Hugo Niebeling

Hugo Niebeling

Hugo Niebeling (* 2. Februar 1931 in Düsseldorf) ist ein deutscher Regisseur und Filmemacher. Er ist einer der bedeutendsten Erneuerer des Wirtschafts- und Industriefilms sowie des Musik- und Ballettfilms.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Hugo Niebeling wuchs in einem katholischen Elternhaus in Düsseldorf auf. Als er nach dem Krieg aus einem Kinderlandverschickungs-Lager nach Hause kehrte, waren elterliches Musikgeschäft samt Wohnung durch Bomben zerstört worden. Neuen Halt fand Niebeling in der Beschäftigung mit moderner Kunst, klassischer Musik und dem Theater. Seinen Wunsch, Schauspiel zu studieren, konnte er sich nicht erfüllen, daher begann er eine kaufmännische Ausbildung beim Düsseldorfer Mannesmann-Konzern. Parallel zur kaufmännischen Ausbildung nahm Niebeling bei dem Schauspieler des Düsseldorfer Schauspielehauses, Otto Ströhlin, der viele Schüler hatte, privaten Schauspielunterricht. Niebelings Vorbild war Gustaf Gründgens. Nach einem kurzen Intermezzo als Schauspieler am Augsburger Theater wechselte Niebeling ins Regie-Fach. 1957 drehte er im Auftrag des Mannesmann-Konzerns seinen ersten Film, den Industriefilm „Stählerne Adern“; für sein Erstlingswerk, das stark vom deutschen Filmregisseur und Experimentalfilmer Walter Ruttmann inspiriert ist, erhielt er den Bundesfilmpreis in Gold. 1962 schuf er den Oscar-nominierten und mit zahlreichen Filmpreisen ausgezeichneten Dokumentar- und Industriefilm Alvorada – Aufbruch in Brasilien. Dieser künstlerisch anspruchsvolle Film besticht nicht zuletzt durch eine völlig neuartige Anwendung des Bildschnitts und durch synchron zum Bildschnitt angelegte Klangkollagen, die von Oskar Sala entwickelt wurden. Er ist kein Industriefilm im klassischen Sinne, sondern gibt einen Überblick über Menschen und Landschaften Brasiliens, seine modernen Großstädte und alten Kolonialsiedlungen sowie über seine Kunst und Kultur. Auf Alvorada folgten zahlreiche weitere Wirtschafts- und Industriefilme – so etwa der 1965 für die Bochumer Aral AG produzierte Film „Petrol, Carburant, Kraftstoff“ als dem am meisten prämierten Wirtschaftsfilm überhaupt. Aber auch im Genre des Musik- bzw. Tanzfilms war und ist Niebeling mit großem und anhaltendem Erfolg aktiv. 1967 führte er Regie in Beethovens „Eroica“ mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Herbert von Karajan. 1968 folgte die Inszenierung der „Pastorale“, die den Stardirigenten und die Philharmoniker bei der Aufführung von Beethovens 6. Sinfonie zeigen. Mit beiden Aufzeichnungen revolutionierte Niebeling die Technik und Bildsprache von Konzertaufnahmen in dem damals noch jungen Medium Fernsehen. Seit Anfang der 1970er Jahre arbeitete er häufig in New York und realisierte dort vor allem Ballettfilme zusammen mit dem Choreographen George Balanchine. Auch für seine herausragenden Ballett- und Musikfilme erhielt Niebeling zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen. Ein weiterer und seit zwei Jahrzehnten anhaltender Publikumserfolg gelang Niebeling mit der Verfilmung der Bach’schen „Johannespassion“, die er 1990 im Speyerer Dom verwirklichen konnte – nach der Original-Tonaufnahme des Bachdirigenten Karl Richter aus dem Jahre 1964.

Industriefilme

  • Stählerne Adern, Lebensadern unserer Zeit, 1956
  • Frohe Farben, Gute Laune (BASF, 1957)
ist Niebelings zweite Regiearbeit. Hierbei wurde Niebeling im Auftrag der Bavaria Film aktiv.
  • Stahl bändigt Atome, Vom Bau des Reaktor-Druckgefäßes Kahl, 1960
  • Stahl – Thema mit Variationen, 1960
  • Bundesfilmpreis 1961, Filmband in Gold, Kategorie: Bester sonstiger Kurzfilm (Mannesmann AG)
  • Grand Prix, Internationales Industriefilmfestival, Rouen 1960
  • Grand Prix in Gold als „Bester Industriefilm der vergangenen 40 Jahre“, 1. Preis als „bester Film der Jahre 1957-1966“, Industriefilm-Festival, Kassel 1997
  • Alvorada – Aufbruch in Brasilien, 1962
  • Zwei Bundesfilmpreise, Filmbänder in Gold, 1963:
  • Kategorie: Bester Regisseur (Hugo Niebeling)
  • Kategorie: Bester abendfüllender Kultur- und Dokumentarfilm (Mannesmann AG)
  • Oscar Nomination, 1963 in der Kategorie: „Dokumentarfilm (Langform)“ (Feature)
  • Bundesdeutscher Beitrag für die Filmfestspiele von Cannes, 1963
weitere Preise auf Filmfestivals, unter anderem in Edinburgh und Cork
  • Petrol, Carburant, Kraftstoff (Aral AG, 1964/65)
  • Bundes-Filmprämie 1965 als „Film von Internationalem Rang“
  • Bundesdeutscher Beitrag für die Internationalen Filmfestspiele von Cannes, 1965
  • Goldmedaille „Best Public relations Film“, Internationales Filmfestival in Cork, 1965
  • „Diploma of Merit“, Internationale Film Festspiele Edinburgh, 1965
  • „Diploma d’Onore“, Internationales Filmfestival von Locarno, 1965
  • „Beste Industriefilm-Regie“, Preis der photokina, Köln 1966
  • Erster Preis der Kategorie „Kulturfilme“, Internationales Film-Festival Vancouver, 1966
  • Erster Preis beim Internationalen Festival für motorsportliche Filme, Karlsbad 1966
  • Prämiert beim Deutschen Industriefilm-Forum, Düsseldorf 1966
  • „künstlerisch wertvollster Film“, Internationales Kurzfilm-Festival, Buenos Aires 1967
  • Diplom der Wirtschaftsfilmtage, Linz 1967
  • Erster Preis „Informationsfilme“, Internationale Festspiele für technische Filme, Budapest 1967
  • Grand Prix, Internationale Film-Festspiele von Australien, Melbourne 1967
  • Mit Licht schreiben (Agfa-Gaevert, 1967)
  • Kulturfilmprämie, Internationaler Rang, 1967
  • Deutscher Industriefilmpreis 1968
  • Allegro (Aral AG, 1969/70)
  • Der Auftrag der uns bleibt (Bayer AG, 1982/83)
  • Prädikat „Besonders Wertvoll“, Filmbewertungsstelle Wiesbaden,
  • Wirtschaftsfilmpreis 1984
  • So schließt sich der Kreis, 100 Jahre Berufsgenossenschaft (BG Chemie, 1986)
Dieser sozialpolitisch orientierte Film beendet Niebelings Arbeit für den Wirtschafts- und Industriefilm.

Die wichtigsten Musik- und Ballettfilme

  • Pastorale
  • Giselle
  • „Besonders Wertvoll“, Filmbewertungsstelle Wiesbaden
  • Grand Prix, Menton 1971
  • Percussion for six
  • Regiepreis, Menton 1971
  • Violin concerto
  • Bundesfilmpreis, Filmband in Gold 1974, Kategorie: Bester Kurzfilm, (Continental Film)
  • „Besonders Wertvoll“, Filmbewertungsstelle Wiesbaden
  • Grand Prix, Besançon 1974
  • Duo Concertant
  • Grand Prix, Besançon 1975
  • Serenade, eine spätromantische Erinnerung
  • Preis des Publikums, Besançon 1975

Sonstige Filme

  • Johannespassion „Es wäre gut, dass ein Mensch würde umbracht für das Volk“, 1991

Siehe auch

Weblinks und Quellen

  • Joachim Thommes: „In jeden dieser Filme wollte ich Kunst reinbringen, soviel ich nur konnte.“ Hugo Niebeling, die Mannesmann-Filmproduktion und der bundesdeutsche Wirtschaftsfilm 1947-1987, Norderstedt 2008 ISBN 978-3-8370-8257-9
  • Rasch, Manfred u.a. (Hg.): Industriefilm 1948-1959. Filme aus den Wirtschaftsarchiven im Ruhrgebiet. Essen 2003
  • Hediger, Vinzenz; Vonderau, Patrick (Hg.): Filmische Mittel, industrielle Zwecke. Das Werk des Industriefilms. (= Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NRW (Hg.): Texte zum Dokumentarfilm. Bd. 11, Berlin 2007)
  • Hofmann, Paul (Bearb.): Nordrhein-Westfälisches Hauptstaatsarchiv (Hg.): Filmschätzen auf der Spur. Verzeichnis historischer Filmbestände in Nordrhein-Westfalen. 2. erw. Auflage. Düsseldorf 1997. (=Veröffentlichungen der Staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen. Reihe C: Quellen und Forschungen. Band 33)

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