Lübecker Gänge und Höfe

Lübecker Gänge und Höfe
Maria Slavona: Lübecker Gang

Die Gänge und Höfe in Lübeck (besonders dicht erhalten rund um den Lübecker Dom, aber auch sonst im Gebiet der Innenstadt, mit Ausnahme der kriegszerstörten Bereiche) sind ein Überrest aus dem mittelalterlichen Städtebau. Sie beruhen häufig auf Stiftungen wohlhabender Lübecker Bürger. Hinter den giebelseitigen Straßenhäusern wurden damals die so genannten „Buden“ errichtet, meist zweistöckige Gebäude mit einem Grundriss mit wenig mehr als einem Zimmer. Die Buden waren die Wohnräume der Beschäftigten des Gewerbes, das im Straßenhaus ausgeübt wurde.

Die Gänge und Höfe sind meist durch einen Durchgang im Straßenhaus zu erreichen, der einer Legende nach lediglich die Grundvoraussetzung erfüllen musste, dass ein Sarg hindurchgetragen werden konnte. Aber das sei, wie bei faz.net[1] zu lesen, nirgends verbrieft und wohl eher eine Anekdote der lübeckschen Fremdenführer. Gänge sind lediglich schmale Durchgänge, die heutzutage nur noch gelegentlich die andere Straßenseite des Quartiers erreichen, Höfe weiten sich dagegen meist um einen zentralen Platz, der heutzutage einen Baum, ein Spielgerät oder gelegentlich eine Laube enthält.

Die meisten der Gänge und Höfe in Lübeck sind frei zugänglich, manche sind in den Nachtstunden mit einem Tor oder einer Tür verschlossen.

Gang oder Hof Adresse Vorderhaus (Zugang) Zugänglichkeit Lage Anmerkung Abbildung
Adlergang Große Gröpelgrube 45 nachts geschlossen Lage53.87154510.692574 Verbindung zu Nagels Gang und Vereinigungsgang
Albrechts Gang Dr.-Julius-Leber-Straße geschlossen
Alter Posthof St.-Annen-Straße 14
Bäcker Gang Engelsgrube 43 Verbindung zu Lüngreens Gang
Bäcker-Gang Glockengießerstraße nachts geschlossen
Balhorns Gang Hundestraße
Behrends Hof Stavenstraße Verbindung zur Vereinsstraße
Blohms Gang An der ObertraveEffengrube
Brandes Hof Mühlenstraße 79
Brandweinbrenner Gang Engelsgrube
Carstens Hof Aegidienstraße 25 HL Damals – Carstens Hof.jpg
Dornes Hof Schlumacherstraße 15-23 ältester Stiftshof Lübecks
Dreitonnengang Marlesgrube HL Damals – Dreitonnengang.jpg
Dunkelgrüner Gang Engelswisch 20 endet im Hellgrünen Gang HL Damals – DG Gang.jpg
Durchgang Marlesgrube 56 ↔ Depenau 45
Durchgang Wahmstraße 46 ↔ Aegidienstraße 47 Lage53.86465210.6883 HL Damals – Durchgang.jpg
Füchtingshof Glockengießerstraße 25 Das Innere des Füchtingshofs diente Friedrich Wilhelm Murnau für seinen Film Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens bei seinen Lübecker Außenaufnahmen in zwei Szenen als Kulisse. Füchtingshof.jpg
Fünfbudengang Kleine Gröpelgrube
Garbereiter Gang Engelsgrube
Gemeinschaftsgang Große Gröpelgrube geschlossen, privat
Gemeinschaftsgang Große Gröpelgrube 37 nachts geschlossen
Hellgrüner Gang Engelswisch 28 endet im Dunkelgrünen Gang Germany Luebeck Hellgrüner Gang.jpg
Hertzigs Gang Marlesgrube 17 HL Damals – Hertzigs Gang.jpg
Glandorps Hof Glockengießerstraße 45-53 offen HL Damals – Glandorps Hof.jpg
Glockengiesser Hof Engelsgrube
Graths Gang Glockengießerstraße geschlossen
Grüner Gang Fischergrube 44
Grützmacher Hof Effengrube 14 Lage53.86131910.682887 Verbindung zu Krusses Hof
Haasen-Hof Dr.-Julius-Leber-Straße 37/39 HL – Hasen Hof 1910.jpg
Haudels Gang Schlumacherstraße
Heynaths Gang Hartengrube 44 Verb. zu Kalands Gang (Hartengrube)
Höveln-Gang Hundestraße 55
Ilhornstift Glockengießerstraße 39
Im Reinfeld An der Obertrave
Kalands Gang Hartengrube 38 Verb. zu Heynaths Gang und Rosenhof
Kalands Gang Hundestraße 31
Käselaus Gang Große Burgstraße HL Damals – Käselausgang.jpg
Kattundrucker-Gang Wakenitzmauer
Ketten-Gang Langer Lohberg
Kinderhüschengang Kleine Gröpelgrube 26
Kindts Gang Hüxstraße
Kreuzgang Große Kiesau 5 HL Damals – Kreuzgang.jpg
Krusenhof Engelsgrube 26 HL Damals – Krusen-Hof.jpg
Krusses Hof Hartengrube (14?) Lage53.86163810.682701 Verbindung zu Grützmacher Hof
Küter-Gang An der Mauer
Lödings Hof Glockengießerstraße
Lüngreens Gang Fischergrube 38 Verbindung zu Bäcker Gang
Medings Gang Große Gröpelgrube offen
Mertens Gang Tünkenhagen
Nagels Gang Wakenitzmauer nachts geschlossen Verbindung zu Adlergang und Vereinigungsgang
Nagelschmieds-Gang Dankwartsgrube 31
Nagelshof Dankwartsgrube
Nöltings Gang Glockengießerstraße offen
Qualmanns Gang Engelsgrube 32
Rademacher Gang Hartengrube 19 Verbindung zu Grützmacher Hof HL Damals – Rademachergang.jpg
Römisches Reich Mühlenstraße
Römisches Reich Mühlenstraße
Roepers Gang Rosenstraße 18 HL Damals – Röpers Gang.jpg
Rosengang Rosenstraße 17 offen HL Damals – Rosengang.jpg
Rosenhof An der Obertrave 29 Verb. zu Kalands Gang (Hartengrube)
Scheune Hof An der Mauer
Schiffer Hof Engelsgrube 11-17 Die Statue war eine Karikatur Bismarcks HL Damals – Schifferhof.jpg
Schillings Hof Hundestraße
Schlachter Gang Engelsgrube
Schmütz' Gang Glockengießerstraße
Schornsteinfegergang Hundestraße
Schwans Hof Hartengrube 20 ältester Wohngang Lübecks, errichtet 1296 von Johannes von Swane
Schwolls Thorweg Glockengießerstraße offen
Sievers Thorweg Engelsgrube 31
Spinnrademacher Gang Engelsgrube 21 WP Spinnrademacher Gang.jpg
Spönkenhof Langer Lohberg offen
St.-Jürgen-Gang Kleine Petersgrube 4
Stietens Gang Hartengrube 14 Standort des Stiten-Armenhauses Stiten-Gang.JPG
Tanks Gang Stavenstraße 41
Thorweg Dankwartsgrube 70
v. Dornes Hof Schlumacherstraße 15-23 HL Damals – Dormes Hof.jpg
Von-Höveln-Gang Hundestraße 57
Von-Höveln-Gang Wahmstraße 73-77
Vereinigungsgang Hundestraße
Vereinigungsgang Rosenstraße 25 nachts geschlossen Verbindung zu Adlergang und Nagels Gang VereinigungsgangHL.JPG
Vereinsstraße Krähenstraße 24 Verbindung zu Behrends Gang WP Vereinsstraße.jpg
Warnckes Gang Glockengießerstraße geschlossen
Weintraubengang Hundestraße
Wohngänge An der Obertrave
Wohngänge Große Kiesau
Wulffs Gang Stavenstraße
Zerrahns Gang Engelsgrube 73 HL Damals – Zerrahns Gang.jpg
Zobels Gang Schlumacherstraße
Zobels Hof Schlumacherstraße
Zöllners Hof Depenau 10 Lage53.8647510.68275 Zoellners Gang.JPG

Literatur

  • Rainer Andresen: Wohngänge und Stiftshöfe. Krummesse 1987. (de/sv/en/fr)
  • Rainer Andresen: Geschichte der Wohngänge. 4 Bände, Lübeck 1981-85.
  • Michael Scheftel: Gänge, Buden und Wohnkeller in Lübeck. Neumünster 1988, ISBN 3-529-01322-6.
  • 'Von Lübecks Türmen; Lübeck, den 28. März 1908, Serie: Gänge und Höfe
  • 'Von Lübecks Türmen; Lübeck, den 13. Juni 1908, Serie: Gänge und Höfe

Einzelnachweise

  1. Jörg Niendorf: Ortsmarke (8): Lübecker Gänge Im Schatten der Fassaden. In: FAZ.NET. 30. August 2010. (Abgerufen am 2. September 2010)

Weblinks

 Commons: Lübecker Gänge und Höfe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужна курсовая?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Freie und Hansestadt Lübeck — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Kulturdenkmale der Lübecker Altstadt —  Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google oder …   Deutsch Wikipedia

  • Freie Stadt Lübeck — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Hansestadt Lübeck — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Lübeck — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Städtebaugeschichte in Lübeck seit 1864 — Vorlage:Großes Bild/Wartung/Breite mit Einheit Lübeck Überblick vom Turm von St. Petri Die städtebauliche Entwicklung Lübecks seit 1864 verlief rasant. In jeweils wenigen Jahren hat sich Stadt stärker als zuvor in Jahrhunderten verändert.… …   Deutsch Wikipedia

  • Doktor-Julius-Leber-Straße — Die Löwenapotheke, ältester Profanbau Lübecks Ehemaliges Gewerkschaftshaus …   Deutsch Wikipedia

  • Füchting — Johann Füchting Johann Füchting (* 16. Juni 1571 in Rietberg; † 24. Mai 1637 in Lübeck) war ein Lübecker Kaufmann, Ratsherr und Mäzen. Inhaltsverzeichnis 1 Leben …   Deutsch Wikipedia

  • Johann Glandorp (1556-1612) — Johann Glandorp (* etwa am 21. August 1555 in Münster (Westfalen); † 23. September 1612 in Lübeck) war ein Kaufmann, Mäzen und Ratsherr der Hansestadt Lübeck. Leben Johann Glandorp war Mitglied der Schonenfahrer und stand darüber hinaus der… …   Deutsch Wikipedia

  • Hanseat — Christian Adolph Overbeck (1755–1821), Bürgermeister Lübecks, Dichter und Aufklärer, „Beispiel für den verantwortungsbewussten Musterbürger […], dem der ‚hanseatische‘ Mythos so vieles verdankt.“[1] …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”