat, eine auf dem StadtRAD angegebene Nummer an, woraufhin dieses vom System freigegeben wird. Für die Rückgabe muss das Fahrrad lediglich an einer Station angeschlossen werden und ist damit automatisch wieder ausgebucht. Bei Verwendung der App können Räder direkt über das Telefon entliehen und zurückgegeben werden.

Grundsätzlich kann ein Nutzer maximal zwei StadtRÄDER gleichzeitig ausleihen. Es ist jedoch möglich, die Begrenzung telefonisch auf vier Räder zu erhöhen.

Registrierung

Die Nutzung des Systems erfordert eine einmalige Anmeldung, die entweder direkt über das Terminal an der Station, telefonisch oder im Internet erfolgen kann. Nutzer registrieren sich dabei mit ihrer EC- oder Kreditkarte und ihrer Telefonnummer, anhand derer sie bei der Entleihe identifiziert werden können. Die Leihgebühren werden direkt über die Karten abgerechnet. Das System ist darüber hinaus kompatibel mit Call-a-Bike-Angeboten anderer Städte, das heißt Nutzer, die sich bei StadtRAD Hamburg registriert haben, können in anderen Städten ebenfalls Fahrräder entleihen, zahlen hierfür allerdings die dort jeweils üblichen Leihgebühren. Entsprechend können registrierte Nutzer aus anderen Städten ebenfalls StadtRÄDER nutzen.

Stationen

Leihstation am Alten Wall, unmittelbar neben Rathaus und Börse

Das System verfügt über 88 Stationen (Stand: 6. Oktober 2011) mit insgesamt rund 1000 Fahrrädern. Die größte Einzelstationen ist Hauptbahnhof West/Glockengießerwall mit 47 Stellplätzen, die kleinsten sind Reeperbahn/Königstraße und Neuer Pferdemarkt/Beim Grünen Jäger mit jeweils 14 Plätzen. Die Stationen befinden sich schwerpunktmäßig innerhalb des Wallrings, in den Stadtteilen um die Alster und entlang der Elbe bis zum Bahnhof Altona. In diesem Gebiet wohnen rund 360.000 Menschen. Die Standorte sind häufig mit Haltestellen des S- und U-Bahn-Netzes verbunden. Sämtliche Stationen sind mit einem Touch-Screen-Terminal mit Kartenleser zur Benutzeridentifizierung über Kredit- oder EC-Karten ausgestattet.[1]

Mit der Umstellung des Systems auf den einfachereren Entleihmodus Ende Februar 2011 wurden die Terminals funktional erweitert und bieten unter anderem eine interaktive Karte der Stationsstandorte mit Angabe der jeweils verfügbaren Räder.

Seit Oktober 2011 können Kundenkarten (personalisierte Mifare 1-Karten auf HF-Basis) bestellt werden, die den Ausleihvorgang per Radiofrequenz-Identification (RFID) mit Nahfeldkopplung (NFC) am Ausleihterminal weiter vereinfachen[2] und visuell einem herkömmlichen Schlüssel nachempfunden sind. Informationen zur Kompatibilität des Systems mit ETicketing (VDV KA) und Touch and Travel sind derzeit (11. Oktober 2011) noch nicht vorhanden. [3][4]

Ausbau des Netzes

Aufgrund der großen Resonanz wird das Netz der Leihstationen zurzeit ausgebaut. Das System umfasste bei seiner Eröffnung 67 Stationen und wurde bis Juli 2010 auf 79 Stationen erweitert. Ein besonderer Schwerpunkt sind die Schnellbahnhaltestellen; insgesamt 26 Stationen entstanden (oder entstehen noch) unmittelbar an S- und U-Bahnhaltestellen. Die erste neue Station nach der Eröffnung liegt in unmittelbarer Nähe zum Rathaus und zur Handelskammer, mit etwas zeitlichem Abstand folgte u.a. eine Station am S-Bahnhof Veddel (BallinStadt). Mit letztgenannter Station wurde das System auf den südlichen Teil Hamburgs ausgeweitet. Die Station an der Firmenzentrale des Unilever-Konzerns, die Mitte November 2010 eröffnet wurde, wird vom Unternehmen finanziell unterstützt und ist damit die erste gesponserte Station des Netzes.[5] In einer dritten Ausbaustufe wird das Netz seit 2011 um bis zu 63 weitere Stationen und rund 500 Fahrräder erweitert. Das Netz wird dabei deutlich über das Stadtzentrum hinaus ausgedehnt und künftig bis zum Museumshafen Övelgönne, zum Tierpark Hagenbeck, in die City Nord, nach Wandsbek Markt und nach Wilhelmsburg reichen, jedoch wird auch das Netz in den bisherigen Bedienungsgebieten verdichtet, allein im Bereich von Innenstadt und HafenCity werden bis zu neun zusätzliche Stationen realisiert.

Tarif

Die Erstanmeldung kostet 5,00 EUR, die dem Benutzer jedoch als Guthaben angerechnet werden. Die erste halbe Stunde jeder Entleihung ist kostenfrei, ab der 31. Minute fallen 4 Cent, ab der 61. Minuten 8 Cent pro Minute an. Der Betrag wird jedoch nach rund 3 Stunden Entleihdauer gedeckelt, sodass maximal 12,00 EUR für 24 Stunden berechnet werden.

Es gibt daneben verschiedene Möglichkeiten zur Ermäßigung der Tarife:

  • Inhaber von Zeitkarten des Hamburger Verkehrsverbundes oder einer Bahncard erhalten nach entsprechender Anmeldung einen um 25 Prozent ermäßigten Tarif von 3 bzw. 6 Cent pro Minute.
  • Inhaber einer Kundenkarte der Hamburger Drogeriekette Budnikowsky können gegen eine Jahresgebühr von 10,00 EUR die ersten 60 Minuten pro Fahrt kostenlos fahren.

Statistik

Nach den ersten 100 Tagen des Betriebs hatte das System rund 33.000 angemeldete Nutzer, die insgesamt mehr als 223.000 Fahrten zurückgelegt hatten. Drei Viertel der Fahrten dauerten weniger als 30 Minuten und waren somit für die Nutzer kostenfrei. Nach dem ersten Jahr des Betriebs hatte das System mehr als 53.000 angemeldete Benutzer, die zusammen mehr als eine halbe Million Fahrten gemacht haben. Jedes der gegenwärtig etwa 1.000 Räder wird durchschnittlich 2,3 Mal pro Tag genutzt,[6], an Tagen mit Spitzennachfrage inzwischen über sieben Mal. Im Juli 2011 gab es über 100.000 angemeldete Kunden.[7]

Außendarstellung und Vermarktung

Im Gegensatz zu anderen Städten, in denen Call-a-Bike-Produkte angeboten werden, wird das StadtRAD vornehmlich als städtisches Angebot positioniert. Dass das Angebot technisch, materiell und organisatorisch durch die Deutsche Bahn bereitgestellt wird, wird hingegen weniger offensiv kommuniziert. Dies zeigt sich bereits im Produktnamen, sowie daran, dass die StadtRÄDER das Signet der Stadt Hamburg wesentlich prominenter tragen als das Logo der Deutschen Bahn.

Geschichte des Systems

Bis zum 28. Februar 2011 verlangten Entleihung und Rückgabe die Eingabe eines jeweils vierstelligen Öffnungs- bzw. Quittungscodes, die dem Nutzer bei Entleihung vom Terminal bzw. telefonisch und bei der Rückgabe vom Fahrrad mitgeteilt wurden. Auch war es bis zu diesem Zeitpunkt nur möglich, ein StadtRAD an Stationen mit freien Stellplätzen zurückzugeben. Waren alle Plätze an einer Station belegt, wurde dem Nutzer nach Benachrichtigung des Betreibers ein zusätzliches Zeitguthaben von 15 Minuten gutgeschrieben, das er dazu nutzen kann, eine alternative Station zu finden.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Presseportal: Ströer ist exklusiver Vertriebspartner der Deutschen Bahn AG für das Fahrradmietsystem Call a Bike, 5. Oktober 2006
  2. http://winfwiki.wi-fom.de/index.php/Fahrradvermietung_2.0 Dennis Tschirschwitz, Sebastian Peters, Hubert Deja; Seminararbeit Wirtschaftsinformatik; Fahrradvermietung 2.0
  3. http://stadtrad.hamburg.de/kundenbuchung/process.php?proc=info_kundenkarte&f=510 StadtRAD Hamburg-Kundenkarte in Form eines Schlüsselanhängers online bestellen
  4. http://www.rfid-im-blick.de/201103301028/durchsicht-im-fahrradverleih.html StadtRAD Hamburg plant Erweiterung des Entleihsystems mit RFID-Karten
  5. Neue funkbasierte Stationen für StadtRAD Hamburg, Presseinformation vom 1. Februar 2011, Zugriff am 9. Februar 2011
  6. Welt Online: Nicht nur bei Sonne: Radverkehr nimmt deutlich zu, 4. Juni 2010
  7. Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation: Mehr StadtRAD in Eimsbüttel, der HafenCity, an der Uni und im Stadtpark, 6. Juli 2011

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