Franzensbad

Franzensbad
Františkovy Lázně
Wappen von Františkovy Lázně
Františkovy Lázně (Tschechien)
DEC
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Karlovarský kraj
Bezirk: Cheb
Fläche: 2574 ha
Geographische Lage: 50° 7′ N, 12° 21′ O50.12027777777812.351666666667442Koordinaten: 50° 7′ 13″ N, 12° 21′ 6″ O
Höhe: 442 m n.m.
Einwohner: 5.742 (29.8.2008)
Postleitzahl: 351 01
Kfz-Kennzeichen: K (alte CH)
Verkehr
Bahnanschluss: Plauen–Cheb
Františkovy Lázně–Aš
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 8
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Ivo Mlátilík
Adresse: Nádražní 208/5
351 01 Františkovy Lázně
Website: www.mufrlazne.cz
Kuranlage in Franzensbad: So genanntes Kaiserbad mit Statue Kaiser Franz Josephs
Blick in die Kurpromenade (Národní třída) mit Brunnen von 1962

Františkovy Lázně (deutsch Franzensbad) ist eine Stadt im Bezirk Eger, im Karlovarský kraj im westlichen Tschechien, nahe der Stadt Cheb. Sie hat rund 5.200 Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Franzensbad ist als Kurort berühmt geworden. Gegründet wurde er 1793 unter der Ägide des letzten Kaisers des Alten Reiches, Franz II., als Kaiser Franzensdorf (1807 in Franzensbad geändert). Kenntnis von der Heilkraft der heutigen Franzensquelle hatte man spätestens Anfang des 15. Jahrhunderts. Damals gehörte sie noch zur sieben Kilometer entfernten Stadt Eger und wurde deshalb Egerwasser oder Egerer Sauerbrunn genannt. Das Heilwasser diente zunächst der Egerer Bevölkerung und später auch dortigen Kurgästen als Heil- und Genussmittel. Es wurde von Frauen aus Eger direkt an der Quelle geschöpft und in die Stadt getragen, wo sie es verkauften. Später wurde es nach Deutschland versandt. Um 1700 soll die Verwendung des Franzensbader Wassers die aller anderen Quellen in ganz Deutschland übertroffen haben.

Um 1705 wurde an der Franzensquelle ein Gasthaus mit Badezimmern erbaut, gewissermaßen die erste Kureinrichtung. Dieses Haus stand bis 1808. Im Jahr 1791 ließ der Arzt Dr. Bernhard Adler zum Schutz der Quelle einen hölzernen Pavillon errichten und das Wasser in ein separates Becken leiten. Diese Maßnahme ließ die Wasserfrauen aus Eger um ihre Einnahmen fürchten; bewaffnet mit Pfannen, Kochlöffeln und Schürhaken rissen sie den Pavillon nieder. Der Aufstand der Egerer Frauen ging in die Geschichtsbücher ein, denn Adler wandte sich an den Kaiser und forderte Gegenmaßnahmen. Das war die Geburtsstunde des Kurbades. 1794 wurde nicht nur ein neuer Pavillon gebaut, auch ein Kurhaus und weitere Gebäude wurden errichtet.

1827 baute der spätere Bürgermeister Christoph Loimann das erste öffentliche Badegebäude mit 30 Badezimmern. Später wurden noch zwei weitere Bäder hinzugefügt. 1852 wurde Franzensbad von Eger unabhängig und erhielt 1865 die Stadtrechte. Zu dieser Zeit besaß es bereits Weltruf als Kurbad. Die meisten Quellen wurden erst im 19. Jahrhundert entdeckt und erschlossen; sie sind alle kalt. Von den 24 bekannten Quellen werden heute noch zwölf genutzt. Franzensbad gehörte auch zu den ersten Moorbädern in Europa.

Meyers Konversationslexikon schrieb 1898 über Franzensbad: „Der Ort hat meist stattliche Häuser, eine katholische und eine evang. Kirche, eine Synagoge, ein großes Kurhaus, ein Badehospital für Unbemittelte, hübsche Parkanlagen, welche dem Mangel an Naturschönheiten der Umgebung abhelfen, gedeckte Wandelhallen etc. (...) Die Zahl der Einwohner beträgt (1880) 2008. (...) An Heilmitteln besitzt F. neun Mineralquellen, eine Kohlensäuregasquelle und ein reichhaltiges Lager von Eisenmineralmoor. Die Franzensbader Wasser sind alkalische Glaubersalzsäuerlinge (...)“.

Wie für andere Kurorte waren der Erste und der Zweite Weltkrieg Zäsuren für den Kurbetrieb. 1918 wurde die Tschechoslowakei gegründet. Mit dem Zweiten Weltkrieg endete der Zustrom ausländischer Kurgäste. Aufgrund der Beneš-Dekrete wurden die deutschen Einwohner 1945 enteignet und vertrieben. 1946 wurden die Kureinrichtungen verstaatlicht. 1989 begann die erneute Privatisierung, und es wurde die Bad Franzensbad AG gegründet. Der Kurort setzt heute wieder sehr stark auf internationale Touristen.

Am 1. Dezember 1930 hatte die Stadt 3183 Einwohner, am 17. Mai 1939 waren es 3784 und am 22. Mai 1947 2282 Bewohner.

Stadtwappen

Die diagonalverlaufende Wellenlinie im Wappen symbolisiert den Fluss Eger, die sechs silbernen Streifen im rechten oberen Feld stehen für die Heilquellen der Stadt.

Ortsteile

  • Aleje-Zátiší
  • Dlouhé Mosty (Langenbruck)
  • Dolní Lomany (Unterlohma)
  • Františkovy Lázně (Franzensbad) - Stadt
  • Horní Lomany (Oberlohma)
  • Krapice (Kropitz)
  • Slatina (Schlada)
  • Žírovice (Sirmitz)

Städtepartnerschaften

Die Kuranlagen

Franzensquelle
Die Statue des Franzel oder Franzl (František) in den Kuranlagen. Sie gilt als Symbol des Kurortes. Die Originalstatue von 1923 befindet sich im Städtischen Museum.
Russisch-orthodoxe Kirche

Der Kurbezirk beginnt im nördlichen Bereich des Stadtparks an der Stanislav-Quelle, an der sich ein Denkmal zu Ehren des Erfinders der Esperanto-Sprache, Ludwik Lejzer Zamenhof befindet. Östlich davon schließt die Prachtstraße Kollárova mit den Badehäusern Mozart, Beethoven und Esplanade den Stadtpark ab.

Die weiteren historischen Kuranlagen von Franzensbad erstrecken sich westlich und südöstlich des Platzes Náměsti Míru mit einem monumentalen Brunnen von 1962, einem Musikpavillon sowie den Neuen Kolonnaden mit Geschäften, die einen Vorgängerbau von 1912 ersetzen. Quellen und Badehäuser sind über einen weitläufigen Park mit jahrhundertealtem Baumbestand verteilt.

Im Westen liegen das 1840 erbaute Badehaus Lázně sowie der Pavillon der nach der Tochter Franz II. benannten Luisenquelle (1827), welcher die 1806 entdeckte zweitälteste Quelle Franzensbads fasst. Daneben liegt die Kalte Quelle, die 1817 entdeckt und der Luisenquelle zugeführt wurde.

Herzstück des Kurbezirks ist die in mit einem Pavillon von 1793 mit dorischen Säulen überdachte älteste Quelle des Bades, die Franzensquelle. Etwas südlich davon befinden sich die Glaubersalz-Quellen 3 und 4 (11,5 °C, 1921 entdeckt, in 52,9 bzw. 92,6 m Tiefe), die Neue Kirchenquelle (14 °C, 1999 entdeckt, in 63 m Tiefe) und die Neue Quelle (1849 entdeckt, in 40 m Tiefe). Symbolfigur des Bades wurde die 1923 von Karel Mayrel geschaffene Statuette des Franzl mit einem Fisch auf einer Kugel (František), die als Fruchtbarkeitssymbol gilt. Die Tradition besagt, dass Frauen mit Kinderwunsch, die das „beste Stück“ der Skulptur berühren, innerhalb eines Jahres schwanger werden sollen. Die Originalstatue, die durch eine Kopie ersetzt wurde, wird im Städtischen Museum aufbewahrt.

Am Ostende der von klassizistischen Villen gesäumten Isabellenpromenade liegen die Salzige Quelle und die Wiesenquelle. Adlers Quelle (13,2°C, 1925 entdeckt, in 30 m Tiefe) ist nach dem Arzt Dr. Bernhard Adler benannt, dem ein Denkmal mit einer Statue gesetzt ist. Ein Badehaus von 1880 umfasst die Quellen Nátalie, Herkules und Stěpánka. Das so genannte Kaiserbad (1864; ursprünglich nach seinem prominenten Besucher Franz Josephs-Badehaus)) wurde gebaut auf Initiative des Arztes Paul Cartellieri, der zwei neue Quellen (Zelezitý und - nach ihm genannt - Cartellieris) weiter südlich auf dem Gelände des heutigen Kurparks entdeckte. Am Südrand des Parks überragt ein Aussichtsturm von 1906 in Form einer künstlichen Burgruine - Salinburg - die gesamten Kuranlagen.

Den östlichen Parkabschluss bilden ein Denkmal für Johann Wolfgang Goethe und ein Theater.

Amerika, benannt nach einem Teich, heißt der Wald südwestlich des Orts- und Kurzentrums mit Amphitheater, Sportanlagen und weiteren Quellen (Glauber 1 + 2, Sonnenquelle). Mehrere Teiche – teilweise zur Fischzucht genutzt, teilweise Naturschutzgebiet – mit Brutplätzen für Wasservögel, dienen als Naherholungsgebiet mit Ausflugsrestaurants, Campingplätzen, Tierpark und Badeplätzen.

Übrige Sehenswürdigkeiten

  • Die Libušina, eine der Prachtstraßen von Franzensbad, ist von klassizistischen Häusern gesäumt. Zu ihnen zählen die Bauten Zum römischen Kaiser, Zum Schwarzen Adler, Zum Goldenen Löwen, Zum goldenen Engel und das Badehaus Beseda. Vergleichbar ist die Ruská mit den Badehäusern Savay-Labe und Květen.
  • Kirchen von Franzensbad sind die katholische Heiligkreuz-Kirche, 1819 im Empire-Stil erbaut (1936 umgestaltet), die evangelische Kirche im neogotischen Stil (1875–1880) sowie das russisch-orthodoxe Gotteshaus von 1887–1889, das der Heiligen Olga geweiht ist.

Umgebung

  • Sechs Kilometer nordöstlich des Kurbades befindet sich bei der Ortschaft Nový Drahov (deutsch Rohr) das Naturschutzgebiet Soos. Es handelt sich um ein Torf- und Mineralwiesenmoor mit ausströmendem Gas aus Mofetten.
  • Eine weitere Sehenswürdigkeit ist der Komorní hůrka (deutsch: Kammerbühl). Er zählt mit dem Železná hůrka (deutsch Eisenbühl), der sich südlich von Cheb (Eger) befindet, zu den jüngsten böhmischen Vulkanen, die auch als Naturschutzgebiete ausgewiesen sind. Auch Johann Wolfgang von Goethe hatte an beiden geforscht.
  • Nahe Hazlov (deutsch Haslau) befindet sich das Naturschutzgebiet Rommersreuther Schweiz mit pittoresken Quarzfelsen.

Söhne und Töchter der Stadt

  • Georg Wörl (* 1863), Komponist
  • August Brömse (* 1873; † 1925 Prag), Maler und Grafiker
  • Petra Edelmannová (* 1975), Politikerin

Literatur

  • Jaromír Bohá, Stanislav Burachovi: Das Bäderdreieck im Egerland. Ein Führer durch Städte, Kultur und Landschaft. Buch- und Kunstverlag Oberpfalz, Amberg 1991, ISBN 3-924350-19-1
  • Michael Bussmann, Gabriele Tröger: Westböhmen und Bäderdreieck. Karlsbad Marienbad Franzensbad. 2. Auflage. Michael-Müller-Verlag, Erlangen 2005, ISBN 3-89953-212-0
  • Anton Gnirs u. a.: Die Kurstadt Franzensbad, in: Eger-Franzensbad (= Die sudetendeutschen Selbstverwaltungskörper ; Bd. 10). Deutscher Kommunal-Verlag, Berlin-Friedenau 1931
  • Alois John (Bearb.): Festschrift zum 60jährigen Jubiläum des Franzensbader Stadttheaters, 1928 Commons
  • Stanislav Macek: Františkovy Lázně. Das Badewesen in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Městské Muzeum, Františkovy Lázně 1998
  • Redaktion „Prague Guide“ (Hrsg.): Karlsbad – Marienbad – Franzensbad. Prag 2007

Weblinks


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