Morsan

Morsan
Morsan
Morsan (Frankreich)
Morsan
Region Haute-Normandie
Département Eure
Arrondissement Bernay
Kanton Brionne
Gemeindeverband Communauté de communes rurales du canton de Brionne.
Koordinaten 49° 11′ N, 0° 36′ O49.1819444444440.59416666666667165Koordinaten: 49° 11′ N, 0° 36′ O
Höhe 165 m (155–175 m)
Fläche 4,83 km²
Einwohner 119 (1. Jan. 2008)
Bevölkerungsdichte 25 Einw./km²
Postleitzahl 27800
INSEE-Code

Mairie (Bürgermeisterei)

Morsan ist eine französische Gemeinde mit 119 Einwohnern (Stand 1. Januar 2008) im Département Eure in der Region Haute-Normandie. Sie gehört zum Kommunalverband Communauté de communes rurales du canton de Brionne.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Cassinikarte

Morsan liegt 10 Kilometer nördlich von Bernay, 10 Kilometer westlich von Brionne, zwischen den Nachbargemeinden Giverville im Nordwesten, Boissy-Lamberville im Süden und Notre-Dame-d’Épine im Nordosten.[1] am Ostrand des Lieuvin.

Morsan ist eine der Gemeinden in Eure in denen die Gefahr sich plötzlich bildender metertiefer Löcher besteht. Die sogenannten Marnières sind alte Mergelgruben, die sich zum Beispiel nach starkem Regen öffnen können, wenn die Schuttfüllung in die Seitengänge geschwemmt wird. Diese Löcher haben meist einen Durchmesser von 1,5 bis 2 Metern. Im ganzen Département Eure gibt es etwa 16.000 dieser Mergelgruben.[2]

Morsan ist einer Klimazone des Typs Cfb (nach Köppen und Geiger) zugeordnet: Warmgemäßigtes Regenklima (C), vollfeucht (f), wärmster Monat unter 22 °C, mindestens vier Monate über 10 °C (a). Es herrscht Seeklima mit gemäßigtem Sommer.[1]

Geschichte

Alte Schreibweisen für Morsan waren Morçan (s. Cassinikarte), Morchent (1050-1066), Murcench (11. Jahrhundert), Morceng (13. Jahrhundert), Morsent oder Morseng. Der Ortsname wurde aus den lateinischen Worten muro cinctus abgeleitet, die „Mauergürtel“ bedeuten.[3] Es gehörte der Abtei Le Bec bis Jean de Morsent sich 1276 weigerte weiterhin den Zehnten zu zahlen, da er das Geld für seine Gefolgsleute in Zeiten des Krieges brauche.[4]

Morsan war Stammhaus des Zweiges Morsan der Familie Le Sens (auch Lesens oder de Sens). Chevalier Philémon Le Sens, war der erste Baron von Morsan. Er gehörte zum Hofstaat (Maison du Roi) von Heinrich IV. von Frankreich und war Gouverneur von Bernay.[5] Er ließ ein Jagdschloss in Morsan bauen. Zur Zeit von Abdon-Thomas-François Le Sens (1724-1800), der Knappe von Ludwig XV. gewesen war bevor er Marquis von Morsan wurde,[5] wurde das Jagdschloss von Ange-Jacques Gabriel (1698–1782) neu gestaltet.[6] Das Jagdschloss befindet sich heute im Privatbesitz.[7][8]

1793 erhielt Morsan im Zuge der Französischen Revolution (1789-1799) den Status einer Gemeinde und 1801 durch die Verwaltungsreform unter Napoleon Bonaparte (1769-1821) das Recht auf kommunale Selbstverwaltung.[9]

Abdon-Thomas Le Sens, Marquis de Morsan, wurde 1793 verhaftet und in Bernay eingesperrt. Es gelang ihm später seine geplünderten Ländereien wiederzubekommen. Er verstarb in Paris im Jahre 1800. Sein Enkel Joseph-Philemon wohnte in Morsan im teilweise restaurierten Schloss ab 1845. 1871, während des Deutsch-Französischen Kriegs, wurde es von der preußischen Armee erneut geplündert. Sein Sohn Florian-Gaston war der letzte Marquis de Morsan, er verstarb 1929.[10]

Kirche de la sainte Trinité
Bevölkerungsentwicklung
(Quelle: [9])
1793 1806 1856 1881 1926 1936 1975 1982 1990 1999 2006
423 478 321 222 125 111 130 93 70 92 106


Von 1806 bis 1936 ist die Bevölkerungszahl beständig gesunken. Am wenigsten Einwohner hatte Morsan 1990 (70).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Kirche de la sainte Trinité (heilige Dreifaltigkeit) stammt aus dem 13. Jahrhundert, aus jener Zeit ist nur das Kirchenschiff erhalten geblieben. Im 17. Jahrhundert wurden größere Fenster eingesetzt. Der Chor stammt aus dem Ende des 17. Jahrhunderts.[11] In der Kirche befinden sich mehrere Objekte, die als Monument historique (historisches Denkmal) klassifiziert sind: ein großer Altaraufsatz aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit korinthischen Säulen, der ein Tabernakel enthält. Rechts steht in einer Nische eine Skulpturengruppe aus Holz, die unter anderem den Erzengel Gabriel zeigt. Links steht eine Holzstatue, die Germanus von Auxerre darstellt. In der Mitte befindet sich ein Gemälde aus dem 19. Jahrhundert, das die Heilige Familie darstellt. Außerdem befinden sich dort fünf Betstühle aus dem 18. Jahrhundert im Stil Louis-seize und ein Adlerpult aus dem Ende des 17. Jahrhunderts im Stil des Louis-quatorze.[12]

Wirtschaft

Blick von Osten über Äcker auf Morsan

Wichtige Erwerbszweige der Morsanais sind Ackerbau und Viehzucht. Es werden vor allem Getreide, Futterrüben und Äpfel angebaut und Hausrinder gezüchtet.[13]

Weblinks

 Commons: Morsan – Sammlung von Bildern

Quellenangaben

  1. a b Morsan auf annuaire-mairie.fr (französisch)
  2. Liste der Gemeinden von Eure. In: eure.pref.gouv.fr. Préfecture von Eure, abgerufen am 14. August 2011 (französisch).
  3. Ernest Nègre: Toponymie générale de la France. 1, Librairie Droz, 1990, ISBN 9782600028844, S. 393 (in Google Books, abgerufen am 11. Februar 2010). (französisch)
  4. Auguste Le Prévost, Léopold Delisle, Louis Paulin Passy, Andrew Dickson White: Mémoires et notes de M. Auguste Le Prevost pour servir à l'histoire du département de l'Eure. Société d'agriculture des belles-lettres, sciences et arts de L'Eure, Evreux 1864, S. 425 (in Google books). (französisch)
  5. a b Edouard de Magny: Nobiliaire de Normandie. 2, Paris 1863, S. 475f (text auf Gallica). (französisch)
  6. Bruno Brismontier: Brionne, une douce folie normande. Normandy, an original Splendor. In: Dominique Guiou (Hrsg.): Propriétés de France. Nr. 114, Le Figaro, September 2008, S. 32f. (englisch/französisch)
  7. Judith Miller: The Style Sourcebook: The Definitive Illustrated Directory of Fabrics, Wallpapers, Paints, Flooring, Tiles. Firefly Books, 2003, ISBN 9781552977910, S. 19. (englisch)
  8. Phillipe Seulliet: Vie de Château. Les Liaisons Dangereuses de l’amour à la folie. In: Maisons Normandes. Nr. 37, Oktober 1996, S. 20-31. (französisch)
  9. a b Morsan auf Cassini.ehess.fr (französisch)
  10. Franck Beaumont, Philippe Seydoux: Gentilhommières des pays de l'Eure. Editions de la Morande, Paris 1999, ISBN 978-2902091317, S. 297-299. (französisch)
  11. Morsan, CdCr Kanton Brionne (französisch) Abgerufen am 14. August 2011
  12. Morsan in der base Palissy (französisch) Abgerufen am 11. Februar 2010
  13. http://www.quid.fr/communes.html?mode=detail&id=15922&req=27&style=fiche Morsan auf quid.fr (französisch), seit dem 25. März 2010 nicht mehr abrufbar.



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