Karl Alexander von Lothringen

Karl Alexander von Lothringen
Prinz Karl Alexander von Lothringen, nach Martin van Meytens
Medaille von Karl von Lothringen im späteren Alter durch Theodor Victor van Berckel (1778)
Wappen K. A. v. Lothringen am Schloss Heuchlingen

Prinz Karl Alexander von Lothringen und Bar (* 12. Dezember 1712 in Lunéville; † 4. Juli 1780 in Tervuren) war Hochmeister des Deutschen Ordens, österreichischer Feldmarschall, Gouverneur und Generalkapitän der Niederlande.

Leben

Prinz Karl Alexander von Lothringen, genannt Karl, war der Sohn des Herzogs Leopold und der Elisabeth Charlotte von Orléans. Seine Mutter war die Tochter von Herzog Philipp I. von Orléans und seiner Gemahlin Elisabeth Charlotte von der Pfalz. Sein älterer Bruder war Kaiser Franz I. Stephan.

Seit seinem vierten Lebensjahr bereits Inhaber eines kaiserlichen Infanterieregimentes, verblieb der in Ingenieurskunst, Fremdsprachen, Leibesübungen und Staatswissenschaften ausgebildete Prinz, der am 5. April 1729 in den Orden vom Goldenen Vlies aufgenommen worden war, bis 1736 in seiner Heimat. Als sein Bruder Franz Stephan 1736 Maria Theresia heiratete, folgte er diesem nach Wien. Im Türkenkrieg, 1737 bis 1739, war er Generalwachtmeister und wurde am 22. November 1740 zum österreichischen Feldmarschall ernannt, als welcher er in den folgenden Jahren stets im Einsatz war.

Mit päpstlicher Dispens vom kanonischen Hindernis der Verwandtschaft dritten Grades heiratete er am 7. Januar 1744 in der Wiener Augustinerkirche Erzherzogin Maria Anna von Österreich. Bereits am 26. März 1744 zog er in Brüssel als Generalgouverneur der österreichischen Niederlande ein, wo seine Frau bereits am 16. Dezember 1744 verstarb.

Nach dem Breslauer Frieden focht er mit Glück gegen die Bayern und Franzosen, ging 1744 über den Rhein und bemächtigte sich eines großen Teils des Elsass, bis ihn die zweite Kriegserklärung Preußens nach Böhmen rief. Er vertrieb, von Feldmarschall Otto Ferdinand von Abensperg und Traun als Adlatus beraten, 1744 Friedrich II. aus Böhmen, wurde indes am 4. Juni 1745 bei Hohenfriedberg und im September bei Soor geschlagen.

Von 1747 bis 1749 mit der Reform der österreichischen Armee befasst, kehrte er im April 1749 nach Brüssel zurück.

Im Verlauf des Siebenjährigen Krieges kämpfte er erneut gegen Friedrich II. und verlor 1757 die Schlacht bei Leuthen, was seine Abberufung vom Oberkommando der österreichischen Armee zur Folge hatte. Versüßt wurde ihm dies jedoch durch die Verleihung des Großkreuz des Militär-Maria-Theresia-Ordens.

Wiederum in Brüssel, lenkte er mit Feingefühl die Brabantischen Stände. Als Generalgouverneur brachte er Wohlstand ins Land, baute die Industrie aus und förderte Künste und Handel. Als der Hochmeister des Deutschen Ordens Clemens August von Bayern 1761 verstarb, war er der einzige Hochmeisterkandidat mit Chancen, wozu auch noch Rückendeckung aus Wien kam. So wurde er am 3. Mai 1761 einstimmig zum Hochmeister gewählt. Da er noch nicht dem Orden angehörte, wurde er vom Probejahr dispensiert, zum Ritter geschlagen und am folgenden Tag in der Mergentheimer Schlosskirche inthronisiert. Seine übrigen Orden musste er nun, wie es die Ordensregel verlangte, zurückgeben.

Um die Angelegenheiten des Ordens, besonders die Sanierung der Ordensfinanzen, kümmerte er sich persönlich und berief dazu wöchentlich die Geheime Konferenz ein. Auf dem Grosskapitel von 1769 ließ er seinen Neffen Maximilian Franz von Österreich zum Koadjutor wählen und erteilte ihm am 9. Juli 1770 in der Wiener Augustinerkirche den Ritterschlag. Der sparsame Fürst setzte seinen Nachfolger testamentarisch zum Alleinerben ein und hinterließ ihm 580.000 Gulden.

Das Amt des Hochmeisters war für den Lebenskünstler und erlesenen Kunstkenner keineswegs ein Hauptanliegen, sondern eine ihm, mit Wiener Hilfe, zusätzlich verschaffte Versorgung als Reichsfürst mit Einflussmöglichkeiten. Seine Politik war voll in die Intentionen des Erzhauses eingebunden und diente gleichzeitig den Stabilisierungsmaßnahmen und Rekuperationsbemühungen des Ordens als Adelskorporation und mindermächtigen Reichs- und Kreisstandes. Während seiner Amtszeit besuchte er lediglich 1761, 1764 und 1765 die Ordenszentrale, so dass er die Amtsgeschäfte stets aus Brüssel führte. Er war sich seiner Verpflichtungen gegenüber dem Orden durchaus bewusst, galt als streng und auch versöhnlich.

Sein Grab befindet sich in Brüssel.

Literatur

Vorgänger Amt Nachfolger
Friedrich August Graf von Harrach-Rohrau Statthalter der habsburgischen Niederlande
1744–1780
Marie Christine von Österreich und Albert von Sachsen-Teschen
Clemens August von Bayern Hochmeister des Deutschen Ordens
1761–1780
Maximilian Franz von Österreich

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