- Émile Combes
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Émile Justin Louis Combes (* 6. September 1835 in Roquecourbe, Département Tarn; † 25. Mai 1921 in Pons (Charente-Maritime)) war ein französischer Politiker und von 1902 bis 1905 Premierminister.
Inhaltsverzeichnis
Biografie
Langjähriger Bürgermeister und Senator
Combes entstammte einer relativ armen Familie, konnte aber Dank seines Onkels, dem Theologe Abbé Gaubert, 1860 ein Studium der Theologie mit der Promotion zum Doktor der Theologie abschließen. Anschließend begann er nach seiner Loslösung von der Kirche ein Studium der Medizin, nach dessen Abschluss er sich 1867 als Arzt in Pons (Charente-Maritime) niederließ.
Seine politische Laufbahn begann er 1876 mit der Wahl zum Bürgermeister (Maire) von Pons und bekleidete dieses Amt 43 Jahre bis 1919. Nachdem er 1881 erfolglos als Kandidat für Saintes für den Senat kandidiert hatte, wurde er 1885 als Vertreter des früheren Département Charente-Inférieure zum Senator gewählt. Im Senat, dem er bis zu seinem Tode 1921 angehörte, wurde er 1894 Präsident der Demokratischen Linken (La Gauche Démocratique). 1893 sowie 1894 war er Vizepräsident des Senats.
Am 1. November 1895 wurde er wegen seiner Kenntnisse in Erziehungsfragen von Premierminister Léon Victor Bourgeois zum Minister für öffentlichen Unterricht (Ministre de l'Instruction Publique) in das erste rein linksdemokratische Kabinett Frankreichs berufen, dem er bis zum 29. April 1896 angehörte.[1]
Premierminister 1902 bis 1905 und Trennung von Staat und Kirche
Am 7. Juni 1902 wurde er als Nachfolger von Pierre Waldeck-Rousseau schließlich selbst Premierminister (Präsident des Rates). Zu Beginn seiner Amtszeit hatte er eine komfortable Parlamentsmehrheit von 368 zu 220 Mandaten, die sich im Wesentlichen aus 129 Radikalen, 99 Vertretern unterschiedlicher republikanischer Parteien, 90 Radikal-Sozialisten sowie 48 Sozialisten zusammensetzte. Dadurch wurden die Vertreter der Linken aus Démocratique, Radicaux, Radicaux-Socialistes und Socialistes in der Regierung wieder vereinigt, um die anstehenden Probleme zu lösen. Dabei suchte er insbesondere einen ständigen Meinungsaustausch mit der Nationalversammlung, bei dem Jean Jaurès eine herausragende Rolle spielte.
Trotz seiner eigenen Mitgliedschaft im Senat vermied er soweit möglich die Beteilung des Senats an der Regierung, um sich dadurch seinem eigenen Ideal einer einzigen und souveränen Versammlung anzunähern. Des Weiteren förderte er während seiner Regierungszeit ihm nahestehende Politiker und Verwaltungsbeamte. Dabei verlangte er zum Beispiel in einem Schreiben an die Präfekten vom 20. Juni 1902 die Begünstigung von "dem Regime aufrichtig gewidmete Persönlichkeiten". Während seiner Amtszeit kommt es neben der Änderung der Kirchenpolitik zu Reformen in Verwaltung, Magistraturen und der Armee.
Seine als "Combisme" bezeichnete Politik war geprägt durch einen Antiklerikalismus,[2] der 1905 zur völligen Trennung von Staat und Kirche sowie zur Einführung der laizistischen Schule in Frankreich führte.
Schon 1904 hatte ein neues Vereinsgesetz bestimmt, dass auch Ordensgemeinschaften die mit strengen Auflagen verbundene Anerkennung als Verein beantragen mussten. 1905 wurden etwa 2500 kirchlich geführte Schulen geschlossen. Dabei kommt es zur Auflösung aller weiblichen Ordensgemeinschaften, während lediglich fünf der männlichen Priesterorden bestehen blieben. Ordensmitglieder durften nicht mehr als Lehrer arbeiten, Kruzifixe und religiöse Symbole wurden aus öffentlichen Gebäuden wie Schulen oder Gerichten entfernt.
Am 9. Dezember 1905 wurde schließlich das sogenannte "Loi Combes" verabschiedet. Dieses Gesetz zur Trennung von Religion und Staat etablierte in Frankreich das heute noch geltende Prinzip des Laizismus, d. h. der vollständigen Trennung von Religion und Staat. Das Gesetz galt zwar vor allem der Katholischen Kirche, doch wurden aus Gründen der Neutralität in diese Regelung die anderen Konfessionen einbezogen.
Die Gesetze wurden von Papst Pius X. in der Enzyklika Vehementer nos verdammt und verschlechterten für viele Jahre das Verhältnis der französischen Republik zur katholischen Kirche. Zum Teil konnten die Gesetze nur gegen den erheblichen Widerstand kirchentreuer Bevölkerungsteile durchgesetzt werden. Am 28. Juli 1904 kam es zum völligen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und dem Vatikan.
Mit dem Gesetz von 1905 kündigte die französische Regierung auch das Konkordat, das 1801 Napoleon mit dem Vatikan geschlossen hatte. Ausgeschlossen vom generellen Verbot der staatlichen Förderung von Religion ist die Anstaltsseelsorge ("Aumôneries"), wobei auf die Verwirklichung der Religionsfreiheit hingewiesen wird (Art. 1 Abs. 2 des Trennungsgesetzes von 1905). Combes, der seine antiklerikale Haltung noch ausbauen und die Französische Republik weiter stärken möchte, begründet den Konflikt mit dem Vatikan durch eine Neuinterpretation des Konkordats von 1801.
Am 24. Januar 1905 trat er vom Amt des Premierministers zurück und wurde durch seinen bisherigen Finanzminister Maurice Rouvier abgelöst. Während seiner Regierungszeit übernahm er zugleich das Amt des Innenministers.[1] Grund für seinen Rücktritt war die sogenannte "Affaire Des Fiches", bei der es Kritik an der Beförderungspraxis durch Kriegsminister Louis André gab.[3]
Nach seinem Rücktritt als Premierminister war er von 1905 bis 1906 sowie von 1911 bis 1912 Präsident der Parti Radical-Socialiste. Zwischen Oktober 1915 bis Dezember 1916 war er Staatsminister (Ministre d'État) in der Regierung der nationalen Einheit (Gouvernement d'Union Nationale) von Premierminister Aristide Briand.
Ihm zu Ehren wurde unter anderem das Gymnasium in Pons in Lycée Émile Pons benannt.[4]
Veröffentlichungen
- "De l'état actuel de la médecine et des médecins en France" (1869)
- "Une campagne laïque" (1904)
- "Une deuxième campagne laïque" (1905).
Quellen
- Homepage des Senats
- Biografie auf LAROUSSE
- Biografie auf der Homepage zum 100-jährigen Jubiläum des Laizismus in Frankreich
- Biografie im Projekt Gutenberg
- "EMILE COMBES DIES, EX-FRENCH PREMIER; Originator of the Law Separating the Church and State Was 86 Years Old", Nachruf NEW YORK TIMES 26. Mai 1921
Einzelnachweise
- ↑ a b rulers.org:Französische Ministerien seit 1870
- ↑ Laperriere, Guy: "Les congrégations religieuses, de la France au Québec 1880-1914", 1942/1999, S. 142, ISBN 2763776310
- ↑ "L'Affaire des fiches"
- ↑ Lycee Emile COMBES
Vorgänger Amt Nachfolger Pierre Waldeck-Rousseau Premierminister von Frankreich
7. Juni 1902-24. Januar 1905Maurice Rouvier Kategorien:- Premierminister (Frankreich)
- Senator (Frankreich)
- Geboren 1835
- Gestorben 1921
- Mann
- Franzose
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